Der Ruf der Wüste

Aufbruch im Morgengrauen mit dem Mond am Himmel: Über Staubstraßen und Geröllpisten überqueren wir zum zweiten Mal das marokkanische Atlas-Gebirge. Fotos: Mazda

Mobile Faszination Juli 2024

Der Ruf der Wüste

Mit einem Trip über das marokkanische Atlas-Gebirge zeigt Mazda, was der CX-60 jenseits von Teerstraßen so alles draufhat

In diesem Teil der Welt sind auch die Herausforderungen für Autofahrer ganz anders. Rechts ein mehrere hundert Meter tiefer Abgrund, links Radlager und Bagger, die aus dem harten Gestein hier auf fast 3.000 Metern Höhe eine zweite Spur herausschürfen. Und dann taucht auch noch eine Eselskarawane auf. Ganz ruhig. Runter vom Gas. Seitenspiegel einklappen. Zentimeterweise zirkeln wir uns an den nervösen Tieren vorbei. Schließlich wollen wir keinen Tritt ins Blech riskieren. Überholvorgang auf marokkanisch. Wir befinden uns im Hohen Atlas, unter uns Sand, Stein und Geröll - nichts, das an eine normale Straße erinnert. Und genau darum geht es Mazda bei diesem Trip. Die Japaner wollen beweisen, dass der neue CX60, der im Grund genommen ein klassisches Familien-SUV ist, auch härteren Herausforderungen Stand hält. Unser „Epic Drive“ führt durch eine wahrhaft epische Landschaft. Von Marrakesch, der alten Hauptstadt Marokkos, sehen wir in der Ferne einen majestätischen Gebirgszug, dessen Namen ebenfalls episch ist. Der bis zu 4.167 Meter Hohe Atlas. Wir werden ihn zwei Mal überqueren. Unser Weggefährte ist ein ganz normaler Mazda CX-60. Noch nicht mal bei den Reifen haben sie getrickst. Das SUV steht auf handelsüblichen Straßen-Pneus. Ganz schön mutig, denn einige Teile der Strecken verlaufen über Geröllhalden mit spitzen Steinen und Felsen. Aber dafür gibt es ja einen Ersatzreifen.

Der Tankinhalt macht uns ein wenig Sorgen: 58 Liter - da kommt man mit dem Zweitonner nicht weit und Tankstellen sind rar. Denken wird. Aber denkste! Am Ende des Trips haben wir knapp sieben Liter verbraucht. Macht theoretisch 800 Kilometer Reichweite. Ist ja auch ein Diesel! Ein Dieselmotor?

Richtig gelesen. Die Entwickler von Mazda sind bekannt für, dass sie ihre eigenen Wege gehen. Und deshalb haben sie für den CX-60 auch einen ganz neuen 3,3 Liter großen Reihensechszylinder entwickelt, den es wahlweise mit 200 oder 245 PS gibt. Letzteren hat man uns anvertraut. Kernig klingt der Selbstzünder, knackig schaltet das Automatik-Getriebe.

Raus aus Marrakesch, rein ins Gebirge: Die 254 Pferdestärken mit einem Drehmoment von 550 Nm sind nicht übertrieben. Gerade auf Landstraßen, wenn wir heillos überladene Transporter überholen. Je höher wir kommen, desto weniger Verkehr. Weitgehend über Teerstraßen schrauben wir uns auf den Tizi n'Test, einen Pass, der auf 2.100 Metern Höhe liegt. Gestärkt mit einem kräftigen marokkanischen Minztee geht es weiter in die Ebene, dort, wo die Sahara beginnt. Staub wirbeln wir genug auf, und auch die Klimaanlage hat jetzt bei 34 Grad einiges zu tun. Die Fahrt ist trotzdem entspannt, der CX-60 bleibt auch unter diesen Konditionen ein komfortables Auto. Was auch am Fahrwerk liegt. Federn und Dämpfer bügeln mittelgroße Schlaglöcher und Bodenwellen weg und auch auf den Geröllstraßen gleitet das SUV sanft dahin. Die Karosserie kommt kaum ins Schaukeln, Querrillen in den kurvigen Staupisten spürt man schon - so richtig durchgerüttelt werden wir jedoch nicht.

Nach zehnstündiger-Fahrt und einem Stopover in der Nähe der Stadt Quarzazate treten wir die Rückreise an. Die überwältigende Landschaft dort hat eigentlich schon fast jeder einmal gesehen. Und das ganz ohne nach Marokko reisen zu müssen. Denn dort wurden Teile von „Game of Thrones“, „Gladiator“ und „Der Prinz von Persien“ gedreht. Über das weltberühmte Dades-Tal mit seinen mäandernden Grünzügen schrauben wir uns auf der „Straße der 1000 Kasbahs“ wieder auf einen Pass, und noch einen Pass und noch einen Pass. Hier wartet eine gigantische Geröllwüste auf uns. In einschlägigen Reiseführern wird sowas ja meistens gerne als „Playground oft the Giants“ bezeichnet. Und es sieht auch so aus. Gut, dass das Auge sich auf der anderen Seite des Atlas in der unendlichen Ebene wieder erholen kann. Und das Feierabend-Bier im Hotel wartet auch schon. 1.250 Kilometer über Geröll, Staub und Sand haben wir nach zwei Tagen auf dem Buckel. Und spüren in Selbigen keinen Schmerz. Denn auch das Gestühl hat den Härtetest bestanden.

Rudolf Bögel

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 22.07.2024

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