
Gerade in unsicheren Zeiten, in denen Elektroautos auf Grad dem Vormarsch, aber Ladestationen noch Mangelware sind, in denen die Automobilindustrie stetig tiefer in die selbstgemachte Krise rutscht, sind alte Werte ein sicherer Anker. Ein Automobil gilt ab dem 30. Geburtstag offiziell als Oldtimer, aber längst sind auch die sogenannten Youngtimer bei Sammlerinnen und Sammlern auf dem Vormarsch, dabei gilt ein Alter von 15 bis 20 Jahren als Definitionskriterium.
Hier muss man sich noch keine Sorgen um bevormundende Assistenzsysteme oder fehlerhafte Software-Updates machen. Und auch die Tatsache, dass hier meist noch die Konstrukteure und nicht die Buchhalter weitreichende Entscheidungen für neue Modelle trafen, vermittelt ein beruhigendes Gefühl.
Oft dominieren aber schlicht emotionale Beweggründe für den Kauf eines Oldtimers. Wer seit Kindestagen in einen Alfa Romeo Giulia aus dem Jahr 1962 verliebt ist, den stören technische Unzulänglichkeiten und Rostanfälligkeit vielleicht weniger, weil die Formgebung des Autos nach wie vor verzaubern kann.
Es geht um Gefühle, Gerüche, Geräusche und manchmal irrationale Entscheidungen, die vor allen von Männern gefällt werden. Laut einer Umfrage von Classic Trader, einer Online-Plattform für Old- und Youngtimer, sind 96 Prozent der Käufer von klassischen Autos Männer, der größte Anteil davon (fast 35 Prozent) befindet sich in der Altersgruppe von 41 bis 50 Jahren.
Klaas Tigchelaar
Erschienen im Tagesspiegel am 12.12.2024