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DER BUNGALOW IST ZURÜCK

LUDWIG ERHARD GAB DEN KANZLER BUNGALOW IN AUFTRAG.

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DER BUNGALOW IST ZURÜCK

EBENERDIGES BAUEN schließt die Lücke im Bedarf nach BARRIEREFREIEM WOHNRAUM

Aufgrund des demografischen Wandels ist der Bungalow heute gesucht wie nie zuvor. Ob freistehend oder als Reihenhaus, in kompakter Bauweise oder mit Innenhof (Atriumbungalow) ist dieser Bautyp explizit aufgrund der vorhandenen oder leicht umsetzbaren Barrierefreiheit wieder im Fokus, doch leider immer noch eine Rarität. Die gute Nachricht: Der Trend zeigt nach oben.

Noch bis vor Kurzem wurden Bungalows als architektonischer Irrtum der 1960er-Jahre angesehen und bisweilen abschätzig als Betongaragen bespöttelt. Deshalb verschwanden sie schon bald von den Reißbrettern der Architekten. Obgleich der Bautyp zu jener Zeit aus den USA zu uns gekommen war und hier sogleich seinen kurzen Höhepunkt erlebte, ist er allerdings mitnichten eine moderne Erfindung des Westens gewesen. Der Name, "Bungalow“ ist abgewandelt vom Wort „Bengalen“. In dieser Region Indiens hatten britische Kolonisten im 18. Jahrhundert ihre Häuser gerne den bengalischen Dorfhäusern - eingeschossig und mit breiter Veranda vor der Eingangsfront - nachempfunden.

Auf diesem Weg trat der Bautyp seine weltweite Verbreitung an, nicht zuletzt, weil Bungalows leichter und schneller, damit auch kostengünstiger zu errichten sind. Die Statik ist dabei in der Regel keine komplexe Aufgabe. Einziger Nachteil: Man benötigt ein großes Grundstück, da sich die gesamte Wohnfläche auf einer Ebene ausbreitet. Was also beim Bau eingespart wird, muss heute beim Baugrund zusätzlich investiert werden, wenn man auf den Garten nicht verzichten will.

Berühmtheiterlangteder Bautyp in Deutschland durch den Kanzlerbungalow in Bonn. Ludwig Erhard, damals noch Wirtschaftsminister, gab 1963 dieses Wohn- und Empfangsgebäude der deutschen Bundeskanzler dem renommierten Architekten Sep Ruf in Auftrag. Als Symbol weltoffener und moderner Gesinnung mit großen (Panzer-)Glasflächen ummantelt, steht die Stahlskelettkonstruktion mit Punktstützen und Flachdach seit 2001 unter Denkmalschutz. Nach Erhard wohnten beziehungsweise nutzten Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmid, Helmut Kohl und Gerhard Schröder diesen berühmt gewordenen Bungalow. Heute ist er eine Kulturstätte. Der Bekanntheitsgrad des Kanzlerbungalows prägte lange Zeit die Vorstellung von diesem Bautyp. Selbst heute noch findet man die irrtümliche Definition, ein Bungalow sei grundsätzlich flachgedeckt. 

Die Rückkehr des Bungalows besticht aber gerade durch eine Vielzahl von Formen, Grundrissvarianten und gestalterischen Möglichkeiten. Da gibt es für alle Lebenskonzepte entsprechende Formen, angefangen von raffiniert geschnittenen Raumstrukturen bis hin zum offenen Grundriss, in dem allenfalls noch die Schlafzimmer, Bäder und die WCs abgetrennt sind. Bei den Dachformen gibt es keine Beschränkungen, sodass die oft vorgeschriebene Anpassung an die umgebende Bebauung leicht zu lösen ist, wobei je nach Form offene Dachstühle interessante Innenraumgestaltungen erlauben. Dazu kommen die unterschiedlichsten Größen zwischen Tiny-House und opulenter Villa. Die Bandbreite an Fertigbaumodellen ist schier unüberschaubar in allen möglichen Preiskategorien. Die Rückkehr des Bungalows ist aber keine nostalgische, sondern eine mit in die Zukunft gerichteten Blick. 

Energieeffizienz steht ganz oben auf der Agenda, aber auch Naturverbundenheit mit der entsprechenden Umraumgestaltung, Dachbegrünung und gesunder Baubiologie. Letzteres unter Ablösung des tristen Betonbaus durch verputzte, farblich gestaltete oder holz- und natursteinverschalte Varianten, die sich harmonisch in die Landschaft fügen. Zunehmend verwandeln sich Bungalows auch in Smarthomes, wobei die übersichtliche Struktur der Installationen einen nachträglichen Einbau erleichtert. In der Modulbauweise zeigt der Bautyp ebenfalls seine Vorteile. Ein sukzessives Erweitern ist in der Regel leicht möglich. Deshalb eignet sich das Konzept der Bungalows ideal fürs modulare Bauen, das flexibel an den Geldbeutel und die Bedürfnisse der jeweiligen Lebensphase angepasst werden kann.                              REINHARD PALMER

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 09.06.2024

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