
Ob es um die Beisetzung eines geliebten Menschen geht oder die eigene Vorsorge geplant werden soll: Auf eine umweltverträgliche Bestattung vom Sarg bis zur Urne legen immer mehr Menschen Wert. Vor allem die Urnen junger Unternehmen wollen den Nachhaltigkeitsgedanken mit Ästhetik verbinden. Materialien wie Kohle, Keramik, Pilz oder Papier beinhalten Komponenten aus der Natur und kehren auch wieder in sie zurück. „Die Beschaffenheit eines Produkts sowie Lieferketten, Herstellungsverfahren und Produktionsort - all dies sind Aspekte, die für Menschen heute gleichermaßen im Leben wie im Tod wichtig sind“, sagt Carolin Oberheide vom Bundesverbands Bestattungsbedarf.
Was weniger bekannt sei: Bestattungshäuser können bestellen, was ihren Kunden gefällt, so Oberheide. Geschwungen, gedreht, kariert, strukturiert eine junge Manufaktur aus Darmstadt beispielsweise bringt die erstaunliche Formen hervor. Die Tonerde stamme aus dem Westerwald. „Der Nachhaltigkeits-Faktor Regionalität ist also gleich mitgedacht und eingebaut“, betont Carolin Oberheide. So gibt es mittlerweile auch Urnen aus Pilzen, die in einer Zuchtanlage innerhalb einer Woche aus heimischen Pilzarten und recycelten Hanffasern gezüchtet werden.
Aus den Wäldern in die Erde
Auf die Nähe zu Lieferanten setzen auch Leipziger Hersteller. Sie verflüssigen Buchenholzkohle aus bewirtschafteten Wäldern und bringen sie in Form, wodurch eine feste Oberfläche entsteht, die nicht mehr abfärbt. Um Rohstoffe zu sparen und die Erde zu schonen, wird die Holzkohle mit einem pflanzlichen, nachwachsenden Bindemittel vermengt.
Ebenfalls aus Holz, wahlweise aber auch aus Algen besteht das Papier der luftig-leichten Schmuck-Urnen von Gründerinnen aus Regensburg. „Jeder Mensch hinterlässt eine Geschichte. Eine persönlich gestaltete Urne kann dabei helfen, sie zu würdigen“, erklärt Carolin Oberheide. Während auf die Kohleurne regionale Trockenblumen oder Symbol-Plaketten appliziert werden können, bieten die Papierurnen Platz für Zeichnungen, Abschiedsworte, Steckblumen, Fingerabdrücke, beschriftete Zettelchen und viele andere Gestaltungsmöglichkeiten.
„Eine Urne ist mehr als nur ein Asche-Behältnis: Sie kann viel über eine verstorbene Person aussagen, ihre Eigenschaften und Vorlieben widerspiegeln oder liebevolle letzte Zeichen von Hinterbliebenen setzen“, sagt Carolin Oberheide. Material, Form und gegebenenfalls Dekoration einer Urne für einen verstorbenen Menschen auszuwählen und die Asche persönlich zu Grabe zu tragen, sei ein liebevoller letzter Akt.
Erschienen im Tagesspiegel am 05.06.2025