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Datenräume im Wandel

DAS DATENCENTER EQUINIX AM4 IN AMSTERDAM VISUALISIERT MIT SEINER AN EINE FESTPLATTE ERINNERNDEN ARCHITEKTUR DEN FLUSS DIGITALER DATEN.   FOTO: BENTHEM CROUWEL ARCHITECTS

Webimmobilien

Datenräume im Wandel

Wie Rechenzentren zur strategischen Infrastruktur und potenziellen neuen Assetklasse heranwachsen

Das Tempo der Digitalisierung beginnt die wirtschaftlichen Strukturen grundlegend zu transformieren. Mit dem Aufstieg datengetriebener Technologien entsteht eine neue Bauaufgabe, deren ökonomische wie ökologische Bedeutung eine weitere Immobilienkategorie ins Leben ruft: Rechenzentren. Sie speichern, verarbeiten und verteilen Datenströme, ohne die kein Cloud-Dienst, keine KI-Anwendung, kein 5G-Netz und kein vernetztes Objekt funktionieren würde. 

Unternehmen aus der Region

Was früher als technische Nebeninfrastruktur galt, wird nun zum Kristallisationspunkt einer neuen Entwicklung. Rechenzentren sind dabei, sich zu einer eigenständigen, strategisch bedeutsamen Assetklasse der Immobilienwirtschaft zu formieren. Mit dem exponentiellen Wachstum digitaler Daten steigt die Nachfrage nach Kapazitäten in beispielloser Geschwindigkeit. Für die Bauindustrie eröffnet das viele Chancen, aber auch eine neue Komplexität.

Potenzial für Rechenzentren ist enorm

Der Datacenter Impact Report Deutschland 2024, herausgegeben von der German Datacenter Association (GDA), prognostiziert bis 2029 Investitionen von über 24 Milliarden Euro in Colocation-Rechenzentren (von Unternehmen gemietet), ergänzt durch rund 4,2 Milliarden Euro an Bauvolumen internationaler Hyperscaler (Großanbieter von Cloud-Services wie Google). Vor allem die Knotenregion Frankfurt am Main, zunehmend aber auch Berlin-Brandenburg, Düsseldorf und Nürnberg entwickeln sich zu Hotspots dieser Bautätigkeit. 

AM RHEINUFER ENTSTEHT AUF RUND 73 HEKTAR DAS NEUE QUARTIER„FRANKFURT WESTSIDE“ - MIT ZWEI GEPLANTEN RECHENZENTREN, DEREN ABWÄRME KÜNFTIG AUCH DIE NACHBARSCHAFT VERSORGEN SOLL. VISUALISIERUNG: BLOOMIMAGES BERLIN GMBH
AM RHEINUFER ENTSTEHT AUF RUND 73 HEKTAR DAS NEUE QUARTIER„FRANKFURT WESTSIDE“ - MIT ZWEI GEPLANTEN RECHENZENTREN, DEREN ABWÄRME KÜNFTIG AUCH DIE NACHBARSCHAFT VERSORGEN SOLL. VISUALISIERUNG: BLOOMIMAGES BERLIN GMBH

Dabei geht es nicht nur um Flächen, sondern um Präzision im Quadratmillimeterbereich. Der Bau eines Rechenzentrums verlangt die Synchronisierung von IT-Architektur, Gebäudetechnik und Energieinfrastruktur auf höchstem Niveau. Standortwahl, Netzanschluss, Stromverfügbarkeit, Kühlung, Sicherheit - jedes Element ist systemrelevant. Um dies allumfassend zu planen, helfen digitale Werkzeuge wie Building Information Modelling (BIM).

Jener Planungsprozess dient ebenso dazu, technische Schnittstellen frühzeitig zu erkennen, Konflikte auf den Baustellen zu vermeiden und Qualität zu sichern. Ergänzend sorgen Lean-Methoden für Effizienz sowie Transparenz in Planung und Ausführung, aber auch für die Einhaltung ambitionierter Zeitpläne und komplexer Genehmigungsverfahren.

Energieversorgung als größte Herausforderung

Zugleich erhalten Energiefragen eine zunehmende Gewichtung. Rechenzentren benötigen eine stabile Stromversorgung, die unmittelbar über Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit entscheidet. Der derzeitige Verbrauch liegt weltweit bei rund drei Prozent des erzeugten Gesamtstroms - Tendenz steigend. Es braucht also effiziente Lösungen. Unternehmen wie Data4 oder Ramboll zeigen, wie der ökologische Fußabdruck durch Free-Cooling, Solartechnik, optimierte elektrische Architekturen und Recyclingstrategien reduziert werden kann. Dabei avancieren innovative Kühlsysteme zu zentralen Hebeln der Energieoptimierung. Die Nutzung der bei der Serverkühlung entstehenden Abwärme gewinnt dabei erheblich an Tragweite. Das Energieeffizienzgesetz (En EfG) schreibt ab Mitte 2026 verbindliche Effektivitätswerte und Vorgaben zur Abwärmenutzung vor. Mit dieser Regelung rückt das Rechenzentrum auch städtebaulich in ein neues Licht. Es wird potenziell zur Wärmequelle urbaner Quartiere.

Regulatorische Unsicherheiten beseitigen

Trotz technischer Fortschritte bleibt die Umsetzung anspruchsvoll. Nur ein Teil der entstehenden Wärme wird aktuell wirtschaftlich nutzbar gemacht. Fehlende Infrastrukturen, hohe Investitionskosten und regulatorische Unsicherheiten erschweren die Integration in kommunale Netze. Gleichwohl gilt, dass jede Rückgewinnung ein Schritt zu einer kohlenstoffärmeren Zukunft darstellt. Betreiber, Versorger und Städte müssen hier kooperativ denken - als Partner eines gemeinsamen Energieraums. Für die Bau- und Immobilienbranche entsteht daraus eine doppelte Aufgabe - Infrastruktur zu schaffen und zugleich Nachhaltigkeit zu sichern.


KELLY KELCH

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 08.12.2025

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