Die erste Skizze des amerikanischen Stararchitekt Frank Gehry aus wild geschwungenen Bögen lässt kaum ein Gebäude erahnen. Zusammen mit den ausgestellten Modellen werden die Umrisse des spektakulären Museumsbaus der Fondation Louis Vuitton aber deutlich. Der Entstehungsprozess des Museums ist selbst zum Gegenstand einer gut besuchten Ausstellung geworden.
„Ich träumte davon, ein grandioses Schiff zu bauen, das Frankreichs reiche Kultur symbolisiert“, sagte Stararchitekt Frank Gehry zur Eröffnung der Fondation Louis Vuitton im Oktober 2014. Als Leitbild galt ihm ein klassisches Segelschiff des America's Cup von 1911 mit zahlreichen vom Wind geblähten Segeln. Tatsächlich gleicht das Museum einem Glasschiff mit zwölf aufgespannten Segeln, die dem Gebäude eine wogende Dynamik verleihen. Durch die umgebende weitläufige Parklandschaft wird die Einzigartigkeit des Gebäudes hervorgehoben. Seit Gehrys Bau des 1997 eröffneten Guggenheim-Museums in Bilbao steht er wie kaum ein anderer Architekt für futuristische, dekonstruktivistische Museumsbauten.
Symbol für Leichtigkeit


Auftraggeber für das Privatmuseum im Bois de Bolognewar der französische Milliardär, Kunstsammler und Mehrheitseigner von Louis Vuitton und Moët, Hennesy (LVMH), Bernard Arnault. Mit dem Museum wurde ein moderner Treffpunkt für Design- und Architekturliebhaber in Paris geschaffen. Die ständige Sammlung besteht aus Werken der Privatsammlung Arnaults und der Fondation. Sie umfasst Meisterwerke moderner Kunst des 20. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Werken.
Die Planungs- und Bauzeit des aufwendigen Projektes umfasste rund 10 Jahre. Geschaffen wurden elf Galerien mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf insgesamt 3850 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Hinzu kommen noch ein Auditorium und weitere Nutzflächen. Alle Räume sind sehr großzügig dimensioniert. Im Erdgeschoss haben die Ausstellungsflächen eine durchschnittliche Deckenhöhe von 5,50 Metern. Die darüber liegenden Galerieräume haben durch die Konstruktion unterschiedliche Deckenhöhen, die von 6,40 Metern bis zu einer turmartigen Erhöhung von 17 Metern reichen. Darüber entstand eine begehbare, zum Teil begrünte Dachterrassenlandschaft, die den Besuchern weite Ausblicke auf den Bois de Bologne und Paris ermöglichen.
In dem gesamten Gebäude gibt es keinen rechten Winkel. Alle Wände und Decken sind schräg oder gebogen und scheinen in Bewegung zu sein. Für den Kern des Gebäudes, dem sogenannten „Eisberg“, in dem das Auditorium und Nutzräume untergebracht sind, wurden 24.000 Kubikmeter Stahlbeton verbaut. Umhüllt wird der Eisberg von zwölf gekrümmten gläsernen Segeln mit insgesamt 13.400 Quadratmetern Glasfläche. 19.000 Fassadenpaneele bilden die kontinuierlich fließenden Formen der Hülle. Die gekrümmten Fassadenelemente der komplexen, frei geformten Architektur stellte größte Anforderungen an Planung und Umsetzung des Projektes. Für die individuell geformten Bauteile und Glaselemente wurden neue Fertigungsverfahren und eine neue spezialisierte Software entwickelt. An die Glassegel wurden die Anforderungen nach Regendichtigkeit, Sonnenschutz, Bruchschutz gegenüber äußeren Einwirkungen sowie nach einer teiltransparenten, fließenden Außenwirkung gestellt. Die Glasflächen wurden auf die Unterkonstruktion aus Holz- und Stahlträgern nach einem bis ins Detail ausgearbeiteten Montageplan angebracht.
Um die Schnittstellen der spezialisierten Gewerke zu ermöglichen, wurde ein vollständiges 3D-Modell entwickelt. Damit arbeiteten 15 Teams mit insgesamt 400 Nutzern mit weiterer spezialisierter Software. Dadurch konnte die Entwicklung der Glaselemente der Segel und die Anschlüsse der Stahlböcke der Segelkonstruktion an den Massivbau aus Beton, den Eisberg, passgenau gelingen.
Mit dem Museumsbau wollte Gehry auch ein Symbol für die Flüchtigkeit in unserer konstant wechselnden, schnelllebigen Zeit schaffen. Dennoch ist das Gebäude auf eine Lebensdauer von hundert Jahren konzipiert, was bei geschätzten Baukosten von hundert bis zweihundert Millionen Euro gerechtfertigt erscheint.
Erschienen im Tagesspiegel am 02.08.2025