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„Bewegung spielt eine zentrale Rolle“

Bewegung tut gut, kann Krankheiten vorbeugen, die Genesung unterstützen und die Lebensqualität erhalten. Fotos: Adobe Stock

Weltkrebstag

„Bewegung spielt eine zentrale Rolle“

Regelmäßige körperliche Betätigung kann das Krebs-Risiko mindern und erleichtert die Rekonvaleszenz nach einer Erkrankung

Darüber, dass Bewegung förderlich für die Gesundheit ist, besteht längst Konsens in Medizin und Wissenschaft. Und wenn man ehrlich ist, weiß das eigentlich auch jeder Mensch. Nur das mit dem Handeln danach scheint ein ganz anderes Thema zu sein. Das ergeben entsprechende Untersuchungen immer wieder aufs Neue. So beziehen sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bezüglich der Relevanz ihres Step Up!“-Bewegungsprogramms auf aktuelle Zahlen von „Eurobarometer“, der Umfrage-Reihe der Europäischen Union. Demnach treiben 45 Prozent der befragten Personen überhaupt keinen Sport, und jeder Dritte bewegt sich nicht ausreichend. Und das hat Folgen: „Mehr als 10.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr könnten laut WHO vermieden werden, hielten sich die EU-Bürgerinnen und Bürger an ihre Empfehlungen für körperliche Aktivität. 150 bis 300 Minuten leichte, beziehungsweise 75 bis 150 Minuten intensive Aktivität pro Woche wären anzuraten. Wobei immer gilt: Wenig Bewegung ist besser als gar keine, und kleine Einheiten lassen sich ja ohne viel Aufwand auch in den Alltag integrieren: Treppen zu steigen, anstatt mit dem Aufzug zu fahren - oder auch mal eine Bushaltestelle früher auszusteigen zum Beispiel. Nicht nur EU-weit, sondern auch hierzulande sieht es nach einer AOK-Umfrage aus dem Jahr 2023 nicht gerade rosig mit dem Thema aus: „,54 Prozent der Menschen in Deutschland schaffen es nicht, das Mindestmaß an Bewegung der WHO zu erfüllen, lautet eines der Ergebnisse. Die beiden Hauptgründe dafür seien der Mangel an Zeit und die fehlende Motivation. Darüber hinaus äußerten 59 Prozent der Befragten die Angst im Laufe ihres Lebens aufgrund körperlicher Inaktivität zu erkranken“. Es sollte sich also etwas tun. Je früher man aktiver wird, desto besser. Aber auch nach und bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs, ist es möglich von der positiven Wirkung kontinuierlicher Bewegung zu profitieren.

Bewegung eignet sich zur Prävention und unterstützt die Heilung

Bewegung tut gut, kann Krankheiten vorbeugen, die Genesung unterstützen und die Lebensqualität erhalten. Fotos: Adobe Stock
Bewegung tut gut, kann Krankheiten vorbeugen, die Genesung unterstützen und die Lebensqualität erhalten. Fotos: Adobe Stock

Das unterstreicht auch Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft: Bewegung spielt eine zentrale Rolle sowohl in der Prävention als auch im Heilungsprozess von Krebserkrankungen. Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung das Risiko für verschiedene Krebsarten wie Gebärmutter-, Darm- und Brustkrebs signifikant senken kann. Weitere Studien deuten darauf hin, dass körperliche Aktivität möglicherweise das Erkrankungsrisiko auch für Speiseröhren-, Lungen-, Leber-, Nieren-, Magen-, Kopf/Hals-Tumoren, Blasenkrebs, Myeloische Leukämie und für das Myelom senken kann. Diese Erkenntnisse müssen jedoch noch durch weitere Studien belegt werden. Auch während und nach einer Krebserkrankung bietet Bewegung erhebliche Vorteile, sie kann helfen, die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten zu verbessern, Nebenwirkungen der Therapie zu lindern und die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Für Brustkrebspatientinnen und Brustkrebspatienten zeigen Studien, dass das Training von Gleichgewicht, Muskelkraft und Ausdauer chronische Erschöpfung (Fatigue) reduziert und die allgemeine Lebensqualität deutlich erhöhen kann. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass Yoga, Tai-Chi und Qigong auch depressive Symptome verringern können. Für Krebspatientinnen und Krebspatienten gilt: Es ist wichtig, möglichst früh nach der Diagnose aktiv zu werden, immer abgestimmt auf die eigene körperliche Verfassung und in enger Absprache mit den behandelnden Onkologinnen und Onkologen. Die Landeskrebsgesellschaften bieten unter anderem spezielle Bewegungsprogramme an, die den Bedürfnissen von Krebsbetroffenen gerecht werden.“ Das ist schon mal ein guter Anhaltspunkt für alle Betroffenen bei der Frage, wie man das nun alles am besten angehen könnte. Vielleicht hat man vor der Erkrankung tatsächlich gar keinen oder kaum Sport getrieben und möchte nach der Diagnose oder einer vielleicht großen Operation natürlich auch nichts falsch machen.

Proaktives Ansprechen der Möglichkeiten

Alles, was man dazu wissen möchte, sollte man möglichst frühzeitig erfragen, empfiehlt Prof. Dr. Karen Steindorf, Leiterin der Abteilung Bewegung, Präventionsforschung und Krebs. beim Deutschen Krebsforschungszentrum: „Ich rate Patientinnen und Patienten das Thema Bewegung und gezieltes Training von sich aus bei den onkologischen Beratungsgesprächen proaktiv und relativ bald nach der Diagnose anzusprechen. Im besten Fall ergeben sich daraus gezielte Hinweise zum Beispiel zu Trainingsmöglichkeiten, die diverse größere Zentren mittlerweile anbieten.“ Und sollte dies aus irgendwelchen Gründen auch mal nicht klappen: „Dann empfehle ich, sich selbst über Optionen zu informieren, so findet man im Internet überregionale Netzwerke, die Hinweise auf regionale Trainingsmöglichkeiten geben können. Das kann auch der Sportverein oder das Studio um die Ecke sein, falls das Personal eine hinreichende Qualifikation aufweisen kann.“ Auch Social Media kann beim Vernetzenmitunter hilfreich sein. So wurde bei der Nationalen Krebspräventionswoche von Deutscher Krebshilfe, Deutschem Krebsforschungszentrum und Deutscher Krebsgesellschaft im vergangenen September die Online-Kampagne #Mit MirGehen“ gelauncht. Das Hashtag bei Instagram“, “Facebook“, “X“ oder „LinkedIn“ soll es einfacher machen, sich gegenseitig zu motivieren und die Ergebnisse auf den Plattformen zu teilen.

Patienten machen gute Erfahrungen

Krebs soll gar nicht erst entstehen. Das ist, wie die ausrichtenden Institutionen der jährlichen Präventionswoche es selbst bezeichnen, ihre “Vision“. Mit der Bewegung als einer der wichtigsten Maßnahmen, da sie das Risiko für oft entstehende Krebsarten um 20 bis 30 Prozent reduzieren könne. Welchen Weg man auch immer wählt, um das Plus an sportlicher Aktivität anzugehen - es lohnt sich, wie Karen Steindorf ergänzt: „Patientinnen und Patienten berichten in der Regel schon nach wenigen Wochen von den positiven, für sie unmittelbar spürbaren Effekten. Dabei spielt die gesteigerte Selbstwirksamkeit eine Rolle, denn Betroffene wollen erfahrungsgemäß gerne auch selbst etwas zu ihrer Genesung beitragen. Dafür ist Bewegung sehr gut geeignet und sicherlich besser und auch billiger als so manch anderer Ansatz, dessen Wirksamkeit wissenschaftlichmöglicherweise nicht klar belegt ist.“ Die positive Auswirkung von Bewegung lässt sich im Übrigen offenbar auch bei Überlebenden einer Krebserkrankung im Kinderund Jugendalter feststellen. So berichtete die Deutsche Krebsgesellschaft Anfang letzten Jahres über die Erkenntnisse einer Studie, die in der Fachzeitschrift Cancer“ veröffentlicht wurden. Demnach lässt sich das Risiko für Spätfolgen wie psychische Symptome oder krankhafte Müdigkeit mindern, wenn sich die jungen Betroffenen regelmäßig intensiv körperlich betätigen.

Anrecht auf Rehabilitationssport - Angebote nutzen

Die Deutsche Krebshilfe hat eine umfassende und auf ihrer Internetpräsenz einfach herunterladbare Broschüre unter dem Titel „Bewegung und Sport - Antworten, Hilfen und Perspektiven“ zusammengestellt, und weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass alle Betroffenen der Krankheit ein Anrecht auf Rehabilitationssport haben. 18 Monate lang dauert die Unterstützung der Krankenkassen, um an einer Reha-Sportgruppe teilnehmen zu können. Konkret sind das 50 Übungsstunden zu jeweils mindestens 45 Minuten in einem Sportverein, der vom Landessportbund oder vom Behindertenverband zertifiziert ist.

Dass Bewegung gut tut, Krankheiten verhindern kann, die Genesung unterstützt und die Lebensqualität erhält, ist keine schlichte Binsenweisheit, sondern ein belegter und erlebter Fakt: „Machen Sie Bewegung zu einem festen Bestandteil Ihres Lebens - ob zur Vorbeugung, während oder nach der Behandlung oder um seiner selbst willen. Die positiven Effekte sind wissenschaftlich belegt und können sowohl das körperliche als auch das psychische Wohlbefinden nachhaltig stärken“, wie Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft mit Verve appelliert. 

Kai-Uwe Digel

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 04.02.2025

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