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Bauen mit Lehm

Im Fachwerk wird traditionell Lehm als Baustoff verwendet. Je nach Qualität können Lehmwände im Fachwerk Jahrhunderte überdauern. Foto: Pixabay

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Bauen mit Lehm

Zahlreiche Vorteile, aber höhere Kosten

Holz und Lehm zählen zu den ältesten Baumaterialien. Fachwerkhäuser wurden traditionell in Verbindung mit Stroh, Weidengeflecht und Holzstaken aus Lehm gebaut. In vielen afrikanischen Dörfern ist Lehm noch die erste Wahl als Baustoff. Auch der in Burkina Faso aufgewachsene, international bekannte Architekt, Francis Kéré, verwendet vor allem lokale Materialien wie Lehm oder Holz und vertraut auf traditionelle Handwerktechniken.

Nachdem im 19. Jahrhundert vermehrt Zement zum Einsatz kam, wurde Lehm weiter als Putz oder Estrich verwendet. Lehm schützt das Holz und verhindert die Entstehung von Schimmelpilz. Er kann zwar aufquellen, schwinden und ist anfällig bei langen Frostperioden, doch Bauten aus Lehm überdauern Jahrhunderte.

Lehm ist ein natürlicher, mineralischer Baustoff aus Sand, Schluff und Ton-Restprodukten verwitterten Gesteins, die sich im Boden ablagern. Materialien wie Stroh, Holz, Hanf, Schilf, Kalk oder andere mineralische sowie organische Baustoffe können hinzugefügt werden, um die Eigenschaften des Lehms weiter zu verbessern. Lehm kommt weltweit in ausreichender Menge vor und ist leicht abzubauen. Lange Transportwege mit entsprechender Umweltbelastung entfallen. Für seine Aufbereitung ist nur wenig Energie nötig. Heute kann auf industriell produzierte Lehmbaustoffe zurückgegriffen werden. Am Ende seiner Verwendungsdauer wird Lehm nicht zum umweltbelastenden Bauschutt und kann als Baustoff wiederverwendet werden. Dank seiner baubiologischen und positiven Umweltbilanz ist das Interesse an dem nachhaltigen Baumaterial heute gewachsen.

Lehm kann sowohl Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen als auch wieder abgeben. Durch die Feuchtigkeitsregulierung wird ein gesundes Raumklima unterstützt. Ebenso gut ist seine Speicherfähigkeit von Wärme. Im Winter bleiben Innenräume lange warm und im Sommer hat Lehm einen angenehm kühlenden Effekt. In Verbindung mit Stroh verfügt Lehm über einen hervorragenden Schallschutz und ist zudem schwer entflammbar.

Unternehmen aus der Region

 Als Dämmung von Wänden und Böden wird Lehm, mit Stroh oder Hanf vermengt, als Hohlraumdämmung zwischen Dämmplatte und Wand geschüttet oder Holzdämmplatten werden mit Lehm verputzt. Abhängig von der genauen Zusammensetzung kann Lehm als Putz und auch als Mörtel verwendet werden. Als Lehmfarbe wird feinkörniger, streichfähiger Putz bezeichnet, der in verschiedenen Farbtönen erhältlich ist. Lehmsteine werden aus einer Rohmasse geformt und an der Luftgetrocknet. Sie können im Trockenbau sowohl für Innen- als auch für Außenwände verwendet werden. Robuster als luftgetrocknete Lehmsteine sind bei 900-1000 Grad Celsius gebrannte Lehmziegel, die zur Errichtung tragfähiger Mauern geeignet sind.

Seit über 40 Jahren setzt das Familienunternehmen Kinskofer aus Parsberg auf die Verbindung von Holz und Lehm im Hausbau: „Wir verbinden das Wissen früherer Generationen mit der Technik von heute und achten dabei auf Themen wie Baubiologie, Ökologie und Wohnklima und vieles mehr“, sagt Geschäftsführer Herbert Kinskofer. Die Luftfeuchtigkeit in ihren Häusern liege dank der Bauweise aus Holz und Lehm konstant bei 35-45 Prozent. Durch die Luftfeuchte werden die Schleimhäute vor Austrocknung und der Gefahr von Erkältungskrankheiten geschützt. Auch das Starnberger Architekturbüro Dall'Armi setzt auf lasttragende Lehmsteine nach der neuen DIN-Norm18940 und hat in Wangen damit ein Doppelhaus realisiert. 

Beide Firmen bauen in Lehmbauweise KfW-Effizienzhäuser 40 Plus, die noch weniger Energie verbrauchen als für die Bezeichnung gesetzlich vorgesehen ist. Für den Bau mit Lehm sind in der Regel spezialisierte Handwerksbetriebe notwendig, was die Kosten um 15 bis 20 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Bauten erhöht. Die relativ hohe Luftfeuchtigkeit in den Räumen führe aber dazu, dass niedrigere Wohnraumtemperaturen wärmer empfunden werden und daher weniger geheizt werden müsse, erklärt Herbert Kinskofer. Neben der guten Energiebilanz von Holz-Lehmhäusern führe dies über die Jahre zu erheblichen Kosteneinsparungen.

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 07.07.2025

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