Höhlen ziehen den Menschen seit Urzeiten in ihren Bann. Allein in Bayern gibt es über 6000 solcher Hohlräume, die zum Teil weit in das Erdinnere hineinführen. Wo einst Urmenschen Schutz suchten und Speäologen (Höhlenforscher) wie Archäologen der Jetztzeit immer wieder Erstaunliches entdecken, kommen auch Hobby-Höhlenforscher auf ihre Kosten. Hier ein paar besonders schöne Beispiele aus der "Unterwelt“ quer durch ganz Bayern:
König-Otto-Tropfsteinhöhle (Oberpfalz)
Sie ist womöglich eine der schönsten unter den schönen. Die 450 Meter lange Kaverne, von der rund 270 Meter begehbar sind, liegt in der Oberpfalz (nur einige Kilometer von Neumarkt entfernt). Wirklich atemberaubend sind ihre gewaltigen wie bizarren Stalagmiten und Stalaktiten. All denjenigen, denen der Erdkunde-Unterricht als zu lange her erscheint: Stalaktiten sind Mineralablagerungen, die von der Decke wachsen oder hängen, Stalagmiten wiederum schrauben sich in der Superzeitlupe der Jahrtausende vom Boden nach oben. In der König-Otto-Höhle erscheinen sie fast wie Märchenfiguren, etwas bildliche Fantasie vorausgesetzt. Auch die sogenannte Schatzkammer mit ihrem wassergefüllten Sinterbecken ist ähnlich einmalig wie die offizielle Hauptattraktion namens Adventhalle. Besonders gut erkennbar sind die einstigen Wasserstandlinien. Die etwa acht Grad kühle Schauhöhle ist teilweise mit dem Rollstuhl erkundbar, für Kinder und Erwachsene komplett begehbar, auch Hunde sind erlaubt. Offen steht sie von 1. April bis zum 31. Oktober eines Jahres. Weitere Infos unter www.erlebniswelt-velburg.de
Schulerloch (Altmühltal)
Wo vor gut 60.000 Jahren schon Neandertaler Unterschlupf fanden, finden heute zahlreiche Events statt - Konzerte (die Akustik in der Höhle gilt als besonders gut), Seminare, Meditationen und Veranstaltungen für Kinder bis hin zu Videoprojektionen mit Dinosauriern. Ein weltweites Unikat in der 420 Meter langen Tropfsteinhöhle ist das große Wasserbecken, ein Becherstalagmit, der mitten im Höhlenraum steht. Allein dafür lohnt sich der 15-minütige Aufstieg zum Schulerloch, ausruhen lässt es sich übrigens im Terrassencafé nebst herrlichem Blick ins Altmühltal.
Aber auch sonst ist das bei Essing mitten in den Felszinnen des Altmühltals gelegene Schulerloch mit seinen bizarr-schönen Tropfsteinformationen einen Besuch wert. So ist etwa der an Blumenkohl erinnernde Tropfsteinschmuck an den Decken ein Höhepunkt natürlicher Höhlenkunst. Geöffnet ist die stets neun Grad kühle Höhle (warm anziehen!) von 1. April bis zum 8. November 2026. Dann wird sie aus Rücksicht auf ihre Hauptmieter, den "Vampiren der Nacht", kurz Fledermäuse, geschlossen. Mehr Informationen unter: www.schulerloch.de



Teufelshöhle (Fränkische Schweiz)
Keine Angst, auf den Teufel trifft man dort (vermutlich) nicht. Ihren Namen verdankt die immens große drei Kilometer lange Höhle im Landkreis Bayreuth bei Pottenstein seinem imposanten 25 Meter breiten und 14 Meter hohem Eingangsportal. Dieses erinnert in der Tat ein wenig an den sagenumwobenen Hades. Die 1922 entdeckte Teufelshöhle offenbart sich dem Besucher mit einer wahren Pracht an Tropfsteinen und besteht gleich aus mehreren gewaltigen Hallen.
Über zehn Meter hoch ist zum Beispiel das "Große Teufelsloch“. Noch höher, gut 18 Meter, ist der 45 Meter lange "Barbarossadom“, und beim "Riesensaal“ weiß man auch sofort, wieso er so heißt: Bei 13 Metern Höhe ist er gut 30 Meter lang. Im Barbarossadom verzaubern besonders schöne Kerzenstalagmiten, das Areal wird passenderweise Zaubergarten genannt.
Die Schauhöhle ist bestens ausgebaut, leicht begehbar und eignet sich für Jung und Alt gleichermaßen. Mitunter machen musikalische Untermalung und Lichtshows den Event richtig spektakulär. Sie öffnet ihre Teufelspforte ab 26. März täglich und schließt sie Anfang November unter der Woche (außer an Sonntagen). Infos unter www.pottenstein.de . Auch in dieser ungefähr neun Grad kühlen Höhle sollte man sich warm anziehen.
Sturmannshöhle (Allgäu)
Im idyllischen Allgäuer Obermaiselstein wartet die Sturmannshöhle auf Besucher. Geologisch betrachtet, blickt man hier auf gut 120 Millionen Jahre Geschichte voller Mystik und Legenden, wundervolle Tropfsteine inbegriffen. Tief hinein geht es dabei bis zum Drachentor, wo man sich in der Tat vorstellen kann, dass dort solch ein feuerspeiendes Ungeheuer einmal gehaust hat oder immer noch haust. Mehr Sagen gefällig? Etwa jene, die von einem unglaublichen Goldschatz in der Höhle berichtet - oder jene von einem Mann, der auf ewig in die Höhle verbannt wurde und nun tagein, tagaus im Bauch des Berges hockt?
Schaurig schön ist die Höhle auch ohne Geschichten, sie führt 300 Meter ins Erdinnere und in der Tiefe hört man den Höhlenbach rauschen. Im hinteren Teil dieser Spalthöhle hielten sich noch bis vor kurzem 20.000 Jahre alte Eisreste aus der Würm-Eiszeit aber auch hier fiel der letzte Eisblock wohl dem Klimawandel zum Opfer. Bei konstanten acht Grad gilt: Pullover mitnehmen. Sie ist ganzjährig geöffnet, wann jeweils genau, erfährt man unter www.hoernerdoerfer.de .
Christoph Trick
Hausbesuch beim Archaeopteryx
50 Jahre Jura-Museum Eichstätt
Eichstätt feiert ebenfalls den Geburtstag einer Museums-Institution: Vor 50 Jahren wurde auf der Willibaldsburg das Jura-Museum eröffnet. Seitdem nimmt Bayerns zweitgrößtes Naturkundemuseum die Besucher:innen mit in eine Insel-, Riff- und Lagunenlandschaft, wie sie vor rund 150 Millionen Jahren im Eichstätter Raum bestand. Der Schwerpunkt liegt auf den Fossilien der Solnhofener Plattenkalke. Besondere Glanzstücke sind ein Original des Urvogels Archaeopteryx sowie die Schauaquarien mit Riffkorallen, farbenfrohen Korallenfischen und "Lebenden Fossilien“. Im Jubiläumsjahr sind zahlreiche Führungen, Ferienprogramme für Kinder, Veranstaltungen sowie eine Sonderausstellung geplant.
shau
Erschienen im Tagesspiegel am 09.05.2026