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Auf den Spuren der Römer

Wie die Römer lebten, wird im Römermuseum Chiemsee anschaulich. Foto: erlebe.bayern/Thomas Linkel

Freizeit

Auf den Spuren der Römer

An vielen Orten in Bayern werden ihre Geschichte und ihre Kultur wieder lebendig

Es sind zwei Fliegen, die man etwa bei einer Wanderung entlang der Donau mit einer Klappe schlagen kann. So lassen sich dabei Natur und Kultur wunderbar miteinander verbinden, beinahe auf Schritt und Tritt begleitet Wanderer dabei auch römische Geschichte. Der Fluss markierte seinerzeit nämlich die natürliche Grenze des Römischen Reiches und wurde deshalb auch „Nasser Limes“ genannt. Rund 160 Kilometer des Walls verliefen einst durch das heutige Bayern: von Aschaffenburg in Unterfranken bis nach Eining bei Regensburg, wo der Grenzwall in den sogenannten „Nassen Limes“ überging. Zu den Limesanlagen gehörten Kastelle, Badeanlagen und Türme. Die römische Kolonisation Bayerns hinterließ viele Spuren, denen man heute noch folgen kann. So gehen beispielsweise Steinarchitektur, Bäderkultur und Glasherstellung auf die Römerzeit zurück. Im Weinbau terrassierten sie Hänge und legten Drainage-Systeme an; er war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Bayern war Teil der Provinz Raetia

Durch das bayerische Voralpenland führten freilich mehrere Römerstraßen, an denen reger Handel getrieben wurde. Die anfänglich wichtigste Verbindung nach Italien, die Via Claudia, verlief übrigens seinerzeit durch Kempten im Allgäu. Einige der an der Via Claudia Augusta gelegenen Römerorte haben sich vor einigen Jahren zu einer Museumsgemeinschaft unter dem Motto „Alpenrand in Römerhand“ zusammengeschlossen. Wie aus einem kleinen Dorf am Tiber eines der größten Imperien der Weltgeschichte erwuchs, das lässt sich auch bei einer Ausstellung im Rosenheimer Lokschuppen nachvollziehen. Die Ausstellung bietet eine neue Perspektive mit spektakulären Objekten von den Menschen der Antike – und von den Spuren, die sie hinterließen. In Bayern sind aber besonders viele der römischen Relikte an der Donau und am rätischen Limesabschnitt zu finden. Wie an einer Perlenschnur reihen sich hier Kastelle und Limestürme aneinander und aus manchen ehemaligen römischen Siedlungen entstanden später Städte wie Regensburg oder Passau.

In Bayern lag der nördliche Teil der Provinz Raetia, wovon auch das Reiterkastell Biriciana in Weißenburg zeugt, eines der größten Militärlager am raetischen Limes. Heute kann man noch die Reste des Kastells mit einem imposanten Nachbau des Nordtors und die noch gut erhaltene Thermenanlage besichtigen. Im Römermuseum gibt es auch den „Weißenburger Götterhimmel“ zu bestaunen. Dieser kleine Streifzug durch bayerische Lande zeigt, wo überall man auch keltisch-römische Geschichte trifft. So wartet etwa das Museum Quintana in Künzing mit faszinierenden Entdeckungen auf. Dazu zählen das Heiligtum für den Gott Mithras sowie das hölzerne Amphitheater, das seit Juli 2021 Teil des Unesco-Welterbes „Donaulimes“ ist. Im Kelten-Römer-Museum in Manching bei Ingolstadt nehmen die „Abteilung Kelten“ und die „Ausstellung Römer“ den größten Raum ein. Beeindruckend die 15 Meter langen Wracks zweier Römerschiffe, die um 100 nach Christus auf der Donau patrouillierten.

Sehenswert auch das Römermuseum Kastell Boiotro in Passau mit Funden und Ausgrabungen aus der Römerzeit. Im Museumgarten sind Abschnitte der mächtigen Wehrmauer samt fächerförmigem Turm sowie Teile der Innenbebauung des spätrömischen Kastells rekonstruiert. Wer sich einen Überblick über die Geschichte der Römer in Bayern machen will, dem sei auch ein Besuch vom Bad Gögging empfohlen. Vor rund 2000 Jahren war die römische Grenzfestung Abusina in der Nähe von Bad Gögging eine bekannte römische Legion. Die dort stationierten Legionäre entdeckten bald die wohltuende Wirkung des Schwefelwassers für sich. So ist es nicht verwunderlich, dass Kaiser Trajan etwa 80 n. Chr. die ersten Badeanlagen erbaute. Noch heute finden sich überall in und um Bad Gögging die Spuren dieser vergangenen Zeit. Im Römermuseum, in der Römersauna der Limes-Therme, entlang der Limesstraße, am Limeswanderweg und besonders zum alljährlichen Römerfest im Kastell Abusina im August wird Geschichte hautnah erlebbar. Die römische Kolonisation Bayerns hinterließ viele Spuren. So beispielsweise in der Steinarchitektur, Bäderkultur, Glasherstellung und im Weinbau.

Regensburg war wichtige Römerstadt

Ergänzend hierzu sei ein Blick ins Historische Museum Regensburg im einstigen Minoritenkloster empfohlen. Denn Regensburg selbst war einst der wichtigste Militärstützpunkt an der Grenze des Römischen Reichs im heutigen Bayern.

Die Gründungsinschrift, ein Münzschatz und andere wertvolle Fundstücke lassen das römische Regensburg („Castra Regina“) in der Ausstellung wiederaufleben. Anschauliche Modelle, Rekonstruktionen und Medienstationen zeugen von dem hohen Stand der Zivilisation in der damaligen Zeit. Empfohlen in diesem Zusammenhang sei auch die „EntdeckerApp“ des Tourismusverbands Ostbayern, die Einblicke in das römische Leben von damals gibt. Im weiß-blauen Freistaat lässt sich also immer noch in vielfältiger Form auf Spuren römischer Geschichte wandeln, große Gebiete des heutigen Bayern gehörten über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren zum römischen Weltreich. Hauptstadt der römischen Provinz Raetien (später Raetia secunda) war übrigens Augsburg (Augusta Vindelicum), der heutige Regierungssitz des Bezirks Schwaben.

Paul Kannamüller


Römisches Erbe

Entdeckertouren per App

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart eröffnet sich entlang der Donau eine ganz besondere Reise: Hier, wo einst die Grenze des Römischen Reichs verlief, wird Geschichte mit einem digitalen Reisebegleiter lebendig. Die App “Römerspuren“ lädt dazu ein, in die Welt der Antike einzutauchen. Oft denkt man beim Römischen Reich an Gladiatorenkämpfe, Sklavenarbeit und grausame Spektakel. Doch gleichzeitig war es eine hochentwickelte Zivilisation mit luxuriösen Villen, Fußbodenheizungen, ausgeprägter Badekultur und einem ausgeklügelten Verkehrsnetz.

Anschaulich und kostenlos

Bereits vor rund 2000 Jahren sicherten römische Kaiser ihre Wachtürmen, Nordgrenze mit Kastellen und Legionslagern. Entlang der Donau an der Grenze zwischen Bayern und Österreich finden sich bis heute zahlreiche Spuren dieser Epoche. Orte wie das Kastell Abusina in Eining, die Porta Praetoria in Regensburg, der Römerpark in Straubing oder das Museum Kastell Boiotro in Passau erzählen von der römischen Vergangenheit. Insgesamt 15 Stationen zwischen Bad Gögging und Enns werden in der App vorgestellt und multimedial aufbereitet. Audio-Beiträge, Bilder und interaktive Elemente machen das Leben der Römer anschaulich, vom Alltag über Kleidung bis hin zur Esskultur. Römerspuren führt zu den einzelnen Römerstätten und dient zugleich als Reiseführer. Die ReiseApp ist auch eine gute Planungshilfe für alle, die eine mehrtägige Römerspuren-Tour in Ostbayern und Oberösterreich unternehmen möchten, denn sie bietet auch Informationen zu Übernachtungen und Einkehrmöglichkeiten sowie Navigation für Auto, Öffentlichen Personennahverkehr und Radwege. Herausgegeben wurde die App gemeinsam vom Tourismusverband Ostbayern und Oberösterreich Tourismus. Sie ist kostenlos für iOS und Android in den jeweiligen App-Stores erhältlich.

shau 

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 09.05.2026

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