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Auch schlanke Frauen können betroffen sein

Kompressionsstrümpfe sind das - wenn auch etwas beschwerlich zu händelnde - Mittel der Wahl bei einem Lipödem oder einem Lymphödem.   Foto: Adobe Stock

Forum Spitzenmedizin

Auch schlanke Frauen können betroffen sein

Ein Lipödem ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern schreitet weiter fort, sofern es nicht behandelt wird

Lipödem, Lymphödem, Lipolymphödem: Ähnlich klingende Begriffe, aber unterschiedliche Erkrankungen - doch alle sind sie mit erheblichen Belastungen für die Betroffenen verbunden. Lipödeme betreffen fast ausschließlich Frauen. Sie beruhen auf einer Störung der Fettverteilung im Körper, bei der sich die Fettzellen im Unterhautfettgewebe unkontrolliert vermehren. Die Folgen können zum Beispiel unproportioniert dicke Beine oder Arme bei gleichzeitig schlankem Oberkörper sein. Ein Lymphödem ist dagegen in den meisten Fällen Folge eines konkreten Ereignisses und kann auch Männer treffen. Beispielsweise kann das Lymphgefäßsystem durch eine Krebserkrankung oder eine schwere Verletzung geschädigt werden. 

Oder die Entfernung von Lymphknoten beziehungsweise Bestrahlungen im Rahmen einer Krebstherapie können einen Lymphstau hervorrufen. Sehr selten ist ein Lymphödem genetisch bedingt (primäre Form). Ausgangspunkt ist eine Abflussstörung der Lymphflüssigkeit: Die lokalen Lymphknoten oder Lymphgefäße schaffen es nicht mehr, die Lymphe aus der betroffenen Region abzutransportieren. Dadurch tritt mehr Flüssigkeit ins Gewebe ein als über die Lymphgefäße abfließt. Die Lymphflüssigkeit staut sich, das Gewebe schwillt an - es entsteht ein Lymphödem. Bei einem Lipolymphödem hat sich auf dem Boden eines Lipödems ein Lymphödem entwickelt. Durch den Fettüberschuss eines Lipödems kann nämlich auch das Lymphgefäßsystem in Bedrängnis geraten. Am Ende funktioniert der Lymphtransport nicht mehr richtig und verursacht schließlich ein Lymphödem, das nun - wie das Lipödem - gezielt behandelt werden muss.

Hohe Dunkelziffer

Von allen drei Erkrankungen ist das Lipödem die häufigste: Knapp vier Millionen Frauen in Deutschland leiden offiziell an einem Lipödem. Die Dunkelziffer liegt jedoch deutlich höher. Ein Grund ist, dass die Betroffenen sich oft erst spät an einen Arzt wenden, weil sie zunächst nicht von einer Erkrankung ausgehen, sondern glauben, sie seien übergewichtig. Mit Übergewicht hat ein Lipödem jedoch nichts zu tun - demensprechend hilft auch keine Diät. 

Weshalb ein Lipödem entsteht, ist nach wie vor unklar. Auffällig ist jedoch, dass es meist in Zeiten hormoneller Veränderungen beginn, etwa in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Ebenso scheint eine genetische Veranlagung eine Rolle zu spielen. Aktuellen Studien zufolge spricht zudem Vieles dafür, dass die Fettverleilungsstörung mit entzündlichen Prozessen einhergeht: Forschende haben in feingeweblichen Untersuchungen von Lipödem-Gewebe unter anderem auch viele Entzündungszellen gefunden. Diese entzündliche Komponente könnte einer der Gründe für die Schmerzen sein, unter denen die meisten Lipödem-Betroffene zu leiden haben.

Mehr als ein ästhetisches Problem

Ein Lipödem ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern die Erkrankung schreitet weiter fort, wenn nicht angemessen behandelt wird. Typischerweise trill es symmetrisch auf, also immer an beiden Beinen oder Armen. Hände und Finger beziehungsweise Füße und Zehen sind jedoch - anders als bei einem Lymphödem - nie betroffen. Häufige Beschwerden sind zum Beispiel gleichmäßig dicke Beine vom Fußgelenk bis zur Hüfte bei schlankem Oberkörper. Ein Lipödem an den Armen kann sich von der Schulter bis zu den Handgelenken zeigen. Großes Leid bereiten vielen Betroffenen auch die heftigen Spannungsschmerzen. Meist treten sie in Kombination mit unangenehmen Schweregefühlen in den betroffenen Beinen beziehungsweise Armen auf, die zudem druckempfindlich sind. Auch eine Neigung zu blauen Flecken ist charakteristisch.

Fettabsaugung: die Therapie der Wahl

Bislang kann ein Lipödem nur symptomatisch behandelt werden. Meist reichen konservative Maßnahmen jedoch für die erhoffte Linderung nicht aus. Mit Kompressionsstrümpfen oder Lymphdrainagen lässt sich zwar die gestaute Gewebeflüssigkeit, nicht aber der Fellgewebeüberschuss reduzieren. Therapie der Wahl ist deshalb in der Regel die Liposuktion beziehungsweise Fellabsaugung. Dies ist die sicherste und zugleich gewebeschonendste Methode zur Entfernung der überschüssigen Fellzellen - und damit letztlich auch zur Beseitigung der Ödeme. 

Wie viel Fell maximal entfernt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa vom Befund, der Haubeschaffenheit, dem Alter oder auch dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin. Das alles kann nur ein erfahrener Operateur beurteilen. Deshalb sollte die Fellabsaugung grundsätzlich von einem plastisch-ästhetischen Chirurgen durchgeführt werden, der mit dem Verfahren bestens vertraut ist. Immerhin: Die Erfolgsaussichten sind gut. Oft können die Beschwerden deutlich gemildert werden und die Proportion von Beinen, Armen oder Hüften passen wieder besser zum Körper. Im Gegensatz zu einem Lipödem kann sich ein Lymphödem - zumindest theoretisch – auch wieder zurückbilden. 

Sehr viel häufiger schreitet die Erkrankung jedoch weiter fort. Umso wichtiger ist eine angemessene Therapie, andernfalls kann es zu zahlreichen unguten Folgeerscheinungen kommen: von einer monströsen Zunahme der Schwellung oder Verhärtung (Fibrose) des Ödems durch Neubildungen von Bindegewebe bis hin zu krankhaften Hautveränderungen und der Neigung zu Infektionen, allen voran zu gefürchteten Erysipelen. 

Durch den anhaltenden Druck des Lymphslaus werden zudem fast immer auch die winzigen Lymphgefäße in Mitleidenschaft gezogen. Am Ende können viele von ihnen so stark geschrumpft sein, dass sie auch unter dem Mikroskop kaum mehr sichtbar sind. Basis der Behandlung sind konservative Maßnahmen wie das Tragen von Kompressionsstrümpfen, manuelle Lymphdrainagen und entstauungsfördernde Bewegungstherapien. Eine Operation zur Wiederherstellung des Lymphabflusses sollte in Erwägung gezogen werden, wenn auf diese Weise keine Besserung erzielt werden kann. Die Leitlinien raten, der konservativen Therapie jedoch erst einmal einige Monate Zeit zu geben.



Nicole Schaenzler

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 25.04.2026

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