Wenn es ganz still ist, dann hört man ein Haus anfangen zu sprechen“, sagt Architekt Felix Schürmann. Im Fall des neuen Gymnasiums in Herrsching erzählt es von einer Idee: dass Bildung mehr sein kann als Unterricht, und Räume mehr als bloße Hüllen. Das Architekturbüro Schürmann & Dettinger hat mit Projekten wie dem Bildungscampus Freiham oder dem neuen Gymnasium Herrsching gezeigt, dass Gebäude keine reinen Funktionsbauten sein müssen.
„Räume sind keine Gefäße, sondern Bühnen“, so Schürmann. Diese Philosophie schlägt sich in nachhaltiger Bauweise, offenen Raumkonzepten und städtebaulichen Visionen nieder. Das neue Schulhaus über dem Ammersee setzt eine Weiterentwicklung des Lernhausprinzips um: Offene Lernlandschaften statt geschlossener Klassenzimmer, flexible Nutzungszonen, transparente Strukturen.

Die Architektur unterstützt Teamarbeit und eigenständiges Lernen. Für die Architekten steht jedes Projekt im gesellschaftlichen Kontext. „Architektur beeinflusst das Miteinander und trägt kulturelle Verantwortung“, so Schürmann. In Herrsching verbinden sich Räume, pädagogisches Konzept und Landschaft. Als Hauptmaterial wurde Buche verwendet, kombiniert mit Beton und Glas, was dem Ganzen eine Leichtigkeit verleiht.
Themen wie klimaneutrale Energiegewinnung, modulare Bauweise und grüne Infrastruktur machen den Bau zu einem Beispiel dafür, wie Architektur ökologisches Denken und gesellschaftlichen Anspruch verbinden kann. Eine gelungene Architektur steigert aber nicht nur die Qualität eines Gebäudes, sondern auch die Attraktivität eines Ortes, was für den Immobilienmarkt Bedeutung hat. In Zeiten des Wettbewerbs zwischen Kommunen kann ein architektonisch anspruchsvoller Bildungsbau Wohn- und Arbeitsstandorte aufwerten und langfristig Stabilität erzeugen. PATRIZIA STEIPE
Erschienen im Tagesspiegel am 08.12.2025