Anzeige

Architektur-Stadt London

LONDONS SKYLINE AN DER THEMSE VERÄNDERT SICH MIT NEUEN BAUPROJEKTEN STÄNDIG. FOTO: W. SEIPP

Webimmobilien

Architektur-Stadt London

Die britische Hauptstadt hat sich zu einer der innovativsten Städte für moderne Architektur entwickelt

Für manche wirkt die Londoner Skyline wie ein Wildwuchs an Hochhäusern, ein Wettbewerb durchgeknallter Architekten mit zu viel Geld inder Tasche, die sich mit immer spektakuläreren Gebäuden gegenseitig übertrumpfen wollen. Andere feiern die außergewöhnlichen Konstruktionen als Meilensteine auf dem Weg zu einem modernen Gesicht der Weltstadt, die jedes Jahr Millionen an Touristen anzieht. „The Shard“ (auf Deutsch Glassplitter), „The Gherkien“ (die Gewürzgurke), das “Pint“ (das gewölbte Hochhaus, das an ein Bierglas oder ein Walkie Talkie erinnert) oder „,Cheesegrater“ (das einer überdimensionierten Käsereibe gleicht) sind die klingenden Namen der außergewöhnlichsten Projekte, die Sehenswürdigkeiten des historischen London im wahrsten Sinne des Wortes in den Schatten stellen. Völlig neue Wege ging Renzo Piano beim Bau von The Shard, das mit 310 Metern höchste Gebäude Londons, das 2012 eingeweiht wurde. 

Die Glasfassade erinnert an riesige Glassplitter, die zu einer steilen Pyramide aufgestellt wurden. Insgesamt wurden 11.000 Scheiben verbaut. Vonden oberen Etagen bietet eine Aussichtsplattform einen Blick über London. Kritiker bemängeln, dass The Shard andererseits auch den Blick auf das Stadtpanorama verstellen würde, insbesondere auf die St. Pauls Cathedral, die verschattet werde und im Vergleich zu der Glaspyramide auf ein Zwergenformat schrumpfe. The Shard sei zum eigentlich neuen Wahrzeichen Londons geworden. Auch Rafael Viñoly, der uruguayische Architekt des „Walkie Talkie“ in der Fenchurch Street, hatte nach seiner Eröffnung 2013 Kritik und Spott zu ertragen. Das Gebäude bekam den „,Carbuncle Cup“, einen jährlich vergebenen Preis für das hässlichste Gebäude im Vereinigten Königreich. 

DIE BATTERSEA POWERSTATION DIREKT AN DER THEMSE IST DER NEUESTE BESUCHERMAGNET LONDONS. FOTO: W. SEIPP
DIE BATTERSEA POWERSTATION DIREKT AN DER THEMSE IST DER NEUESTE BESUCHERMAGNET LONDONS. FOTO: W. SEIPP

Eher Bewunderung wurde einem der ersten ikonischen Hochhausprojekte gezollt, dem 2004 eröffneten St. Mary Axe, das weithin als The Gherkin bekannt ist. Es wurde von den Architekten Ken Shuttleworth und Norman Foster geplant. Das Tragwerk besteht aus ineinander verschlungenen Helixsträngen, die eine Art Schlauchgeflecht ergeben. Neuester Besuchermagnet Londons ist die umgebaute Battersea-Powerstation am Themse-Ufer neben der Tate Modern, eines der führenden Museen für zeitgenössische Kunst. Pink-Floyd-Fans dürfte die Battersea Powerstation von dem Plattencover „Animals“ bekannt sein. Die britischen Musiker hatten einst ein aufblasbares Schwein über die Schornsteine des Kohlekraftwerks schweben lassen. Seit Anfang der 1980er-Jahre strömt aus den vier mächtigen weißen Schornsteinen kein dunkler Mief mehr über die Stadt. 

Turbinen und Dampfkessel wurden entfernt und das Dach abgedeckt. Nach jahrzehntelangem Leerstand und verschiedenen fehlgeschlagenen Planungen kaufte ein malaysisches Unternehmen Kraftwerk und Areal und investierte neun Milliarden britische Pfund. Architekturgrößen wie Norman Foster und Frank Gehry bauten Luxuswohnungen und Penthouses, die zig Millionen Pfund kosten, und Apple wurde größter gewerblicher Mieter von Büroraum für 1400 Mitarbeiter. Heute ist die Battersea Powerstation ein Einkaufszentrum mit Bars, Restaurants und Kinos. Die Stahlkonstruktion und die geschmiedeten Eisentreppen, ein Kontrollzentrum im Art-Déco-Stil und Marmor-Verkleidungen blieben erhalten. In einen der Schornsteine wurde ein gläserner Lift zu einer Aussichtsplattform gebaut.

Wie die Tate Modern, die das Architekten-Duo Herzog & de Meuron auf einer stillgelegten Turbinen-Halle erbaute, wird bei der Battersea Powerstation der Industrie-Charme vergangener Zeiten für eine Symbiose mit moderner Architektur genutzt. Wie gut Alt und Neu zusammenpassen, hatte schon Norman Foster mit der riesigen Überdachung des British Museums vor rund 25 Jahren gezeigt. Die unterschiedliche architektonische Gestalt der Metropole beruht auf ihrer langen Geschichte an Erneuerungen, etwa durch den Brand Londons 1666, dem ein Großteil der Stadt zum Opfer fiel, oder den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Aber auch die Eigentumsrechte in der britischen Hauptstadt, die eine übergreifende staatliche Stadtplanung oftmals verhindern, haben dazu beigetragen, dass Londons Stadtbild sich weniger homogen entwickelt hat wie etwa das von Paris oder Rom.

Der Wolkenkratzer-Boom in London geht indes weiter. Im Westen Londons rund um den Bahnhof Vauxhall ist eine komplett neue Skyline mit Hochhäusern entstanden. Hunderte neue Projekte sind auf dem Weg, aus London das neue Manhattan an der Themse zu machen. Für Liebhaber moderner Architektur eine gute Nachricht.
Wolfram Seipp

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 18.01.2025

Das könnte Sie auch interessieren