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Antoni Gaudis Barcelona

Im Park Güell konnte Gaudí seine Ideen über einer von der Natur inspirierten Architektur umsetzen. Foto: Pixabay

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Antoni Gaudis Barcelona

Mit seinen einzigartigen Bauwerken wurde das Tor zur Moderne in der Stadt geöffnet

W er weiß, ob wir das Diplom einem Verrückten oder einem Genie gegeben haben nur die Zeit wird es uns sagen“, entfuhr es nach Überlieferungen dem Direktor der Architektenschule in Barcelona, Elies Rognet. Als Antoni Gaudí im März 1878 seinen Abschluss als Architekt erhielt, teilten sich die glühenden Bewunderer und strikten Kritiker seiner Entwürfe bereits in zwei Lager. Antoni Gaudí stand am Anfang einer kulturellen Erneuerungsbewegung, die Barcelona erfasst hatte und mit dem Begriff „Modernisme“ belegt wurde. Die neogotische und neoromantische Ästhetik des 19. Jahrhunderts passte nicht mehr in die Zeit der Industrialisierung, die das traditionelle Leben in den Städten umkrempelte. Der katalanische Modernisme war Teil einer europäischen Bewegung, die in Deutschland als Jugendstil seine Parallele hatte. Grundlage für die architektonischen Konzepte Gaudís waren an der Natur orientierte Formen und „Bewegung“ statt starrer geometrischer Muster.

Symbolkraft

Als Kind hatte Gaudí häufig die Natur beobachtet und gezeichnet, da er aufgrund einer rheumatischen Erkrankung nicht mit anderen Kindern spielen konnte. Als Architekt ließ er nun dekorative Elemente wie Vögel, Schmetterlinge oder Blätter in seine Entwürfe einfließen. Mosaike - wie etwa im von Gaudí gestalteten Park Güell - wurden aus farbigen Bruchstücken zusammengesetzt und geschwungene, schmiedeeiserne Fenster- und Balkongitter sind von der Natur inspiriert. Bei dem Apartmentkomplex Casa Batlló soll das Mosaikdach den Rücken eines Drachens darstellen. Gaudí sah seine Bauwerke in der Gestaltung von Innen und Außen als Gesamtkunstwerke. Er entwarf Details noch während der Bauphase selbst. Seine originellen Stilelemente forderten die Fähigkeiten der lokalen Handwerker in Schmiede- und Mosaikkunst, der Tischlerei und der Glaskunst.

Für Gaudí war die Natur ein Werk Gottes. Daher flossen auch viele Formen der Flora und Fauna in den Bau seines berühmtesten Bauwerks, der Sagrada Família im nördlichen Stadtteil Eixample. Das Kirchenschiff und seine Säulen etwa gleichen einem üppigen Wald voller Bäume. Der Bau der Basilika wurde 1882 begonnen und dauert noch immer an. Zunächst war von Francisco de Paula de Villar eine Basilika mit neugotischen Elementen geplant und eine Krypta errichtet worden. 1885 übernahm Gaudí die Leitung und legte ein neues Gesamtkonzept vor. Die Formensprache blieb der Neugotik verbunden, zeigte aber seine eigenwillige Handschrift. Gaudí plante 18 Türme und naturalistische Wasserspeier. Für die tragende Konstruktion verwendete Gaudí häufig das Prinzip des „katalanischen Gewölbes“, bei dem nur das Tragwerk auf Druck belastet wird. Zur Konstruktion wird ein Hängemodell etwa aus Kettengliedern verwendet, das nur Zugkräfte und kein Biegemoment aufweist und damit die mögliche Formgebung beschreibt. 

Die Lichtgestaltung seines Kirchenbaus, die den Räumen eine zusätzliche Bedeutung verleiht, gilt als genial. Die aufgehende Sonne lässt die „Geburtsfassade“ erstrahlen, während die Fassade, an der die Sonne untergeht, die Passion Christi und den Tod symbolisiert. Insgesamt arbeitete Gaudí fast 40 Jahre an der Sagrada Família. Sein Arbeits- und Schlafzimmer hatte er bei der Baustelle aufgeschlagen. Dennoch konnte er nur einige Teile der Basilika - die Krypta, die Apsis und Teile der Fassade der Geburt Jesu - fertigstellen. Am 7. Juni 1926 wurde der tiefgläubige Architekt auf dem Weg vom allmorgendlichen Oratorium zu der Baustelle der Sagrada Família von einer Straßenbahn erfasst. Da er einen verwahrlosten Eindruck machte und kein Ausweispapier bei sich trug, wurde er zunächst für einen Bettler gehalten. Eine medizinische Versorgung erfolgte zu spät und Gaudí starb drei Tage nach dem Unfall am 10. Juni 1926. Gaudí wurde in der Krypta der Sagrada Família beigesetzt. Im Jahr 2000 leitete die Katholische Kirche ein Verfahren zu seiner Seligsprechung ein.

Die Fertigstellung der einzigartigen Sagrada Família nach Gaudís Entwürfen war zunächst für seinen 100. Todestag 2026 geplant. Durch die Pandemie verzögert sich der Termin nun auf 2033. Skeptiker bezweifeln jedoch, dass sie jemals fertiggestellt wird. 

Wolfram Seipp

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 08.02.2025

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