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Alpines Haus der Kunst

NATURSTEIN, WOHIN MAN SCHAUT: DIE, VERGALDERIE“ IN GARGELLEN ÜBERRASCHT MIT EINER FEIN NUANCIERTEN FASSADE AUS GESTEIN, DAHINTER DIE STEIL AUFRAGENDEN RITZENSPITZEN. FOTOS: FRANZISKA HORN

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Alpines Haus der Kunst

Handverlesen, Stein für Stein: Für die Fassade seiner „Vergalderie“ in Gargellen sammelte Architekt Christian Tonko das Gestein eigenhändig am heimischen Berghang

Wer von der lauschig gelegenen Alpe Vergalden ins Montafoner Bergdorf Gargellen absteigt, erreicht als erstes den Ortsteil Vergalda. Ein Aussichtsbalkon mit alten Maisäßen, die typisch sind für die mittlere Lage der hier noch wichtigen Dreistufenlandwirtschaft. 

Diese Jahrhunderte alten, von der Bautradition der Walser inspirierten Holzhütten wechseln hier mit verstreut liegenden Einfamilienhäusern und Lodges neueren Datums. Zwischen alten Gassen, Trockensteinmauern und Schragenzäunen sticht ein moderner, grob verputzter Natursteinbau hervor, dessen Silhouette denen der Nachbarhäuser gleicht. Doch die Fassade aus vielfarbigem Naturstein überrascht - und ist untypisch für das Montafon. Gedeckt ist der Bau mit einem Dach aus Fichtenschindeln, so neu, dass man den Duft des Holzes zu riechen glaubt.

VON HAND GESAMMELT, VOM STEINMETZ VERLEGT, KEIN STÜCK GLEICHT DEM ANDEREN - DIE GALERIE SOLL KÜNFTIGE WECHSELNDE AUSSTELLUNGEN BEHERBERGEN.
VON HAND GESAMMELT, VOM STEINMETZ VERLEGT, KEIN STÜCK GLEICHT DEM ANDEREN - DIE GALERIE SOLL KÜNFTIGE WECHSELNDE AUSSTELLUNGEN BEHERBERGEN.

Der Wanderer staunt nicht schlecht, sobald er einen Blick durch die breite Glasfront an der Längsseite wirft: Das Interieur erweist sich als lichtdurchflutete Kunstgalerie, die sich über zwei Etagen zieht und zeitgenössische Skulpturen aus Stein und Metall freigibt. Hohe Kunst also hier im hintersten Gargellental, einem Seitental des Montafon, beinahe im Nirgendwo, zwischen grasendem Grauvieh und rucksackbepackten Bergwanderern. Ein Schild am Eingang verrät das Konzept: Die von Christian Tonko geplante „Vergalderie“ ist ein ambitioniertes Bauprojekt, will sagen: Apartmenthaus und Kunstgalerie in eine meine ungewöhnliche Doppelnutzung hier in alpiner Lage auf rund 1500 Metern Höhe im höchstgelegenen Bergdorf des Montafon mit rund 130 Einwohnern. „Art in unexpected places“ ist Motto und Trend zugleich: Dass Kunst im freien Gelände oder auf Bergeshöh besondere Wirkung entfaltet, das zeigten schon der Skyspace von James Turrell in Lech oder Olafur Eliassons Installation „Our glacial perspectives“ im Schnalstal, Südtirol. Der Beispiele gibt es viele.

Wie also kam Architekt Christian Tonko auf die Idee zur Vergalderie? „Wir sind begeisterte Skitourengeher, man kann hier sternförmig in alle Richtungen ausschwärmen. Oben auf den Pässen zur benachbarten Schweiz stehen einige dieser Zollhütten, die man aus herumliegendem Gesteinbaute. Das hat mich inspiriert. Es gibt ja sonst keine Steinbrüche hier im Montafon. 

Unternehmen aus der Region

Und es erschien mir passend für ein Objekt an der Baumgrenze.“ Noch außergewöhnlicher: „Die Steine für die Fassade haben meine Eltern und ich in über zwei Jahren von Hand gesammelt, fast wie eine Obsession, insgesamt 100 Tonnen. Besonders nach Erdrutschen und Muren sind wir losgezogen, haben die Natur beobachtet, mit Einverständnis der Besitzer einzelne Steine zurückgetragen. Das Material stammt zu 100 Prozent aus natürlicher Erosion.“

SAME BUT DIFFERENT: DIE FASSADE DER „VERGALDERIE“ HEBT SICH DEUTLICH VON DEN BENACHBARTEN HOLZBAUTEN AB. DAHINTER DER SCHAFBERG UND DIE GARGELLNER KÖPFE.
SAME BUT DIFFERENT: DIE FASSADE DER „VERGALDERIE“ HEBT SICH DEUTLICH VON DEN BENACHBARTEN HOLZBAUTEN AB. DAHINTER DER SCHAFBERG UND DIE GARGELLNER KÖPFE.

Das Ergebnis: eine lebhaft gestaltete Oberfläche, geprägt von unterschiedlichen Nuancen und Formen des Gesteins. „Allein das Mauern per Hand hat vier Monate gedauert. Wir schauten dabei genau, welcher Stein passt, welcher nicht. Und gingen dann wieder los, um weiter zu suchen“, erzählt der aus Feldkirch stammende Architekt, der heute in Wien lebt. „Das Sammeln war aber eine schöne Tätigkeit.“ Die aus Naturstein vorgemauerte Außenschicht ergibt zusammen mit dem tragenden Ziegelbau eine zweischalige Mauer mit einer Dicke von 80 Zentimetern. Dieser können die winterlichen Stürme aus dem nahen Vergalda- oder Valzifenztal, bekannt als Tal der Winde, nichts anhaben. Die Nutzung als Galerie stand dabei von Beginn an fest: „Aktuell zeigen wir Werke des verstorbenen Vorarlberger Bildhauers Herbert Albrecht, der ein Bekannter meines Vaters war. Wir wollten seine Skulpturen, die aus mehreren Jahrzehnten stammen und die mein Vater sammelte, auch außerhalb unseres Wohnzimmers zeigen. Aus Liebhaberei, ohne wirtschaftlichen Hintergrund.“

Unternehmen aus der Region

An Weihnachten 2024 wurde die Vergalderie fertig, ein Teil mit drei Ferienapartments ist dabei wechselnden Gästen gewidmet. Auch hierfürstammen die Materialien weitgehend aus der Region, das Holz für Böden und Inneneinrichtung aus Weißtannentäfer, sägerauer Esche und Fichte.
FRANZISKA HORN

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 07.10.2025

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