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Alles für die Herzgesundheit

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FORUM KARDIOLOGIE

Alles für die Herzgesundheit

Mit Eigeninitiative und Selbstdisziplin lassen sich Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen reduzieren

Herzgesundheit rückt mehr denn je in den Vordergrund. Denn: Je gesünder wir leben, desto älter werden wir - voraussichtlich. Denn laut Statistischem Bundesamt (Destatis) waren 2023, wie schon in den Vorjahren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste ausschlaggebende Todesursache mit knapp 348.300 beziehungsweise 33,9 Prozent der Verstorbenen.

Professor Volker Klauss Foto: W. Stegers
Professor Volker Klauss Foto: W. Stegers

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat sich zudem die Bedeutung einzelner Maßnahmen zur Minimierung von rund 200 möglichen Risikofaktoren in der primären Prävention verschoben. Für den Kardiologen und Herzspezialisten Professor Volker Klauss bleiben eine gesunde, ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und Sport nach wie vor überaus wichtig, um dem Infarkt vorzubeugen“. Allerhöchster Risikofaktor sei nach wie vor das Rauchen, hinzu kämen starker Alkoholgenuss, Übergewicht, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte.

„Aber auch Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, wie Alter, Geschlecht oder genetische Veranlagung als vorgegebene Risiken innerhalb der Familie, geraten stärker in den Blickpunkt. Sie sind eine Gefahr und primär nicht zu beeinflussen. Wenn gerade bei jüngeren Patienten ein hoher Cholesterinspiegel vorliegt und im familiären Umfeld Infarkte im mittleren Alter vorkommen, schauen wir ganz genau hin, ob es sich um eine ererbte Stoffwechselstörung handelt. Das erhöhte Cholesterin kann dann medikamentös wirksam behandelt werden, um in späteren Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu vermeiden“, unterstreicht Professor Klauss die Notwendigkeit der regelmäßigen Überwachung von Cholesterinwerten. Dauerhafte Medikation mit täglicher Tabletteneinnahme sei hier meist unumgänglich. In den nächsten zehn Jahren könnten Cholesterinsenker in Form von Depotspritzen für bis zu sechs Monate die Behandlung dauerhaft vereinfachen.

Stellschraube Ernährung

Für den Kardiologen stehen die Blutfettwerte unter besonderer Beobachtung. „Hohe LDL-Cholesterinwerte gehören zu den größten Risikofaktoren für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt“, warnt er. In Deutschland haben 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen höheren Cholesterinwert als den empfohlenen Normalwert. Ein Zielwert, der in den letzten Jahren in Abhängigkeit von weiteren Risikofaktoren wie Diabetes oder Nierenschwäche immer niedriger angesetzt wurde. Jeder sollte seinen Cholesterinwert kennen, am besten auch den Lipoprotein-(a)-Wert, einen weiteren Risikoindikator des Fettstoffwechsels. Die sogenannten Normalwerte sind übrigens abhängig vom Alter und Geschlecht der Betroffenen.

Eine entscheidende Stellschraube für die kardiovaskuläre Gesundheit ist die Ernährung. Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder arteriosklerotischen Veränderungen durch Verkalkung oder Plaques an den Innenwänden der Herzarterien und Gefäße ist eine variantenreiche, ausgeglichene Ernährung angeraten. Sie sollte wenig Salz enthalten - empfohlen sind sechs Gramm pro Tag. Das entspricht einem Teelöffel und beeinhaltet auch die Salzmenge in Fertigprodukten oder Brot, um zwei Beispiele zu nennen. Auf dem Speiseplan sollten zudem kaum tierische Fette, aber viel Gemüse, Obst, Nüsse und pflanzliche Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren stehen. Zudem sollten Fertiggerichte, wie etwa die beliebte Tiefkühlpizza, möglichst ganz vom Esstisch verschwinden. Wichtig ist, dass die tägliche Ernährung einen hohen Gehalt an Antioxidantien wie Vitamin C, E und Beta-Carotin hat, reich an Folsäure sowie sekundären Pflanzenstoffen wie Carotinoide oder Flavonoide ist und Mineralstoffe enthält, wie etwa Kalium und Magnesium, die indirekt zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen.

Unverzichtbar: Bewegung

Bewegung hat auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit einen großen Einfluss. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt 150 Minuten sportliche Betätigung pro Woche, die in beliebigen Intervallen moderat durchgeführt werden und zu leichtem Schwitzen führen sollten. Wem diese zweieinhalb Stunden zu lang sind, kann alternativ sein Training intensivieren und auf 75 Minuten pro Woche reduzieren. Gerade für (ältere) Sportmuffel ist es wichtig, moderat mit dem Training zu beginnen, eine Sportart zu wählen, die Spaß macht und sich vorab einem Gesundheitscheck zu unterziehen. So tue man, wie der Spezialist Professor Klauss anmerkt, nicht nur Gutes für sein Herz, sondern auch für die Knochen und den gesamten Bewegungsapparat.

Der Cholesterinspiegel kann durch die richtige Ernährung und entsprechende Bewegung gleichfalls gesenkt werden, man wird fitter und verbrennt mehr Kalorien. So kann das Übergewicht - ein weiterer hoher Risikofaktor für einen Infarkt - mit diesen Maßnahmen reduziert werden. Fett verschwindet, Muskeln werden aufgebaut - und das Selbstbewusstsein steigt.

Eine weitere Vorsorgemaßnahme wird jedoch noch viel zu wenig in Anspruch genommen: Im Rahmen der kostenlosen Gesundheitsuntersuchung haben gesetzlich Versicherte ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre Anspruch darauf, auch ihr kardiovaskuläres Risiko überprüfen zu lassen. Dieses ist stark altersabhängig. Haben Vierzigjährige Risikostufe zehn, beträgt das Risiko zehn Prozent, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Zehn Prozent ist ein sehr hoher Risikofaktor, deutlich höher er normalerweise sein sollte: nämlich zwei Prozent. Für Siebzigjährige hingegen ist es ein niedriger Risikofaktor. Es gilt also, die Werte individuell zu beurteilen und mit der Ärztin oder dem Arzt Strategien zur Risikominimierung durch Änderung des Lebensstils und/oder Medikamentengaben zu entwickeln. Ein Problem bleibt jedoch: „Je höher das Risiko ist, umso mehr profitieren die Patienten von der Therapie. Umgekehrt ist es aber so, dass bei relativ niedrigem Risiko Patienten zur Änderung ihrer Lebens- und Verhaltensweise nur schwer zu animieren sind“, weiß Professor Klauss aus langjähriger Erfahrung.

Wolfgang Stegers

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 13.09.2024

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