
Der Abiturjahrgang 2025 ist in Bayern ein ganz besonderer, denn deutlich weniger junge Leute als sonst machen die Prüfung. Die Zahl der Abiturienten an den Gymnasien wird in diesem Jahr auf lediglich 5000 geschätzt. Zum Vergleich: 2024 gab es rund 33.000 Absolventen. Grund dafür ist die Umstellung vom achtjährigen auf das neunjährige Gymnasium. Der erste Jahrgang im G9 legt erst 2026 die Abiturprüfung ab. Somit sind es in diesem Jahr vor allem die Wiederholer der zwölften Klasse aus dem alten G8, die noch einmal antreten.
Wer also 2024 durchgefallen oder zurückgetreten ist oder im G9 ein Schuljahr übersprungen hat, kann auch in diesem Jahr die allgemeine Hochschulreife erwerben. Auch Schüler, die von der Realschule ans Gymnasium gewechselt oder die „Mittelstufe plus“ absolviert haben, legen 2025 die Reifeprüfung ab.
Die Umstellung von G8 auf G9 wirkt sich auch auf die Hochschulen aus
Doch dass das Abitur heuer quasi ausfällt, wie es häufig heißt, ist so nicht richtig. Denn zu den 5000 Abiturienten vom Gymnasium kommen noch die Absolventen der beruflichen Schulen, und das sind gar nicht so wenige: In Bayern werden üblicherweise etwa 40 Prozent der Hochschulreifen an beruflichen Schulen, insbesondere Fach- und Berufsoberschulen (FOS/BOS), erworben.
„Diese Absolventinnen und Absolventen sind von der Sondersituation des Gymnasiums im Jahr 2025 nicht betroffen“, sagt Stephanie Neumeier, stellvertretende Pressesprecherin des bayerischen Kultusministeriums. Die aktuelle Prognose für die beruflichen Schulen rechne für das Abschlussjahr 2025 mit rund 21.100 Hochschulreifen, davon rund 15.300 Fachhochschulreifen und 5800 fachgebundenen beziehungsweise allgemeinen Hochschulreifen.
Dass den bayerischen Universitäten durch die Umstellung von G8 auf G9 die Erstsemester ausgehen, scheint nicht der Fall zu sein. Es würden sich ja nicht nur bayerische Abiturienten einschreiben, erklären Bildungsexperten, sondern vielfach Studierende aus anderen Bundesländern und auch aus dem Ausland. Zudem beginne nicht ein ganzer Jahrgang geschlossen mit einem Studium, sodass im Herbstsemester 2025 auch viele anfangen, die bereits 2024 oder früher ihr Abitur gemacht haben.
Prognosen zufolge liegt die Zahl der Erstsemester 2025 bei rund 55.000. In den kommenden Jahren soll sie wieder ähnlich hoch ausfallen wie im Jahr 2024 mit 68.000 Studierenden. Immer wieder wird spekuliert, ob durch den kleineren Abiturjahrgang der Numerus Clausus bei besonders begehrten Studiengängen wie Medizin oder Psychologie sinkt.
Dass sich die Chance auf einen Studienplatz erhöht, scheint allerdings fraglich angesichts des Umstands, dass sich die meisten Bewerber bundesweit um verfügbare Plätze bemühen und in einigen Bundesländern G9-Abschlüsse längst wieder Standard sind.
Auch nach den Auswirkungen des kleineren Jahrgangs auf das Handwerk wird gefragt. Da sich die meisten Abiturienten für ein Studium entscheiden, fällt dies kaum ins Gewicht. Mehr als 90 Prozent der bayerischen Studienberechtigten mit allgemeiner und fachgebundener Hochschulreife hätten in den letzten Jahren ein Studium begonnen, so der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.
shau
Talente entdecken
Girls' Day und Boys' Day am 3. April
Die Wahl des richtigen Berufs ist eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben - doch viele Jugendliche setzen sich erst spät damit auseinander. Warten bis zum Schulabschluss? Das kann eine verpasste Chance sein. Genau hier setzen der Girls' Day und Boys' Day an: Jugendliche können dadurch frühzeitig Berufe kennenlernen, die sie vielleicht noch gar nicht in Betracht gezogen haben und durch praktische Einblicke und erste Erfahrungen ihre Interessen ausloten. Am 3. April finden unter dem Titel„Die Zukunft gehört Dir“ die Aktionstage Girls' Day und Boys' Day statt. Sie sind das deutschlandweit größte Programm zur beruflichen Orientierung, das den Gedanken einer Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees fördert.
Schüler und Schülerinnen der Zielgruppe Klasse 5 bis 10 besuchen Betriebe oder Hochschulen, treffen auf Vorbilder in Berufen, die ihnen Mut machen, die Vielfalt der Berufswelt für sich zu entdecken. Der Girls' Day findet für Mädchen zum Beispiel in der IT, im Handwerk, in den Naturwissenschaften oder im Bereich Technik statt. Am Boys' Day lernen Jungen schwerpunktmäßig Berufe und Studiengänge in der Pflege, in der Erziehung, in Dienstleistungsbereichen oder in der Sozialen Arbeit kennen.„Die Generation der Babyboomer geht in Rente der Bedarf an Fach- und Arbeitskräften ist nach wie vor riesig“, sagt Tabea Schroer, Projektleiterin des Girls' Day und des Boys' Day. „Die Aktionstage tragen dazu bei, dass junge Menschen schon frühzeitig ihre Talente und Potenziale entdecken können.“
Anmeldung bis zum 31. März
Umfragen belegen die nachhaltige Wirkung von Girls' Day und Boys' Day: 78 Prozent der befragten Schülerinnen und 83 Prozent der Schüler gaben an, ein Tagespraktikum sei für sie hilfreich oder sogar sehr hilfreich, um sich über Berufe und die Arbeitswelt zu informieren. Rund zwei Drittel der befragten Jugendlichen gaben an, dass ihnen der Aktionstag half, ihre Berufswünsche zu konkretisieren. Der Schnuppertag ist übrigens nicht nur auf Unternehmen und Veranstaltungen in der Region begrenzt. Es gibt auch digitale Angebote, bei denen man vom Rechner aus in ganz Deutschland teilnehmen kann. Unter www.girls-day.de/radar und www.boys-day.de/radar können Mädchen und Jungen nach ihrem Wunschplatz suchen und sich anmelden. Eine Anmeldung ist noch bis zum 31. März möglich.
Erschienen im Tagesspiegel am 21.03.2025