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Abgekupfert - aber gut

Die Spange in der Mittelkonsole ruft viele Assoziationen hervor. Manche entdecken ein Skelett, andere ausgebreitete Vogel-Schwingen. Foto: Cupra

Mobile Faszination November 2024

Abgekupfert - aber gut

Der Cupra Tavascan ist im Herzen ein Volkswagen, aber das Design macht ihn einzigartig

Einhundertzwölf Einwohner, drei Hotels, ein Restaurant: Mitten in den Pyrenäen in 1122 Metern Höhe liegt der Ort Tavascan. Außer den heimischen Skifahrern dürfte das Bergdörfchen kaum jemand gekannt haben. Bis die Seat-Tochter Cupra ihr zweites rein elektrisches Modell so getauft hat und jetzt die halbe Welt den Namen Tavascan kennt. Cupra selbst hat sich innerhalb kürzester Zeit zur am schnellsten wachsenden Automarke in Europa entwickelt. Ein Grund dafür dürfte das Design sein. Denn hier lassen es die Spanier unter der obersten Leitung von Jorge Diez so richtig krachen. So auch beim 4,64 Meter langen Tavascan - der auf der gleichen technischen Plattform steht wie VW ID.3 und ID.4. „Ein Cupra soll nie langweilen, muss die Grenzen austesten und darf mit seinem Design provozieren“, so lautet das Credo von Diez. Ein weiteres typisches Leitmotiv ist die Farbe Kupfer. Sie findet sich überall am und im Fahrzeug. Neu sind die Tagfahrlichter: Drei Dreiecke, die an die gelblichen Augen eines Reptils in der Dunkelheit erinnern. Überhaupt: Die Nacht ist die Bühne des Tavascan. So darf das Logo auf der Motorhaube erstmalig leuchten. Strahlende LED-Streifen ziehen sich quer über die Front und ziehen das Fahrzeug in die Breite. Und auch das Heck wird von einer Lichtlanze nebst rotem Logo illuminiert. Ja, ist denn schon Weihnachten?

Das Design eines Cupras darf nur eines nicht sein: Langweilig. Und das ist der neue Tavascan ganz nestimmt nicht. Foto: Cupra
Das Design eines Cupras darf nur eines nicht sein: Langweilig. Und das ist der neue Tavascan ganz nestimmt nicht. Foto: Cupra

Die Inszenierung setzt sich im Innenraum fort. Fast schon exzentrisch spreizt sich von der Mittelkonsole aus eine breite Spange über beide Seiten des Armaturenbretts. Sie erinnert an ein Skelett und könnte auch vom spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava stammen, der viele seiner Werke wie zum Beispiel den Bahnhof am New Yorker World Trade Center wie große Gerippe aussehen lässt. Die Displays und ihre Anordnung kennt man von Volkswagen. In der Mitte thront das 13 Zoll große Infotainment-Display. Und leider, leider tauchen auch die ungeliebten Slider wieder auf, allerdings beleuchtet.

 Aus dem Konzernregal kommen auch die zwei verschiedenen Antriebe. Der Akku fasst sowohl bei der Basis-Version Endurance als auch beim VZ-Modell 77 kWh netto. Die günstigere Variante (Preise ab 53.240 Euro) treibt ein 286 PS starker Heckmotor mit 545 Nm Drehmoment an. Von O auf Tempo 100 geht es in 6,8 Sekunden. Zwischen 100 und null Prozent Akkuleistung liegen rein theoretisch 568 Kilometer Reichweite. Der Tavascan VZ (VZ für spanisch veloz, schnell) hat einen zweiten Motor auf der Vorderachse, der weitere 134 Nm Drehmoment zur Verfügung stellt und die Systemleistung auf 340 PS steigert. Damit spurtet der Allradler dann auch in 5,5 Sekunden von null auf 100. Das kostet Energie. Die Reichweite liegt dann nur noch bei theoretischen 522 Kilometern. Aber ist das alles realistisch? Wir verbrauchten auf den Testfahrten mit dem VZ statt der versprochenen 16,5 kWh knapp 20 kWh. Unter Berücksichtigung, dass die Batterie normalerweise nur auf 80 Prozent aufgeladen wird und dass man sein Auto mit zehn Prozent Rest an der Stromsäule abstellt, bleiben rund 350 bis bestenfalls 400 Kilometer Reichweite im Alltag. Beim Laden hat der Tavascan Schwächen. Elf kW sind es bei Wechselstrom, nur 135 kW bei Gleichstrom. Auch hier hat Cupra das Nachsehen, denn die neuen ID-Modelle von VW packen schon 175 kW und mehr. Dennoch versprechen die Spanier eine Ladezeit von unter 30 Minuten von zehn bis zu 80 Prozent Batterieleistung. Wie alle Cupras wurde auch der Tavascan auf Sportlichkeit getrimmt. Trotz seiner Länge und seines beträchtlichen Gewichts von rund 2,2 Tonnen fährt sich das Auto recht agil. Das DCC-Adaptiv-Fahrwerk arbeitet sauber. Dank der Progressivlenkung hat man das Fahrzeug auch bei höherer Geschwindigkeit jederzeit stabil im Griff. Der Spurhalteassistent hält sich vornehm zurück. Nicht gefallen hat uns das teigige Bremsgefühl, hier darf nachgebessert werden. Bequem ist der Tavascan allemal. Dank eines Radstands von 2,77 Metern finden alle Passagiere ausreichend Platz. Dasselbe gilt für das mitgeführte Gepäck. 540 Liter passen normalerweise in den Kofferraum. Wird die (teilbare) Rückbank umgeklappt, sind es 1510 Liter.

Unser Fazit: Die schönen Dinge im Leben sind nie billig. Wem der Tavascan gefällt, der wird daher tiefer in die Tasche greifen, um ja kein gewöhnliches Auto zu besitzen. Zumindest optisch: Denn ganz im Inneren, nämlich bei der Technik, ist das Elektro-SUV tatsächlich ein Auto von der Stange. Auch wenn es sich um solide und gute Volkswagen-Produkte handelt.
rdf

Er­schie­nen im Ta­ges­spie­gel am 18.11.2024

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