Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbHWie Produktentwicklung digitalen Journalismus vorantreibt

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Johannes Vogel, Geschäftsführer der Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GbmH
Johannes Vogel, Geschäftsführer der Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GbmH Daniel Hofer; SZDM

Interdisziplinäre Teams arbeiten bei der Süddeutschen Zeitung Digitale Medien GmbH an der Zukunft des digitalen Journalismus. Geschäftsführer Johannes Vogel erklärt im Interview, wie Entwickler, Designer, Web-Analysten und Journalisten zusammen kreative Ideen entwickeln und umsetzen.

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Guten Tag Herr Vogel, Sie sind Geschäftsführer von Süddeutsche Zeitung Digitale Medien. Was genau sind die Tätigkeitsschwerpunkte und was macht die SZ Digitale Medien?

Johannes Vogel: Wir kümmern uns bei der SZ Digitale Medien darum, dass alle Auftritte der Süddeutschen Zeitung in der digitalen Welt nutzerorientiert und gut produziert, entwickelt und betrieben werden.

Auf der einen Seite sind rund 100 Redakteure in unserer Organisation, die sich um die Gestaltung und die Inhalte der digitalen Angebote kümmern. Sie arbeiten journalistisch eng mit der Redaktion der Süddeutschen Zeitung zusammen. Auf der anderen Seite sind rund 90 Kollegen in der Produktentwicklung. Dort kümmern wir uns um alle Bereiche, die dazu notwendig sind, um digitale Produkte zu entwickeln und erfolgreich zu platzieren. Das umfasst alles vom Produkt- und Prozessmanagement über Design, User Research, Audience Development, Softwareentwicklung und Testing bis hin zu Web Analytics und Data-Science.

Was unterscheidet die Arbeit bei Ihnen von der klassischen Redaktionsarbeit?

Im Digitalen ändern sich permanent und sehr schnell die Voraussetzungen des Marktes: Neue Produkte und Plattformen entstehen oder werden weiterentwickelt. Dann gibt es plötzlich neue Features, die wir bedienen können, um unsere Inhalte noch besser zu präsentieren. Durch diese Dynamik ist eine engere Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Technik notwendig. Es passiert ja nichts seriell.

Im Print schreibt und erstellt der Redakteur Seiten und stellt gemeinsam mit dem Blattplaner einmal am Tag eine Zeitung zusammen. Danach geht es an die Druckerei und die Logistik, damit die Zeitung pünktlich im Briefkasten landet. Wir jedoch arbeiten quasi 24 Stunden, sieben Tage die Woche eng zusammen. Nur durch das Zusammenspiel von Softwareentwicklung, Produktion und Journalismus kann das Produkt in der entsprechenden Medienform für den Nutzer optimal publiziert werden.

Sie sind also die Innovationstreiber im Haus. Wie entstehen diese Ideen? Gibt es bestimmte Arbeitsabläufe oder bestimmte Methoden, die Sie anwenden?

Viele Ideen kommen unmittelbar aus der Redaktion, die sich Gedanken macht, über welche Geschichten und Inhalte in Zukunft geschrieben wird und welche Medienformen dafür notwendig sind. Spätestens dann beginnt die Zusammenarbeit mit den Produktentwicklern. Die zentrale Frage lautet dabei: Wie setzen wir eine Geschichte optimal um? Brauchen wir Infografiken, eine audiovisuelle Aufbereitung, oder etwa einen Podcast? Das kann weder ein Redakteur alleine machen, noch kann ein Entwickler einfach Tools zur Verfügung stellen, die der Redakteur dann nutzt. All das macht unser Tagesgeschäft aus und entsteht in einem iterativen Prozess der Zusammenarbeit.

Aber auch unsere Produktteams beobachten ständig den Markt, versuchen Trends und neue Möglichkeiten zu erkennen und für uns zu adaptieren. Unsere interdisziplinär organisierten Produktteams kümmern sich beständig darum, vorhandene Produkte weiterzuentwickeln und dabei neuen Nutzerbedürfnissen gerecht zu werden. Außerdem leisten sie den performanten und sicheren Betrieb.

Datenanalyse, Entwicklung und Redaktion - viele Disziplinen in einem Team. Aus was für Mitarbeitern besteht das Team denn konkret?

Aktuell sind die meisten Teams tatsächlich nach den Produkten aufgestellt. Das heißt, es gibt ein Team, das ausschließlich an unseren Angeboten im stationären und mobilen Browser arbeitet. Dann gibt es Teams, die sich nur um die weiße oder um die grüne App kümmern.

Jedes Team hat einen eigenen Product Owner, der letztendlich Ideen filtert, priorisiert und mit den Stakeholdern in Redaktion und Verlag abstimmt. Das Team entscheidet dann gemeinsam, in welcher Reihenfolge Aufgaben realisiert werden.

Wir haben Webanalytiker und Designer in den Teams. Auf Basis von Daten aus der Webanalyse werden Ziele definiert und diese Informationen werden auch für die Produktentwicklung und Konzeption im Team verwertet. Anschließend entsteht das Design mit Fokus auf die User Experience. Die Softwareentwickler und Softwarearchitekten implementieren die Produktneuerung und achten darauf, dass Produkte in unsere gesamte Technologielandschaft hineinpassen. Unsere Testerinnen achten darauf, dass die Qualität stimmt und Features auch wirklich funktionieren.

Die Scrummaster kümmern sich als Prozessverantwortliche in den Teams um eine kontinuierliche Verbesserung der Zusammenarbeit aller Teammitglieder untereinander sowie des Teams mit seinem Umfeld.

Die Teams der Süddeutschen Zeitung Digitale Medien GmbH sollen ihre Ideen so eigenständig wie möglich umsetzen können.
Die Teams der Süddeutschen Zeitung Digitale Medien GmbH sollen ihre Ideen so eigenständig wie möglich umsetzen können. SZDM

In Ihren Grundsätzen steht, dass Sie agil arbeiten. Wie setzen Sie die Prinzipien des agilen Arbeitens konkret um?

Unser Ziel ist, dass die Teams so autark wie möglich arbeiten können, um auch eigene Kreativität einzubringen. Wir definieren in der Regel die strategischen Ziele, die wir verfolgen, und bitten die Produktteams, für ihr Produkt eine Vision abzuleiten. Diese überprüfen wir im Vierteljahresrhythmus und stimmen in der Führungsmannschaft die Roadmap für das nächste Vierteljahr ab. Innerhalb dieses Vierteljahres sollen die Teams so eigenständig wie möglich auch eigene Ideen realisieren können.

Jeder Mitarbeiter kann also eigene Visionen einbringen. Welche Eigenschaften sollte man neben den fachlichen Kenntnissen mitbringen, um bei SZDM zu arbeiten?

Aufgrund der engen Zusammenarbeit und der angestrebten hohen Stabilität innerhalb der Teams ist Teamfähigkeit elementar. Mit unseren agilen Methoden versuchen wir größtmögliche Transparenz zu gewährleisten und Vertrauen innerhalb der Teams aufzubauen. Das ist gesamtverantwortlich für die Leistung, die es bringen kann und bringen möchte. Das heißt, viel Selbstverantwortung mit hoher Transparenz. So kann auch im vertrauten Rahmen an der gemeinsamen Leistungsfähigkeit gearbeitet werden.

Wenn ich mich bei Ihnen bewerben möchte, was für einen Bewerbungsprozess durchlaufe ich dann?

Bei uns wird keine Personalentscheidung alleine von einer Führungskraft getroffen. Nach einem erfolgreichen Erstgespräch geht es dann schnell zum Probetag in die Teams. Ziel ist immer, dass das Team den Kandidaten kennenlernt und auch der Kandidat das Team kennenlernen kann. Wir erklären den Bewerbern, wie wir ticken und wie wir arbeiten. So haben auch die Teams systematisch die Möglichkeit, diesen Kandidaten kennenzulernen und letztendlich auch mitzuentscheiden. Das Team hat die Entscheidungskraft zu sagen, ob ein Bewerber passt, oder eben nicht. Dabei achten wir sowohl auf die fachliche wie auch die persönliche Eignung.

So viel Mitspracherecht ist selten. Kommen wir zur letzten Frage: Was ist Ihre persönliche Vision für das Unternehmen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit der Süddeutschen Zeitung im Digitalen nur dann langfristig nachhaltig erfolgreich sind, wenn wir uns auf Basis der aktuell beschriebenen Kultur immer weiterentwickeln. Die Komplexität und die Geschwindigkeit nehmen zu. Wir werden nur erfolgreich sein, wenn wir in allen Teams die entsprechenden Fähigkeiten und Kompetenzen mit an Bord haben, um schnell fundierte Entscheidungen treffen zu können. Dafür brauchen wir gute und motivierte Mitarbeiter. Wir stellen ihnen die entsprechenden Arbeitsbedingungen zur Verfügung. Eine hohe Identifikation mit der Art von Journalismus, wie wir ihn als Süddeutsche Zeitung betreiben, ist dann natürlich eine Grundvoraussetzung. Auch die Art der Zusammenarbeit und die Attraktivität unserer Methoden und Zielstellungen sind zentral, um langfristig erfolgreich zu sein. Das heißt, der Part der Produktentwicklung mit allen dafür notwendigen Skills ist elementar wichtig, um Journalismus im Digitalen auch langfristig erfolgreich zu machen.

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