Sprachlabor (33):Ozapft und gsuffa

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SZ-Redakteur Hermann Unterstöger über Konsekutivsätze und das Anzapfen auf dem Oktoberfest.

Hermann Unterstöger

"Dabei sollte es auch bleiben", schreibt Leser B., und er meint damit die altehrwürdige Regel, dass die Konjunktion "um - zu" eine Absicht ausdrückt. Die Absicht Herrn B.s liegt auf der Hand. Er erinnert an die Regel, um Verstöße gegen sie verhindern zu helfen, und das Beispiel aus der SZ, mit dem er operiert, ist nicht von schlechten Eltern (im übertragenen Sinn, faktisch ist es von einem unserer Korrespondenten).

Die undatierte Aufnahme zeigt den Fremdsprachenunterricht im Sprachlabor einer Schule in Frankfurt am Main. (Foto: Foto: dpa)

Der Satz stammt aus einem Artikel über Andreas Hofer, und darin heißt es über den Tiroler Freiheitshelden, er habe die Franzosen und Bayern dreimal geschlagen, "nur um im vierten Gefecht schmählich unterzugehen". Dazu merkt B. lakonisch an, dass Hofers drei Siege nicht davon beflügelt gewesen seien, in der vierten Schlacht eine schöne Niederlage einzufahren, sondern davon, Tirol wieder unter kaiserliche Obhut zu stellen.

Bis hierher sind wir mit Herrn B. quasi im Gleichschritt gegangen, doch nun schlagen wir uns seitwärts in die Büsche - fast hätten wir gesagt: um uns nun seitwärts in die Büsche zu schlagen. In der Grammatik findet sich nämlich ein Paragraph, der den Sprachgebrauch genau widerspiegelt und folgendermaßen lautet: "Die Konjunktion um - zu wird final zur Kennzeichnung des Zweckes, der Absicht oder aber zur Kennzeichnung der Folge gebraucht."

Weder "o'zapft" noch "g'suffa" Diese konsekutive Verwendung illustriert die Grammatik mit dem ach so lebensnahen Satz: "Ich bin zu alt, um darauf noch zu hoffen", der in klassischer Formulierung so aussähe: "Ich bin so alt, dass ich darauf nicht mehr hoffen kann." Konsekutivsätze dieses Schlages nennen, so die Erläuterung, "eine nicht wünschbare, notwendige oder mögliche Folge aus dem, was im Hauptsatz mitgeteilt ist" - und was immer von der oben erwähnten Niederlage im vierten Gefecht zu halten ist, wünschbar war sie sicher nicht, jedenfalls nicht für den Sandwirt.

Ein Echo zur letzten Kolumne, in der es unter anderem um den Apostroph gegangen war, kommt von W., dem Freund und Kupferstecher. Aus aktuellem Anlass erinnert er daran, dass man weder "o'zapft" noch "g'suffa" schreibt, weil eine Auslassung, wie sie der Apostroph anzeigt, hier wie dort nicht stattgefunden hat. Die Wörter "ogezapft" und "gesuffa" gibt es im Baierischen nicht, weswegen wir, auch übers Oktoberfest hinaus, bei "ozapft" und "gsuffa" bleiben sollten.

© SZ vom 26.09.2009 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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