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Zeitarbeiter fühlen sich wie Menschen zweiter Klasse.

Maximilian Weingartner

Nach der Krise boomt die Zeitarbeit: Für mehr als jede dritte neue Stelle suchten Betriebe im Juni keinen festen Angestellten, sondern einen Leiharbeiter. Die Gewerkschaften schlagen Alarm, die Arbeitgeber verteidigen dagegen die Leiharbeit. Ein Knackpunkt ist die Bezahlung: Die Unternehmen möchten auf keinen Fall den Lohn für die Zeitjobs auf das Niveau der normalen Mitarbeiter anheben. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit, fordern jedoch die Zeitarbeiter. Sie fühlen sich als Menschen zweiter Klasse. Die Mehrheit der Blogger im Netz stellt sich auf die Seite der Zeitarbeiter.

Unternehmen setzen zunehmend auf Zeitarbeit

Beim Tag der Zeitarbeit in der Agentur für Arbeit in Erfurt suchen Bewerber an einer Informationstafel nach offenen Stellen. Die Unternehmen in Deutschland setzen bei Neueinstellungen zunehmend auf Zeitarbeiter.

(Foto: dpa)

"Zeitarbeit fördert den Niedriglohnsektor", schreibt Norbert Fuhrmann auf www.iq-z.com . Der Blogger hält Zeitarbeit dennoch nicht für grundsätzlich falsch. Sie habe aber ein Imageproblem. Die Seriösität einer ganzen Branche werde durch eine Vielzahl schwarzer Schafe in Zweifel gezogen, schreibt er.Nutzer Sleepy antwortet darauf, dass sich die seriösen Firmen der Branche längst im Bundesverband der Zeitarbeitsfirmen organisiert haben und man so doch die "Guten von den Bösen" unterscheiden könne.

Für Peter Hackner gibt es hingegen keine gute Zeitarbeit. "Diese unsoziale Entwicklung gehört endlich gestoppt", schreibt er auf http://blog.betriebsrat.de . Er kritisiert die "Hire and Fire Mentalität" der Unternehmen und meint, dass das Instrument Zeitarbeit gezielt missbraucht wird, um dauerhaft günstigere Beschäftige im Betrieb vorzuhalten. Die Folge ist für ihn: Die angestammten Belegschaften werden dadurch immer mehr verdrängt. Das Argument der Arbeitgeberseite, Unternehmen müssten flexibel sein, hält Hackner für vorgeschoben. Blogger Felix ist da anderer Meinung: "Die Notwendigkeit der Flexibilität in der Wirtschaft ist von allen Seiten anerkannt. Darüber wird man sich kaum streiten", kommentiert er den Beitrag von Hackner.

Blogger Felix fordert allerdings einen Mindestlohn für die Branche. Den verlangt auch Norman Pätzold. In seinem Blog http://lynch04.wordpress.com schreibt er: "Eine Lohnuntergrenze ist ein Muss. Und für die großartige Flexibilität der Zeitarbeiter müsste es eigentlich noch einen Extra-Zuschlag von zehn Prozent geben." Auch auf www.erwerbslosenforum.de sind alle Diskutierenden für einen Mindestlohn. "Wenn schon Zeitarbeiter, dann wenigstens mit einem menschenwürdigen Lohn", schreibt User Restposten. Nutzer Lutzekapuzedagegen hält den Ruf nach einem Mindestlohn für wenig zielführend. Auf www.politik.de kommentiert er: "Es wäre zwar wünschenswert, die Forderung aber ist nicht realistisch. Viel besser wäre es, sich auf die Anpassung der Arbeitsbedingungen und der Löhne zu konzentrieren." Von Nutzer Demo76 wird er daraufhin scharf angegriffen. Er wirft ihm "Verrat" vor.

Im Netz werden aber nicht nur die allgemeinen Vor- und Nachteile von Zeitarbeit diskutiert. Auf www.paradisi.de streiten Zeitarbeiter über ihr Schicksal und beschreiben ihre individuelle Situation im Unternehmen. So klagt Mr. V, dass "man eben doch anders behandelt wird als ein normal angestellter Kollege" und rechnet vor, wie wenig Geld ihm zum Leben im Monat bleibt. Von anderen wird er kritisiert, dass es ihm im Vergleich noch gut gehe. Und Michael, auch bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, rät jedem ab, sich bei dieser zu bewerben. Er warnt: "Zeitarbeit ist die moderne Sklaverei. Überlegt es euch gut, ob ihr in solchen Firmen anfangen wollt." In diesem Forum gibt es nur einen, der die Zeitarbeit verteidigt. Er rühmt sich sogar, einen Porsche zu fahren. Sein Namen mag er aber nicht nennen.

© SZ vom 31.7./1.8.2010/ib
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