Bremerhaven/Hannover (dpa/lni) - Der Bremerhavener Feuerwerk-Hersteller Comet befürchtet, dass das erneute Verkaufsverbot für Silvesterraketen die Gefahr illegaler Böllerei in diesem Jahr steigert. „Indem Bund und Länder den Verkauf legalen Feuerwerks verbieten, schaffen sie das Risiko, dass illegales Feuerwerk aus Nachbarländern eingeführt wird“, heißt es von Comet. Das Abbrennen dieses gefährlichen Feuerwerks könne zu einer hohen Belastung in Krankenhäusern durch Verletzungen führen.
Das Verkaufsverbot von Raketen diene nicht dem Infektionsschutz, meint Geschäftsführer Richard Eickel. Legales Feuerwerk führt seiner Ansicht nach nicht zu einer Verschärfung der Situation auf Covid-Intensivstationen. Er verweist dabei auf den Krankenhausbetreiber Vivantes, der erklärt habe, nur fünf Prozent aller Krankenhauseinweisungen in der Silvesternacht seien auf Feuerwerk zurückzuführen.
Comet hatte sich mit dem Jahresendgeschäft 2021 eine wirtschaftliche Erholung erhofft. Das Unternehmen erzielt demnach rund 95 Prozent seines Jahresumsatzes mit dem Silvestergeschäft. „Ein Verkaufsverbot im zweiten Jahr in Folge kann selbst ein gesundes Unternehmen nicht ohne erhebliche finanzielle Unterstützung verkraften“, sagt Eickel.
Comet habe Anfang Dezember eine staatliche Überbrückungshilfe erhalten. „Die Förderung hat uns alle sehr gefreut“, erläutert Eickel. Die Fördersumme entspreche allerdings nur rund 60 Prozent der Verluste des Jahres 2020. Dieser Verlust liege bei rund 6,5 Millionen Euro.
Auch beim Unternehmen Rohr Feuerwerke ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt. „Wir sind seit zwei Jahren in Kurzarbeit, es gibt keine Veranstaltungen“, sagt Geschäftsführer Guido Wolff-Rohr. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der Gemeinde Wedemark bei Hannover. Der Feuerwerkswettbewerb in Hannover sei zum zweiten Mal verschoben worden. „Eigentlich veranstalten wir rund 120 Feuerwerke im Jahr, dieses Jahr waren es nur 6“, sagt Wolff-Rohr. Der Silvesterverkauf mache dort rund 30 Prozent des Jahresumsatzes aus. Der falle auch in diesem Jahr wieder weg.
Fünf Mitarbeiter hatte das Unternehmen, nun sind es demnach noch drei. Den Familienbetrieb Rohr gibt es seit 70 Jahren. „Hier auf dem Land versteht niemand, warum man auf dem eigenen Grundstück kein Feuerwerk abbrennen darf“, sagt der Chef. Er warnt wie Comet-Chef Eickel vor Feuerwerk aus dem europäischen Ausland. Das werde oft geschmuggelt, viele Knaller hätten aber gar keine Zulassung und seien sehr gefährlich. Wolff-Rohr: „Das bereitet unserer Branche Kopfschmerzen.“
Er denke schon darüber nach den Betrieb zu schließen, es fielen ja viele Kosten an. „Überbrückungshilfen haben wir erhalten, das hat aber bei weitem nicht den finanziellen Verlust gedeckt“, sagt Wolff-Rohr. Es seien viele Fragen offen und es fehle eine Prognose, wie es weiter gehen könne. Das Unternehmen plane schon immer ein Jahr im Voraus.
„Feuerwerk ist eine Kunstform, wir machen das aus Leidenschaft“, betont Wolff-Rohr. Und: „Ich habe das ja nicht selbst in der Hand, wir sind abhängig. Es steht und fällt mit den Veranstaltungen.“
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