Berlin:Rassistischer Angriff auf 17-Jährige: Polizei gibt Fehler zu

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Auf der Motorhaube eines Streifenwagens steht der Schriftzug „Polizei“. (Foto: David Inderlied/dpa/Illustration)

Immer wieder bricht die 17-Jährige in Tränen aus, als sie in einem Video aus dem Krankenhaus von einem brutalen rassistischen Angriff am Samstag in einer...

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Berlin (dpa/bb) - Immer wieder bricht die 17-Jährige in Tränen aus, als sie in einem Video aus dem Krankenhaus von einem brutalen rassistischen Angriff am Samstag in einer Berliner Straßenbahn erzählt. Zusätzlich empörte sie, dass die Polizei zunächst berichtet hatte, der Hauptgrund für den Angriff sei ihre fehlende Corona-Schutzmaske gewesen. Rassistische Beleidigungen wurden allerdings auch erwähnt. Am Mittwoch räumte die Polizei einen Fehler in der ersten Darstellung vom Sonntag ein. Drei mutmaßliche Angreifer hatte die Polizei noch am Abend der Tat festgenommen.

Auch die Deutsche Presse-Agentur hatte die ursprüngliche Darstellung der Polizei zunächst in einer Meldung übernommen, ohne die Hinweise des Opfers auf rassistische Beleidigungen zu erwähnen.

Nachdem die junge Frau ihr knapp zehn Minuten langes Video im Internet veröffentlicht hatte, entbrannte eine heftige Debatte, in der auch Medien kritisiert wurden. In dem Film erzählt die 17-Jährige zum Teil weinend von dem Angriff: „Ich wurde gestern zusammengeschlagen, weil ich Ausländerin bin.“

Die Polizei erklärte am Mittwoch auf Anfrage, die verwendeten Informationen „stammten aus den vor Ort aufgenommenen Strafanzeigen, die, wie die weiteren Ermittlungen gezeigt haben, missverständlich formuliert waren“. Es könne bei Pressemeldungen der Polizei „nur der Stand der Informationen wiedergegeben werden, der zum Zeitpunkt des Verfassens der Meldung bestand“.

Die junge Frau schilderte in dem Video, sie sei am Samstagabend in der Straßenbahn in Prenzlauer Berg erst von zwei Frauen und einem Mann mehrfach als „Drecksausländerin“ beschimpft und angepöbelt worden. Nach dem Aussteigen sei sie festgehalten worden, sechs Männer und Frauen hätten auf sie eingeprügelt und eingetreten, ihr gegen den Kopf geschlagen, an ihren Haaren gezogen und sie weiter rassistisch beschimpft. „Immer wieder erinnere ich mich an den Hass in ihren Augen.“

Sie habe um Hilfe geschrien und gebettelt, aber trotz vieler anwesender Menschen habe ihr niemand geholfen, berichtete die junge Frau. Anfangs habe sie noch ihre Corona-Maske getragen, bis diese kaputt gegangen sei. Sie habe dann die davon gehenden Täter noch mit ihrem Handy gefilmt. Mit einer Gehirnerschütterung und vielen Prellungen sei sie ins Krankenhaus gekommen.

Unter Tränen sagte die Jugendliche, sie sei am Ende, „weil ich nicht verstehen kann, wie 2022 immer noch solche Menschen auf diesem Planeten leben können“, die immer noch denken würden, „wir wären unterschiedlich wegen unserer Herkunft“. Sie kritisierte auch die Medien, die von einem Angriff wegen einer fehlender Maske berichtet hätten.

Die spätere Auswertung von Videos habe laut Polizei gezeigt, dass „die Jugendliche beim Ein- und Aussteigen aus der Tram eine Mund-Nase-Bedeckung trug und diese lediglich bei dem auf die rassistischen Beleidigungen folgenden Streitgespräch mit den sechs Erwachsenen kurzfristig nach unten gezogen hatte.“ Die sechs verdächtigen Erwachsenen hätten überwiegend keine Masken getragen.

Ihre erste Mitteilung von Sonntagnachmittag hatte die Polizei am Dienstag noch ergänzt, von „rassistischer Beleidigung und Körperverletzung“ geschrieben und nach Zeugen gesucht.

Die frühere Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) twitterte: „Ein Mädchen wird auf offener Straße zusammengeschlagen, weil sie aus Sicht der Täter keine Deutsche ist. Sie schreit, bittet um Hilfe. Alle schauen zu oder weg. Es ist nicht nur der Rassismus, der mir Sorgen macht. Es ist das Schweigen.“

© dpa-infocom, dpa:220209-99-47704/7

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