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3. September 2009:Kaffeebohne auf dem Sahnehäubchen

Kanzlerin Angela Merkel richtet für Deutsche-Bank-Chef Ackermann eine Feier aus und gibt sich spendabel. Eine Auswahl an Leserbriefen.

Die SZ-Leser kommentierten angeregt die Berichte über die Geburtstagsparty für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Kanzleramt. Zu den Berichten über die Feier schreiben die Leser:

Die Feier für Josef Ackermann im Kanzleramt erregt die Gemüter der Leser.

(Foto: Foto: AP)

"Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt Gesetze von Anwälten der Kanzlei Linklaters schreiben, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt kurvt im Dienstwagen durch Spanien - und jetzt kommt heraus, dass Kanzlerin Angela Merkel Josef Ackermann erlaubt hat, seinen 60. Geburtstag im Kanzleramt zu feiern. Sah sich Angela Merkel zur Wiedergutmachung genötigt?

Haben Angela Merkel und die CDU von Ackermanns Deutscher Bank Geld erhalten? Auf dass die Spenden weiter üppig fließen! Jetzt ist Wahlkampf, und da werden bestimmt wieder viele Euros für Wahlplakate notwendig werden. Aber sicherlich stehen Politiker über so etwas und entscheiden vollkommen unabhängig.

Nach Angaben der Organisation LobbyControl hat die Deutsche Bank externe Mitarbeiter, also von der Deutschen Bank bezahlte Lobbyisten, in folgenden Ministerien mit einem eigenen Schreibtisch platziert: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bundesministerium der Finanzen, Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium des Inneren.

Über die Inhalte der Arbeit dieser Personen ist nichts in Erfahrung zu bringen, das entzieht sich jeder demokratischen Kontrolle. Dagegen ist eine Geburtstagsfeier auf Kosten des Steuerzahlers allenfalls die Kaffeebohne auf dem Sahnehäubchen der ganz großen Torte, die man der Deutschen Bank bereits gegeben hat. Für Bildung reicht es hinten und vorne nicht. Aber die Versorgung der Elite hat keine Mängel. Ackermann hätte auch umgekehrt die Kanzlerin auf seine Kosten einladen können. Im Vergleich zu ihm würde ich sie als Geringstverdienerin einstufen. So preiswert sind unsere Politiker."

Peter Maier Penzberg

Kleine Münzen aus dem Reptilienfonds "Sind es wirklich nur "ganz kleine Münzen", mit denen das Abendessen aus Anlass des Geburtstages von Herrn Ackermann im Bundeskanzleramt zu bezahlen waren? Schon seit Bismarck Gelder aus seinem Geheimfonds dazu benutzt hatte, sich eine für ihn positive Presse zu erkaufen, ist der Haushaltstitel "zur Förderung des Informationswesens" mit einem Beigeschmack verbunden.

Denn da der breiten Öffentlichkeit die Verwendung dieser Mittel im allgemeinen nicht bekannt ist (sie ist erst seit 1967 der parlamentarischen Kontrolle unterworfen, weshalb sich auch der Haushaltsausschuss - wie geschehen - damit befasst hat), entbehren bekannt werdende Details verständlicherweise nicht der Pikanterie.

Gerade in Wahlkampfzeiten sind die Namen der Begünstigten von besonderem Interesse. So sollte nicht unerwähnt und unbekannt bleiben, dass insbesondere das Haus Springer das besagte Abendessen mit der Bundeskanzlerin zu schätzen wusste. Seit Bismarck wird der diskrete Geldtopf, aus dem auch das Geburtstagsgelage für den Chef der Deutschen Bank bezahlt wurde, nicht von ungefähr mit dem Begriff "Reptilienfonds" versehen."

Dr. Hermann Beck Hof

Drei Fragen, eine Antwort "Liebe Frau Merkel, ich habe am 29. März Geburtstag. Können Sie mir eine Feier ausrichten? Liebe Frau Schmidt, können Sie mich an diesem Tag nach Berlin fahren? Lieber Herr Ackermann, soll ich Ihnen für ihren nächsten Geburtstag Geld leihen? Teuer? Geht schon. Das sparen wir bei den Schulbüchern für die Kinder wieder ein!"

Wilhelm Rott Ranstadt

Plötzlich kehrt die Erinnerung zurück "Die Aufregung um die Kanzleramtsfeier ist nicht sehr verständlich. Hat sich doch Frau Merkel nur auf Kosten der Steuerzahler bei einem Schweizer Banklehrbuben dafür bedankt, dass dieser die Deutsche Bank auf Kosten der Aktionäre veranlasst, der CDU Spenden zu leisten. Dass die SPD erst jetzt diese Angelegenheit aufgreift, liegt nicht am Wahlkampf, sondern an den Erinnerungslücken ihrer Mitglieder - siehe Steinmeier und seine Angaben vor dem Untersuchungsausschuss."

Rudolf Rieder Weiden

Scheinheilige Diskussion "Ich war jahrelang Bürgermeister einer österreichischen Gemeinde und habe auf Kosten der Steuerzahler selbstredend Abendessen ausgerichtet. Dies gehört zum politischen Geschäft. Geladen waren Geschäftsleute, -partner und Kulturschaffende. Die Diskussion ist so was von scheinheilig."

Dr.Wolfgang Lammel Mining, Österreich