Reisetipps Zypern

Stichworte Zypern

Ausländer

Ausländer haben in den letzten 800 Jahren die Geschicke Zyperns bestimmt. Seit 1191 wurde die Insel von fremden Herrschern mit einer anderen Muttersprache regiert, die einer anderen Konfession, wenn nicht gar Religion angehörten. Erst kamen die römisch-katholischen Kreuzritter, dann die Venezianer, später die Türken und schließlich die Engländer. Großbritannien, Griechenland und die Türkei gaben Zypern ohne Mitwirkung von Zyprioten die Verfassung des heutigen Staates. Seit 1964 sind UN-Soldaten aus der ganzen Welt auf der Insel - und 1974 kamen auch türkische Truppen zurück. Ihnen folgten Mitarbeiter ausländischer Firmen aus aller Welt, denen Südzypern zahlreiche Steuervorteile bot. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatenwelt investierten viele Russen ihre Schwarzgelder auf der Insel in Unternehmen, die diese Gelder anschließend ganz legal in die GUS-Staaten zurücktransferierten - heute existieren etwa 20000 russische Unternehmen, zumeist Briefkastenfirmen, in Südzypern, 40000 Russen leben hier. Hinzu kommen die Briten. Viele von ihnen haben im Norden oder im Süden Zweitwohnsitze - und etwa 20000 sind auf den zwei großen Militärstützpunkten Südzyperns stationiert, die sich Großbritannien bei den Unabhängigkeitsverhandlungen 1959/60 für alle Zeiten pachtfrei gesichert hat. Da fallen die 2,5 Mio. Touristen, die jedes Jahr nach Zypern kommen, kaum noch als Gäste auf Zeit auf.

Bewässerung

Wie viele Mittelmeerinseln litt auch Zypern lange unter Wassermangel. Das Problem ist seit den 1990er-Jahren weitgehend gelöst. Die reichen Niederschläge des Winterhalbjahrs werden von über 100 Stauseen und -becken im Tróodos-Gebirge aufgefangen und über Kanäle und Pipelines bis in die großen Städte und auf die Felder im Flachland geleitet. Zusätzliche Hilfe schaffen zwei Meerwasserentsalzungsanlagen im Süden.

Byzanz

Byzantinischem begegnen Sie in Zypern auf Schritt und Tritt. Für Zypern ist Byzanz die Klammer zu Griechenland, das sich schon seit der Gründung des neugriechischen Staats 1830 und erst recht seit dem Untergang des zaristischen Russland als dessen Nachfolger versteht. Ein Teil Griechenlands war Zypern ja nie - wohl aber mit Griechenland gemeinsam ein Teil von Byzanz: Kaiser Konstantin hatte 330 die Hauptstadt des Römischen Reichs an den Bosporus verlegt. 395 teilte Kaiser Theodosius das Römische Reich; die Stadt, inzwischen Konstantinopel genannt, wurde zum Zentrum des Oströmischen Reichs, das wir Byzanz nennen. Als die Türken Byzanz 1453 eroberten, nannten sie die Stadt Istanbul.

Flora

Zypern ist eine besonders dicht bewaldete Mittelmeerinsel. Ein Fünftel seiner Fläche ist inzwischen wieder baumbestanden, nachdem die Wälder jahrtausendelang für den Schiffs- und Hausbau und als Brennmaterial gefällt wurden. In den küstennahen Regionen überwiegen Öl- und Johannisbrotbäume, an den Stränden stehen hauptsächlich Tamarisken, an den Landstraßen Eukalyptusbäume. Zypressen und Akazien lockern das Bild auf. In den höheren Regionen gedeihen vor allem Aleppokiefern, Steineichen, Pappeln, Nuss- und Obstbäume sowie im Westen des Tróodos-Gebirges über 30000 Zedern. Die Gipfelregionen sind von Wacholder und Schwarzkiefern bewachsen. Insgesamt gibt es auf Zypern etwa 1800 Pflanzenarten. Mehr als 120 davon kommen in freier Natur nur auf Zypern vor.

Die wichtigste Kulturpflanze der Insel ist der Wein. Getreide wächst vor allem in der Mesaória, der Ebene zwischen den beiden Inselgebirgen. Zitrusfrüchte werden in großen Mengen an der Nordküste und in den Plantagen von Fasoúri westlich von Limassol angebaut, Kartoffeln in der Region bei Agía Nápa und Bananen sowie Erdnüsse in der Umgebung von Páfos.

Im Frühjahr ist Zypern ein einziges Blütenmeer. Besonders auffällig sind die Asphodelien und die Zistrosen, Hyazinthen und Narzissen, Cyclamen und Päonien, Klatschmohn, Oleander und Ginster sowie als Zierpflanzen Hibiskus und Bougainvillea.

Green Line

Zypern ist seit 1974 geteilt. Eine 217 km lange Demarkationslinie trennt den überwiegend von türkischen Zyprioten besiedelten Norden von Südzypern, wo nahezu ausschließlich griechische Zyprioten leben. Die Altstadt von Nicosia wurde schon 1964 geteilt, die Trennlinie wurde mit einem grünen Filzstift in einen Stadtplan eingezeichnet. Deshalb trug sie fortan den Namen Green Line, der inzwischen für die gesamte Demarkationslinie gilt.

Diese unnatürliche Grenze wird momentan immer noch von Soldaten dreier Parteien bewacht. Im Norden stehen türkische und türkisch-zypriotische Einheiten, im Süden griechische und griechisch-zypriotische. Dazwischen liegt ein 10 m bis 7 km breiter Streifen, die sogenannte Pufferzone, in der Soldaten der UNFICYP genannten UN-Friedenstruppen patrouillieren, um ein direktes Aufeinandertreffen der Parteien zu verhindern und Probleme sofort auf niedrigster Ebene lösen zu können.

Als Urlauber bemerkt man den Verlauf der Green Line außerhalb von Nicosia nur in Form von Wachttürmen und Flaggen. Eine Gefahr geht von ihr für Touristen nicht aus. In Nicosia selbst wird die Green Line durch eine einfache, niedrige Mauer markiert, die mit weiß-blau gestrichenen Ölfässern und Sandsäcken verstärkt ist. Teilweise wird sie sogar durch die mittelalterliche Stadtmauer gebildet.

Ikonen

Darstellungen von Heiligen und biblischen Ereignissen auf Tafelbildern nennt man in der orthodoxen Kirche Ikonen. Man findet sie in allen Gotteshäusern und in vielen Privatwohnungen, am Armaturenbrett von Linienbussen und in den Ruderhäusern der Fischerboote. Ikonen sind etwas ganz anderes als die Bilder christlich-religiösen Inhalts in unseren Kirchen. Sie sind kein Schmuck, sondern bringen den Heiligen ins Haus, machen ihn gegenwärtig. Sie gelten als „Tore zum Himmel“. Deswegen genießen sie besondere Verehrung, werden geküsst, mit Gold, Silber, Edelsteinen und kostbar bestickten Vorhängen beschenkt. Ikonen sind Konsulate des Himmels auf Erden. Sie werden behandelt, als wären sie der Heilige selbst.

Makários III.

Dem Erzbischof, der die Insel in den ersten 17 Jahren ihrer Unabhängigkeit regierte, begegnen Urlauber noch immer auf vielen Fotos und in Form monumentaler Denkmäler. Er ist für die meisten Südzyprioten noch immer der Übervater, an dessen Politik kaum Kritik geübt wird. Makários wurde 1913 als Bauernsohn im Bergdorf Páno Panagiá im Tróodos geboren. Als Elfjährigen gab ihn sein gerade verwitweter Vater als Novize ins Kloster Kýkko, das ihm Schulausbildung und Theologiestudium ermöglichte. 1948 wurde er zum Bischof von Kition (Lárnaka) gewählt, bereits zweieinhalb Jahre später dann zum Erzbischof der Insel.

Makários hatte sich bereits früh für den Abzug der Briten von der Insel und den Anschluss Zyperns an Griechenland engagiert. Er wurde auch zum politischen Führer der griechischen Zyprioten und flankierte mit flammenden Reden den bewaffneten Kampf gegen den Kolonialherrn. So war es fast selbstverständlich, dass er 1960 zum ersten Präsidenten der neuen Republik gewählt wurde. Sein Amt als Kirchenfürst behielt er.

In den folgenden Jahren versuchte Makários, den starken Einfluss zurückzudrängen, der den türkischen Zyprioten in Verwaltung, Politik und Polizei durch die Verfassung gewährt wurde. Er ließ militärische Maßnahmen gegen türkische Zyprioten zu und förderte so die Spannungen. Außenpolitisch machte sich Makários für die Blockfreiheit Zyperns und eine Minderung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Großbritannien stark.

Als das Militär 1967 in Griechenland die Macht übernahm, rückte Makários von seinem Streben nach énosis, dem Anschluss an Griechenland, ab. Er verurteilte die Diktatur der Athener Obristen und machte sich diese damit zu erbitterten Feinden. 1974 organisierten die Militärs seinen Sturz. Nach der türkischen Invasion kehrte Makários im Dezember 1974 nach Zypern zurück, wo er bis zu seinem Tod 1977 allerdings nur noch die Teilung verwalten konnte.

Religion

Fast alle griechischen Zyprioten bekennen sich zum griechisch-orthodoxen Christentum. In der orthodoxen Kirche dürfen Priester vor ihrer Weihe heiraten. Die Orthodoxen erkennen den Papst nicht als Oberhaupt an. Bei der Taufe wird der Täufling vollständig ins Wasser getaucht, die Erstkommunion wird gleich nach der Taufe vollzogen. Weitere Unterschiede bestehen im dogmatischen Bereich.

Die türkischen Zyprioten sind nahezu ausschließlich sunnitische Moslems. Die wenigsten von ihnen sind strenggläubig; das Alkoholverbot und die Fastenregeln im Monat Ramadan werden von türkischen Zyprioten nur wenig beachtet. Eine sehr viel konservativere Haltung zum Islam nehmen jedoch die vielen ländlichen Neusiedler aus Anatolien ein, die seit 1974 nach Nordzypern geholt wurden.

Tempel

Tempelbauten, wie man sie von Griechenland und Unteritalien kennt, gibt es auf Zypern nicht. Im alten Zypern, das seine Blütezeit lange vor dem Bau der Athener Akropolis erlebte, wurden die Gottheiten in Heiligtümern verehrt, die denen des Vorderen Orients glichen. In römischer Zeit war die Insel eine unbedeutende Provinz, in der keine größeren Sakralbauten mehr entstanden. So entspricht nur der teilweise rekonstruierte Apollo-Tempel von Koúrion unseren gängigen Erwartungen an archäologische Stätten.