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Architektur

Zwei Gesichter offenbart Wien, was sein Stadtbild betrifft: Da ist einmal das altehrwürdige Zentrum, dessen wohltuend unzeitgemäße Umrisse von gotischen und historistischen Türmen, von barocken Kuppeln und einem Meer schindelgedeckter Häuser aus Biedermeier und Gründerzeit geprägt sind. Hier steht die Hofburg, ein riesiger, verschachtelter Palastkomplex, von dem aus die Habsburger zeitweise über halb Europa herrschten. Vereinzelt sind im Zentrum noch bauliche Reste des Römerlagers Vindobona zu finden.

Zum anderen aber schießt an und jenseits der Donau seit einigen Jahren - im Höchsttempo und gebührlichen Abstand zur Altstadt - die Skyline eines zweiten, ultramodernen Brennpunkts urbanen Lebens in den Himmel. Andromeda- und Millenniumstower, Uno-City und Austria-Center, der Wohnpark Donau-City, das Technologiezentrum Tech Gate sowie ein Rudel weiterer Büro- und Apartmenttürme stellen die ungeheure Dynamik der einstigen Kaiserstadt unter Beweis. Und begeistern Fans moderner Architektur. Denn unter den Schöpfern der futuristischen Neustadt finden sich so prominente Namen wie Hans Hollein, Gustav Peichl, Wilhelm Holzbauer, Harry Seidler und Coop Himmelb(l)au.

Habsburger

Mehr als 80 Jahre ist sie nun schon in der politischen Versenkung verschwunden. Doch der Mythos dieser Dynastie, die über sechs Jahrhunderte lang von Wien aus ein Imperium beherrschte, ist (fast) so lebendig, als walte der alte Kaiser noch leibhaftig seines Amtes. Um das zu erkennen, muss man sich gar nicht unter die vielen Touristen mischen, die sich durch die Schlossgemächer schieben. Es genügt ein Blick in die Regale jedes x-beliebigen Buchladens, stapeln sich dort doch die Biografien von Maria Theresia, Kronprinz Rudolf und Sisi im Dutzend. Nicht zufällig liegen in der Kaisergruft vor etlichen Sarkophagen stets frische Blumen. Nicht zufällig wurde für Kaiserin Elisabeth, deren 100. Todestag 1998 mit großem PR-Aufwand begangen wurde, 2004 ein eigenes Museum eröffnet. Nicht ohne Grund prangt in den noblen Einkaufsstraßen auf einigen Firmenschildern noch das Prädikat „k. u. k. Hoflieferant“, glänzen in den Souvenirshops die habsburgischen Stammfarben Schwarz und Gelb auf Konfekt und T-Shirts; und lassen sich bis heute Fiakerkutscher, um Kaiser Franz Joseph möglichst ähnlich zu sehen, lange Backenbärte wachsen.

Was dahinter steckt? Mit Sicherheit viel kommerzielles Kalkül. Für eine kleine Minderheit vielleicht echte politische Sehnsucht. Für das Gros der Wiener hingegen wohl nur das, was sie aus Gewohnheit allem Vergangenen entgegenbringen: posthume Verherrlichung. Wie meinte der Satiriker Helmut Qualtinger klarsichtig: „In Wien musst sterben, bevorst berühmt wirst. Wennst aber einmal tot bist, lebst fast ewig.“

Multikulti

Die Widersprüchlichkeit des Wiener Herzens zeigt sich eindrücklich in seinem Verhältnis gegenüber „den Ausländern“, deren Anteil an der Bevölkerung etwa 18 Prozent beträgt: Einerseits fielen - zumindest bis vor Kurzem - die fremdenfeindlichen Phrasen des Berufsprovokateurs Jörg Haider gerade in der Bundeshauptstadt auf erschreckend fruchtbaren Boden. Was ein waschechter Wiener ist, der verdrängt nur zu gern, dass sein Stammbaum in der Regel einen ungarischen Onkel und eine böhmische Großmutter umfasst und dass das städtische Telefonbuch von Stastnys, Swobodas und Vranitzkys strotzt.

Andererseits genügt ein Blick in Wiens Straßen und Märkte, um die pragmatische Toleranz zu erkennen, mit der diese Stadt Zuwanderer integriert. Da verkaufen griechische und türkische Händler einträchtig nebeneinander Oliven und Fladenbrot. Viele Araber und Iraner, die zum Medizinstudium hierher kamen, praktizieren inzwischen als hoch angesehene Ärzte. Und die Familien der seinerzeit aus Kroatien, Serbien und der Türkei herbeigeströmten Gastarbeiter sind längst Wiener mit Brief und Siegel, deren Kindern die weichen, gedehnten Vokale des hiesigen Dialekts perfekt von der Zunge gehen.

Kein Wunder also, dass die Wiener stolz darauf sind, dass kein anderes europäisches Land in Relation zu seiner Einwohnerzahl 1956 so viele Ungarn, 1968 so viele Tschechen und in den 1990er-Jahren so viele Flüchtlinge aus Exjugoslawien aufgenommen hat wie Österreich. Dass die Mehrzahl dieser Neuankömmlinge ihre zweite Heimat in der Hauptstadt fand. Und dass Pöbeleien oder gar Tätlichkeiten dumpfer Chauvinisten gegen Ausländer, wie sie anderswo gang und gäbe sind, in Wien bis heute ganz, ganz selten passieren.

Musik

Für jugendliche Stadtbesucher mögen Strauß-Walzer und Staatsoper alte Hüte sein. Als eine Weltmetropole der Musik hat Wien jedoch auch bei der House- und Hip-Hop-Generation keineswegs abzudanken. Denn außer Hörweite der viel gepriesenen klassischen Klänge hat sich hierorts - fast möchte man sagen still und heimlich - eine zeitgenössische Topszene etabliert. Den Anfang machten in den 1970er-Jahren Popbarden wie Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrich, die freilich noch sehr wienerisch tönten. In den 1980ern bewies dann Falco als Nummer eins der US-Charts, dass es auch so etwas wie genuines Rap-Feeling Marke Rotweißrot gibt. Und in den letzten Jahren schwangen sich, schwuppdiwupp, örtliche Sampling- und Remixing-Götter wie Kruder & Dorfmeister, Pulsinger & Tunakan, Makossa oder The WAZ Experience ganz hinauf in den internationalen Elektronikhimmel. Seither endet kaum ein Tauchgang ins Wiener Nachtleben, ohne dass man in einer der aus dem Boden schießenden Bars und Clubs ob der schrägen Soundkreationen solcher Star-DJs, aber auch so mancher Nachwuchsdesperados am Pult nachhaltig in Verzückung gerät.