Reisetipps Weimar

Sehenswertes Weimar Hinter den Fassaden wartet Deutsche Geschichte

Weimar lebt und atmet seine kulturelle Vergangenheit

Weimar ist eine Stadt für Fußgänger. Fast alle Sehenswürdigkeiten drängen sich auf dem kleinen Raum von etwa 1,2 km². So übersichtlich, dass selbst die Stadtführungen meist zu Fuß erfolgen.

Obwohl alles dicht beieinander liegt, sollten Sie Ihre Zeit dennoch großzügig kalkulieren. Denn wer Weimar wirklich kennenlernen will, darf nicht nur die Fassaden betrachten. Oft lohnen sich Blicke in versteckte Winkel, etwa in die Luthergasse, wo das Weihnachtslied „O du fröhliche...“ entstanden ist, oder in Herders Hausgarten. Zeit sollten Sie sich auch für Museumsbesuche nehmen, so die Rundgänge durch die Wohnhäuser von Goethe und Schiller. Aber selbst Sie im Eiltempo durchmaschieren, schaffen Sie kaum alle Sehenswürdigkeiten an einem Tag. Auch dann nicht, wenn Sie mittags auf dem Marktplatz nur zu einer der berühmten Rostbratwürste vom Holzkohlegrill greifen.

Bach-Denkmal

In Weimar entstanden die großen Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, der in der Stadt als Hoforganist, Violinist und ab 1714 als Konzertmeister tätig war. Bachs Wohnhaus am Markt ist nicht mehr vorhanden. An den Komponisten erinnert das Denkmal am Südgiebel des Roten Schlosses, Bachs erster Wirkungsstätte. Die Bronzebüste (1950) hat Bruno Eyermann geschaffen. | Platz der Demokratie

Bauhaus-Museum

Das Museum vermittelt viel Wissenswertes zur Geschichte des 1919 von Walter Gropius gegründeten Staatlichen Bauhauses, der Avantgarde-Kunstschule des 20. Jhs. Zu sehen sind mehr als 500 Exponate von Lehrenden und Studierenden. Anziehungspunkt im Eingangsbereich ist der rekonstruierte „Turm des Feuers“, der 1920 vor dem Tempelherrenhaus im Ilmpark aufgestellt worden war. Er gilt als Hauptwerk des Schweizers Johannes Itten, der von 1919 bis 1923 am Bauhaus lehrte. Führung | Tgl. 10-18 Uhr | Theaterplatz

Carl-August-Denkmal

Carl August, der kunstliebende Herzog und spätere Großherzog und enge Freund Goethes, reitet seit 1875 auf dem Platz der Demokratie, dem früheren Fürstenplatz. Vorbild für das Bronzedenkmal waren antike Statuen. Der Fürst wird zu Pferde gezeigt, in Uniform und bekrönt mit einem Lorbeerkranz, der an seine Rückkehr aus den Freiheitskriegen 1814 erinnern soll. Das Miniherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach hatte keine eigene Armee, Carl August war Generalmajor in preußischen Diensten. | Platz der Demokratie

Deutsches Nationaltheater

Das Theater ist nicht mehr jenes Gebäude, in dem Goethe die Dramen Schillers zur Uraufführung brachte. Es fiel 1825 einem Brand zum Opfer, und das Gebäude musste wegen Baufälligkeit dem 1908 eröffneten heutigen Theater weichen, in dessen Geschichte zwei Daten bedeutsam sind: 1919 tagte hier die Nationalversammlung der ersten deutschen Republik, und 1948 wurde es nach der Kriegszerstörung mit Goethes „Faust“ wieder eröffnet. Das Deutsche Nationaltheater gehört zu den führenden Spielstätten in Deutschland, die Staatskapelle hat einen Ruf von überregionaler Bedeutung. | Theaterplatz

Frauenplan

Vom Markt eilen die meisten Besucher zum Frauenplan, denn hier steht Goethes Wohnhaus. 1792 schenkte der Herzog das Haus seinem Freund, der bis dahin im Gartenhaus an der Ilm gewohnt hatte. In Richtung Wielandplatz schließen sich die Vulpius-Häuser an, in denen Goethes Verwandtschaft wohnte. Neben dem Goethehaus liegt das Gasthaus Zum weißen Schwan, in das der Dichter gern mit seinen Gästen einkehrte. Der gusseiserne Goethebrunnen mit einem Delphin als Wasserspeier bildet seit 1821 den Mittelpunkt des Platzes. An der Brunnensäule sind die Initialen Carl Augusts zu finden. Auf einer der acht Reliefplatten, die das Brunnenbecken einfassen, steht die Jahreszahl 1821 eingraviert. Bevor der Architekt und Goethe-Freund Clemens Wenzeslaus Coudray (1775-1845) die heutige gusseiserne Anlage bauen ließ, stand hier ein hölzerner Brunnentrog.

Fürstenhaus

Das klassizistische Gebäude, von 1771 bis 1774 als Sitz der Ständevertretung des Landes erbaut, hat eine bewegte Vergangenheit. Nach dem Schlossbrand 1774 diente es der Herzogsfamilie als Wohnsitz, Carl August lebte mit seiner Familie fast 30 Jahre hier. 1808 zog die Freie Zeichenschule ein, später residierte hier der Thüringer Landtag, seit 1951 gehört es zur Hochschule für Musik. | Platz der Demokratie

Goethe-Nationalmuseum

Zu Weimars bekanntestem Museum, dem Goethe-Nationalmuseum, gehören das Wohnhaus von Johann Wolfgang Goethe (1749-1832), der sogenannte Sammlungsbau von 1915 und der 1935 als Goethe-Museum errichtete Anbau. Im Goethe-Nationalmuseum wird der gesamte Nachlass des Dichters, mit Ausnahme der Handschriften, aufbewahrt. Die Sammlungen zur Bildenden Kunst umfassen 26500 Objekte, die zu den Naturwissenschaften 23000. Nach dem Betreten des Museums geht es entweder nach links in die ständige Ausstellung des Nationalmuseums oder nach rechts in Goethes Wohnhaus.

Goethes Wohnhaus: In dem 1709 errichteten Haus wohnte Deutschlands bedeutendster Dichter fast 50 Jahre lang. Bereits 1885 wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die sogenannten Christianezimmer bewohnte Goethes Lebensgefährtin und spätere Ehefrau, das Junozimmer diente als Empfangssalon und Musikzimmer. Im Hinterhaus liegen Goethes Arbeitsräume, zu denen nur die Familienmitglieder und wenige Freunde Zutritt hatten. Goethe richtete die niedrigen, engen Kammern bescheiden ein. In einem Gespräch mit seinem Privatsekretär Johann Peter Eckermann sagte er: „... prächtige Zimmer und elegantes Hausgerät (sind) etwas für Leute, die keine Gedanken haben und haben mögen ...“

Vom Vorzimmer aus blickt man in die (Besuchern nicht zugängliche) Bibliothek mit etwa 6000 Bänden und in das Arbeitszimmer, in dem so bedeutende Werke wie „Wilhelm Meisters Wanderjahre“, die „Wahlverwandtschaften“ und der „Faust“ entstanden. Beide Räume sind im Originalzustand erhalten. In dem bescheidenen Schlafzimmer ist Goethe in den Mittagsstunden des 22. März 1832 im Sessel sitzend gestorben. Der Garten an Goethes Wohnhaus ist seit 1886 für die Öffentlichkeit zugänglich. Hauptsächlich Christiane hat ihn genutzt, um den Haushalt mit Obst und Gemüse zu versorgen.

Ständige Ausstellung „Wiederholte Spiegelungen. Weimarer Klassik 1759-1832“: Die 1999 eröffnete Ausstellung folgt nicht den chronologischen Grundlinien der Biografie Goethes, sondern zeigt den berühmten Dichter in seinen vielfältigen Beziehungen zu Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Entstanden ist ein Panorama der Literatur, der Politik und der Kunst zwischen 1750 und 1832. Zu sehen sind rund 800 Exponate, bei denen es sich fast ausschließlich um Originale handelt. Einstündige Führung durch Goethes Wohnhaus (Eintrittskarten an der Museumskasse) | Goethes Wohnhaus und ständige Ausstellung April-Sept. Di-Fr/So 9-18, Sa 9-19 Uhr, Okt. Di-So 9-18 Uhr, Nov.-März Di-So 9-16 Uhr: Di/Fr 13 Uhr, Sa 13/15 Uhr | Frauenplan 1

Goethe-Schiller-Denkmal

Das Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater ist so etwas wie das Wahrzeichen von Weimar. 1875 wurde das weltberühmte Doppelstandbild der beiden Dichterfürsten eingeweiht, das Material hatte der bayerische König gestiftet. Die Weimarer waren mit der Darstellung so zufrieden, dass sie den Denkmalschöpfer Ernst Rietschel zum Ehrenbürger machten. Obwohl Goethe und Schiller im Leben von unterschiedlichem Wuchs waren, hat sie Rietschel exakt gleich groß dargestellt. Beide Dichter, die Kleidung ihrer Zeit tragen, halten gemeinsam einen Lorbeerkranz in ihren Händen. Damit sollte der Diskussion über die Frage, wer von ihnen der bedeutendere sei, entgegengewirkt werden. Kopien des Denkmals stehen in den USA in den Städten Cleveland, Milwaukee und San Francisco. | Theaterplatz

Hafis-Goethe-Denkmal

Weimars jüngstes Denkmal liegt ein wenig versteckt und ist deshalb weitgehend unbekannt. Im Juli 2000 wurde es durch den Staatspräsidenten der Republik Iran und den deutschen Bundespräsidenten eingeweiht. Zu sehen sind hier zwei Stühle: Sie erinnern an die Begegnung Goethes mit dem Werk des persischen Nationaldichters Hafis (1326-1390). Dessen Arbeiten inspirierten Goethe zu seiner Gedichtsammlung „West-östlicher Diwan“. Das Denkmal soll kulturelle Toleranz symbolisieren. | Beethovenplatz

Haus der Frau von Stein

Charlotte von Stein (1742-1827) war eine enge Freundin Goethes. Als er sie kennenlernte, hatte die Ehefrau des herzoglichen Oberstallmeisters von Stein bereits sieben Kinder. Die Familie wohnte von 1777 bis 1827 in dem Haus an der damaligen südlichen Bebauungsgrenze Weimars. Kaum jemand würde es heute beachten, wenn Frau von Stein nicht durch ihre enge Beziehung zu Goethe in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen wäre. Bis heute wird gerätselt, wie weit das „Vertrautsein“ der beiden ging. Literaturwissenschaftler kennen etwa 1700 Briefe, die der Dichter der sieben Jahre älteren Frau schrieb, doch daraus ist nichts zu entnehmen. Die Beziehung kühlte ab, als Goethe, ohne sich bei seiner Freundin abzumelden, nach Italien reiste, und als er seine spätere Ehefrau Christiane Vulpius kennenlernte. Charlotte von Stein ist auf dem Historischen Friedhof beigesetzt. | Ackerwand 25-27

Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek

Im festlichen Rokokosaal der kulturgeschichtlichen Forschungsstätte von internationalem Rang erhält der Besucher in wechselnden Ausstellungen Einblicke in den etwa eine Million Bücher umfassenden Bestand. Die vor allem auf Betreiben von Herzogin Anna Amalia zu Bedeutung gelangte Bibliothek stand 38 Jahre unter der Oberaufsicht von Goethe.

Das historische Bibliotheksgebäude ist durch zwei unter dem Platz der Demokratie entstandene Tiefenmagazine mit dem Roten und Gelbem Schloss sowie der Neuen Wache verbunden, die mit dem in den Innenhof gesetzten Bücherkubus ein modernes Studienzentrum bilden. Bis zu dessen Fertigstellung Anfang 2005 waren nur etwa 20 Prozent der Bücher im Hauptgebäude untergebracht, der Rest in über die Stadt verteilten Magazinen. Schlagzeilen lieferte die Bibliothek durch den verheerenden Großbrand am Abend des 2. Septembers 2004, bei dem die Flammen rund 50000 kulturgeschichtlich einmalige Bücher für immer vernichteten. Seit Ende 2007 steht das aufwendig restaurierte historische Gebäude den Besuchern wieder offen. | Rokokosaal Di-So 10-15 Uhr | Führungen durch das Studienzentrum: Anmeldung unter Tel. 545/401, Tel. 545/402, Tel. 545-403 | www.annaamalia-bibliothek.de | Platz der Demokratie

Ildefonsobrunnen

Das Becken des Brunnens an der klassizistischen Hofwand des Roten Schlosses hat die Form eines römischen Sarkophags. Die Ildefonso Gruppe auf einem Sockel ist ein Abguss des Originals in Madrid. Die Aufstellung der Brunnenfigur hat vermutlich Goethe veranlasst. | Platz der Demokratie

Markt

Die gute Stube der Stadt, Treffpunkt der Einheimischen und der Touristen. An der Westseite ist das Rathaus zu sehen, gegenüber liegen das Stadthaus und das Mitte des 16. Jhs. entstandene Cranachhaus, ein farbenfrohes Doppelhaus mit zwei charakteristischen Giebeln. Zu seinem Namen kam der Renaissancebau, weil der Schwiegersohn Lucas Cranachs d. Ä. der Bauherr war. Der berühmte Maler verbrachte das letzte Jahr vor seinem Tod in dem Haus Markt 11/12, seine Malstube befand sich im dritten Stock. In dem Haus daneben (Nr. 13) wohnte Karl Ludwig von Knebel (1744-1834), der Erzieher des Prinzen Constantin. Knebel und Goethe pflegten eine intensive Freundschaft. An der Südseite des Marktes steht das traditionsreiche Hotel Elephant, in dem seit jeher alle berühmten Gäste der Stadt wohnen und dessen beiden Restaurants Elephantenkeller und Anna Amalia überregionalen Ruf besitzen.

Im Blickpunkt des Marktes steht seit jeher der Neptunbrunnen, der bekannteste der zahlreichen Weimarer Brunnen. Tausende von berühmten und unbekannten Gästen der Stadt sind an ihm schon vorbeigelaufen oder haben sich vor ihm fotografieren lassen. Der Löwe, der den 1570 fertig gestellten Brunnen zierte, musste 1774 der Neptunfigur mit dem Dreizack weichen.

Das Haus Nr. 15, zum Platz der Demokratie gelegen, ist das Rote Schloss, das jedoch heute mit einem grauen Anstrich versehen ist. Das Renaissancegebäude mit einem schönen Portal entstand wie auch das sich anschließende Gelbe Schloss (Zugang vom Platz der Demokratie) als Herzoginnenwitwensitz. Das Rote Schloss wurde in die Erweiterung der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek einbezogen. Montags bis samstags findet ein ausgedehnter Obst- und Blumenmarkt statt, der dem Stadtbild einen bunten Tupfer aufsetzt.

Park an der Ilm

Beiderseits des Flüsschens Ilm zieht sich ein großer Landschaftspark hin. Goethe und Herzog Carl August waren an der Gestaltung maßgeblich beteiligt. (s. Kapitel Spaziergänge)

Rathaus

Die Westseite des Marktplatzes wird von dem stattlichen Rathaus im neogotischen Stil bestimmt. 1841 wurde es eingeweiht. Im Rathausturm ist ein Glockenspiel aus Meissener Porzellan installiert, das von | April bis Nov. um 10, 12, 15 und 17 Uhr (Mitte Juni-Nov. auch um 18 Uhr) erklingt. Die mit fast drei Minuten Spieldauer längste Melodie ist „Sah ein Knab ein Röslein stehn“, die um 15 Uhr zu hören ist. | Markt 1

Schillers Wohnhaus und Schiller-Museum

Von 1802 bis zu seinem Tod am 9. Mai 1805 wohnte und arbeitete Friedrich Schiller in dem bescheidenen Haus an der heute nach ihm benannten Straße. Zu erreichen ist es vom Schiller-Museum aus über einen Gang. Bereits seit 1847 ist Schillers Wohnhaus museale Gedenkstätte. Schiller arbeitete meist nachts und ruhte am Tag. Um ungestört schöpferisch tätig sein zu können, zog er deshalb in das aus drei Räumen bestehende Mansardengeschoss, das sich so präsentiert, wie es zu Zeiten des Dichters ausgesehen haben könnte. In dem anspruchslos eingerichteten Arbeits- und Schlafzimmer bildet der Schreibtisch mit Globus, Uhr und Schnupftabaksdose den Blickpunkt. Hier hat Schiller bei Kerzenlicht unter anderem den „Wilhelm Tell“ vollendet und am „Demetrius“-Drama gearbeitet. Die Wohnräume der Familie - Wohn-, Ess- und Gesellschaftszimmer - liegen eine Etage tiefer. | April-Sept. Mi-Fr/So/Mo 9-18, Sa 9-19, Okt. Mi-Mo 9-18, Nov.-März Mi-Mo 9-16 Uhr | Jeden Mo 13 Uhr Führung durch das Museum, Dauer ca. 60 Min., Führung für min. 10, max. 25 Personen (Eintrittskarten an der Museumskasse) | Schillerstr. 12

Das hinter Schillers Wohnhaus gelegene Schiller-Museum wurde 1988 als Neubau eröffnet. In ihm zeigt die Klassik Stiftung Sonderausstellungen zu unterschiedlichen Themen. Die Öffnungszeiten erfahren Sie bei der Besucherinformation. | Schillerstr. 12

Schillerstrasse

Weimars repräsentativste Straße wurde in den Jahren 1968/69 zu einer der ersten Fußgängerzonen in der DDR umgestaltet und 30 Jahre später grundlegend erneuert. Da die Straße in der Mitte um etwa 30 Grad abknickt, ist sie nicht in ihrer ganzen Länge von etwa 250 m überschaubar. Wo heute die Straße verläuft, erstreckte sich bis Mitte des 18. Jhs. die Stadtmauer.

Schillers Wohnhaus und der Gänsemännchenbrunnen sind die meistfotografierten Objekte in dieser Straße, die vor allem im Sommer besonderes Flair besitzt, wenn das Blätterdach der Ahornbäume sie beschirmt. Der Gänsemännchenbrunnen geht auf eine Idee Goethes zurück, der diesen Brunnen einst in Nürnberg entdeckt hatte. Er ließ vom Original einen Gipsabdruck anfertigen und wünschte sich eine Kopie in Weimar. Die leistete sich die Stadt auch. Aber erst 1863, also Jahrzehnte nach dem Tod des Dichters, wurde der Brunnen mit der Bronzefigur eines Bauern, der zwei Gänse unter dem Arm hält, enthüllt.

Stadthaus

Das stattliche Gebäude im Stil der Frührenaissance an der Ostseite des Marktes entstand von 1526 bis 1547. Später wurde es mehrere Male umgebaut. In dem Haus wurden Brot und Fleisch verkauft, Krämer unterhielten kleine Läden. Sein heutiges Aussehen bekam das Gebäude 1803/04. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde es um 1970 nach historischem Vorbild originalgetreu wiederaufgebaut. Im Stadthaus befinden sich heute unter anderem das Restaurant Ratskeller und die Tourist-Information. | Markt 10

Theaterplatz

Wohl jeder Weimar-Besucher steht einmal auf diesem Platz, denn das Deutsche Nationaltheater und das Goethe-Schiller-Denkmal gehören zum festen Besichtigungsprogramm in der Klassikerstadt. Gegenüber, an der Ostseite des Platzes, errichtete der Architekt Clemens Wenzeslaus Coudray 1823 eine Remise mit klassizistischer Fassade, die später dem Theater als Kulissenhaus diente. Von 1955 an wurden darin Sonderausstellungen der Kunstsammlungen gezeigt, 1995 zog das Bauhaus Museum ein. Rechts daneben, in Richtung Schillerstraße, liegt das Wittumspalais.

Weimar-Haus

Das Weimar-Haus wurde im Kulturstadtjahr 1999 als erstes multimediales Erlebnismuseum in Deutschland eröffnet. Auf 1000 m² wird - unter anderem durch den Einsatz von 3-D- Effekten - der Museumsbesuch zu einem unterhaltsamen und anschaulichen Spaziergang. In sieben Erlebnisräumen werden die Besucher auf eine anregende Zeitreise durch fünf Jahrtausende geschickt, die virtuelle Begegnungen mit Geistesgrößen wie Goethe, Schiller, Luther und Herzogin Anna Amalia einschließt. | Führungen (Dauer 25 Min.) tgl. April-Sept. 10-19 Uhr, Okt.-März 10-18 Uhr | Schillerstr. 16-18

Wieland-Denkmal

Die überlebensgroße Bronzestatue Christoph Martin Wielands, der zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten Schriftsteller war, wurde 1857 enthüllt. Der Dichter ist in der Kleidung der damaligen Zeit dargestellt, in der linken Hand hält er das Versepos „Oberon“, das zu seinen Hauptwerken gehört. | Wielandplatz

Wittumspalais

Herzogin Anna Amalia erwarb das Palais 1774 und wohnte darin bis zu ihrem Tod 1807. Die Wohn- und Repräsentationsräume veranschaulichen die Raumgestaltung und die Wohnkultur in der zweiten Hälfte des 18. Jhs., ferner vermitteln sie ein Bild der Menschen, die Anna Amalia umgaben. Im Tafelrundenzimmer im ersten Stock trafen sich montags Adlige, Künstler, Gelehrte und Persönlichkeiten aus dem gebildeten Bürgertum zu den „Tafelrunden“ der Regentin, um gemeinsam über Probleme ihrer Zeit zu diskutieren. Schlafzimmer, Schreibzimmer und zwei kleine Kabinette geben einen Einblick in die persönliche Lebenswelt der Herzogin, hier komponierte, musizierte und zeichnete sie. | Di-So April-Okt. 10-18 Uhr, Nov.-März 10-16 Uhr | Theaterplatz

Albert-Schweitzer-Gedenk- und Begegnungsstätte

Die Einrichtung würdigt Leben und Werk des Urwaldarztes Albert Schweitzer (1875-1965). Der bedeutende Humanist, Philosoph, Theologe, Arzt und Musikwissenschaftler, der 1913 das Tropenhospital Lambarene gründete und dort als Missionsarzt wirkte, erhielt 1952 den Friedensnobelpreis. Die Gedenkstätte befindet sich im ehemaligen Haus von Johann Carl August Musäus (1735-87). Der Lehrer am Gymnasium in Weimar sammelte, wie später auch die Brüder Grimm, Volksmärchen aus allen Teilen Deutschlands. Vor dem Haus wurde 1968 das Albert-Schweitzer-Denkmal enthüllt, das erste Denkmal in Deutschland für den Urwaldarzt. Der Friedensnobelpreisträger ist in langer Arbeitsschürze mit Tropenhelm dargestellt. Da Schweitzer als Organist ein glühender Verehrer von Johann Sebastian Bach war und zu den bedeutendsten Goethe-Kennern seiner Zeit gehörte, war es nahe liegend, das Denkmal in Weimar zu errichten. | Mo-Fr Mai-Okt. 11-17 Uhr, Nov.-April 11-16 Uhr | Kegelplatz 4

Altenburg

Musikfreunde pilgern gern zu dem klassizistischen Bau auf einem kleinen, von der Ilm umflossenen Bergrücken, denn hier wohnte der Komponist Franz Liszt von 1848 bis 1861 mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der russischen Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein. Beide machten die Altenburg zum Mittelpunkt der Weimarer Gesellschaft. Auch heute ist die Altenburg eine Stätte der Musik. Das Haus, in dem sich auch die Hochschule für Musik befindet, ist Sitz des Franz-Liszt-Zentrums Weimar. | Jenaer Str. 3

Congress Centrum Neue Weimarhalle

Die Weimarhalle ist das moderne Kongresszentrum, aber auch ein Begriff für das musikalische und gesellschaftliche Leben der Stadt. Als in Vorbereitung des Kulturstadtjahres die Sanierung des alten, 1932 eröffneten Bauwerkes beginnen sollte, zeigten sich gravierende statische Mängel, die einen kompletten Abriss unumgänglich machten. Die Neue Weimarhalle, die bis zu 1200 Menschen Platz bietet, wurde 1999 eingeweiht. Hinter ihr erstreckt sich der Weimarhallenpark mit dem Schwanenteich. | Unesco-Platz 1

Donndorfbrunnen

Wer New York gut kennt, dem dürfte dieser Brunnen bekannt vorkommen. Am New Yorker Union Square steht nämlich das von Adolf von Donndorf 1881 geschaffene Original. Eine Kopie der überlebensgroßen Bronzegruppe einer Wasser holenden Mutter mit ihren beiden Kindern hat von Donndorf 1895 Weimar geschenkt. Benannt wurde der Brunnen nach dem edlen Spender, der auf einer Bronzetafel eingravieren ließ: „Meiner Vaterstadt in Liebe und Dankbarkeit gewidmet“. | Rittergasse

Gauforum

Die Nationalsozialisten wollten in Weimar ein gigantisches Gebäudeensemble errichten, das sogenannte Gauforum. 1937 begannen die Bauarbeiten vor dem Landesmuseum; Hitler selbst kam zum ersten Spatenstich angereist. Trotz des Zweiten Weltkriegs gingen die Arbeiten weiter, erst 1944 wurden sie eingestellt. Entstanden ist ein gewaltiges Gebäudeviereck mit einem 15000 m² großen Aufmarschplatz. Viele der ursprünglich geplanten Vorhaben wurden nicht begonnen oder, wie die riesige Kongresshalle, nicht zu Ende gebracht. Nach dem Krieg wurde die Halle provisorisch als Mehrzweckgebäude hergerichtet, seit ihrer Fertigstellung 2005 dient sie unter dem Namen „Atrium Weimar“als Einkaufszentrum mit Läden und Restaurants. Andere Bauten des Komplexes nutzt die Verwaltung des Freistaates Thüringen. In einem Seitenfoyer des sogenannten Turmhauses ist zudem eine Ausstellung über die Geschichte des Gauforums zu sehen. | Weimarplatz

Goetheplatz

Der einst beschaulichste Platz Weimars hat sich im 20. Jh. zum Verkehrsknotenpunkt entwickelt. An seiner Westseite liegen das Hotel Russischer Hof und daneben die Löwenapotheke mit dem über dem Eingang eingemeißelten Baujahr 1799.

An der Ostseite steht der Rest der Stadtbefestigung: der dicke Kasseturm, den ein Säulengang mit einem 1860 im spätklassizistischen Stil fertig gestellen Gebäude verbindet, dem heutigen Jugendzentrum „mon ami“. Bei der Restaurierung des Hauses wurden auch die Freianlagen auf der Rückseite wieder hergestellt. Das benachbarte, nach dem Vorbild des Athener Niketempels entstandene ehemalige Lesemuseum (1859) geht auf eine Initiative der Großherzogin Maria Pawlowna zurück. Hier konnten sich die Bürger Weimars kostenlos über lokale und internationale Ereignisse informieren.

An der Nordseite des Platzes, heute Hausnumer 9b, war 1880 die Ausstellungshalle des Großherzoglichen Museums für Kunst und Kunstgewerbe eröffnet worden. Seit Jahren trägt sie den Namen Harry Graf Kessler und in der Tradition des bedeutenden Mäzens werden in ihr Sonderausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt, wird zu Konzerten und Lesungen eingeladen.

Goethe-Schiller-Archiv

Der Sandsteinbau beherbergt das älteste Literaturarchiv Deutschlands. Großherzogin Sophie ließ es für die handschriftlichen Nachlässe Goethes und Schillers 1896 errichten. Heute werden hier Nachlässe und Autografen von mehr als 3000 Persönlichkeiten aufbewahrt, darunter Schriften von Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried Herder, Achim und Bettina von Arnim, Börries von Münchhausen und Franz Liszt. Die Bestände des Archivs werden für die wissenschaftliche Benutzung im Original oder in Kopie zur Verfügung gestellt. Jeden ersten Do im Monat (14.30 Uhr) gibt es eine Einführung zur Geschichte und Arbeit des Archivs, die Eintrittskarten werden im Archiv verkauft. | Hans-Wahl-Str. 4

Herderplatz

Drei Bauwerke an diesem Platz hat die Unesco zum Welterbe erklärt: Die Stadtkirche St. Peter und Paul, das Herderhaus und das Alte Gymnasium. Das Denkmal mit der überlebensgroßen Gestalt des Philosophen, Theologen und Schriftstellers im geistlichen Gewand schmückt die Mitte des Platzes. An seinem Fuß zu lesen ist Herders Wahlspruch „Licht - Liebe - Leben“. Die Stadt ließ das Ehrenmal 1850 aufstellen. Es war das erste, das einem Vertreter des klassischen Weimars gewidmet wurde. Hinter der Stadtkirche befindet sich das Haus, in dem Johann Gottfried Herder 27 Jahre lang mit seiner Familie wohnte. Das Alte Gymnasium mit einer Freitreppe entstand in den Jahren 1715/16 in schlichten barocken Formen. Vor der Treppe steht seit 1831 der achteckige Herderbrunnen.

Herders Wohnhaus

Das Haus, in dem Johann Gottfried Herder, der Wegbereiter der deutschen Klassik, wohnte, erfährt kaum Aufmerksamkeit. Herder war General-superintendent des Herzogtums Sachsen-Weimar und Oberpfarrer der Stadtkirche. Goethe hatte ihn nach Weimar geholt. Der 1726 im Barockstil umgestaltete Bau steht im Schatten der Stadtkirche, die meist als Herderkirche bezeichnet wird und bis heute Sitz des Superintendenten ist. Herder bewohnte dieses Haus mit seiner Familie von 1776 bis zu seinem Tod. Aufzeichnungen verraten, wie die Wohnung eingerichtet war: „Alles unendlich einfach, für ein modernes Auge beinahe ärmlich zu nennen.“

Nach historischen Vorlagen entstand Herders Hausgarten wieder, eine kleine, versteckte grüne Oase. Der Garten, der im Gegensatz zum Haus betreten werden darf (Mo-Fr 8-16 Uhr), erhielt wieder die Wegführung und Bepflanzung, wie sie der Philosoph einst selbst angelegt hatte. | Herderplatz 8

Jakobskirche und -kirchhof

Für Goethe-Verehrer auch eine Pilgerstätte, denn in dieser Kirche wurden am 19. Oktober 1806 Johann Wolfgang von Goethe und Christiane Vulpius getraut, nachdem sie bereits 18 Jahre zusammengelebt hatten. Die Trauung fand in der Sakristei statt, einem Raum hinter dem Altar. Die Kirche wurde 1712-14 errichtet, nachdem der Vorgänger wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste. Von der Türmerwohnung, über 114 Stufen erreichbar, haben Sie einen schönen Blick auf Weimar.

Rund um die Kirche erstreckt sich der älteste Friedhof der Stadt. Auf dem Jakobskirchhof befinden sich bedeutende Grabstellen. Hier sind Christiane von Goethe, Caroline Herder - die Ehefrau Johann Gottfried Herders -, der Maler Lucas Cranach d. Ä., der Schriftsteller Johann Carl August Musäus und der Bildhauer Gottlieb Martin Klauer bestattet. Im „Kassengewölbe“ rechts am Friedhofsende bekamen diejenigen ihre Grabstelle, die keine eigene Familiengruft besaßen. Von 1805 bis 1827 ruhte hier Friedrich Schiller. Der barocke Pavillon über dem Bauwerk musste 1854 abgerissen werden, das heute an dieser Stelle stehende Bauwerk wurde 1913 errichtet. Seit 1818 finden auf dem Friedhof keine Beisetzungen mehr statt. | Tgl. 10-16 Uhr | Am Jakobskirchhof

Kasseturm

In dem mittelalterlichen Turm herrscht reges Treiben, denn er beherbergt einen der Studentenclubs der Stadt. Der Kasseturm ist ein Rest der alten Stadtbefestigung. Seinen Namen bekam er 1774, als dort eine herzogliche Finanzabteilung, die so genannte Landschaftskasse, einzog. | Goetheplatz

Kirms-Krackow-Haus

Weder Kirms noch Krackow waren in Weimar berühmte Leute. Franz Kirms war herzoglicher Amtsschreiber, Karoline Krackow, die er 1823 heiratete, Kammerfrau. Das Renaissancehaus aus dem 16. Jh. ist nach dem Besitzerehepaar benannt und dokumentiert die Wohnkultur und die Lebensweise des gehobenen Bürgertums zu dessen Zeit. Die Wohnräume sind mit Möbeln, Teppichen, Handarbeiten, Bildern, Büchern und Kunsthandwerk vom Anfang des 19. Jhs. ausgestattet. In dem Bürgerhaus, einem der ältesten und schönsten in Weimar, ist im ersten Obergeschoss ein geschlossenes Wohnensemble mit dem authentischen Interieur aus der Zeit zwischen 1780 und 1825 zu sehen. In einem Veranstaltungszentrum wird zu Vorträgen, Workshops, Lesungen, kleinen Theateraufführungen und Buchpräsentationen geladen. Der Innenhof und der hinter dem Gebäude liegende Garten, der bedeutendste Biedermeiergarten der Klassikerstadt, wurden nach alten Plänen restauriert. | April-Okt. Di-So 10-18 Uhr, Nov.-März geschl. | Jakobstr. 10

Löwenbrunnen

Der bekrönte Löwe, das Wappentier der Stadt Weimar und der Grafen von Orlamünde, der einstigen Landesherren und Stadtrechtsverleiher, steht in 5 m Höhe auf einer Säule und stützt sich auf das Schild des Hauses Wettin. Der erste Brunnen an dieser Stelle entstand 1800/01, sein heutiges Aussehen aus Sandstein erhielt er Mitte des 19. Jhs. | Graben

Lutherhof

Bis heute hält sich hartnäckig die Behauptung, Luther habe in dem Haus Nr. 1 in der Luthergasse gewohnt. Das ist aber nicht belegt. In Weimar hielt sich der Reformator jedoch zwischen 1518 und 1540 mehrmals auf, um von der Kanzel der Schlosskirche zu predigen - die Weimarer Landesherren förderten die Reformation. Das Haus besaß damals Johann Burgkhardt, dessen Bruder Luther freundschaftlich verbunden war. In den späteren Jahren wohnten hier Christoph Martin Wieland und Johann Daniel Falk (1768-1826), der zum Kreis um die Herzoginmutter Anna Amalia gehörte und sich besonders um Kriegswaisen kümmerte. In dem Haus schrieb Falk das bekannte Weihnachtslied „O du fröhliche...“. Zwei Häuser weiter, in der Nr. 5, verlebte Christiane Vulpius, Goethes Frau, ihre Kindheit. | Luthergasse

Marstall

Der herzogliche Marstall entstand 1873-78 als zweistöckiges, lang gestrecktes Bauwerk im Neorenaissancestil. Nach 1919 nutzte es die Landesregierung, in der NS-Zeit befand sich hier die Gestapostelle Weimar. Eine Gedenktafel aus schwedischem Granit erinnert an die in dem Haus gefolterten Menschen. Heute ist im ehemaligen Marstall das Thüringische Hauptstaatsarchiv untergebracht. | Marstallstr 2

Neues Museum Weimar

Das erste Museum für zeitgenössische Kunst in den neuen Bundesländern zeigt in Wechselausstellungen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Herausragendes Beispiel dafür ist im Foyer die dauerhafte Videoinstallation „Das Zimmer“der international bekannten Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist.

Der rekonstruierte Bau im Neorenaissancestil wurde 1869 als Großherzogliches Museum eröffnet und hieß seit 1919 Landesmuseum. In den 1920er-Jahren fanden hier wegweisende Ausstellungen moderner Kunst statt, in der NS-Zeit waren die berüchtigten Ausstellungen „Entartete Kunst“ und „Entartete Musik“ zu sehen. Am Ende des Zweiten Weltkriegs standen von dem Bauwerk nur noch die Außenmauern. An der Innengestaltung in den 1990ern waren international renommierte Künstler wie Daniel Buren und Sol LeWitt beteiligt. Seit der Eröffnung im Jahr 1998 fasziniert im ersten Obergeschoss wieder die nach dem Hofmaler Friedrich Preller d. Ä. benannte Galerie mit seinen Wandmalereien zum Thema Odyssee. | Di-So April-Okt. 11-18, Nov.-März 11-16 Uhr | Weimarplatz 4

In der Dependance im E-Werk/Straßenbahndepot wird die eindrückliche Rauminstallation „Konzert für Buchenwald“ von Rebecca Horn gezeigt, eines der bedeutendsten Beispiele der Auseinandersetzung mit dem Holocaust in der zeitgenössischen Kunst. | Mai-Okt. Sa, So 12-18 Uhr | Am Kirschberg 7

Palais Schardt

Bauherr war vermutlich Charlotte von Steins Vater, der herzogliche Hausmarschall Johann Wilhelm Christian von Schardt. Hinter dem Haus steht ein achteckiger Gartenpavillon. In ihm sollen sich Goethe und seine spätere Freundin Charlotte von Stein zum ersten Mal begegnet sein. In dem Haus wird eine Schausammlung historischer Puppenstuben und Puppen gezeigt. | Do-Sa 13-16 Uhr | Scherfgasse 3 | www.goethepavillon.de

Residenzschloss

Die Dreiflügelanlage mit schlankem Turm ist das Werk mehrerer Baumeister. Nach dem Brand der Wilhelmsburg 1774 entstand es in seiner heutigen Gestalt. 1803 zog die herzogliche Familie ein. 1914 kam als jüngster Gebäudeteil der Südflügel hinzu. Die Räume des Weimarer Stadtschlosses gehören zu den schönsten, die der Klassizismus in Deutschlands Schlössern hinterlassen hat. Besonders interessant sind im ersten Obergeschoss der Festsaal und die Falkengalerie. 1919, in den ersten Tagen der Weimarer Republik, war das Schloss vorübergehend Regierungssitz. Reichspräsident Friedrich Ebert und Ministerpräsident Philipp Scheidemann arbeiteten hier bis zu ihrer Rückkehr nach Berlin. Heute befinden sich in dem Bauwerk das Schlossmuseum und Verwaltungen. | Burgplatz

Schlossmuseum

In mehr als 70 historischen Räumen des Residenzschlosses werden Malerei, Grafik und Plastik vom Mittelalter bis Beginn des 20. Jhs. ausgestellt. Die Sammlungen gehören zu den bedeutendsten in Thüringen. Im Erdgeschoss sind Arbeiten der religiösen Kunst des Mittelalters zu sehen, ferner Kunst der Renaissance, darunter eine Auswahl bedeutender Werke von Lucas Cranach d. Ä., beispielsweise die Bilder „Luther als Junker Jörg“ und „Christus segnet die Kinder“. Hier steht auch die 1706 in Weimar gefertigte astronomische Uhr, die von 4 Uhr bis 21.30 Uhr viertelstündlich erklingt.

Durch das Audienzzimmer Herzog Carl Augusts führt der Weg ins erste Obergeschoss zur Galerie niederländischer und italienischer Malerei. Hier sind einige Bilder von Peter Paul Rubens, Willem van de Velde (Hafenszenen) und Tintoretto zu sehen. Auch spanische Maler sind vertreten. Im Westflügel hängen Gemälde aus der Zeit der Aufklärung, darunter Werke von Anton Maron und Johann Friedrich August Tischbein. Beachtenswert in diesem Geschoss sind auch historische Wohn- und Festräume des Klassizismus. Original erhalten blieben im sogenannten Kleinen Flügel die Gesellschaftsräume der Großherzogin Maria Pawlowna. Die Dichterzimmer im Westflügel, auf Anregung Maria Pawlownas eingerichtet, gelten als die frühesten Erinnerungsstätten für Goethe, Schiller, Wieland und Herder.

Über das Marmortreppenhaus - ein hervorragendes Beispiel klassizistischer Architektur in Deutschland - erreicht man das zweite Obergeschoss, wo Arbeiten von Vertretern der „Weimarer Malerschule“ ausgestellt sind. | Di-So April-Okt. 10-18 Uhr, Nov.-März 10-16 Uhr | Burgplatz 4

Stadtmuseum im Bertuchhaus

Das Stadtmuseum informiert u. a. über die Tagung der ersten Nationalversammlung 1919 im Deutschen Nationaltheater und zur Weimarer Republik. Regelmäßig finden Sonderausstellungen statt. Das Museum befindet sich seit 1954 in dem Haus, das Friedrich Schiller als das „unstreitig schönste Haus der Stadt“ bezeichnete. Ihm gefiel vermutlich besonders der klassizistische Mittelbau mit der repräsentativen Vorhalle, der den Nord- und den Südflügel verbindet. Das zwischen 1780 und 1802 in zwei Bauabschnitten errichtete stattliche Bürger- und Gesellschaftshaus ist benannt nach dem Bauherrn, dem Schriftsteller, Verleger und Unternehmer Friedrich Justin Bertuch (1747-1822). | Di-So 10-17 Uhr | Karl-Liebknecht-Str. 5-9

Stadtkirche St. Peter und Paul

Das bedeutendste Kirchengebäude Weimars ist die Stadtkirche. Johann Gottfried Herder wirkte hier und wurde nach seinem Tod 1803 auch vor Ort beigesetzt. Die Grabplatte liegt im mittleren Kirchenschiff. An der Nordwand des Chors ist der Grabstein für den 1553 gestorbenen Maler Lucas Cranach d. Ä. angebracht, doch seine Grabstätte befindet sich auf dem Jakobsfriedhof. Prominentes Ausstattungsstück ist das dreiflügelige Altarbild. Cranach hat das Werk 1552 begonnen, nach seinem Tod hat es sein Sohn vollendet. Das Gotteshaus erhielt sein heutiges spätgotisches Aussehen um 1500. | April-Okt. Mo-Sa 10-12 und 14-16 Uhr, So 11-12 und 14-15 Uhr, Nov.-März tgl. 11-12, 14-15 Uhr | Herderplatz

Weimarhallenpark

Der einstige Garten des Goethe-Zeitgenossen und Verlegers Justin Bertuch wurde 1932 umgestaltet. Heute ist er unter dem Namen Weimarhallenpark ein Ort der Erholung und Ruhe für die Weimarer und ihre Gäste. Am Parkrand liegen das Congress Centrum Neue Weimarhalle sowie das heute vom Stadtmuseum genutzte einstige Wohn- und Geschäftshaus von Bertuch. Im von Eiben umsäumten Familiengrab am südwestlichen Parkende fand Bertuch 1822 seine letzte Ruhestätte. An der südlichen Mauer zum Park plätschert der 1847 von der Großherzogin Maria Pawlowna gestiftete Muschelbrunnen. | Schwanseestraße

Bauhaus-Universität

Das Hauptgebäude der Universität gehört seit 1996 zum Unesco-Welterbe - nicht nur, weil hier die berühmte Lehrer gewirkt haben, sondern wohl auch, weil das Haus von 1904 bis 1911 nach Entwürfen des renommierten belgischen Architekten Henry van de Velde entstanden ist. Van de Velde hat auch das gegenüberliegende, niedrigere Gebäude entworfen, in dem vor dem Ersten Weltkrieg die Kunstgewerbeschule ihr Domizil hatte. An der Bauhaus-Universität, die aus der 1946 gegründeten Hochschule für Architektur und Bauwesen hervorging, sind heute rund 5000 Studenten immatrikuliert. | Geschwister-Scholl-Straße

Cranachstrasse

Wer ein Faible für Architektur und Geschichte hat, läuft die Cranachstraße entlang. Das Palais Dürckheim (Nr. 47) hat der große Jugendstilkünstler Henry van de Velde entworfen. Die prachtvolle Ducké-Villa auf der anderen Straßenseite (Nr. 42) wählte der sowjetische Stadtkommandant nach dem Zweiten Weltkrieg zu seiner Residenz. In der zweiten Etage des Hauses Nr. 15 wohnte von 1905-1933 der Schriftsteller und Diplomat Harry Graf Kessler, ein großer Förderer moderner Kunst. Am östlichen Ende der Straße stehen sieben Jugendstilvillen von Rudolf Zapfe, darunter eine der schönsten in Weimar (Nr. 10).

Denkmal der Märzgefallenen

Aus Kalkstein hat Walter Gropius, der Direktor des Bauhauses, das Denkmal geschaffen. Zu Ehren der 1920 vor dem Volkshaus erschossenen Teilnehmer einer Demonstration zur Niederschlagung des Kapp-Putsches wurde es am 1. Mai 1922 auf dem Historischen Friedhof enthüllt, mehr als 4000 Menschen nahmen an der Einweihung teil. Die Nazis erklärten das Denkmal zur „entarteten Kunst“ und zerstörten es. Bereits 1946 wurde es nachgebaut, jedoch nicht originalgetreu, sondern in kleinerem Format. | Berkaer Straße

Fürstengruft

Herzog Carl August ließ das schlichte klassizistische Mausoleum für die verstorbenen Mitglieder der großherzoglichen Familie errichten, deren Särge 1825 von der Schlosskirche hierher gebracht wurden. Carl August wünschte, auch im Tod den Dichterfürsten nahe zu sein. Die sterblichen Überreste Schillers wurden 1827 vom Jakobsfriedhof in die Gruft überführt, Goethe wurde hier am 26. März 1832 beigesetzt (s. Kapitel Spaziergänge). | Tgl. April-Okt. 10-18 Uhr, Nov.-März 10-16 Uhr

Goethes Gartenhaus

Von 1776 bis 1782 hat Goethe in dem Haus an der Ilm gewohnt. Auch nach seinem Umzug in das Haus am Frauenplan kehrte er oft hierher zurück. Seit der Restaurierung 1996 vermittelt das Gartenhaus, das schon Ende des 19. Jhs. Erinnerungsstätte wurde, wieder einen Eindruck dessen, was es stets für Goethe war: Rückzugs- und Arbeitsort. Heute sind nur noch originale Einrichtungsgegenstände zu sehen, die eine ungefähre Vorstellung davon geben, wie Goethe hier wohnte. An dem Stehpult im Arbeitszimmer - Goethe arbeitete gern im Stehen - hat der Dichter an dem Roman „Wilhelm Meisters theatralische Sendung“, dem sogenannten „Urmeister„, zu schreiben begonnen.

Der Garten des Hauses zeigt sich heute wieder wie zu Goethes Zeiten. Am westlichen Ende steht der Stein des guten Glücks, der als Miniaturausgabe in den Souvenirgeschäften Weimars angeboten wird. | Tgl. April-Okt. 9-18 Uhr, Nov.-März 10-16 Uhr | Park an der Ilm

Haus am Horn

Das einzige Architekturbeispiel, das in Weimar an das Wirken des Bauhauses erinnert. Bauhausdirektor Walter Gropius plante Anfang der Zwanzigerjahre des 20. Jhs. eine Siedlung, doch konnte das Projekt nicht verwirklicht werden. Lediglich das „Haus am Horn“, vom damals jüngsten Bauhausmitarbeiter Georg Muche entworfen, entstand 1923 als Musterwohnhaus. An der Errichtung und Ausstattung waren alle Werkstätten des Bauhauses beteiligt. Nach umfangreicher Sanierung dient das bungalowähnliche Bauwerk seit 1999 der Bauhaus-Universität als Ausstellungshaus. | April-Okt. Mi/Sa/So 11-17 Uhr | Am Horn 61 | www.hausamhorn.de

Historischer Friedhof

Einer der bedeutendsten deutschen Friedhöfe, denn auf ihm ruhen zahlreiche Persönlichkeiten der deutschen Geistes- und Kunstgeschichte (s. Kapitel Spaziergänge). | Tgl., März-Sept. 8-21 Uhr, Okt.-Feb. 8-18 Uhr | Am Poseckschen Garten

Liszt-museum

Von 1869 bis zu seinem Tod 1886 bewohnte Franz Liszt vornehmlich in den Sommermonaten die Räume des ersten Stockwerks in dem schlichten einstigen Hofgärtnerhaus. Das Haus am westlichen Rand des Ilmparks hatte der Großherzog dem Komponisten zur Verfügung gestellt, um ihn an Weimar zu binden. Das Wohn- und Arbeitszimmer blieb original erhalten und ist seit über 100 Jahren zu besichtigen. Ein Teil der Wohnungseinrichtung stammt aus der Altenburg - beispielsweise gehörte das Mobiliar des Speisezimmers Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein, mit der Liszt auf der Altenburg zusammengelebt hatte. | April-Okt. Mi-Mo 10-18 Uhr, Nov.-März geschl. | Marienstr. 17

Ganz in der Nähe, im Park an der Ilm, steht ein Denkmal für Franz Liszt, das der Münchner Bildhauer Hermann Hahn 1902 geschaffen hat. Das Standbild des Komponisten, Pianisten und Dirigenten ist aus weißem Carraramarmor gearbeitet, für das Mosaikpflaster des Podests wurde farbiger Naturstein verwendet.

Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens

Das Museum informiert ausführlich über die Ur- und Frühgeschichte des Bundeslandes. Zu den Exponaten zählen altsteinzeitliche Funde aus Bilzingsleben und Weimar-Ehringsdorf, die zu den ältesten Nachweisen menschlicher Existenz in Mitteleuropa gehören. Zahlreiche Werkzeuge, Feuerstellen, Jagdtierknochen und Pflanzenabdrücke geben Aufschluss über das Leben der Menschen in der Altsteinzeit. Besonders interessant sind auch die Goldschmiedearbeiten aus dem in Haßleben entdeckten Grab einer germanischen Fürstin, die Wirtschaftsgegenstände und Pfahlgötzen aus dem germanischen Moor- und Seeheiligtum von Oberdorla bei Mühlhausen sowie der goldene Schmuck aus dem Grab einer ostgotischen Prinzessin, das in Oßmannstedt bei Weimar gefunden wurde und aus der Völkerwanderungszeit stammt. | Di 9-18, Mi-Fr 9-17, Sa/So 10-17 Uhr | Humboldtstr. 11

Nietzsche-Archiv

Friedrich Nietzsche, der große, umstrittene Philosoph vom Ende des 19. Jhs., verbrachte seine drei letzten Lebensjahre in der Villa seiner Schwester in Weimar. Nach Nietzsches Tod übernahm der in Weimar tätige berühmte belgische Architekt Henry van de Velde den Umbau und die Innenausstattung des Hauses zu einer Arbeits- und Gedenkstätte. Zur DDR-Zeit wurde Nietzsche weitgehend ignoriert, das Archiv geschlossen. Heute trägt das Haus wieder den Namen Nietzsche-Archiv. Zu besichtigen sind der Bibliotheksraum, das Arbeitszimmer mit bedeutenden Porträtdarstellungen Nietzsches sowie das ehemalige Speisezimmer mit einer Ausstellung zur Baugeschichte des Hauses und zur Geschichte des Archivs. | April-Okt. Di-So 13-18 Uhr | Humboldtstr. 36

Palais Henneberg

Für Architekturinteressierte ein Muss, denn das 1913/14 entstandene Haus hat Henry van de Velde entworfen. Die Villa des belgischen Architekten gilt als eines der Vorbilder der Postmoderne. Benannt ist sie nach ihrem Bauherrn, dem Freiherrn von Henneberg, der sie nach dem Ersten Weltkrieg verkaufte. Das Bauwerk, das im letzten DDR-Jahrzehnt leer stand, beherbergt heute einen Waldorfkindergarten. | Gutenbergstr. 1a

Parkhöhle Weimar

Zwölf Meter unter dem Ilmpark verläuft ein Stollensystem, das in den 1990er-Jahren für die Besichtigung hergerichtet wurde. Die Stollen entstanden ab 1794 für eine geplante Bierbrauerei, später wurden sie durch den Abbau von Sand und Kies erweitert. Die zwölf gemauerten Kammern des unterirdischen Labyrinths wurden im Zweiten Weltkrieg ursprünglich als Luftschutzbunker angelegt. | Di-So April-Okt. 10-12, 13-18 Uhr, Nov.-März 10-12, 13-16 Uhr (Führungen zur vollen Stunde) | Eingang nahe Liszt-Haus/Mensa der Bauhaus-Universität

Römisches Haus

Den Auftrag, eine großherzogliche Sommerwohnung zu errichten, bekam Goethe von Carl August mit den Worten: „Den Bau des Gartenhauses übergebe ich dir ganz... tue, als wenn du für dich bautest.“ Das Haus entstand Ende des 18. Jhs. am Westufer der Ilm. Goethe ließ viele baukünstlerische Elemente einfließen, die er von seiner Italienreise mitgebracht hatte. Die Innenausstattung, an der Künstler aus Dresden, Weimar und Gotha beteiligt waren, ist zeitgenössisch und gibt Einblick in die Privatsphäre des Herzogs und seiner Familie. Im Untergeschoss ist die Ausstellung „Wo sich Natur mit Kunst verbindet“ über die Geschichte des Ilmparks zu sehen. | April-Okt. Di-So 10-18 Uhr | Park an der Ilm

Russisch-orthodoxe Kapelle

Die Kapelle im russisch-byzantinischen Stil entstand als Begräbnisstätte für die 1859 gestorbene Weimarer Großherzogin Maria Pawlowna. Sie wurde nach in Moskau angefertigten Zeichnungen an die Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof angebaut. Die Diözese der russisch-orthodoxen Kirche Berlins nutzt die Kapelle für Gottesdienste. | Tgl., April-Okt. 10-18, Nov.-März 10-16 Uhr | Am Poseckschen Garten

Shakespeare-Denkmal

Das einzige Denkmal in Deutschland, das dem englischen Dichter und Dramatiker William Shakespeare gewidmet ist, steht seit 1904 in Weimar. Die Anregung für das Ehrenmal aus italienischem Marmor gab die in Weimar ansässige Shakespeare-Gesellschaft, die erste literarische Gesellschaft Deutschlands überhaupt, die sich 1864 in der thüringischen Stadt gründete. Shakespeare spielte in Weimar stets eine wichtige Rolle. Friedrich Schiller und Christoph Martin Wieland übersetzten einige seiner Werke ins Deutsche und das Deutsche Nationaltheater brachte bedeutende Shakespeare-Inszenierungen hervor. | Park an der Ilm

Deutsches Bienenmuseum

Das Bienenmuseum ist das älteste seiner Art in Deutschland, 1907 wurde es gegründet. Es entstand in Weimar, weil die Bienenzucht rund um die Stadt Tradition hat. Viele Exponate stammen deshalb aus der Region, beispielsweise die Figurenbeuten, lebensgroße, geschnitzte und bemalte Bienenstöcke in Menschen- und Tiergestalt. | Mi-So April-Okt. 10-18, Nov.-März 10-17 Uhr

Angenehm sitzt es sich in der Gaststube des Bienenmuseums (Mo geschl.). Und welcher Kuchen schmeckt hier wohl besonders köstlich? Natürlich der Bienenstich. | Ilmstr. 3 | http://dbm.lvti.de

Ernst-Thälmann-Denkmal

Es spricht für die Toleranz in Weimar, dass nach dem Ende der DDR das dortige Ernst-Thälmann-Denkmal nicht wie anderenorts geschleift wurde. Thälmann (1886-1944) war Führer der 1933 verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands. Nachdem er jahrelang in Einzelhaft gesessen hatte, wurde er 1944 im KZ Buchenwald umgebracht. Das Thälmann-Denkmal hat der Dresdner Bildhauer Walter Arnold 1958 geschaffen. Es zeigt den Kommunistenführer mit der zur Faust geballten rechten Hand. | Buchenwaldplatz

Gedenkstätte Buchenwald

Die weiträumige Anlage auf dem Ettersberg, etwa 8 km vom Stadtzentrum entfernt, erinnert an mehr als 250000 Menschen, die von 1937 bis 1945 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert waren. Über 50000 von ihnen kamen ums Leben. Die Nationalsozialisten hatten das KZ ab 1937 errichtet, die Häftlinge wurden seit 1943 in Buchenwald und in seinen insgesamt 136 Außenkommandos rücksichtslos in der Rüstungsindustrie ausgebeutet.

Von August 1945 bis 1950 nutzte die sowjetische Besatzungsmacht das Gelände als Internierungslager, in dem schuldige und vermeintlich schuldige Nationalsozialisten, aber auch willkürlich verhaftete Personen, unter ihnen Frauen und Jugendliche, inhaftiert waren. Von den etwa 28000 Häftlingen starben über 7000 vor allem an Krankheiten und Unterernährung. Sie wurden in Massengräbern verscharrt. Gegenüber diesem Gräberfeld entstand 1997 ein eigenes Ausstellungsgebäude, in dem die Geschichte des Lagers dokumentiert ist.

Ab 1954 wurde die „Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“ geschaffen, die heute schlicht den Namen „Gedenkstätte Buchenwald“ trägt. Zum ehemaligen Lager führt die 1939 von Häftlingen ausgebaute „Blutstraße“, die teilweise noch original erhalten ist. Der Parkplatz und die Bushaltestelle entstanden auf dem Exerzierplatz der SS. Man betritt das Lagergelände durch das Tor mit der verhöhnenden Inschrift „Jedem das Seine“. Informations- und Gedenktafeln sowie Gedenksteine erinnern an bedeutsame Orte und Ereignisse. Lagerbaracken sind nicht mehr vorhanden, ihre Grundrisse wurden durch Kupferschlacke markiert. Erhalten sind das Torgebäude mit Arrestzellenbau und Gedenkzellen für die hier ermordeten Häftlinge, die Häftlingskantine, das Krematorium mit einem museal gestalteten Nebengebäude. Das Desinfektionsgebäude dient heute als Kunstmuseum, und im Kammergebäude ist eine Dauerausstellung zur Geschichte des KZ zu sehen.

Vom Lager führt der Weg zur Südseite des Ettersbergs, auf dem sich eine monumentale Denkmalanlage befindet, in die drei große Massengräber einbezogen wurden. Im Mittelpunkt erhebt sich das von dem Bildhauer Fritz Cremer gestaltete Denkmal (1958). Es vereint elf aus Bronze gegossene Figuren, die den Widerstandskampf im Lager darstellen. Krönung der gesamten Anlage ist der 50 m hohe Glockenturm mit einer Bronzeplatte im Inneren, unter der sich Erde aus anderen Konzentrationslagern befindet. Ein Museum am Eingang zum Mahnmal informiert zur Geschichte der Gedenkstätte Buchenwald seit 1945. Im Kino der Gedenkstätte wird mehrmals täglich ein Einführungsfilm (Dauer 30 Min.) gezeigt. Die Besucherinformation am Parkplatz hält Informationsmaterial bereit und berät vor dem Rundgang. | Ca. 10 km nördlich von Weimar | Die Außenanlagen sind tgl. bis zum Einbruch der Dunkelheit zu besichtigen, Öffnungszeiten der musealen Einrichtungen: Di-So April-Okt. 10-18, Nov.-März 10-16 Uhr | Der Besuch der Gedenkstätte sowie der Ausstellungen ist kostenlos | www.buchenwald.de

Haus Hohe Pappeln

Wohnhaus Henry van de Veldes, dem Wegbereiter des Bauhauses, der im Ersten Weltkrieg als Ausländer die Stadt verlassen musste. Zwischen 1907 und 1908 errichtet, wurde das Haus zu einem Mittelpunkt des geistigen Lebens in der Residenzstadt. In seiner Biografie mit dem Titel „Geschichte meines Lebens“ hat der gebürtige Belgier seine Zeit in Weimar beschrieben. | Di-So April-Okt. 13-18 Uhr, Nov.-März geschl. | Belvederer Allee 58

Schloss und Park Belvedere

Schloss Belvedere war zu Goethes Zeiten nach Tiefurt und Ettersburg einer der Sommersitze der herzoglichen Familie. Den Bau der Anlage südlich der Stadt veranlasste Herzog Ernst August 1724, als Vorbild diente Schloss Belvedere in Wien. Der Barockbau, neben dem vier Kavaliershäuser stehen, ist umgeben von einem Park im englischen Landschaftsstil, den Hermann Fürst von Pückler-Muskau gestaltete. Eine Zierde ist der Russische Garten, der auf Anregung der Großherzogin Maria Pawlowna entstand, die sich vom Schlosspark Pawlowsk in St. Petersburg inspirieren ließ. Im Park befinden sich die Orangerie und der Rote Turm, der bis 1820 im Garten des Wittumspalais stand und als Teesalon diente. In der Nähe des Schlosses entstand 1995/96 das Musikgymnasium als modernes Gebäude mit vielen Glasflächen. Das Untergeschoss des Baus, der Konzertsaal, ist einem antiken Stadion nachempfunden.

In den schönen Räumen des Schlosses - darunter der Festsaal - wird Kunsthandwerk aus dem 17. und dem 18. Jh. gezeigt. Die Arbeiten sind Zeugnisse vor allem der höfischen Kultur des 18. Jhs. Beeindruckend sind die Fayencen, das Porzellan und die Gläser. Die im 18. Jh. entstandenen Thüringer Porzellanmanufakturen sind fast alle mit Beispielen vertreten: Volkstedt, Wallendorf, Ilmenau und Limbach ebenso wie Gotha und Kloster Veilsdorf. Ein Einblick in die Entwicklung der Glaskunst wird anhand von Exponaten aus der Zeit vom 16. bis zum 19. Jh. gegeben. Ebenfalls zu sehen sind Möbel, vor allem Schreibmöbel und anspruchsvolle Raumausstattungen, sowie Textilien. | Öffnungszeiten Schloss: Di-So April-Okt. 10-18 Uhr, Der Park kann ganzjährig besichtigt werden, die Orangerie ist nur in den Wintermonaten geöffnet | Belvederer Allee (außerhalb des Stadtzentrums

Schloss und Park Ettersburg

Seit 1978 stand das nördlich von Weimar gelegene Schloss Ettersburg leer und konnte nur von außen besichtigt werden. Unlängst hat die seit Jahren geplante Sanierung begonnen. Schloss Ettersburg wird bald wieder wie zu Goethes Zeiten aussehen und das „Europäische Zentrum für Stadt-Bau-Kultur“ aufnehmen. Das Ensemble besteht aus dem dreiflügeligen Alten Schloss (1706-12) mit der sich östlich anschließenden Kirche und dem südlich als Corps de Logis vorgelagerten Neuen Schloss (1723-39). Zu Goethes Zeit war die auf einer Anhöhe errichtete Anlage Ort vieler aufwendiger Theateraufführungen. Zwischen 1776 und 1780 bevorzugte die Herzoginwitwe Anna Amalia Ettersburg als Sommersitz, danach wandte sie sich Tiefurt zu. An der Umgestaltung des Schlossparks in einen Landschaftsgarten in der Mitte des 18. Jhs. war der geniale Gartengestalter Fürst von Pückler-Muskau beteiligt. Von hier führt die sogenannte Zeitschneise über den Ettersberg zur Gedenkstätte Buchenwald. Seit dem Kulturstadtjahr 1999 verbindet sie Schloss Ettersburg, den Musenhof der Herzogin Anna Amalia, mit dem ehemaligen KZ Buchenwald. Der rund 1,3 km lange Pfad führt über den Pücklerschlag und den Stern auf die Grünehausallee, eine Jagdschneise aus dem 18. Jh., die völlig zugewuchert war und wieder begehbar gemacht wurde. Entstanden ist so eine Schneise durch den Wald, ein Weg durch die Zeit, der die in Weimars Chronik vorhandenen Gegensätze deutscher Geschichte verknüpft und beim Wandern zum Nachdenken anregen soll. | Ca. 7 km nördlich von Weimar (Ettersberg) | Der Schlosspark kann ganzjährig besichtigt werden | www.schloss-ettersburg.de

Schloss und Park Tiefurt

Herzoginwitwe Anna Amalia hatte sich in die Tiefurter Landschaft am östlichen Stadtrand Weimars verliebt und wählte das Schlösschen als Sommersitz. Entstanden war das Bauwerk für den Kammergutpächter, ab 1776 wurde es als Prinzenwohnung umgebaut. Das, was man sich gemeinhin unter einem Schloss vorstellt, ist es jedoch nicht geworden. Schloss Tiefurt ist ein bescheidenes Haus geblieben. Zur Zeit der Herzoginwitwe wurde es zum Musenhof des klassischen Weimar. Goethe, Schiller, Wieland und Herder gehörten zu den ständigen Gästen. Das Schloss dient heute als Museum.

Der Tiefurter Landschaftspark wurde ab Ende des 18. Jhs. nach englischem Vorbild angelegt. Ihn zieren unter anderem der Teesalon, das erste in Deutschland für Wolfgang Amadeus Mozart errichtete Denkmal, eine Gedenkstätte für Johann Gottfried Herder und, aus Steintisch, Bank und Büste bestehend, „Wielands Lieblingsplatz“. Zu den schönsten Bauwerken gehört der von Blumenrabatten umgebene Musentempel. In dem offenen Säulenbau steht eine Statue der Polyhymnia, der Muse des Tanzes und der Musik.

Die zum großen Teil original erhaltene Ausstattung der Gesellschafts-, Wohn- und Schlafräume im ersten Stock ist typisch für den Geschmack und die Wohnkultur der Goethezeit. Zu sehen sind Möbel, Fürstenberger und chinesisches Porzellan, Gemälde und Kopien antiker Kunstwerke. Die Schlossküche im Erdgeschoss des Seitenflügels hat nur im Sommer geöffnet. Sie wurde mit alten Küchengeräten so eingerichtet, wie sie Mitte des 19. Jhs. ausgesehen haben mag. Braten, Fische, Gemüse, Obst und Kuchen sind Attrappen aus Papiermaschee. | April-Okt. Mi-So 10-18 Uhr | Hauptstr. 1 | im Ortsteil Tiefurt

Villa Neufert

Ernst Neufert (1900-86), Mitarbeiter von Walter Gropius am Bauhaus und später Hochschullehrer in Weimar und Darmstadt, gehört zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jhs. Nach schwedischen und nordamerikanischen Vorbildern errichtete er sich sein Wohn- und Arbeitshaus am Südrand der Stadt. Das kubische Bauwerk gilt als frühes Beispiel für ökologisches und wirtschaftliches Bauen. | Berkaer Str. 55 | Ortsteil Gelmeroda