Reisetipps Washington

Stichworte Washington

Jazz

Unter der rauen Hauptstadtschale steckt ein weicher Kern, und der manifestiert sich im Jazz. Auf ihrer großen Wanderung vom Süden in den Norden Anfang des 20. Jhs. brachten die Schwarzen ihre Musik mit, die noch heute in mehr als 50 Jazzlokalen in und um Washington lebendig ist. Roberta Flack begann ihre Karriere in einer kleinen Bar auf Capitol Hill, Duke Ellington wuchs hier auf und hatte erste Erfolge. Doch erst als er nach New York zog, wurde er berühmt.

Washington ist zwar kein großes Zentrum des Jazz wie New Orleans, Chicago oder New York, aber es hegt und pflegt ihn in zahllosen kleinen Lokalen. In den 1950er- und 1960er-Jahren trug die U Street wegen ihrer vielen Jazzkneipen den Beinamen Black Broadway. Im alten Howard Theatre traten damals alle Jazzgrößen auf: Ella Fitzgerald, Lionel Hampton, Woody Herman und Charlie Byrd, der 50 Jahre lang in Washington lebte. Die Rassenunruhen setzten dem ein Ende. Die U Street wurde zerstört, das Howard Theatre verfiel. Doch das alte Herz der Washingtoner Jazzszene wurde in den vergangenen Jahren wiederbelebt: Heute beherbergt die U Street wieder zahlreiche namhafte Jazzlokale.

Lobbying

Die hohe Kunst des Lobbying wurde in Washington erfunden und wird heute von einer schier unüberschaubaren Zahl von Interessengruppen gepflegt. Ihren Namen erhielten die Lobbyisten im 19. Jh. vom amerikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant: So nämlich schimpfte er die Bittsteller, die ihn in der Lobby des Willard Hotels belästigten, wenn er dort sein Zimmer verließ. Heute ist das Lobbying ein nicht mehr wegzudenkender Teil des parlamentarischen Alltags und wird von einigen als Korruption der Demokratie betrachtet. Von der Autoindustrie bis zum Zahnärzteverband schicken alle ihre Lobbyisten in die Hauptstadt, damit sie mit Überredungskunst und Druck auf die Abgeordneten ihre Interessen durchsetzen.

Skandale

Hinter den Fassaden von Macht und Geld hat sich im braven Washington so mancher saftige Skandal abgespielt. Es gibt sogar Stadtführungen zu den Schauplätzen. Die Sexaffäre von Expräsident Bill Clinton mit Praktikantin Monica Lewinsky fand zwar hinter verschlossenen Türen im Weißen Haus statt, zu besichtigen aber ist der Herrenausstatter, bei dem Monica die inzwischen berühmte Krawatte für Bill kaufte, und auch der Watergate-Komplex, in dem sie wohnte. Watergate mit seiner unansehnlichen Betonfassade war schon 1972 mit einem bedeutenderen Skandal in die Geschichte eingegangen: der Abhöraktion des damaligen Präsidenten Richard Nixon gegen die gegnerische Demokratische Partei. Im Bürgermeisterskandal Wyndham Hotel, ehemals Vista Hotel, wurde Washingtons berüchtigter Bürgermeister Marion Barry vom FBI bei der Einnahme von Kokain gefilmt.

Smithsonian

Nirgends ist Kultur so günstig zu haben wie in Washington: Mehr als 60 Sehenswürdigkeiten und Museen kosten keinen Eintritt, dazu kommen Filme, Konzerte, Festivals, Theater und mehr - alles umsonst. Dass das so ist, verdanken die Einwohner und Besucher der Stadt vor allem der Smithsonian-Stiftung. Warum der Engländer James Lewis Smithson, der nie einen Fuß nach Amerika setzte, bei seinem Tod im Jahr 1829 sein Vermögen ausgerechnet der amerikanischen Hauptstadt hinterließ, um „eine Einrichtung für den Fortschritt und die Verbreitung des Wissens zu begründen“, ist bis heute ein Mysterium. Manche schließen daraus, er habe gegen die Klassengesellschaft in England protestieren wollen. 75 Jahre nach seinem Tod gelangte Smithson doch noch in die USA. Seine Gebeine wurden im Smithsonian Castle an der Mall bestattet.

Spionage

„In Washington gibt es mehr Spione als in jeder anderen Stadt der Welt“, so ein ehemaliger FBI-Chef. Und daran hat sich auch mit dem Ende des Kalten Krieges nichts geändert. In Washington gibt es viele Orte, die Spionagegeschichte machten oder vom ganz alltäglichen Geschäft des Spionierens zeugen. Eine eigene Stadtrundfahrt, die vom Spionagemuseum organisierte Spy City Tour, bringt Besucher dorthin. Von der großen Faszination, die dieser Thrillerstoff auf viele Menschen ausübt, zeugen die Warteschlangen vor dem Spionagemuseum. Darin zu sehen sind die Werkzeuge der Zunft und die Mythen, die sich um sie ranken.

George Washington

Der Vater der Nation (1732-99) ist auch Vater der Hauptstadt. Sein Denkmal, das 160 m hohe Washington Monument, überragt die Stadt und ist weithin sichtbar. Im Deckenfresko der Kapitolskuppel ist er, der von der Geschichte gern als „bescheidener Held“ beschrieben wird, nichtsdestotrotz zu einer gottähnlichen Gestalt stilisiert. Als „Gentleman Farmer“ züchtete Washington - mithilfe von 300 Sklaven - auf seinem Landsitz Mount Vernon vor den Toren Washingtons Getreide und Vieh. Das Gut ist eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Landes. Auch in der Kleinstadt Fredericksburg erinnert vieles an die Familie George Washington. Hier wuchs er auf, hier steht das Haus, das er für seine Mutter Mary kaufte, außerdem das prächtige Plantagengut seiner Schwester.

Wein

Weinbau fällt den wenigsten ein, wenn sie an die Gegend um Washington denken. Und doch versuchten sich schon der erste Präsident der USA, George Washington, und später auch Thomas Jefferson an der Weinerzeugung - mit wenig Erfolg. Seit Mitte der 1970er-Jahre werden im Washingtoner Umland respektable Tropfen produziert, vor allem Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Im Piedmont-Gebiet, das sich durch Virginia und Maryland zieht, liegen viele Weingüter verstreut. Die meisten von ihnen bieten Besichtigungen und Weinproben an, und im Herbst gibt es auch vielerorts Weinfeste. | www.virginiawines.org