Reisetipps Washington

Auftakt Washington Was für eine Stadt!

Alles ist möglich in Washington D.C.! Die amerikanische Hauptstadt bietet viel Grün und Wasser zum Joggen, Skaten oder Bootfahren und abwechslungsreiche, hübsche Stadtviertel zum Bummeln. Die vielfältige Restaurantszene ist international geprägt, und in den Museen für Kunst, Geschichte und Technik müssen Sie zumeist keinen Eintritt zahlen. Besuchen Sie die Orte, wo so manche weltpolitische Entscheidung getroffen wird. Gehen Sie anschließend ins Sinfoniekonzert, in einen Jazzkeller oder eine Blueskneipe. Suchen Sie Anregung, Aufregung und trotzdem Ruhe? Dann sind Sie in Washington D.C. genau richtig!

Washington ist Landeshauptstadt, und diese Tatsache prägt das Leben in D.C. (ausgesprochen: „Diessie“), wie die Amerikaner Washington nennen. Die meisten der rund 570000 Einwohner haben beruflich auf irgendeine Weise mit dem politischen Gewerbe zu tun: Entweder sie sind Politiker oder bei einer der vielen Behörden angestellt, oder sie sind Anwälte, Lobbyisten, Diplomaten oder Journalisten. Der internationale Mix hat der Stadt gutgetan: Die lange verspottete Kapitale ist inzwischen ein international anerkanntes Kulturzentrum.

Plácido Domingo übernahm die künstlerische Leitung der Washingtoner Oper, im Kennedy Center finden Konzerte von Weltrang statt, und in den vielen Galerien wie der exquisiten Phillips Collection hängen Klassiker sowie Vertreter der Moderne. Fast 20 Mio. Besucher entdecken jedes Jahr die verschiedenen Gesichter einer Metropole, deren Charme wächst, je mehr man sich von ihr anschaut.

Seit seiner Gründung ist Washington D.C. ein Kompromiss zwischen Nord- und Südstaaten. Neuankömmlinge bemerken die Südstaatenprägung sofort am Wetter, vor allem im Sommer. Im Juli und August ist die Stadt so drückend schwül, dass Diplomaten hier vor der Erfindung der Klimaanlage eine Tropenzulage erhielten. Wohlhabende Familien flüchteten sich auf ihre Sommersitze weiter nördlich. Heute mildert die moderne Technik die hohe Luftfeuchtigkeit. Allerdings stellen Geschäfte und Restaurants wie überall in den USA die Klimaanlage so kühl ein, dass Europäer gut beraten sind, auch im Sommer eine Jacke dabei zu haben, um sich beim Lunch keine Erkältung zuzuziehen.

Washington ist eine geplante Stadt im doppelten Sinn: Ihre Gründung war der Willensakt einer neuen Nation auf der Suche nach einem symbolischen Zentrum und Regierungssitz. Die Ausmaße in Form einer Raute kamen zustande, weil die Staaten Maryland und Virginia ein Stück Land für D. C., den District of Columbia, abtraten. Es war genau zehn Quadratmeilen (16 km²) groß. Heute ist davon noch der nördliche Teil übrig, der Rest schloss sich wieder Virginia an. Im Süden begrenzt der gemächlich dahinfließende Potomac die Stadt.

Geplant und angelegt hat die Stadt der Franzose Pierre Charles L'Enfant, der als Freiwilliger unter General George Washington gegen die Engländer gekämpft hatte. Als ob er die spätere Weltbedeutung Amerikas vorausgesehen hätte, entwarf er 1792 für die zukünftige Hauptstadt große Prachtstraßen und Gebäude, inspiriert von den monumentalen Ausmaßen der klassischen Architektur Griechenlands und Roms.

Man muss sich klarmachen, dass weite Flächen Washingtons damals nichts als sumpfiges Gelände waren. L'Enfants Pläne wirkten geradezu größenwahnsinnig. So dauerte es kein Jahr, und der ehrgeizige Franzose wurde gefeuert. Er stritt sich bis zu seinem Tod erfolglos mit dem Kongress um sein Honorar und starb 1825 in Armut. Aber als die Nation - und mit ihr die Hauptstadt - wuchs, holte man seinen Entwurf wieder aus der Schublade.

Besucher und Bewohner Washingtons können deshalb heute eine Stadt genießen, deren Bebauung viel Platz lässt für Flaneure. Eine breite Grünfläche - die sogenannte Mall - zieht sich durch das Regierungsviertel. Links und rechts von der Mall liegen Museen und Behörden. Das Kapitol, erbaut auf einem Hügel, thront über allem. Der Respekt vor dem Gebäude der Volksvertreter ist so groß, dass kein Haus höher sein darf als das amerikanische Parlament. So bleibt Washington eine Stadt mit viel Licht und Luft. Den besten Überblick hat man vom Washington Monument aus, jenem Obelisken im Zentrum der Mall.

Nach amerikanischem Demokratieverständnis gehören alle öffentlichen Gebäude, bis hin zum Weißen Haus, dem Volk; die Politiker sind gewissermaßen nur Untermieter auf Zeit. Dementsprechend hatten die Bürger stets Zutritt zum Weißen Haus, zum Kapitol und anderen staatlichen Institutionen. Diese Offenheit ist durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 empfindlich eingeschränkt worden.

Zwar war jener Flügel des Pentagons, der bei dem Anschlag zerstört worden war, auf den Tag genau ein Jahr später wieder aufgebaut, und für die 184 Toten des Anschlags wurde ein eindrucksvolles Denkmal entworfen. Doch die Wunden sind längst nicht verheilt; das Leben in Washington hat sich verändert. Es bleibt ein stärkeres Wir-Gefühl der Amerikaner, ein tieferes Nationalbewusstsein, es bleiben Achtsamkeit, Vorsicht und strengere Sicherheitsmaßnahmen. In sämtlichen öffentlichen Gebäuden - auch den Museen - müssen Sie mit Wartezeiten rechnen, da alle Taschen durchsucht werden und zudem jeder Besucher eine elektronische Sicherheitsschleuse passieren muss.

Problematisch ist der kaum kontrollierte Zugang zu Schusswaffen. In Washington selbst ist Waffenbesitz zwar grundsätzlich verboten. Gleich nebenan allerdings, in Virginia, sind die Bestimmungen wesentlich lockerer, und so gelangen viele Pistolen und Gewehre auch in die Hauptstadt. Vor einigen Jahren war Washington sogar statistische Mordhauptstadt der USA. Aber Reisende brauchen sich hier nicht mehr Sorgen zu machen als in jeder anderen Großstadt Amerikas. Die überwiegende Zahl der Morde und Überfälle geschieht im Südosten, jenseits des Anacostia River. Genau genommen besteht D.C. aus vier Teilen: dem armen, schwarzen Südosten mit Anacostia, dem Nordosten, wo Weiß und Schwarz sich noch am ehesten mischen, dem wohlhabenderen Nordwesten und dem Zentrum mit seinem Büro- und Regierungsviertel.

Mehr als 70 Prozent der Einwohner Washingtons sind schwarz, was viele Besucher überrascht, weil sie sich vorwiegend in von Weißen dominierten Vierteln bewegen. In Georgetown zum Beispiel, dem ältesten und wohlhabendsten Viertel der Stadt, das übrigens längst nicht immer ausschließlich von Weißen bewohnt wurde. Vor der Gründung von D.C. bildete Georgetown eine eigene Kommune. Der frühere Hafen, der Washington Harbour, ist jetzt ein beliebtes Ausflugsziel mit Restaurants direkt am Potomac. An warmen Sommerabenden legen zahlreiche Ausflügler mit Booten an und feiern an Deck kleine Partys.

Früher wurden hier die auslaufenden Schiffe mit Tabak beladen, den man die Wisconsin Avenue hinunterrollte. Und hereinkommende Boote löschten ihre Ladung für den Weitertransport ins Landesinnere. Weiter flussaufwärts ging es nicht, denn damals wie heute ist der Potomac ein zweigeteilter Fluss. Bis Washington ist er ein Tidengewässer, also ein breit dahinfließender Strom, der Ebbe und Flut kennt. Doch stromaufwärts ist er ein rauer Gebirgsfluss, der früher den Pawtomax-Indianern (nach denen er wahrscheinlich benannt ist) das Kanufahren schwer machte und heute unvorsichtige Touristen in die Tiefe zieht. Kurz vor Washington, bei den Great Falls, legt er in reißendem Sturz 26 m Höhenunterschied zurück. Der eigentliche District of Columbia ist relativ klein. Der Großraum Washington schließt die angrenzenden Landkreise von Maryland und Virginia mit ein. In der Peripherie herrscht stetiges Wirtschaftswachstum. Drei Viertel aller multinationalen Unternehmen haben ihren Hauptsitz oder eine Vertretung in der Region. Die Gegend beherbergt 200 Telekommunikationsgrößen und viele Internetfirmen. Nordvirginia gilt in den USA als Hightechkorridor. Im Großraum Washington leben insgesamt mehr Computerspezialisten als in Boston und San Francisco zusammen.

Ob Sie eher die pulsierende Gegenwart oder die Historie interessiert, ob Sie Begegnungen mit Menschen suchen oder Besichtigungen vorziehen - Washington D.C. wird Sie nicht enttäuschen.