Reisetipps Umbrien

Stichworte Umbrien

Case Coloniche

Toskanische Immobilien sind längst keine Schnäppchen mehr - da weicht man gern auf das günstigere Umbrien aus: Immer mehr Ausländer, aber auch Norditaliener kaufen daher hier Bauernhäuser auf und restaurieren sie geschmackvoll. Berühmte umbrische Neubürger sind der Sänger Sting und der langjährige französische Kultusminister Jack Lang.

Fresken

Gotik und Renaissance waren die Glanzzeiten der Freskomalerei. Dabei wurden laugenechte Wasserfarben (Ockererden, Eisen- und Manganoxide) auf dem frisch angebrachten, noch feuchten Mörtel aufgetragen. Außer Geschwindigkeit erfordert dies höchste Konzentration, denn ist der Mörtel erst getrocknet, sind die Farben untrennbar mit ihm verbunden.

Heilige

Zwei umbrische Heilige haben die Welt verändert: Benedikt von Nursia und Franz von Assisi. Der hl. Benedikt wurde 480 in Norcia geboren. 529 gründete er auf dem Monte Cassino das erste Kloster. Durch Mauern von den Versuchungen der Außenwelt abgeschirmt, schrieb er die Regeln des Benediktinerordens nieder. Seine Forderung ora et labora (bete und arbeite) wurde zum obersten Prinzip erhoben.

Armut, Demut und Nächstenliebe waren die Maximen des 1182 geborenen Franz von Assisi und die Grundregeln der Franziskaner, zahlenmäßig auch heute noch der größte christliche Orden der Welt. Franz, Sohn wohlhabender Eltern, ließen die Gefangenschaft nach einem Feldzug und eine schwere Krankheit über die wahren Werte des Lebens nachdenken. Seit 1207 führte er ein dem Gebet und der Nächstenliebe geweihtes Leben bei der kleinen Kirche Porziuncola unterhalb Assisis. Er legte in der Regel des Minoritenordens die „göttliche Berufung zur Armut, zu hilfreicher Tat und zur Predigt“ fest, gründete den Orden der Klarissen und stiftete den dritten Franziskanerorden (Tertiarierorden) für Laien. Dann zog er sich in die Einsamkeit des Klosters La Verna in der nahen Toskana zurück, wo er die Wundmale Christi empfing. Bereits zwei Jahre nach seinem Tod 1226 wurde er unter dem Jubel des Volkes in Assisi heiliggesprochen. Seine Gebeine liegen seit 1230 in der für ihn errichteten Grabeskirche San Francesco.

Zu den bekannten Heiligen Umbriens gehören auch zwei Frauen. Die hl. Klara, 1194 in Assisi geboren, ist Namesgeberin des 1212 gegründeten Klarissen-Ordens. Klara starb 1253 in San Damiano, ihrem ersten Kloster. 1255 wurde sie heilig gesprochen und 1260 in die für sie erbaute Kirche Santa Chiara in Assisi überführt. Sie wird übrigens als offizielle Schutzheilige des Fernsehens gepriesen.

Die berühmteste Tochter Cascias ist die hl. Rita (1380-1457). Erst 1900 heiliggesprochen, erbaute man ihr hier eine Basilika und ein Kloster. Die ganze Stadt lebt seitdem von der Anziehungskraft der Heiligen. Kein Wunder: Sie ist für scheinbar unerfüllbare Wünsche zuständig!

Naturparks

Sieben geschützte Zonen (über sieben Prozent des Landes!) sind in Umbrien als Naturschutzgebiet ausgewiesen, und die Regionalverwaltung bemüht sich, weitere Gebiete in ihrer landschaftlichen Eigenart zu erhalten. Im äußersten Norden, östlich von Gubbio bis zu den Marken, dehnt sich der 100 km² große Parco Regionale del Monte Cucco um den 1566 m hohen, höhlenreichen Monte Cucco. Etwas weiter südlich, nahe Assisi, liegt der Parco Regionale del Subasio mit seinen Steineichenwäldern. Der östlich davon gelegene Parco di Colfiorito ist mit seiner sumpfigen Hochebene ebenso ein Vogelschutzgebiet wie der Parco del Trasimeno. Östlich von Orvieto, entlang des Tibertals mit dem Lago di Corbara, befindet sich der Parco Fluviale del Tevere. Im Süden, in der Valnerina, dehnt sich der Parco Fluviale del Nera mit großen Eichen- und Buchenwäldern. Und weiter ostwärts, in die benachbarte Region der Marken, breitet sich der Parco Nazionale dei Monti Sibillini aus, eines der größten und ältesten Naturschutzgebiete Italiens. Er erstreckt sich über eine Fläche von 700 km² mit sechs Erhebungen über 2000 m. An der Baumgrenze wachsen Rhododendren, Zwergginster und Zwergazaleen, aber auch Frauenschuhe, Lilien, das seltene Apennin-Edelweiß und wilde Narzissen. Im Spätsommer finden Sie eine Vielzahl von Beeren. Auf den Höhen hat sich der Wolf wieder vermehrt, und die kahlen Flanken der Berge sind ein Paradies für Adler, Eulen, Falken. | www.parks.it

Olivenöl

Das in Umbrien gewonnene Olivenöl gilt - neben dem toskanischen - als das beste Italiens. Die silbrig glänzenden Olivenhaine ziehen sich vom Lago Trasimeno durch die ganze Valle Umbra bis nach Spoleto; sie liegen meist in etwa 300 m Höhe. Eine Faustregel besagt: je höher die Lage der Haine, umso besser das Öl. Bei der Gradierung geben Säuregehalt, Farbe und Geschmack den Ausschlag. In Umbrien gewonnenes Olivenöl zeichnet sich durch einen besonders niedrigen Säuregehalt (zwischen 0,5 und 1 Prozent), tiefgrüne Farbe und besonders fruchtigen Geschmack aus. Diese Angaben gelten für mechanisch gepresstes Olio Extra Vergine (EU-Bezeichnung „Natives Olivenöl Extra“).

Seen

„Die blauen Augen in der grünen Landschaft Umbriens“ werden sie poetisch genannt. Der Lago Trasimeno im Nordwesten des Landes ist mit 128 km² Fläche der größte See in Umbrien und der viertgrößte ganz Italiens. Hannibal schlug hier im Jahr 217 v. Chr. die Truppen des römischen Konsuls Gajus Flaminius. Zwar ist der Wasserspiegel im Lauf der Jahrhunderte wesentlich gesunken (seine Tiefe beträgt heute um 4 m), aber er ist immer noch das reichste Süßwasserreservoir Italiens, aus dem bis zu 1000 t Fische jährlich geholt werden - und eines der beliebtesten Ausflugsziele. Am schilfbestandenen Südufer des Lago Trasimeno, aber auch am Lago di Corbara und am Lago di Alviano nahe Orvieto nisten bis zu 80 Vogelarten. Daher herrscht dort Badeverbot. Landschaftlich grandios in 376 m Höhe liegt der Lago di Piediluco. Der Zufluss des Velino bewirkt, dass das tiefgrüne Wasser selbst im Sommer für Badefreudige sehr kalt ist, doch Angler und Surfer finden hier ein kleines Paradies.

Thermen

Es gibt in Umbrien besonders viele Heilquellen. Eine Kostenbeteiligung der deutschen Krankenkassen ist grundsätzlich möglich. Besonders hübsch gelegen sind die Terme di San Gemini, nordwestlich von Terni. Zahlreiche Hotels, ein jahrhundertealter Park und nahe Kunststätten machen den Aufenthalt angenehm.

Weitere Tipps sind die in Assisi gelegene Terme Santo Raggio, die eher bescheidene Terme del Cacciatore in wunderschöner Berglandschaft sowie nahe Città di Castello die Terme di Fontecchio, in denen sich auch Tagesgäste in modernsten Kur- und Freizeiteinrichtungen verwöhnen lassen können.

Umbrische Malschule

Verträumt lächelnde Madonnen, anmutig schwebende Engel vor lieblichen Landschaften und milde blickende Heilige, Könige und Hirten sind auf vielen Fresken in den umbrischen Kirchen dargestellt. Diese Bilder stammen meist aus dem Quattrocento (15. Jh.) und gehören der Umbrischen Schule an, deren wichtigste Vertreter die Maler Perugino und Pinturicchio sind.

Perugino, eigentlich Pietro Vannucci, wurde um 1445 in Città della Pieve geboren. Ein Großteil seiner Werke ist in Perugia zu sehen, aber auch im Museo San Francesco in Montefalco, in Trevi und vor allem in seiner Geburtsstadt. Das große Anbetungsfresko (1504) im Oratorio dei Bianchi gehört zu seinen schönsten und bedeutendsten Werken.

Die Hauptwerke des 1454 in Perugia geborenen Bernardino di Betto, genannt Pinturicchio, befinden sich außerhalb Umbriens, in Rom und Siena. In Spello malte er allerdings die Cappella Baglioni in Santa Maria Maggiore mit Fresken aus und im Dom von Spoleto die Eroli-Kapelle.

Zu den Vertretern der Umbrischen Schule gehören auch Ottaviano Nelli (1375-1444), dessen Werke in seiner Heimatstadt Gubbio zu sehen sind, Masolino da Panicale (Tommaso di Cristoforo, 1383-1447) mit seiner berühmten „Madonna mit Kind“ in San Fortunato in Todi und Nicolò di Liberatore, genannt Alunno (ca. 1430-1502), dessen Polyptychon „Christi Geburt“ (1483) sich in San Francesco in Montefalco befindet.