Reisetipps Umbrien

Auftakt Umbrien Was für eine Region!

In Umbrien gibt's kein Meer - dafür grüne Hügel, den Trasimenischen See, die Fresken von Assisi und Orvieto sowie die lebendige internationale Studentenszene in der Etruskermetropole Perugia. Außerhalb der Hauptstadt herrscht nicht flippige dolce vita, sondern ländlicher Charme: Man kann auf Dorffesten tanzen, mit Trüffelsuchern durch Steineichenwälder streifen und in Trattorien tafeln, wo einheimische Bioprodukte schon immer selbstverständlich waren. Das grüne Herz Italiens bleibt eine bodenständige Region, in der Mountainbiker genauso glücklich werden wie Mittelalterschwärmer.

Umbrien ist „das grüne Herz Italiens“. Dieser Werbeslogan passt, denn Umbrien ist eine landschaftlich reizvolle Gegend, die viel von ihrem ursprünglichen Charme bewahrt hat.

Da ist zunächst der Zauber der einzigartigen Natur der Valle Umbra zwischen Perugia und Spoleto: große Ebenen mit kleinen bäuerlichen Anwesen, gepflegte Olivenhaine, deren silbrige Blätter im Frühling über endlosen roten Mohnfeldern schimmern, schnurgerade Reihen von Rebstöcken und gelbgrüne Tabakfelder sowie der Fluss Clitunno, der den Römern heilig war und das Tal durchquert.

An den Rändern der Valle Umbra liegen die mittelalterlichen Hügelstädte mit ihren Kirchen und Palästen, Toren und Brücken, mit Gassen und steilen Treppen, die meist zur zentralen Piazza führen. Vor der Bar oder einem Café lässt sich das Treiben verfolgen. Und bei einem Campari, Cappuccino oder einem Glas Wein können Sie in das ruhige, erdverbundene Leben dieser Orte eintauchen.

In Umbrien scheint alles auf das menschliche Maß zugeschnitten. Auf 8456 km² (Umbrien ist die fünftkleinste Region Italiens) leben nur 826000 Einwohner, rund 96 auf 1 km². Nur die beiden Provinzhauptstädte Perugia und Terni kommen auf mehr als 100000 Einwohner. Dabei war Umbrien im Mittelalter, am europäischen Durchschnitt gemessen, dicht besiedelt, und um 1600 lebten bereits etwa 300000 Menschen in der Gegend - eine Zahl, die erst nach der Loslösung vom Kirchenstaat 1860 bis zur Mitte des 20. Jhs. langsam anstieg. Es ist dieser lange Dornröschenschlaf, dem heute so manches architektonische Kleinod zu verdanken ist. Das „arme Umbrien“ hatte über Jahrhunderte nicht die Mittel zur Zerstörung alter Substanz und zum Aufbau „besserer“ Strukturen. Die Menschen lebten in denselben Häusern, in denen schon ihre Vorfahren gelebt hatten, und sie gingen zum großen Teil denselben Tätigkeiten nach. Handwerker und vor allem Bauern und Hirten bevölkerten die Region. Mezzadria, Halbpacht, war bis ins 20. Jh. die Regel. Elektrizitäts- und Wasseranschluss blieben oft bis in die 1970er-Jahre ein Traum.

In den Städten sah es nicht viel anders aus. Verhinderten ursprünglich Desinteresse oder Not einschneidende Neuerungen, so war es später der Stolz der Besitzer auf die Paläste oder Häuser ihrer Vorfahren, der die Stadtzentren Umbriens vor modernen Verwüstungen schützte. Gubbio, Perugia, Città di Castello, Spello, Montefalco, Trevi, Spoleto, Narni, Amelia, Todi und Orvieto sind Orte, deren mittelalterlicher Kern unverändert erhalten blieb, das Bergstädtchen Norcia hat trotz wiederholter Erdbeben sein ursprüngliches Aussehen bewahren können, und auch im kleinen Bevagna scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Assisi nimmt eine Sonderstellung unter den Städten Umbriens ein. Hier wurde der hl. Franz, der Nationalheilige Italiens, geboren. Die mächtige Grabeskirche des Heiligen und die vielen Orte in der Umgebung von Assisi, die er im Lauf seines Lebens aufgesucht hat, besuchen Jahr für Jahr Hunderttausende von Pilgern. Zahlreiche weitere Orden haben in herrlichen Gärten am Berg oder in den engen Gassen der Stadt ihre Klöster errichtet. Und trotz der vielen Menschen scheint der Friede, den der hl. Franz verbreitet hat, noch immer über Assisi zu ruhen - besonders am frühen Morgen, wenn sich die Nebelschleier unten im Tal auflösen und die Erhebungen, die Felder und Wiesen langsam aus dem Dunst treten.

Im Gegensatz zu früher arbeitet heute kaum noch jeder Zehnte der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Doch 93 Prozent sind noch immer landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wälder oder Gebirge. Denn die traditionellen bäuerlichen Wirtschaftsformen sind Öl- und Weinproduktion, Tabak- und Rübenanbau, Holzwirtschaft und Fischfang, aber vor allem Schaf- und Schweinezucht (auf jeden Einwohner Umbriens kommen drei Schweine).

Die Industrialisierung Umbriens begann erst nach der Angliederung der Region an das Vereinte Königreich Italien in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. Im wasserreichen Becken von Terni siedelten sich die ersten Großbetriebe, vor allem aus dem Stahl erzeugenden und chemischen Sektor, an. Terni, früher Mussolinis hochproduktive Waffenschmiede, hat nach der Stahlkrise heute die höchste Arbeitslosenquote der Region. In Foligno ist die Papier- und Druckindustrie vorherrschend - wie schon von alters her. Denn hier wurde 1472 bereits die erste Auflage von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ gedruckt.

Der wirtschaftliche Mittelpunkt Umbriens ist heute die pulsierende Hauptstadt der Region: Perugia. Selten sind Moderne und Tradition so harmonisch miteinander verwoben wie in dieser treppenreichen Universitätsstadt. Etruskermauern in einem Internetcafé, Jazzsessions im Renaissancekonvent, Rolltreppen in der Papstfestung, Mittelalterfresken und moderne Straßenmalerei ... Keine Frage, Perugia ist eine der lebendigsten, verführerischsten Städte der Apenninhalbinsel. Und wer nie den öffentlichen Bummel auf dem Corso Vannucci genossen hat, hat etwas verpasst.

Doch auch das auf einer Tuffkuppe thronende Orvieto mit seinem kostbar funkelnden Dom, die steile Festspielstadt Spoleto oder Todi mit seinen imposanten Kommunalpalazzi verheißen italienische Stadterlebnisse vom Feinsten.

Urlaub in Umbrien, das bedeutet eine gelungene Mischung aus dolce vita und Kunstgenuss: Giotto-Fresken und Perugino-Gemälde, Mountainbiketouren in der Valnerina, Paragliding auf der Hochebene von Castelluccio, Schwimmen im Trasimenischen See - und immer wieder Begegnungen mit der einheimischen Bevölkerung. Sei es im Weingut, wo Sie einen granatroten Sagrantino di Montefalco verkosten, in der Trattoria, wo es frische Trüffeln zur hausgemachten Pasta gibt, oder einfach an der Bar bei einem Espresso. Überall treffen Sie nette Menschen, die sich bemühen, Sie in Umbrien willkommen zu heißen. Ein freundliches Lächeln am Weg, helfende Hände, wenn der Wagen an einer steilen Stelle streikt, der Stolz, mit dem ein Teller dampfende Minestrone angeboten wird: Das sind Erinnerungen an Umbrien, die bleiben.