Reisetipps Tunesien

Stichworte Tunesien

Alkohol

Die meisten Tunesier sind pragmatische Muslime, und deshalb sehen sie das im Islam geltende Alkoholverbot nicht zu streng. In den Touristenhotels und in den meisten gehobenen Restaurants wird Alkohol ausgeschenkt. Aus Rücksicht auf das religiöse Empfinden Ihrer Gastgeber sollten Sie aber während des Fastenmonats Ramadan darauf verzichten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken.

Bauchtanz

Der Bauchtanz ist keine tunesische Tradition, sondern stammt aus Ägypten bzw. dem Nahen Osten. Nichtsdestoweniger sind Bauchtanzshows sehr beliebt und gute Tänzerinnen ebensolche Superstars wie berühmte Sänger oder Musiker. Die meisten Hotels organisieren einmal in der Woche einen tunesischen Abend, zu dem auch der Auftritt einer Tänzerin gehört.

Berber

Berber bildeten die Urbevölkerung des nördlichen Afrika; erst ab dem 7. Jh. wurden sie von den einwandernden arabischen Stämmen aus ihren angestammten Gebieten gedrängt. Die meisten leben auf Djerba und in den Höhlendörfern des Südens. Ebenfalls im Süden, um Douz und Tataouine, gibt es noch rein arabischstämmige Familien. Im Gegensatz zu den Arabern haben die Berber präislamische Glaubensvorstellungen bewahrt, die heute als Aberglaube angesehen werden, so die Angst vor dem bösen Blick oder der Glaube an besondere Heilkräfte von Amuletten.

Habib Bourguiba

Der Rechtsanwalt Habib Bourguiba (1904–2000) war der führende Widerstandskämpfer gegen die französische Kolonialherrschaft und nach der Unabhängigkeit von 1956 bis 1987 Staatspräsident. Der moderne, aufgeklärte Politiker wandelte sich mit zunehmendem Alter zu einem despotischen Alleinherrscher, der seine Untertanen bespitzeln ließ und jegliche Opposition erstickte. 1987 wurde er von seinem Vize- und jetzigem Ministerpräsidenten Zine el-Abidine Ben Ali abgesetzt.

Frauen

Ganz gleich, ob traditionell mit Schleier oder nach der jüngsten Pariser Mode gekleidet – tunesische Frauen sind sehr selbstbewusst. Die Verfassung sieht sie als gleichberechtigt und selbstbestimmt. Ein Viertel der Berufstätigen sind Frauen, ebenfalls ein Viertel der Parlamentsabgeordneten (1989 waren es nur 4 Prozent).

Hammam

Das Dampfbad, Hammam, ist eine der angenehmsten Wellnesserrungenschaften der islamischen Kultur und eine wichtiger Treffpunkt, vor allem für traditionell lebende Frauen. Im Hammam plaudern sie mit Nachbarinnen und Freundinnen, tauschen Neuigkeiten aus, knüpfen Kontakte. Traditionelle Hammams sind meist recht einfach und nicht unbedingt auf europäische Besucher eingestellt. Aber es gibt mittlerweile auch luxuriösere Dampfbäder, zum Beispiel in vielen Hotels.

Islam

„Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet“ – dieser Ruf zum Gebet erschallt fünfmal täglich von den Minaretten. Der Islam wurde im 6. Jh. im heute saudischen Mekka begründet. Der Kaufmann Mohammed (etwa 570–632) empfing in mehreren Offenbarungen Allahs Worte, die er im heiligen Buch des Koran niederschrieb. Fünf Säulen sind Grundlage eines gottgefälligen Lebens: die Bekenntnis zum alleinigen Gott, das tägliche Gebet, das Fasten im Monat Ramadan, die Pilgerfahrt nach Mekka und das Almosengeben. Die meisten tunesischen Muslime halten die Regeln ein, lehnen aber jede Art von religiösem Fanatismus ab.

Islamisten

Radikale Islamisten gibt es zwar, aber sie werden streng observiert. Religiöse Parteien sind verboten; die größte fundamentalistische Bewegung wird überwacht, ihre Anführer sitzen im Gefängnis oder im Exil. Die Freitagspredigten der Imame werden zensiert. Trotz der staatlichen Kontrolle gelang einem Fanatiker 2002 ein Attentat auf die Synagoge La Ghriba auf Djerba.

Jasmin

Jasmin ist die tunesische Nationalblume; ihre Sträucher wachsen in fast allen Teilen des Landes. Die Blüten werden zu Sträußchen gebunden und von Straßenverkäufern angeboten. Die Männer tragen diese Minibouquets beim Bummeln kokett hinters Ohr gesteckt.

Ksar und Kasbah

Ksar, Mehrzahl Ksour, ist das Berberwort für eine Festung, in der in Kriegszeiten die Menschen aus den umliegenden Dörfern Schutz suchen konnten. Häufig wurden in einem Ksar auch die Vorräte und Wertsachen aufbewahrt, zumeist in den Ghorfas, wie in Bienenwaben aufeinandergestapelte Zellen mit Tonnengewölbe. Im Ksar wurde häufig auch Wochenmarkt gehalten, und der Ältestenrat versammelte sich darin, um Recht zu sprechen. Das arabische Kasbah bedeutet ebenfalls Burg, bezeichnet in Tunesien aber meist die Festung zum militärischen Schutz einer Stadt.

Kunst

Als Sternstunde des Expressionismus gilt die Reise der Maler August Macke, Paul Klee und Louis Mouillet 1914 nach Tunesien. Viele berühmte Bilder entstanden dabei, darunter August Mackes „Blick auf eine Moschee“ in Sidi Bou Saïd. Der malerische Ort hoch über der Bucht von Tunis ist Mittelpunkt der Malerszene mit zahlreichen Galerien. Bekannte tunesische Maler sind Ammar Farhat und Yahia Turki, Begründer der École de Tunis und Verfechter der abstrakten Malerei.

Marabout

Marabout bedeutet zweierlei: einen wegen seiner Religiosität von den Menschen verehrten Mann (evtl. auch eine Frau) und zugleich das mit einer Kuppel gekrönte Grabmal, das ihm errichtet wurde. Ein Marabout besitzt baraka, eine von Allah verliehene Kraft, von der angenommen wird, dass sie heilen oder gar Wunder wirken kann. Diese Kraft besteht auch nach dem Tod des Marabout weiter, weshalb die Gläubigen zu seinem Grabmal pilgern, um daran teilzuhaben.

Moschee

In Kairouan steht die älteste Moschee Nordafrikas; ein Gefährte des Propheten hat sie im 7. Jh. gegründet. Die meisten älteren muslimischen Gotteshäuser in Tunesien sind nach dem Vorbild dieser Großen Moschee als Hofmoscheen erbaut. Sie bestehen aus dem Gebetssaal und einem großen, von schattigen Arkaden umgebenen Hof mit einem Minarett, das ursprünglich wohl auch als Wachturm diente. Säulen gliedern den Gebetssaal in mehrere Schiffe, die auf die nach Mekka gerichtete Kiblawand mit der Mihrabnische zulaufen. Sie geben die korrekte Gebetsrichtung an. Vom Predigtstuhl Minbar spricht der Vorsteher der Moschee, der Imam, die Freitagspredigt. Moscheen sollen eigentlich stets für die Gläubigen zugänglich sein; in Tunesien werden sie aus Angst vor islamistischer Propaganda im Gotteshaus nur zu den Gebeten geöffnet. Nichtmuslime dürfen nur den Innenhof einiger touristisch interessanter Moscheen betreten.

Musik

Die schönste tunesische Musikform, der maalouf, ist eine glückliche Verbindung arabischer und andalusischer Liedtraditionen. Es ist eine sanfte, klagende Musik, gespielt von einem kleinen Orchester und garniert mit virtuosen Arabesken des Soloinstruments, der Laute oud. Berühmtester Maaloufinterpret ist Anouar Brahem, der auch internationale Konzertsäle füllt.

Politik und Wirtschaft

Tunesien ist auf dem Papier eine Demokratie, de facto aber ein Einparteienstaat, denn die Regierungspartei RCD (Rassemblement Constitutionel Démocratique) versammelt bei Wahlen regelmäßig über 80 Prozent der Stimmen, während die zersplitterte Opposition durch des Präsidenten Gnaden auf einigen geschenkten Parlamentssitzen das demokratische Feigenblatt spielt. Ministerpräsident Zine el-Abidine Ben Ali hat die staatlich gelenkte Wirtschaft liberalisiert und das Land mit großem Erfolg international wettbewerbsfähig gemacht. Allerdings bleibt die große Zahl arbeitsloser Jugendlicher ein unbewältigtes Problem. Nach innen schätzt Ben Ali die Politik der harten Hand, weshalb Tunesien regelmäßig in Amnesty-International-Berichten über Polizeiwillkür und Folter auftaucht.

Ramadan

Das vierwöchige Fasten im Ramadan stellt Muslime vor eine harte Belastungsprobe. Tagsüber wird absolute Enthaltsamkeit erwartet; sobald aber die Muezzins nach Sonnenuntergang das Fastenbrechen verkünden, darf das Verpasste nachgeholt werden. Folglich sind die Fastenden am Tag ziemlich müde und angeschlagen, während die Nächte des Ramadan zu den aufregendsten des Jahres gehören. Die Menschen strömen in die Souks, kaufen ein, gehen Essen oder besuchen Freunde. In der Medina von Tunis findet in dieser Zeit ein hochkarätig besetztes Kulturfestival mit Konzerten, Lesungen, Theater und Tanz statt.

Schleier

Das Haare, Hals und Schultern verhüllende Kopftuch trugen früher hauptsächlich ältere Damen oder Frauen in ländlichen Regionen; heute sieht man auch viele junge Mädchen damit. Gelegentlich kann man den Eindruck gewinnen, es gäbe nichts Modischeres als dieses doch eigentlich das Gegenteil beabsichtigende Accessoire. Die Staatsgewalt allerdings sieht im Schleier eine Bekenntnis zu islamistischem Gedankengut. Mit Berufung auf einen bislang nie durchgesetzten Erlass, der das Tragen eines Schleiers in der Öffentlichkeit verbietet, zwang die Polizei in letzter Zeit Frauen in mehreren Großstädten, den Schleier abzulegen.