Reisetipps Türkei Westküste

Stichworte Türkei Westküste

Archäologie

Ausgrabungen an der ägäischen Küste Anatoliens gibt es seit dem 19. Jh. Nachdem die verschuldeten osmanischen Sultane ganze Tempel und Tore für symbolische Preise abtransportieren ließen und manches Stück illegal die Grenzen passierte, versucht Ankara heute seine antiken Schätze, wie z.B. den Pergamon-Altar - der sich seit rund 100 Jahren im Berliner Pergamonmuseum befindet -, zurückzubekommen. Antike Stätten werden gut bewacht und Besuchern zugänglich gemacht. Es arbeiten hier überwiegend französische und deutsche Archäologen, das Deutsche Archäologische Institut hat eine Niederlassung in İstanbul.

Eine großartige Grabungsstätte ist das antike Troja, um dessen Erforschung sich der 2005 leider viel zu früh verstorbene deutsche Archäologe Manfred Korfmann verdient gemacht hat. In der hellenistisch-römischen Königsresidenz Pergamon begannen die ersten Grabungen 1878 mit dem Ziel, die Reliefs des Pergamon-Altars zu bergen. Der deutsche Ingenieur Carl Humann war bei Bauarbeiten zufällig auf die antiken Steine gestoßen. Seitdem gehen die Ausgrabungen in Pergamon unaufhörlich weiter. Ca. 130 km südlich von İzmir liegt das antike Didyma (heute Didim), wo im 19. Jh. britische und französische Archäologen gruben und forschten. Theodor Wiegand arbeitete im Auftrag der Preußischen Museen von 1905 bis 1913 mit zahlreichen Helfern, ihm gelang die Freilegung des gesamten Areals. Heute wird hier, in der Nähe des Grenzverlaufs der antiken Landschaften Ionien und Karien, vor allem am Apollo-Tempel und an der Heiligen Straße gearbeitet.

Atatürk

Überall werden Sie ihm begegnen. Seine Büsten und Statuen sind inflationär über das Land verteilt - so hätte er es sich niemals gewünscht. Mustafa Kemal aus Saloniki, der glorreiche Offizier im Dienst des letzten osmanischen Sultans, der Anführer des türkischen Befreiungskriegs, von den Türken mit Liebe und Respekt „Atatürk“ (Ahne der Türken) genannt, ist der türkische Nationalheld. Die Türken bewundern nicht nur, dass er den Mut und die Kraft hatte, das nach dem Ersten Weltkrieg zermürbte Land wieder zu stabilisieren. Bewundert werden vor allem seine Reformen, mit denen er die rückständige Türkei den Industrienationen gleichstellen wollte: der Wechsel von arabischer zu lateinischer Schrift und zum gregorianischen Kalender und westlicher Gesetzgebung, die Gründung eines demokratischen Parlaments, die rechtliche und soziale Gleichstellung der Frau. Der Republikgründer starb am 10. November 1938, er wurde nur 57 Jahre alt. Die Beleidigung der Persönlichkeit Atatürks ist in der Türkei verboten, seine Reformen seit dem Aufkommen der islamistischen Bewegung heftig umstritten.

Fischerei

Die Sardine ist ein Fisch der Ägäis, eine von 500 verschiedenen Arten, die Wissenschaftler in den Meeren um die anatolische Halbinsel herum zählen. Aber wo bleiben sie nur? Wer an die Ägäis reist, wird sich über das relativ karge Angebot an Meeresgetier wundern, über die Preise in den Restaurants noch mehr. Das hat damit zu tun, dass die Ägäis seit Jahrzehnten hemmungslos leergefischt wurde und von Juni bis September Fangverbot besteht. 70 Prozent des Fangs bleiben in griechischer, der Rest in türkischer Hand. Mit so schädlichen und schändlichen Methoden wie der Dynamitfischerei wurden ganze Laichgründe zerstört. Heute ist neben der Sardine der çupra - ein großer, rundlicher Barsch mit köstlichem, weißem Fleisch - der beliebteste Grillfisch. In Ayvalık gibt es die papalina, eine Verwandte des hamsi (Sardelle) aus dem Schwarzmeergebiet. Sie ist so klein, dass man sie samt Gräten essen kann. Überhaupt machen kleine Fische wie hamsi, sardalya (Sardine) und istavrit (Makrele) rund die Hälfte des Fangs in türkischen Gewässern aus. Größere Fische wie lüfer (Blaubarsch oder Luphar), palamut (Bonito), levrek (Seebarsch) oder orkinos (Thunfisch) sind seltener und teurer. Gelegentlich werden auch Katzenhaie gefangen.

Griechenland

Westanatolien wurde über viele Jahrhunderte v. Chr. von den antiken Zivilisationen der Lydier, Lykier oder Karer beherrscht. Dann kamen die griechischen Kolonisatoren von der gegenüberliegenden Peloponnes und gründeten hier ihre Städte, so großartige Handels- und Kulturzentren wie Ephesos, Milet oder Priene. Die Griechen wurden von den Persern, diese wiederum von den Römern besiegt. Jahrhundertelang gehörte die Ägäis zum Byzantinischen Reich - bis im 15. Jh. die Osmanen ihre Eroberungszüge begannen. Ganz Hellas wurde Teil des Osmanischen Reiches. Die Griechen lebten unter osmanischer Verwaltung relativ unbehelligt, aber auch unfrei. Im frühen 19. Jh. kämpften sie als eines der ersten Völker des Balkan mit Erfolg um ihre Unabhängigkeit und erklärten die Zeit „unter osmanischem Joch“ zur Periode der Stagnation. Die Osmanen betrachteten sie als Verräter.

Nach der Gründung der Türkischen Republik wurde ein gewaltiger Bevölkerungsaustausch (türk. mübadele) vereinbart und quasi über Nacht ausgeführt - Hunderttausende Menschen auf beiden Seiten waren entwurzelt. Griechen, die seit jeher in Anatolien lebten, wanderten nach Griechenland, wo sie als orientalische Fremdlinge angefeindet wurden. Muslimische Bauern aus dem Balkan wurden auf Inseln gebracht, auf denen sie nichts mit ihrem Leben anfangen konnten. Unvergessen blieb älteren Türken die Begeisterung der Griechen von İzmir über die griechische Invasion nach dem Ersten Weltkrieg. Für die Griechen blieb noch die Eroberung Konstantinopels 1453 als traumatisches Erlebnis im kollektiven Gedächtnis haften. In der türkischen Ägäis lebt das griechische Erbe heute in halb verfallenen Kirchen und in Liedern weiter. In İstanbul existiert noch das Patriarchat, das geistige Oberhaupt der orthodoxen Kirche. Es leben zwar nicht mehr viele Griechen auf der türkischen Seite der Ägäis, aber ihre Nachfahren kommen zu Besuch. Einen Gegenbesuch können aber nur die wenigsten Türken abstatten, da das EU-Visum nicht leicht erhältlich ist.

Islam

Der Islam ist in der Türkei nicht Staatsreligion: Die moderne Republik hat aus Frankreich das Prinzip des Laizismus übernommen und achtet streng auf die Trennung von Staat und Religion. Aber das Volk spielt nicht so mit, wie gewünscht. So musste das Verschleierungsverbot in den 1920er-Jahren unter Androhung der Prügelstrafe durchgesetzt werden. Die Verhüllung der Frau blieb das zentrale Problem des türkischen Laizismus. Mit den Wahlen von 2002 bzw. 2007 kam die religiös-konservative Partei der Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) an die Macht. Die Ägäisregion als westlichster Teil der Türkei war nie tief religiös. Die Weltoffenheit der Küstenbewohner, das Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen und der relativ große wirtschaftliche Wohlstand begünstigen heute noch die religiöse Toleranz an der Ägäis. Aber im Hinterland, in Städten wie Muğla oder Balıkesir, macht sich der Konservatismus sofort bemerkbar. Alkohol wird immer seltener ausgeschenkt!

Olive

Nichts kennzeichnet die Mittelmeerregion so sehr wie die Olivenbäume, deren spitze Blätter in der Sonne silbrig glänzen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Olive in allen Kulturen dieses Landstrichs hoch geschätzt und sogar als heilig geachtet wurde. Sowohl in der Bibel als auch im Koran ist sie es, die nach der großen Flut von einer Taube zu Noahs Arche getragen und so zum Zeichen des neuen Lebens wird. Muhammed, der Prophet des Islam, liebte Oliven ihres Licht spendenden Öls wegen.

Die Türkei gehört mit mehr als 90 Mio. Bäumen zu den fünf wichtigsten Olivenproduzenten der Welt. Der Olivenbaum wächst mühsam, lebt aber sehr lange und gibt 15 bis 20 kg Oliven - allerdings nur alle zwei Jahre. Im Schnitt gewinnt man aus 5 kg Oliven 1 l Öl, ein Baum gibt also alle zwei Jahre 3 bis 4 l Olivenöl. Erntezeit ist über den Winter. Die Türken essen lieber schwarze als grüne Oliven, vor allem auch zum Frühstück. Es gilt: Je kleiner der Kern, desto besser die Frucht. Dabei darf der Kern nicht tiefschwarz sein. Dies würde darauf hindeuten, dass nicht der natürliche Reifeprozess stattgefunden hat, sondern mit Färbung nachgeholfen wurde. Die bekannteste unter den 28 türkischen Olivensorten heißt Gemlik. Die Bucht von Gemlik oberhalb von İzmir ist das größte Anbaugebiet des Landes. Hier werden 18 Prozent der gesamten Olivenproduktion der Türkei erzielt. Die Ölmanufakturen (yağhane) sind meist Kleinbetriebe, die die Oliven in traditionellen Verfahren auspressen und das Öl dann in Flaschen oder Kanister abfüllen. Mittlerweile existieren aber auch große Ölfabriken, die ihre Arbeit mit modernen hydraulischen Pressen verrichten. Vor allem in Ayvalık gehört der Besuch der Ölmanufakturen unbedingt ins Programm - das Öl können Sie dort probieren und preisgünstig erstehen.

Wein

Die Geschichte des Weins an der Ägäis ist mit Episoden aus Jahrhunderten geschmückt. Die berühmten Dionysos-Feiern sind genauso ein Bestandteil davon wie die in Bergklöstern von Mönchen gekelterten Weine. Als noch Hunderttausende Griechen an der türkischen Ägäisküste lebten, war mehr Wein im Umlauf als später in der Türkischen Republik, denn im Islam gibt es ein Alkoholverbot. Dieses wird im Landesinneren oft streng eingehalten, an der Küste jedoch fast überall ignoriert. Im Ramadan trinken Türken jedoch meistens keinen Alkohol. Heute wird fast ein Drittel des türkischen Weins auf Bozcaada in der Ägäis gekeltert. Die Marmaraküste westlich von İstanbul und Südostanatolien gehören zu den Hauptanbaugebieten. Türken bevorzugen zwar Rakı oder Bier, der Wein kommt jedoch immer mehr in Mode. Durch den Import neuer Rebsorten versucht man erfolgreich, die Qualität türkischen Weins zu verbessern. Beste Marken: Doluca, Kavaklidere, Kayra und Talay.