Reisetipps Tirol

Stichworte Tirol

Bollywood

Die größte Filmindustrie der Welt ist nicht etwa Hollywood, sondern das asiatische Pendant Bollywood - eine Wortkreation, zusammengestückelt aus der indischen Stadt Bombay und Hollywood. Mehr als 1000 Spielfilme werden jedes Jahr in dieser Traumfabrik produziert. Gemeinsamkeiten gibt es in fast allen Bollywood-Filmen: Sie sind sehr farbenprächtig, fast immer wird getanzt und gesungen und die Handlung dreht sich oft um Liebe. In Traumszenen sieht der Held seine Angebetete schon in seinen Armen, muss aber im „realen“ Leben erst noch so manch Abenteuer bestehen, bis sein Wunsch in Erfüllung geht. Diese Traumszenen spielen sich oft an für Inder exotischen Orten ab - und dafür wurde in den vergangenen Jahren immer öfter Tirol ausgewählt. Denn in Indien gelten die schneeverwehten Berge und die saftig grünen Täler als besonders reizvoll. Mehr als 60 indische Filmproduktionen wurden schon teilweise in Tirol gedreht. Die bisher größte indische Produktion war „Yuvraaj“. Fast zwei Monate lang drehten 2007 die Superstars Salman Khan, Anil Kapoor und Katrina Kaif in Innsbruck, Wattens, Kufstein, im Alpbach- und im Stubaital. Die vielen Filme haben auch dazu geführt, dass mehr Inder nach Tirol in den Urlaub fahren: In den letzten acht Jahren ist die Zahl um mehr als das Doppelte auf 23000 Gäste jährlich gestiegen.

Dialekt

Der Tiroler Dialekt ist hart. Einige Laute - vor allem k und ch - werden kehlig ausgesprochen, es entsteht das typische Krachen. Außerdem wird sch gern dort gesprochen, wo eigentlich ein s hingehört. Jedes Tal hat seinen eigenen Dialekt. Das Außerfern ist ein Sonderfall und teilt sich in zwei Regionen: Die Zugspitzarena bis Reutte wurde von Imst her besiedelt, die Aussprache ist ein raues Oberländlerisch. Das Lechtal jedoch besiedelten zuerst die Alemannen, die Aussprache ist deswegen mit dem Schweizerischen verwandt. Auch im Paznauntal sind noch Spuren des Alemannischen vorhanden. Auch wenn die Tiroler wegen ihrer Aussprache in anderen Regionen Österreichs gern auf den Arm genommen werden: In Tirol ist man stolz auf dieses Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Bundesländern. Zahlreiche Mundartdichter, darunter Hans Haid als einer der Berühmtesten, haben mit ihren Werken Erfolg. Die Gruppe „Bluatschink“ aus dem Außerfern stürmte mit mundartlichen Songs sogar die österreichischen Hitparaden, obwohl sie im Rest des Landes gar nicht verstanden wurden.

Erfindergeist

Tiroler sind nicht nur ein findiges, sondern auch ein erfinderisches Volk. 1832 etwa baute der Osttiroler Simon Stampfer das Lebensrad, das bewegte Bilder vortäuschen konnte und als Vorläufer des Kinematografen gilt. Ohne den aus Südtirol stammenden Peter Mitterhofer würden wir den Computer heute wohl nicht so nutzen, wie wir es tun: Er erfand in den 1860er-Jahren die Schreibmaschine, die später ihren Siegeszug durch die Welt antrat. Der Tischler baute davon fünf Stück und präsentierte sie am Kaiserhof in Wien. Doch die Erfindung stieß auf keine Zustimmung. Gekränkt versteckte Mitterhofer die Schreibmaschinen auf seinem Dachboden, wo sie erst rund zehn Jahre nach seinem Tod gefunden wurden.

Überhaupt war das 19. Jh. ein sehr ideenreiches Jahrhundert. Der in Kufstein geborene und nach Wien ausgewanderte Josef Madersperger erfand 1814 die erste Nähmaschine. Christian Reitmann aus St. Jakob in Haus baute um 1870 die ersten Zwei- und Viertaktmotoren. Und der Welschtiroler Alois Negrelli plante 1846-56 den Suezkanal, der 1869 eröffnet wurde.

Föhn

Mit bis zu 150 km/h fällt dieser warme Wind in das Inntal herab. Föhn kommt aus Italien, lässt Luftfeuchtigkeit in Form von Regen dort, schleppt sich über die Berge und gewinnt beim Abstieg deutlich an Geschwindigkeit und Temperatur. Sogar im Winter kann es auf diese Weise zu Plusgraden kommen, dann schmilzt der Schnee. Fällt der Föhn zusammen, folgt meist schlechtes Wetter. Der warme Wind sorgt bei vielen Menschen oft für Kreislaufbeschwerden, Kopfweh und Schlafstörungen. Weht er länger als eine Woche, können die Innsbrucker schon mal grantig werden.

Gletscher

Dass Ötzi 1991 aus dem Gletscher herausschmolz, war weniger ein Zufall als vielmehr die Folge des Treibhauseffekts, der sich in Tirol massiv bemerkbar macht: Die globale Erwärmung bringt die Gletscher, das Wasserreservoir der Alpen, zum Schmelzen. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass am Ende dieses Jahrhunderts drei Viertel aller Gletscher verschwunden sein werden, manche Prognosen sprechen schon von 2050. Für Tirol hat das katastrophale Auswirkungen: Kurzfristig wird das Schmelzwasser vermehrt zu Überschwemmungen und Murenabgängen führen. Längerfristig aber trocknen die Wasserspeicher aus - Wasser wird knapp. Die Folgen wären fatal für die Menschen, die Natur und nicht zuletzt die Wirtschaft. Denn sind die Alpen eisfrei, bleiben auch die Touristen aus, die seit einem Jahrhundert dem Land den Wohlstand bringen. An der Innsbrucker Universität gibt es mehrere Projekte, die erforschen, wie das Abschmelzen der Gletscher zu verlangsamen ist. Beispielsweise durch Verdichten der Schneedecke: Wasser wird in die Schneeschicht oder den Gletscher gespritzt und mit einem Vlies abgedeckt - als Schutz vor der Sonne. Solche und ähnliche Maßnahmen zeigen kleine Erfolge, können den Prozess jedoch nicht aufhalten.

Heiliges Land

Dieser Beiname von Tirol geht auf die Zeit der Gegenreformation im 16. Jh. zurück. Die Habsburger regierten Österreich und setzten, teilweise mit Gewalt, den katholischen Glauben durch, von dem fast das ganze Land abgefallen war. Im Osten wandten sich die Menschen den Lehren Luthers zu, in Tirol erfreuten sich die Täuferbewegungen großen Zuspruchs. Also holte man katholische Orden ins Land, die den Katholizismus fördern sollten: Prozessionen und Wallfahrten erlebten einen neuen Aufschwung, Andersgläubige wurden gnadenlos verfolgt. Noch 1837, also 300 Jahre später, wurden 427 Zillertaler Protestanten des Landes verwiesen. Aufgrund der rigorosen Verfolgung und Vertreibung der Protestanten weist Tirol heute mit weit mehr als 90 Prozent den höchsten Anteil an Katholiken aller österreichischen Bundesländer auf. Immer noch nehmen Prozessionen und Wallfahrten einen hohen Stellenwert ein. In den letzten Jahren allerdings ist die Zahl der Kirchenaustritte angestiegen und auch die Zahl der praktizierenden Katholiken ist konstant im Sinkflug begriffen.

Ötzi

Ötzi oder „Frozen Fritz“, wie er im Englischen genannt wird, war ein etwa 45-jähriger Mann und lebte um 3000 v. Chr. Er starb an einem Pfeil, der seine Schulter durchbohrte und seine Hauptschlagader durchtrennte. Man nimmt an, dass er auf der Flucht war oder von einem Angriff überrascht wurde. Der Fund der Eismumie in der Nähe des Hauslabjochs in den Ötztaler Alpen Anfang der 1990er-Jahre war jedenfalls eine archäologische Sensation: Nie zuvor war eine derart gut konservierte Leiche aus der Kupferzeit in Mitteleuropa gefunden worden. Noch dazu brachte Ötzi einen Großteil seiner Ausrüstung mit in unsere Zeit: seine Axt, seine Bekleidung, sein Jagdgerät. Er war tätowiert und zu medizinischen Zwecken akupunktiert worden. Stück für Stück gab er den Wissenschaftlern preis, wie das Leben in der Steinzeit, lange bevor es in den Alpen schriftliche Aufzeichnungen gab, ausgesehen haben muss. Und da es sich um eine richtige Mumie handelt, umranken den Mann aus dem Eis - genau wie den berühmten Pharao Tutenchamun - allerlei mythische Gerüchte: Sein Finder, der Deutsche Helmut Simon, und einige der Ärzte und Archäologen sind mittlerweile verstorben - und man sagt, es sei der Fluch des Ötzi, der die Männer dahingerafft habe.

Russen

Felix Mitterers vierteilige Fernsehsatire „Die Piefke-Saga“ ist legendär: Der typisch deutsche Urlauber und die Tiroler Gastfreundschaft werden dabei gehörig auf die Schippe genommen. Jetzt verfasste Mitterer eine Fortsetzung des Stücks: „Die Russen-Saga“, bei der der deutsche Urlauber in Tirol auf eine reiche russische Familie treffen und allerhand Kulturkonflikte vorprogrammiert sind. Hintergrund der Satire ist die große Zahl an russischen Gästen, die seit dem Fall des Eisernen Vorhangs die noblen Tiroler Skiorte besuchen. Mehr als 200000 verbringen jährlich das orthodoxe Weihnachtsfest Anfang Januar in Tirol. Aufgrund der unterschiedlichen Kultur und der fremden Sprache wurden diese neuen Besucher von Stammgästen und einheimischen Touristikern kritisch beäugt und nicht immer so geliebt wie der Rubel, den sie gerne und viel in Tirol ausgaben. In den vergangenen Jahren hat sich Tirol aber auf die neuen Gäste eingestellt: Viele Hotels beherbergen zur russischen Hauptreisezeit nur noch Russen, es gibt Speisekarten auf Russisch, und an den Volkshochschulen werden Russischkurse für Skilehrer angeboten. Und seit Innsbruck bei der Euro 2008 die russische Mannschaft und mit ihr Zehntausende Fans beherbergte, ist die Skepsis gegenüber den neuen Gästen verschwunden.