Reisetipps Teneriffa

Stichworte Teneriffa

Architektur

Kennzeichnend für die kanarische Architektur ist die großzügige Verarbeitung einheimischer Hölzer innen und außen. Kunstvoll geschnitzte Balkone, Erker, Arkaden und Treppen finden sich an den Fassaden vieler traditioneller Gebäude. Engmaschig vergitterte Fensterläden lassen Luft, aber keine Sonne ins Haus und wirken wie eine Klimaanlage. Dagegen sind die kalkweißen Fassaden auffallend schlicht. Aus Vulkansteinquadern gemauerte, unverputzte Hausecken und blassrote Ziegeldächer setzen klare Kontraste. Im Zentrum eines Hauses liegt der patio, ein Innenhof, der auf mehreren Ebenen und über Arkadengänge direkten Zugang zu allen Räumen bietet. Oft ist er üppig bepflanzt, manchmal sogar mit einem Brunnen ausgestattet und bildet eine kühle, grüne Oase im warmen Kanarenklima. Besondere Beispiele für kanarische Architektur findet man in La Orotava und La Laguna. Kirchen und Herrenhäuser haben im Innern oft geschnitzte und fein bemalte Holzdecken im maurisch inspirierten Mudéjar-Stil. Außen herrscht klassischer Kolonialstil vor: weiße Fassaden, aus Naturstein gesetzte Fassungen der Fenster und Türen und wuchtige, oft verzierte Portale. Teneriffas am besten erhaltenes Bergdorf ist Masca, dessen einfache Häuser in Trockenbauweise, also ohne Mörtel, errichtet wurden.

Carnaval

Kein Blick fällt auf Teneriffa, wenn alljährlich die Bilder des brasilianischen Karnevals über deutsche Fernsehbildschirme flimmern. Dabei kann sich das überschäumende Spektakel auf der Kanareninsel in jeder Hinsicht mit Rios Sambasause messen. Monatelang laufen die Vorbereitungen für die wilden Wochen im Februar und März. Es werden carrozas, Festwagen, gebaut und dekoriert, Kostüme geschneidert, Masken und Verkleidungen gebastelt. Murgas, verkleidete Spaßmachergruppen, wetteifern darum, die besten Kostüme, die frechsten Gesänge und die schrägste Musik zu machen. Während der desfiles, der Umzüge, ziehen sie tanzend und lärmend durch die Straßen. Oft sind Zehntausende in Santa Cruz de Tenerife unterwegs: ein wogendes Meer aus Leibern. Diesen Umzügen, die im spanischen Fernsehen landesweit live übertragen werden, schließt sich jede Nacht ein mogollón an: Bis zum Morgengrauen tanzt man zu Latinorhythmen. So geht es tage- und wochenlang. Offizieller Höhepunkt ist die Wahl der Reina del Carnaval. Nicht die Schönheit der Aspirantinnen entscheidet bei der Kür zur Karnevalskönigin, sondern ihre Fähigkeit, das zentnerschwere, funkelnde Kostüm - groß wie ein Scheunentor und teuer wie ein Mittelklassewagen - mit Anmut zu tragen. Auch die Kinder haben ihren eigenen Umzug und ihre eigene Königin.

Grandioser Abschluss des carnaval ist der Entierro de la Sardina, das Begräbnis der Sardine. Noch einmal gibt es einen großartigen, farbenprächtigen Umzug, bei dem eine gewaltige Pappsardine durch die Straßen gezogen wird. Zum Schluss explodiert sie in einem Feuerwerk aus Lichtbögen, Raketen und Knallkörpern. An allen Aktivitäten können Urlauber teilhaben, Informationen gibt es in den Touristenbüros.

Drago

Keine Pflanze hat die Phantasie der Kanarier so beflügelt wie der Drachenbaum. Dieser Verwandte der Yucca, der zur Gattung der Liliengewächse gehört, ist jenseits der makronesischen Inselwelt (Kanaren, Madeira, Azoren, Kapverden) schon vor 20 Mio. Jahren ausgestorben. Sein Bild findet sich auf Briefmarken und Münzen. Aus Holz geschnitzt und von Touristen meist unerkannt, verkaufen ihn Kunsthandwerker auf Bauernmärkten. 1799 zeichnete Alexander von Humboldt den ältesten Drago des Archipels - er steht noch heute in Icod de los Vinos und ist weit über 500 Jahre alt - und rätselte über seine Herkunft, die er irgendwo in Asien vermutete.

Den Altkanariern galt der Baum als heilig. Und auch heute noch verehren die Einheimischen ihre Drachenbäume - vor allem wegen ihres Harzes, des „Drachenbluts“, das sich an der Luft dunkelrot färbt und schon in grauer Vorzeit bei der Zubereitung von Heiltränken und Salben Verwendung fand.

Guanchen

Viel weiß man nicht von den Ureinwohnern der Insel, deren Name so viel wie „Söhne Teneriffas“ bedeutet. Sie besiedelten den Archipel ab dem 3. Jh. v. Chr. in mehreren Einwanderungswellen und entstammten wahrscheinlich hellhäutigen Berbervölkern Nordafrikas. Diese These wird durch einen Fund im Jahr 1992 gestützt: eine Steininschrift mit dem Zeichen zanata, das für einen Berberstamm steht. Neuere Genforschung hält es aber auch für möglich, dass sie aus dem Mittelmeerraum um Sizilien einwanderten. Die Guanchen waren vor allem Bauern, die von Ziegen und Schafen lebten. Regiert wurden sie von einem mencey, einer Art König. Als die Spanier auf die Kanaren kamen, herrschten die neun Söhne des Mencey Bezenuria. Ihre überlebensgroßen Bronzestatuen stehen auf der Uferpromenade der Plaza Patrona de Canarias in Candelaria. Die Guanchen lebten meist in Höhlen, und dort bestatteten sie auch ihre mit viel Kunstfertigkeit mumifizierten Toten. Nachdem die Europäer die Altkanarier unterworfen, getötet oder versklavt hatten, gingen die überlebenden Ureinwohner bald in der Bevölkerung der Eroberer auf.

Lucha Canaria

Die lucha canaria, den kanarischen Ringkampf, gab es schon zur Zeit der Guanchen. In einem mit Sand ausgelegten Kreis von etwa 15 m Durchmesser treten zwölf Kämpfer zweier Teams paarweise gegeneinander an. In genau festgelegter Ausgangsposition stehen sie vornübergebeugt einander zugewandt und umklammern das aufgekrempelte Hosenbein des Gegners mit der linken Hand. In dem maximal drei Minuten dauernden Kampf versuchen die luchadores mit verschiedenen Griffen, den Gegner zu Boden zu werfen. Wer seinen Gegner zweimal bezwingt, hat gewonnen. Die Mannschaft mit den meisten Siegen entscheidet den Wettbewerb für sich. Wettkampftermine nennen Ihnen die Touristenbüros.

Schnee

300 km bis zur Sahara - wie kann es da schneien? Es kann, und das immer wieder. Der Teide-Nationalpark Las Cañadas liegt durchgehend über 2000 m hoch. Während die Bergspitze im Winter meistens eine weiße Haube trägt, sind die umliegenden Lavameere selten ganz eingeschneit. 5 Grad unter Null sind jedoch nichts Ungewöhnliches. Fällt dann Schnee, berichten die Tageszeitungen ausführlich über das Ereignis. Und am folgenden Wochenende fahren dick verpackte Kanarier hinauf und tummeln sich in der weißen Pracht.

Schnee und Eis spielten schon zur Zeit der spanischen Eroberer eine wichtige wirtschaftliche Rolle auf Teneriffa. Ein ganzer Berufsstand von Eisverkäufern, die neveros, lebte davon, in tagelangen, gefährlichen Fußmärschen zum Teide aufzusteigen, um dann auf Lasttieren oder dem eigenen Rücken die kalte Fracht hinunter in die Dörfer zu tragen und dort zu verkaufen.

Sternwarte

Die sonderbaren weißen Türme am östlichen Zugang zum Teide-Nationalpark gehören zum Observatorio del Teide, der Sternwarte Teneriffas. Als das Kanarische Institut für Astrophysik 1964 seine Arbeit aufnahm, schien hier - fernab aller Zivilisation - die geeignete Stelle für eine freie Sicht in den Himmel zu sein. Inzwischen stören jedoch die Lichter der Ferienorte die Arbeit der Astronomen, sodass sie das nächtliche Firmament heute von der Nachbarinsel La Palma aus beobachten. Die Wissenschaftler des Observatoriums studieren mittlerweile tagsüber die Sonne. Zur Besichtigung müssen Sie sich lange im Voraus anmelden: Tel. 922605200 | www.iac.es/ot/

Virgen de Candelaria

Mindestens ein Jahrhundert vor Ankunft der Spanier fanden einige Guanchen bei Candelaria eine gotische Madonnenstatue mit Kind, die vom Meer an Land gespült worden war. Die Legende erzählt, dass die ängstlichen Hirten sie mit Steinen bewerfen wollten, ihre Arme aber in der Bewegung erstarrten. Beeindruckt von den offensichtlich magischen Kräften, trugen die Altkanarier die Figur in eine Höhle und begannen, sie zu verehren. Katholischen Missionaren fiel es später nicht schwer, den Wunderglauben für sich zu nutzen und die Guanchen zu bekehren. Sie gaben der Statue den Namen Jungfrau von Candelaria und bauten ihr eine kleine Kirche. Eine Sturmflut spülte jedoch 1826 Kirche und Madonna ins Meer. Die heutige Statue schuf 1827 ein einheimischer Künstler. Ihre Gesichtsfarbe, ebenso wie die ihres gekrönten Kindes, ist fast so schwarz wie der Vulkansand des Strands unterhalb der Basilika.

Wasser

Eine Insel, über der ewig die Sonne scheint, hat auch eine Kehrseite: den Mangel an Wasser. Früher gab es viele Flüsse auf Teneriffa, dichte Pinien- und Lorbeerwälder sogen die Feuchtigkeit aus den Passatwolken. Brunnen und kilometerweit in die Berge getriebene Stollen, sogenannte Galerien, versorgten die Landwirtschaft. Inzwischen sind die meisten Bäume abgeholzt, viele Brunnen versiegt. In einigen Stauseen wird Regenwasser aufgefangen. Meist sind es jedoch Meerwasserentsalzungsanlagen, die die Feriengebiete versorgen, auch Brauchwasser wird recycelt. All das kostet viel Geld und Energie, die vor allem durch Verbrennung von Erdöl überaus umweltbelastend erzeugt wird. Obwohl der Tourismus nur etwa 10 Prozent des Wassers verbraucht - die Landwirtschaft ist mit gut 70 Prozent dabei -, hier die Bitte, ein gutes Beispiel zu geben: Vergeuden Sie kein Wasser!