Reisetipps Teneriffa

Ausflüge & Touren Teneriffa

Reise zum Dach Spaniens

Vom Highlife in himmlische Höhen - keine Tour auf Teneriffa ist so kontrastreich wie die von Puerto de la Cruz bis zur Spitze der Insel. Etwa 105 km lang ist die Fahrt, für die Sie einen ganzen Tag einplanen sollten. Vor allem zu Beginn erwarten Sie kurvige Straßen und viel Verkehr. Doch der flaut bald ab, und phantastische Aussichten während des ganzen Tages belohnen Sie für die Mühe. Außerdem gibt es immer wieder Rastplätze: Denken Sie daher auch an die Möglichkeit eines Picknicks. Nicht vergessen dürfen Sie warme Kleidung. Immerhin geht es auf 3550 m über Meereshöhe, es werden sehr unterschiedliche Klima- und Vegetationszonen berührt. Wetter und Temperaturen entlang der Strecke wechseln schnell und unvorhergesehen. Wer vor 9 Uhr losfährt, erspart sich den Busverkehr, der andere Urlauber zum Teide bringt.

Von Puerto de la Cruz geht es durch die dicht besiedelte Küstenregion auf der Landstraße nach La Orotava. Nirgendwo ist Teneriffa so fruchtbar wie hier. Bananenplantagen bestimmen das Bild. Neben den Straßen sieht man weite Felder, die meist von hohen Mauern begrenzt sind, damit der Wind die empfindlichen Stauden nicht zu arg beutelt. Dicht an dicht liegen die Orte im Valle de la Orotava, dem Orotava-Tal, das, an den Seiten von steileren Bergformationen begrenzt, rasch zur Inselmitte hin ansteigt. Den schönsten Blick haben Sie vom nahen Mirador de Humboldt, der einen kleinen Abstecher von La Orotava aus nach Osten wert ist. Dort stand vor 200 Jahren der große Naturforscher selbst und konnte die Schönheit des Valle de la Orotava kaum fassen. Deutlich zu erkennen ist, dass einst ein gigantischer Erdrutsch diese Zone erst schuf. Ebenso unübersehbar aber auch, dass die Zersiedlung durch den Menschen dem Tal optisch nicht gut bekommen ist. Im Städtchen La Orotava befinden sich einige sehr schöne Kolonialbauten. Und von der Plaza de la Constitución genießen Sie einen herrlichen Blick zurück über den Ort und bis zum Atlantik.

Nun aber geht es hinauf in die Berge auf der stets steilen TF 21. Gleich hinter dem Ort Aguamansa biegt links ein Wanderweg nach La Caldera ab, einem alten Vulkankrater, an dem ein Picknickplatz angelegt wurde. Die Einheimischen lieben nichts so sehr, wie am Wochenende mit Familie und Freunden zusammen hinaus ins Grüne zu fahren, um dort den Tag zu verbringen, zu essen, zu trinken, zu plaudern und zu feiern. Keiner der vielen Grill- und Rastplätze, von dem dann nicht Rauchschwaden aufsteigen, Feuerchen lodern und einem Düfte gerösteten Fleisches in die Nase steigen. Denn fast immer sind diese Orte lustigen Zusammenseins an bevorzugten Plätzen angelegt, im schattigen Wald, oft noch mit toller Aussicht.

Von Aguamansa aus lassen sich viele Wanderungen unternehmen. Oberhalb beginnt die Pinienwaldzone der Insel. Leicht zu erkennen ist die Kanarische Kiefer an ihren ca. 20 cm langen Nadeln, die das Wasser aus den feuchten Passatwolken filtern, die in dieser Höhe oft wie Dunstschwaden durch die Wälder ziehen. Wie aus dem Nichts wird die trockene, im Sommer verdorrte Erde von giftgrünen Farnen und Moosen überwuchert, Buschwerk bildet dichtes Unterholz. Lange, dünne Flechten hängen von den Ästen der Bäume herab. Hier gibt es kaum noch Häuser, ab 1000 m Höhe ist diese Region praktisch unbesiedelt.

Auf 2000 m lichtet sich der Wald, und der vulkanische Fels tritt hervor. Dichte Blumenalmen lassen im Frühsommer Alpengefühle aufkommen. Bei El Portillo trifft man auf die Straße aus La Laguna. Dort hat das Besucherzentrum des Nationalparks seinen Sitz. Hier können Sie sich über Entstehung, Flora, Fauna und Wanderungen im Schutzgebiet informieren. Die Vegetation hat sich nun scheinbar zurückgezogen. Doch entdeckt man eine ganze Reihe eigenartiger Gewächse, die sich an die extremen Unterschiede zwischen Sommer und Winter, Nacht und Tag gewöhnt haben. Prachtvollstes ist sicherlich der tajinaste rojo, der Teide-Natternkopf, eine im Mai und Juni von Tausenden roter Blüten übersäte Wunderkerze, die weit über 2 m hoch werden kann. Einige herrliche Exemplare stehen am Parkplatz des Besucherzentrums. Kurz danach überrascht eine Ansammlung von Häusern. Restaurants im Dienst des Tourismus fordern ihren Tribut.

Wenn Sie den Nationalpark besuchen, werden Sie erstaunt sein über die vielfältigen Lava- und Aschefelder, die in Farben zwischen Weiß, Grün, Rot, Grau und Pechschwarz von den Vulkanaktivitäten zeugen, die hier oben über Jahrmillionen das Land gestalteten. Nicht fehlen darf natürlich die Fahrt auf den Teide, der mit 3718 m der höchste Berg Spaniens ist und im Winter oft eine weiße Schneekappe trägt. Idealer Ort für die Mittagsrast ist der Parador Nacional, die staatliche Herberge gegenüber den spitzen Roques de García. Dort können Sie Snacks und Getränke bestellen.

Auf dem Rückweg nehmen Sie die vorhin passierte Straße TF 24 nach Norden Richtung La Laguna. Noch einmal geht es über weite Lavafelder, im Osten leuchten die Gebäude des Observatoriums. Bei km 32 durchfahren Sie mehrere bizarre, schwarz-weiß-graue Felsformationen, die die verschiedenen komprimierten Schichten des Vulkangesteins anschaulich machen. Aus Nordwesten grüßt die Nachbarinsel La Palma herüber, und im Südosten erhascht man Blicke auf Gran Canaria. Dann fängt Sie der Nadelwald wieder ein. Nach längerer Fahrt durchqueren Sie La Esperanza, und bald kommt auch La Laguna in Sicht. Versäumen Sie nicht, die Altstadt zu besuchen, bevor Sie sich wieder auf den Weg nach Puerto de la Cruz machen.

Steile Schluchten und windige Küsten

Wer in Teneriffas Süden logiert, sollte sich für einen Tag von Sonne und Meer erholen und die Insel einmal von ihrer wilden Seite kennenlernen. Im äußersten Nordwesten erhebt sich das Teno-Massiv, eine fast vergessene Region abenteuerlicher Berge und spitzer Zinnen. Dort scheint in winzigen Dörfern die Zeit stehen geblieben zu sein. Festhalten sollten Sie sich an der Küste, wo die Winde um das Kap von Teno pfeifen. Danach erwarten Sie ein wunderschöner Ort und eines der Wahrzeichen Teneriffas. Sind Sie schwindelfrei und sturmfest dazu? Dann schnallen Sie sich an - und los! Einen Tag müssen Sie einplanen, obwohl die Tour nur etwa 100 km lang ist.

Von Puerto de Santiago ist es nur ein Katzensprung zum ersten Höhepunkt, Los Gigantes. „Giganten“ wird die imposante Steilküste genannt, die sich 450 m hoch über den gleichnamigen Urlaubsort erhebt. Häuser, Boote und vor allem Menschen wirken vor ihrer Größe winzig. Los Gigantes sind der südliche Zipfel des Teno-Massivs und geben einen Vorgeschmack auf das unnahbare Gebirge, dem Sie sich nun nähern. Richtung Santiago del Teide schraubt sich die TF 454 hinauf, zunächst vorbei an Bananen- und Tomatenplantagen. Wer an einheimischer Keramik Gefallen findet, sollte einen Abstecher nach Arguayo machen. In dem Dorf mit langer Töpfertradition wurde eine alte Werkstatt restauriert, in der Sie den Kunsthandwerkern bei der Arbeit zuschauen und die Produkte natürlich auch gleich erwerben können.

In Santiago folgen Sie den Wegweisern auf der TF 436 nach Masca. Eine atemberaubende Fahrt beginnt. Der zerklüftete Macizo de Teno - das Teno-Gebirge - ist eine geologisch sehr alte Formation, der Vulkanfels von der Erosion zernagt. Dort scheint in winzigen Dörfern aus Naturstein die Zeit stehen geblieben zu sein. Vom Mirador de Cherfe fällt der erste Blick hinab auf Masca, einen Weiler, der bis in die 80er-Jahre noch ohne Straßenverbindung zur Außenwelt vor sich hinschlummerte. Auf steilen Klippen balanciert er über der Schlucht, als wolle er zum Flug abheben. Masca, das sich auf mehrere Ortsteile verteilt, verführt zum Rundgang auf schiefem Kopfsteinpflaster. Wanderer können gar bis zur Küste hinabsteigen. Kleine Lokale sorgen fürs leibliche Wohl. Beim Blick auf die grimmigen Felswände fällt es schwer, sich vorzustellen, wie Menschen hier überleben. Und tatsächlich emigrierten bis ins letzte Jahrhundert hinein viele Dorfbewohner nach Lateinamerika, um der Armut zu entfliehen. Das ist zum Glück vorbei. Der Tourismus sorgt inzwischen für ein gutes Auskommen. Überraschend gut gedeihen üppige Zitronen- und Orangenbäume, die die Bauern auf sorgsam angelegten Terrassenfeldern pflegen. Ein gutes Stück Wegs windet sich das dünne Asphaltband noch durch diese Bergwelt. Gelegentlich fällt der Blick hinab aufs Meer.

Haben Sie einen Pass überquert, kündigt heftiger Wind die Nordküste an, und der Ort Buenavista del Norte taucht vor Ihnen auf. Die einsame TF 445 führt von dort unterhalb der Steilküste zum äußersten Nordwesten Teneriffas. Vorsicht bei schlechtem Wetter! Gefährlicher Steinschlag ist dann an der Tagesordnung. Oft ist die Straße sogar offiziell gesperrt. Weiterfahren geschieht dann auf eigene Gefahr. Gut zu erkennen ist, dass die Region um Buenavista und die Punta de Teno, das Ziel dieser Tour, aus breiten Lavaströmen entstanden sind, die sich aus dem Inselinneren herabwälzten und hier neues Land schufen. Unterhalb der beiden Leuchttürme - den alten sieht man nur vom kleinen Steinstrand rechts der Straße - ist die Fahrt zu Ende. Hier bläst es jahrein, jahraus ziemlich heftig. In der geschützten Bucht links unter Ihnen malt der Wind dagegen erstaunliche Figuren auf die fast glatte Wasseroberfläche. Bei gutem Wetter ist im Nordwesten klar die Nachbarinsel La Palma zu erkennen.

Nach so viel ungebändigter Natur kommt ein freundlicher Ort gerade recht. Nach zwanzigminütiger Autofahrt zurück erreichen Sie Garachico. Als 1706 die Montaña Negra in der Teide-Region ausbrach, wurden weite Teile des wichtigen Handelshafens verschüttet. Nur das winzige Kastell und einige schöne Kolonialhäuser blieben wie durch ein Wunder verschont. Sie bilden noch immer das Zentrum der Altstadt, die zum Reizvollsten gehört, was Teneriffas Architektur zu bieten hat. Suchen Sie sich aus dem großen Angebot der Restaurants eines aus, das solide Inselkost in kanarischem Stil zubereitet. Fisch und Meeresfrüchte kommen täglich frisch auf den Tisch.

So gestärkt geht es weiter auf der TF 42 nach Icod de los Vinos, wo mit dem Drago Milenario eines der Wahrzeichen Teneriffas steht. Lassen Sie Ihren Wagen auf dem ausgeschilderten Großparkplatz stehen, und gehen Sie die letzten Meter zu Fuß. Auf dem Rückweg nach Puerto de Santiago liegt hinter El Tanque an der TF 82 ein „Kamel-Zentrum“. Dass es sich bei den Tieren in Wirklichkeit um Dromedare handelt, tut dem Spaß beim Reiten keinen Abbruch. Von dort geht es direkt nach Hause. Der im Abendlicht leuchtende Teide ist dabei ein treuer Begleiter.