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Insider Tipps Stuttgart MARCO POLO Korrespondentin Inge Bäuerle im Interview

Für Inge Bäuerle war Stuttgart immer eine „schwierige Liebe“. Dennoch ist die freie Journalistin begeisterte Nesenbach-Anrainerin geworden.

Sie leben seit 1991 in Stuttgart - wieso?

Reiner Zufall - ich hatte mich für andere Studiengänge in Karlsruhe, München, Hamburg und Berlin beworben, aber von der Uni Stuttgart kam die erste Zusage.

Was reizt Sie an Stuttgart?

Die große Hartnäckigkeit einer schwierigen Liebe auf den zweiten oder dritten Blick: Da ist zum Beispiel die Kessellage, die manchmal dazu zu führen scheint, dass die Stadt im eigenen Saft schmort, tatsächlich aber auch immer wieder neue, spannende Ausblicke und Perspektiven ermöglicht. Ein Blick vom Fernsehturm, vom Birkenkopf, von der Karlshöhe oder der schönste von allen, von der Terrasse des Le Corbusier-Hauses der Weißenhofsiedlung, ist durch nichts zu toppen, danach muss man Stuttgart einfach mögen. Außerdem gibt es eine ganze Reihe unerhört guter Orte, wie die Wilhelma mit dem großartigen Maurischen Landhaus, das unkonventionelle und gleichzeitig dornröschenhafte Mineralbad Berg, die fast englisch anmutenden Grünanlagen wie der Rosensteinpark und der Cannstatter Kurpark.

Und was mögen Sie an Stuttgart nicht so?

Die verklemmte Selbstgefälligkeit, die Werbekampagnen wie „Wir können alles … außer Hochdeutsch“ oder „Das neue Herz Europas“ hervorbringt, die Königstraße und das Bauprojekt Stuttgart 21.

Sprechen Sie Schwäbisch?

Ha, noi.

Wovon leben Sie?

Ich bin freie Journalistin und arbeite seit Jahren für die Stuttgarter Stadtillustrierten und die Stuttgarter Zeitung.

Kommen Sie viel in Stuttgart herum?

Das bringt zum einen der Job zwangsläufig mit sich, zum anderen verführt die Nähe zur Schwäbischen Alb, zum Schwarzwald, zum Elsass oder zur Schweiz immer wieder zu kleinen und großen Exkursionen.

Mögen Sie die schwäbische Küche?

Wenn sie authentisch zubereitet ist, sehr gerne, weil sie unter einer bodenständigen bis kargen Oberfläche allerhand versteckt - nicht nur wie im Fall der allseits bekannten Maultasche, sondern weil feines Filderkraut und gehaltvoll „schmatzender“ Kartoffelsalat Delikatessen gewordene Basics sind. Oder weil eine schmucklose Mehlspeise namens Pfitzauf nichts anderes ist, als ein originelles, kleines Soufflé.