Reisetipps Stuttgart

Stadtspaziergänge Stuttgart

Treppauf Treppab: Die schönsten Stäffele

Die Treppen der Stadt sind der Geheimtipp, um die Schönheiten Stuttgarts kennen zu lernen. Der Spaziergang führt über die so genannten Stäffele vom Schlossgarten zum Bubenbad und zurück in die City. Dauer: etwa drei Stunden - Sie können aber jederzeit abkürzen.

Insgesamt sind mindestens 300 Treppen registriert, von denen die meisten noch aus der Zeit stammen, als an den Hängen lediglich Weinberge und Gärten lagen. Als diese ab Mitte des 19. Jhs. bebaut wurden, dienten die alten Weinbergstaffeln als Abkürzung auf dem Weg in die Stadt. Eine Stäffele-Erkundung beginnt man am besten beim Haus der Geschichte gleich neben der Staatsgalerie. Hier führt die Eugen- in die Urbanstraße, an der die Eugenstaffel eher nüchtern beginnt. In der Moserstraße 22 wohnte und starb 1875 der Dichter Eduard Mörike. Vom Kopf der Staffel, dem Eugensplatz, blickt Galatea ins Tal. Die nahezu unbekleidete griechische Sagengestalt, 1890 von Königin Olga gestiftet, entsprach damals keineswegs dem Geschmack der Stuttgarter. Schließlich drohte Königin Olga, die Figur umzudrehen und mit dem blanken Hinterteil auf die Stadt schauen zu lassen - und die Kritiker gaben Ruhe.

Freuen Sie hier im Sommer auf die Eisdiele Pinguin und eine der besten Eiscremes der Stadt. Der Weg führt weiter über die Wagenburgstraße zur Gerokstaffel, an deren Ende sich etwa 100 m weiter rechts die Hillerstaffel mit ihrem Kanonenhäusle aus dem Jahr 1702 anschließt. Es diente damals dazu, die umliegenden Ortschaften bei Bränden zu alarmieren, wurde aber eigentlich nur eingesetzt, um bei entsprechenden Anlässen Salut zu schießen. Rechts ab über die Gänsheide und das Bubenbad - hier gab es einst einen Tümpel, in dem die Jungs und Mädchen der Stadt im Sommer badeten - erreichen Sie die Richard-Wagner-Straße und den Sitz des Ministerpräsidenten in der Villa Reitzenstein. Genießen Sie den Blick von der schräg gegenüber liegenden Wieland-Wagner-Aussichtsplatte, und gehen Sie dann wieder zurück zur Kreuzung. Von dort aus zweigt links die Diemershaldenstraße ab, die Sie zur Sünderstaffel führt. Der Legende nach wurde hier Mitte des 14. Jhs. ein Adliger enthauptet, weil er einen Nebenbuhler ermordet haben soll. Am oberen Ende der Staffel heißt es in zwei Steine eingemeißelt: „Gott sey mir Sünder gnedig“. Die nüchterne Wahrheit aber lautet: Der Name der Treppe stammt von der Familie Sünder, die hier Land besaß. Am Ende der Staffel zweigt die Alexanderstraße nach links ab. Von der Kreuzung Olgaeck sind es nur noch wenige hundert Meter und Sie sind im Stadtzentrum.

Das Grüne U - Spaziergang durch den Schlossgarten

Kilometerlange Spaziergänge durch Wald und Wiesen in einer Großstadt? Kein Problem in Stuttgart. Dieser schöne Spaziergang führt Sie durch den Schlossgarten. Mit dem Abstecher in die städtische Natur lässt sich auch ein Besuch der Weißenhofsiedlung oder des Planetariums verbinden. Dauer: etwa zwei Stunden.

Die ein wenig tiefstaplerisch als „Grünes U“ bezeichnete Parklandschaft ist Ergebnis langer Mühen von Gärtnern und Landschaftsarchitekten, die zentralen Parks der Stadt zu einem Grünzug zu verbinden. Die Internationale Gartenbauausstellung machte es 1993 möglich: Vom Schlossplatz aus kann man heute auf rund 8 km Länge und im Bogen bis über den Killesberg spazieren, ohne eine Straße zu betreten. Die Anlagen erreichen eine Größe von 5,6 km² - zum Vergleich: Der Central Park in New York ist 3,4 km² groß.

Starten Sie den Spaziergang am Neuen Schloss, hinter dessen prächtigem Flügel die Gartenanlage beginnt. Rund um den Eckensee stehen neben dem Neuen Schloss das Kunstgebäude, der Landtag und das Staatstheater. Am modernen Schauspielhaus vorbei geht es über einen Fußgängersteg weiter in den Mittleren und Unteren Schlossgarten. Wenn Sie sich rechts halten, passieren Sie neben dem Landespavillon das Planetarium.

Ebenfalls am Rande des Hauptweges liegen unbeachtet und wenig gepflegt die Überreste des Alten Lusthauses, das im 16. Jh. an der Stelle des Kunstgebäudes am Schlossplatz stand und einst als „Schmuckstück deutscher Renaissance“ gerühmt wurde. Nach einem Brand 1902 blieben nur noch Treppenanlage und einige Säulen übrig. Im gegenüber liegenden Biergarten im Schlossgarten herrscht vor allem an sonnigen Wochenenden reges Treiben à la Bavaria rund um den Zapfhahn.

Halten Sie sich weiter rechts auf dem Hauptweg, und Sie gelangen zum Nil-Café am See (tgl. ab 11 Uhr) - Gelegenheit zu einer Pause auf einem Steg, der in den See ragt. Weiter führt der Weg über einen zweiten Übergang in den unteren Teil der Anlagen. Jenseits der Straßenbahngleise liegen der Park der Villa Berg und die Mineralbäder Leuze und Berg sowie eine Stadtbahnhaltestelle, von der aus Sie wieder Richtung Stadtmitte fahren können. Auf der linken Anhöhe erhebt sich das Museum Schloss Rosenstein. Das „königliche Lusthaus“ wurde von König Wilhelm I. allerdings nur sporadisch genutzt, angeblich, weil eine Wahrsagerin dem Herrscher seinen dortigen Tod prophezeit hatte. Tatsächlich starb er dort 1864. Heute beherbergt das Gebäude die biologische Sammlung des Naturkundemuseums. Linker Hand erstreckt sich der Rosensteinpark. Er wurde vor mehr als 150 Jahren als englischer Landschaftspark angelegt. Rechts grenzt die Wilhelma an und erlaubt einen Blick auf die Gehege von Kamelen und Eisbären. Weiter hinten liegen das 1850 erbaute Löwensteintor als Zugang zum Park sowie die Spielpyramide und der Neubau des Museums am Löwentor. Zu dessen Eingang gelangt man auf dem Weg zwischen den beiden Gebäuden, dann führt eine Zeitspur durch 600 Mio. Jahre Erdgeschichte in die Welt der Fossilien.

Nun können Sie entweder vom Löwentor mit der U 15 Richtung Heumaden zurück in die Innenstadt fahren. Oder Sie spazieren links vom Tor über die Brücke und einige Meter den Berg hinauf zum romantisch-verwilderten Leibfriedschen Garten.

Halten Sie sich danach links, und überqueren Sie die Heilbronner Straße über die beiden eleganten Hängebrücken. Ihr Konstrukteur Jörg Schlaich hat auch den Killesbergturm entworfen, der nun direkt vor Ihnen im Killesbergpark wie eine gewundene Schraube in die Höhe sticht. Für die 43 m hohe Tragseilkonstruktion wurden 39000 m Drahtseile verarbeitet und 70000 kg Stahl verbaut. 175 Stufen führen hinauf und genau so viele gegenläufig hinunter. Der Weg zur Plattform lohnt sich: der Ausblick ist großartig. Allerdings sollten Sie schwindelfrei sein, denn der Turm schwankt je nach Wind und Besucherzahl heftig. Mit der Stadtbahn U 7 gelangen Sie zurück ins Zentrum.

Durch Schöne Quartiere: Heusteig-, Lehen- und Bohnenviertel

Rund um Stuttgarts Zentrum liegen Stadtviertel voller architektonischer Leckerbissen, historischer Stätten, kleiner Läden, Galerien, Cafés und Kneipen. Ein Spaziergang durch die Hinterstube der Landeshauptstadt.

Kein Scherz: Ausgangspunkt ist das Eiernest. Das kleine und weniger bekannte Viertel rund um die Eierstraße heißt tatsächlich so und wurde 1926 als erste Gartensiedlung Stuttgarts konzipiert: Jedes der kostengünstig in Leichtbauweise errichteten 180 Einfamilienhäuschen hat einen Garten vor der Haustür. Heute leben über 600 Bewohner in der Siedlung - und jedes der Häuser hat im Laufe der Jahre sein ganz individuelles Gesicht bekommen. Vom Eiernest aus gelangen Sie in wenigen Minuten zum Marienplatz. Von hier aus fährt auch die „Zacke“ genannte Zahnradbahn Richtung Degerloch ab. Sie ist eine der drei letzten Zahnradbahnen in Deutschland.

Weiter geht es auf der Filderstraße, die gleich zu Beginn mit einer geballten Ladung Kunst aufwartet. Denn im Haus mit der Nummer 34 stellen die Mitglieder des Stuttgarter Kunstvereins in den Räumen einer ehemaligen Wohnung Off-Space-Kunst aus. Im selben Gebäude ist auch die Galerie Kunstraum 34 zu Hause. Gleich gegenüber, im alten Zahnradbahnhof findet sich das Theater Rampe.

Die Lehenstraße, die in die Filderstraße mündet, wurde bereits 1878 angelegt und führt in das Lehenviertel, das mit seinen teils im Jugendstil erbauten Wohnhäusern zu den schönsten der Stadt zählt und unter Denkmalschutz steht. An der nächsten Ecke lädt das Lehen (Mo-Fr ab 12, Sa/So ab 17 Uhr | Tel. 6407291) auf ein Bier in uriger Atmosphäre ein. In den kleinen Gechäften auf der breiten Liststraße haben Boutiquen und Galerien eine Heimat gefunden.

Entlang der vielbefahrenen Immenhoferstraße geht es vorbei an der Markuskirche und dem idyllischen Fangelsbachfriedhof den Berg hinunter. Wer jetzt eine kleine Pause machen möchte, sollte an der Ecke Mozartstraße einen Zwischenstopp in der Espressobar Herbertz einlegen, bevor es quer durch das Heusteigviertel geht. Ihnen ist das bronzefarbene Schildchen auf dem Gehweg vor dem Haus in der Mittelstraße 4 aufgefallen? Es ist einer der zahlreichen Stolpersteine (www.stolpersteine-stuttgart.de) und erinnert an die ehemalige Bewohnerin Martha Häberle, die als Jüdin von den Nazis verfolgt und ermordet wurde. Mehr als 400 solcher Steine gibt es in Stuttgart. Historisch geht es mit dem Alten Landtag in der Heusteigstraße weiter. Im prächtig gestalteten Theatersaal des 1890 fertiggestellten und 2008 umfassend sanierten Baus tagte von 1947 bis 1961 der baden-württembergische Landtag. Heute hat hier der TV-Koch Sante de Santis sein Restaurant Er Cuppolone (Mo-Sa 18-24 Uhr | Heusteigstr. 45 | Tel. 6071880 | www.santedesantis.de) und seine Kochschule. Außerdem bespielt das ABV Zimmertheater (abv-zimmertheater.de), das älteste Amateurtheater Stuttgarts, eine kleine Bühne im Untergeschoss. Beim Bummel durch das lebhafte Viertel entdeckt man lauschige Hinterhöfe und kleine Gärten.

Auf dem Wilhelmsplatz, dem früheren Richtplatz der Stadt, wird heute das stets gut besuchte Henkersfest (www.henkersfest.de) gefeiert, rundherum haben sich Bars und Restaurants mit Outdoorplätzen angesiedelt. Der ideale Ort, um sich bei internationalen Spezialitäten oder einem Cocktail zu erholen, bevor Sie ins Bohnenviertel aufbrechen. Es bietet mit der etwas verruchten Altstadt, der Leonhardskirche, dem Gustav-Siegle-Haus, in dem die Philharmonie, der Jazzclub Bix und eine Galerie untergebracht sind, einiges Sehenswertes - von den engen Gässchen mit hübsch renovierten Häusern, kleinen Galerien, Läden und Cafés ganz zu schweigen.