Reisetipps Stuttgart

Auftakt Stuttgart Was für eine Stadt!

Stuttgart hat's, das gewisse Etwas. Und damit ist nicht nur das lebendige Kulturleben gemeint, die vielen Shoppingadressen, das Design made in Stuttgart oder die PS-starken Autos, die hier produziert werden. Es ist das Lebensgefühl, das zwischen Höhen und Talkessel herrscht, zwischen rotem Dächermeer und grünen Hügeln: eine Fähigkeit zum Genießen, die - trotz aller schwäbischer Erdverbundenheit - fast schon so etwas wie Leichtigkeit hervorruft. Das spiegelt sich auch im bunten, multikulturellen Leben in den Stadtvierteln, in den vielfältigen Küchen aller Standards, in der umtriebigen Clubszene. Kein Zweifel: Stuttgart hat's!

Mit den fröhlichen und entspannten Feiern während der Fußball-WM 2006 und der EM 2008 hat Stuttgart auch nach außen hin sein Image umgekrempelt: Die Stadt ist weder bieder, noch werden hier die Bürgersteige ständig gefegt oder wahlweise hochgeklappt. Bei Wirtschaftsexperten und Kulturkennern, bei Szenegängern und Architekturfreunden steht „Schduagerd“ schon lange auf der Hitliste.

Beim Schlendern durch die City oder einem Bummel durch die Kneipen werden Sie schnell erkennen: Stuttgart passt in keinen Rahmen. Auf den ersten Blick ein typisches, klar umrissenes Gesicht zu finden ist nicht einfach. Lassen Sie sich Zeit, die Vielfalt - und auch die Gegensätze - zu entdecken: Schlendern Sie allein durchs verträumte Lapidarium mit seinen steinernen Zeitzeugen, oder ziehen Sie mit Zehntausenden während der „Langen Nacht der Museen“ durch die Stadt; lachen Sie vor der Bühne der schwäbischen Mundarttheater, oder bestaunen Sie die Primaballerinen des Stuttgarter Balletts; reisen Sie im Württembergischen Landesmuseum durch die Vergangenheit, oder lassen Sie sich in der Neuen Staatsgalerie von Joseph Beuys provozieren; spazieren Sie durch die Weinberge rund um die Stadt, oder reihen Sie sich ein in den Strom der Shopper in der Innenstadt.

Vor allem in den vergangenen Jahren hat Stuttgart mit seinen knapp 590000 Einwohnern an Selbstbewusstsein gewonnen - mit Erfolg: Allein im Jahr 2007 zählten die Statistiker mehr als 2,4 Mio. Übernachtungen von Gästen aus aller Welt. Ausschlaggebend für den Stuttgart-Trend war sicherlich auch der Musicalboom, und obwohl er abgeebbt ist, sind die Gästezahlen weiter gestiegen. Dass Stuttgart, was Attraktivität und Lebensqualität angeht, auf der Städte-Beliebtheitsskala mittlerweile ganz vorn rangiert, ist auch der innovativen Kulturszene zu verdanken.

„Was brauchen wir Kunst, wir brauchen Kartoffeln“, lautete zwar früher eine schwäbische Redensart. Doch Kunstliebhaber und Kulturmanager, Stifter und Bühnentalente setzten sich durch - fast ohne Promis und Protz, aber mit Ideenreichtum, Engagement und internationaler Teamarbeit. Für den Kauf berühmter Kunstschätze wurden zusätzliche Kassen geöffnet und Stiftungen ins Leben gerufen. Das Stuttgarter Ballett brachte es zu Weltruhm, die Staatsoper wurde in den vergangenen Jahren vier Mal zum besten Opernhaus im deutschsprachigen Raum gekürt, das Schauspielhaus gilt als Talentschmiede für den Regienachwuchs. Die Stadt verfügt über eine der vielfältigsten Kleintheaterszenen in Deutschland, das politische Kabarett hat hier ebenso seinen festen Platz wie das Varieté. Nicht zu vergessen: die Stuttgarter Museenlandschaft, die zuletzt mit den Neubauten von Mercedes-Benz Museum, Porsche-Museum und Kunstmuseum für Furore sorgten. Und zwischen der Internationalen Bachakademie und den Ludwigsburger Schlossfestspielen schlug hier auch noch die Geburtsstunde des deutschen Hip-Hop. Wegbereiter waren die „Fantastischen Vier“, innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich Stuttgart mit Bands wie „Freundeskreis“ oder den „Massiven Tönen“ zur Hochburg.

Bei aller Innovation: Stuttgart ist der Tradition immer treu geblieben, und vielleicht macht gerade diese Verbindung den beständigen wirtschaftlichen Erfolg der Landeshauptstadt aus. Kaum eine andere Region hat es geschafft, ein so solides Fundament zu legen. Sicherlich ist es kein Zufall, dass weltweit erfolgreiche Unternehmen wie Daimler, Porsche oder Bosch hier ihren Ursprung haben. Erfolgreich auch die Taktik, dass Wirtschaft und Wissenschaft stark aufeinander zugegangen sind. Stuttgart kann zwei Universitäten, sechs Akademien und Fachhochschulen und eine Reihe außeruniversitärer Forschungseinrichtungen vorweisen.

Auch für die Verlagslandschaft ist Stuttgart ein wichtiger Standort. 130 Verlage haben ihren Sitz im Zentrum und 250 in der Region; Holtzbrinck, Klett, Motor-Presse und Mairdumont sind nur die größten und bekanntesten. Und: Von den Thienemann-Verlagsräumen in einer Seitenstraße der Stadt aus eroberten der Räuber Hotzenplotz, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, die Kinderzimmer.

Nicht überall stößt Stuttgarts Erfolgscocktail aus klassischen Industrien, neuen Wachstumsbranchen wie Informations- und Kommunikationstechnologien, neuen Medien und Umwelttechnik auf Gegenliebe. Einige werfen den Stadtvätern vor, sich im Rennen um internationale Anerkennung vor allem bei großen Bauprojekten zu verschätzen. Umstritten war die Neue Messe, die 2007 in Betrieb genommen wurde, der Umbau des Bahnhofs im Rahmen des Milliardenprojekts „Stuttgart 21“ wurde und wird kontrovers diskutiert. Trotzdem scheint das „Stuttgart der Zukunft“ Wirklichkeit zu werden, nach dem Bau von Kunstmuseum, Porsche- und Mercedes-Benz-Museum und dem Umbau des Daimler-Stadions zu einer WM-tauglichen Fußballarena. Ein großer Teil der Industrie hat sich rund um Stuttgart angesiedelt. In vielen Stadtteilen ist und bleibt die Metropole daher ein Meer aus roten Dachziegeln - und eine Großstadt im Grünen: Schlossgarten, Bärenseen oder der Wald rund um den Bopser, auf dessen Höhe der Fernsehturm thront. Von seiner Aussichtsplattform aus, aber auch von anderen exponierten Stellen, von der Uhlandshöhe, dem Haigst, dem Bismarckturm oder der Karlshöhe, sehen Sie, wie grün die Stadt wirklich ist. Beim Rundblick fallen - neben den Schönheiten wie Neues Schloss oder Königsbau, der seit 2006 die klassizistische Fassade für die hypermodernen Königsbau-Passagen abgibt - auch die Betonwunden auf, die nach dem Krieg im zerstörten Stuttgart, aber auch in den 1960er- und 1970er-Jahren, geschlagen wurden. Vor allem in den vergangenen beiden Jahrzehnten nutzten namhafte Architekten wie James Stirling mit seiner Neuen Staatsgalerie oder Hascher & Jehle mit dem Kunstmuseum die Fläche für mutige Bauten.

Die idyllische Lage hat es der Stadt auf ihrem Weg in die Zukunft nicht einfach gemacht. Eingeengt zwischen Buckeln und Bergen, nur in Richtung Osten offen, konnte sich Stuttgart nur schlecht ausbreiten. „Aus einem Kessel kann man eben nicht herausgucken“, hieß es. Historisches Zentrum ist das Gebiet um das Alte Schloss, dort, wo im sumpfigen Gelände um die Mitte des 10. Jhs. ein „Stutengarten“, ein Gestüt, stand. Die Siedlung erhielt im 13. Jh. das Stadtrecht, sie wurde Sitz der Grafen von Württemberg, und der Aufschwung zur offiziellen Haupt- und Residenzstadt begann. Er setzte sich fort, als Stuttgart in der ersten Hälfte des 19. Jhs. zur Industriestadt aufstieg.

An das vergleichsweise kleine Zentrum grenzen die Nobelterrassen rund um den Killesberg im Norden, die eher von Arbeiterwohnungen geprägten Straßen im Osten und das beliebte Wohn- und Ausgehviertel im Westen. Vor allem die ehemals unabhängigen kleinen Gemeinden wie Bad Cannstatt, Wangen, Vaihingen und Weilimdorf haben ihr Selbstbewusstsein behalten. Mittlerweile ist Stuttgart in 23 Stadtbezirke aufgeteilt, fünf innere und 18 äußere.

Die „Reing'schmeckten“ und Fremden haben das Bild der Stadt und der Schwaben nachhaltig verändert. „Das Zweiflerische, Querköpfige, Kritische und Praktische im Wesen des Stuttgarters vermischte sich mit der Großzügigkeit, dem Wagemut, der Urbanität und der Musenfreundlichkeit vieler Neubürger“, erklärte der heimische Schriftsteller Thaddäus Troll. Seit den 1960er-Jahren zogen die Industriefließbänder viele Ausländer in die Stadt: Menschen aus fast 170 Nationen leben hier. Fast jeder vierte Stuttgarter ist Ausländer, es werden 100 verschiedene Sprachen gesprochen, teils hat das gelernte Deutsch einen schwäbischen Akzent angenommen.

Und so mag Stuttgart manchmal eine herbe Schöne sein, aber die Stadt zeigt ihr Gesicht und ihren Charme, wenn Sie neugierig und ohne Vorbehalte auf sie zugehen. Entdecken Sie Stuttgart!