Reisetipps St. Petersburg

Insider Tipps St. Petersburg MARCO POLO Insider Lothar Deeg im Interview

Lothar Deeg lebt seit 1994 in St. Petersburg und arbeitet dort als freier Journalist und Korrespondent für deutschsprachige Medien

Wie kamen Sie nach St. Petersburg?

1989 kam ich für ein Wochenende nach St. Petersburg - Verzeihung, damals war das noch Leningrad. 1991 unternahm ich dann eine mehrwöchige Reise nach Wladiwostok und zurück per Eisenbahn über Moskau und St. Petersburg. Auf dieser Tour habe ich die Faszination Russlands für mich entdeckt.

Was reizt Sie an St. Petersburg?

Ich bin zwar noch immer kein Russe, aber als Petersburger empfinde ich mich schon. Denn ich fühle mich hier zu Hause. Dieser großzügige und elegante Stadtraum, in dem es immer wieder Neues zu entdecken gibt, beeindruckt mich bis heute. Und es ist ein tolles Gefühl an einem Ort zu leben, an dem Weltgeschichte geschrieben wurde.

Wo und wie leben Sie genau?

Mit meiner Frau, einer gebürtigen Petersburgerin, unserem Sohn und vier Katzen leben wir in einem soliden Jugendstilhaus auf der Petrograder Seite, nicht weit von der Moschee. Dies ist eine wirklich angenehme, weil verhältnismäßig grüne Ecke des Stadtzentrums.

Was mögen Sie an Petersburg nicht so?

Den irrwitzigen Verkehr - und die gigantischen Staus. Die unnötig komplizierte russische Bürokratie verdirbt einem auch oft die Laune.

Was genau machen Sie beruflich?

Ich arbeite hier als freier Journalist und Korrespondent für Printmedien im deutschen Sprachraum. Mit Kollegen in Moskau und Kaliningrad mache ich zudem die deutschsprachige Internetzeitung Russland-Aktuell (www.aktuell.ru).

Sprechen Sie Russisch?

Ich habe erst nach dem Studium und meiner ersten großen Russlandreise angefangen, Russisch zu lernen. Inzwischen spreche ich fließend Russisch - aber mit Akzent.

Mögen Sie die russische Küche?

Pelmeni mit frischen Pilzen sind wirklich ein Gedicht! Prinzipiell gefällt mir an der russischen Küche, dass hier Suppen noch als Nahrung gelten und nicht nur als Aperitif. Weniger sympathisch ist mir der hohe Fettgehalt vieler Gerichte.

Können Sie sich vorstellen, wieder in Deutschland zu leben?

Theoretisch ja. Deutschland erscheint aus russischer Perspektive aber sehr eng - und durchperfektioniert. Die Russen sind in vielem lässiger und zudem Meister für improvisierte Lösungen.