Reisetipps St. Petersburg

Sehenswertes St. Petersburg Russische Weite auf der Fläche einer einzigen Stadt

St. Petersburg ist ein architektonisches Gesamtkunstwerk

Die noch vor der Revolution 1917 entstandene Petersburger Altstadt ist riesig - je etwa 6 km in Nord-Süd- und in Ost-West-Richtung.

Gottlob ist die Ära der Betonarchitektur an diesem als Weltkulturerbe anerkannten Stadtensemble fast spurlos vorübergegangen - auch die Schäden der Belagerung im Zweiten Weltkrieg wurden sorgfältig behoben.

Über dieses Flächendenkmal verteilen sich hochkarätige Museen, Paläste, Prachtbauten, Kathedralen, Klöster und großartige Plätze in enormer Anzahl. Wer zur Stadtbesichtigung aufbricht, sollte deshalb die Entfernungen nicht unterschätzen - und ab und an öffentliche Verkehrsmittel oder ein Boot nehmen. Doch nicht nur die Innenstadt ist attraktiv: Wenigstens eines der prächtigen Zarenschlösser draußen vor der Stadt sollte bei jedem Petersburg-Besuch dabei sein.

Admiralität/Admiraltejstwo

Der prächtige Turm der Admiralität ist der wichtigste Orientierungspunkt der Stadt: Sternförmig laufen der Newski Prospekt und zwei weitere Hauptstraßen darauf zu. Den ursprünglichen Zweck sieht man diesem Bau nicht mehr an: 1704 wurde er als Werft angelegt. In den 1730er-Jahren entstand der Torturm mit der 72 m hohen Spitze. 1806-23 erhielt die Admiralität ihr heutiges Aussehen mit einer 400 m langen klassizistischen Fassade. Heute beherbergt der Gebäudekomplex eine Marineoffiziersschule. Die Fläche vor der Admiralität war schon zu Puschkins Zeiten der liebste Platz der Petersburger für Volksfeste und Spaziergänge. Deshalb wurden die Bäume des Alexandergartens auch während der Blockade nicht gefällt. Admiraltejski Prospekt 1 | Trolleybus: 1, 7, 10, Bus: 7

Dekabristenplatz/Ploschtschad Dekabristow

Der Alexandergarten geht in den grünen Dekabristenplatz über, dessen Mittelpunkt das bekannteste Wahrzeichen Petersburgs bildet: der Eherne Reiter. Das Denkmal für Peter den Großen zeigt den Stadtgründer als dynamischen Visionär, der auf seinem sich aufbäumenden Pferd zum großen Sprung nach vorn ansetzt. Das Werk des Franzosen Etienne Falconet wäre nur halb so attraktiv, stünde es nicht auf dem wie eine mächtige Woge geformten Sockel: Ursprünglich war dies ein 1600 t schwerer Felsblock, der 12 km entfernt lag. Zu seinem Transport baute man eigens einen Katamaran aus zwei Segelschiffen. Den Namen „Eherner Reiter“ erhielt das Denkmal 1833 durch ein Poem Puschkins, in dem Ross und Reiter lebendig werden. Auf Russisch heißt er übrigens „Kupferner Reiter“ - dabei ist die Statue in Wirklichkeit aus Bronze. Den Platz flankieren die durch einen Torbogen verbundenen Gebäude von Senat und Synod, 1829-34 errichtet von Carlo Rossi. Sie beherbergten die obersten Instanzen von Staat und russisch-orthodoxer Kirche. Nach einem Umbau soll hier das russische Verfassungsgericht einziehen. Trolleybus: 5, 22, Bus: 3, 10, 22, 27

Eremitage/Gosudarstvenny Ermitash

Für Kunstfreunde ist die Eremitage schon Grund allein, nach Petersburg zu kommen, denn dieses überwältigende Museum steht zu Recht auf einer Stufe mit Louvre, Prado oder dem „Met“ in New York. Vor allem westeuropäische Gemälde von Weltrang, von da Vinci bis Picasso, hängen hier dicht an dicht. Doch ist die Eremitage weit mehr als nur ein mit Kulturschätzen üppig bestücktes Museum: Der Winterpalast und seine Anbauten, die einstige Hauptresidenz der Zarendynastie, stellen selbst das prächtigste unter den gezeigten 60000 Exponaten dar.

Den Grundstock für diese gewaltige Sammlung legte Katharina II., die 1764 beim Berliner Kaufmann Johann Gotzkowski 225 Gemälde erwerben ließ. Im gleichen Jahr begann neben dem Winterpalast der Bau der Kleinen Eremitage. Hier genoss die Zarin ihre Kunstschätze allein oder im intimen Kreis - daher der Name Eremitage. Die Kunstsammlung des Zarenhofes wuchs und damit auch ihr Platzbedarf: Zunächst entstand ab 1770 die Alte Eremitage entlang des Newa-Ufers, dann im rechten Winkel dazu die Raffael-Loggien - und schließlich die Neue Eremitage des Münchner Architekten Leo von Klenze. Deren von zehn Atlanten getragener Paradeeingang hatte seinen Sinn: 1852 machte der Hof seine Sammlungen teilweise der Öffentlichkeit zugänglich.

Der während der Oktoberrevolution 1917 erstürmte Winterpalast wurde danach in das verstaatlichte Museum integriert. Nun gelangten viele beschlagnahmte Kunstschätze von Adel und Kirche in die Eremitage. Den Zweiten Weltkrieg überstand die teils in den Ural ausgelagerte Kollektion - anders als die Gebäude - relativ unbeschadet.

Besucher betreten vom Schlossplatz durch ein prächtiges Tor zunächst den weiten Innenhof des Winterpalastes. Dieses barocke Schloss mit über 1000 Räumen wurde 1754-62 von Francesco Rastrelli „zum Ruhme Russlands“ errichtet. Ein Großbrand 1837 zerstörte allerdings das gesamte Innenleben des Palastes, das später von Baumeistern wiederhergestellt wurde.

Nach der Kassenhalle schreiten Sie über die pompöse Jordan-Treppe ins erste Obergeschoss hinauf, wo sich die Wege verzweigen: Geradeaus geht es in die großen Säle auf der Newa-Seite, wo Sonderausstellungen stattfinden. Nach links gelangt man in einige der reichsten Räume des Palastes: in den Peter-Saal, den von vergoldeten Säulen flankierten festlichen Wappensaal, dann in die imposante Militärgalerie von 1812, schließlich in den Georgssaal mit dem Zarenthron.

Wer sich nach der Jordan-Treppe zweimal nach links wendet, findet die spektakuläre Kollektion französischer Impressionisten aus Beutekunst-Beständen, die die Eremitage erstmals 1995 zeigte. Unvergessen bleibt auch der dann folgende, im maurischen Stil errichtete Pavillonsaal in der Kleinen Eremitage.

An einer großen grünen Malachitvase angekommen, sollten Sie sich entscheiden, was Sie weiter ansehen möchten: Geradeaus weiter folgt in der Alten Eremitage die italienische Abteilung mit zwei Da-Vinci-Madonnen und den Raffael-Loggien. Nach rechts führt der Weg zur holländischen und flämischen Malerei. Wer an der Vase jedoch treppab geht, gelangt in die weitläufige Antikenabteilung in der Neuen Eremitage.

Oder Sie gehen zurück in den Winterpalast: Auf dem gleichen Stockwerk befinden sich prachtvoll ausgestattete Gemächer der Zaren. Das Erdgeschoss birgt die prähistorischen Schätze sowie die Schatzkammer. Besonders beeindruckt hier das 2500 Jahre alte „Gold der Skythen“: Das Reitervolk aus dem Süden Russlands hinterließ fantastische Goldarbeiten, vor allem mit kunstvollen Tiermotiven (nur mit Führung, 300 Rbl). In den eher schmucklosen Räumen des zweiten Obergeschosses stößt man auf die weitläufige orientalische Sammlung sowie die hauseigenen „Franzosen“ des 19. und 20. Jhs. Eher bescheiden entwickelt ist die Museumsgastronomie: Am Fuße der Jordan-Treppe gibt es eine Cafeteria und ein Internetcafé. Di-Sa 10.30-18, So 10.30-17 Uhr | Schlossplatz 2 | 350 Rbl (Eintritt frei für Studenten - auch ausländische - bei Vorlage eines Studentenausweises sowie am ersten Do im Monat für alle Besucher) | Führungen: Tel. 5718446 | www.hermitage.ru | Trolleybus: 1, 7, 10, Bus: 7

Isaakskathedrale/Issakijewski Sobor

Diese Kathedrale bei einem Petersburg-Besuch zu übersehen, ist unmöglich. Mit 101 m Höhe überragt sie das Stadtzentrum - die goldene Kirchenkuppel ist die viertgrößte der Welt. Die Petersburger nennen gerne weitere Superlative des Sakralbaus: 12000 Menschen haben darin Platz, sein Gewicht von 300000 t ruht auf 24000 in den Boden gerammten Pfählen. Die Wände sind bis zu 5 m dick. Zur Vergoldung wurden 400 kg Gold verbraucht. Zur überaus üppigen Ausgestaltung des Innenraums dienten 43 verschiedene Mineralien. Sie wurden alle auch in einer ausgestellten Büste des Architekten Auguste de Montferrand verwendet, der einen Monat nach der Fertigstellung 1858 gestorben war.

Die außen mit ihren 112 Monolithsäulen aus karelischem Granit streng und massiv wirkende Kirche ist im Innern hell und feierlich. Zentrales Element ist der Ikonostas aus weißem Marmor, der von Säulen aus Malachit und Lazurit flankiert wird. 300 Skulpturen und 150 Gemälde machen die Kathedrale in der Tat zu dem, was sie heute auch offiziell ist: ein Museum, in dem nur an hohen Feiertagen Gottesdienste abgehalten werden.

Selbst wer Zeit und Kosten für die Innenbesichtigung sparen möchte, sollte den Aufstieg auf die Kolonnade nicht versäumen: Aus 43 m Höhe bietet sich ein wunderbarer Rundumblick. Direkt zu Füßen liegt dann der Isaaksplatz: In dessen Zentrum steht seit 1859 das von Montferrand konzipierte Reiterdenkmal für Zar Nikolaus I. Es gelang ihm, die von Peter Klodt geschaffene, 6 m hohe Skulptur so auszubalancieren, dass sie nur auf den Hinterbeinen des Pferdes steht. Jenseits der Blauen Brücke über die Moika erhebt sich der Mariinski-Palast (1839-44). Er ist heute Sitz des Stadtparlaments. Tgl. 11-19 Uhr | 300 Rbl | Aufstieg auf die Kolonnade 11-18 Uhr 150 Rbl, 18-23 Uhr 300 Rbl | Isaaksplatz | www.cathedral.ru | Trolleybus: 5, 22, Bus: 3, 10, 22, 27

Marmorpalast/Mramorny Dworez

Katharina II. ließ diesen Palast für ihren Favoriten Graf Orlow bauen, der jedoch die Fertigstellung 1785 nicht mehr erlebte. Für die Ausgestaltung wurden 32 verschiedene Marmorsorten verwendet, was dem Prunkbau seinen Namen gab. Heute befindet sich dort eine Filiale des Russischen Museums, die einerseits Sonderausstellungen, andererseits eine 1995 vom Kölner Sammler-Ehepaar Ludwig gestiftete Kollektion moderner Kunst zeigt. Mi-So 10-18, Mo 10-17 Uhr | Ul. Millionaja 5 | 300 Rbl | www.rusmuseum.ru | Bus: 46

Schlossbrücke/Dworzowy most

Die 1912-16 neben dem Winterpalast errichtete Newa-Querung ist die bekannteste Brücke der Stadt: Ihre hochgeklappten Mittelflügel vor der Silhouette der Peter-Paul-Festung und dem Pastellhimmel einer Weißen Nacht sind das Petersburg-Motiv schlechthin. April-Nov. tgl. 1.25 bis 4.55 Uhr hochgeklappt | Trolleybus: 1, 7, 10, Bus: 7, 10

Schlossplatz/Dworzowaja Ploschtschad

Auch wenn hier häufig Demonstrationen, Sportveranstaltungen oder Open-Air-Konzerte stattfinden: Petersburgs gute Stube ist eine der erhabensten Platzanlagen der Welt. In erster Linie ist das dem Baumeister Carlo Rossi zu verdanken, der 1819-29 das 600 m lange, halbrunde Generalstabsgebäude dem Winterpalast gegenübersetzte. Seine nur drei Stockwerke hohe Fassade wird durch einen Triumphbogen in der Mitte aufgebrochen. Ihn krönt eine Siegesgöttin in einem sechsspännigen Wagen. Ebenfalls zur Feier des Sieges über Napoleon 1812 wurde in der Mitte des Platzes die 47,5 m hohe Alexandersäule aufgestellt. Ihr 25 m langes Mittelteil besteht aus einem einzigen, 600 t schweren Granitblock. Auf der Spitze steht eine Engelsfigur mit den Gesichtszügen des Zaren Alexander I. Während im Westflügel des Generalstabs nach wie vor das Militär sitzt, gehört der Ostflügel heute der Eremitage, die hier bis 2014 einen großen Museumskomplex für moderne Kunst einrichten will. Einige Räume mit Empirekunst können schon besichtigt werden. Di-Sa 10.30-18, So 10.30-17 Uhr | 200 Rbl | Trolleybus: 1, 7, 10, Bus: 7, 10

Sommergarten/Letni Sad

Für die Petersburger ist er der kultivierte Park schlechthin: Hier flaniert man auf Kiesalleen zwischen alten Bäumen, betrachtet klassische Skulpturen und hält dann einen Plausch auf einer schattigen Parkbank. Sich hier auf den Rasen zu setzen, ist nicht nur verboten, sondern undenkbar. Derart erbaulich stellte sich auch schon Peter der Große diesen Park vor: Auf sein Geheiß wurden in Italien Büsten und allegorische Marmorskulpturen eingekauft. Um 1735 standen hier an die 200 Plastiken und plätscherten über 30 Springbrunnen. Doch Hochwasser zerstörte viel von dieser Pracht. Heute sind nur noch 92 Figuren übrig - von denen viele wegen ihres schlechten Zustands Holzkästen übergestülpt bekamen. Bis 2010 sollen jedoch alle Plastiken saniert sein. Das Gitter, das seit 1786 den Park zur Newa hin abgrenzt, ist hingegen im Idealzustand. Dieses Meisterwerk von Juri Velten verkörpert ideal die im Petersburger Stadtbild angestrebte architektonische Harmonie. Tgl. 10-20, Mai-Okt. 10-22 Uhr, April geschl. | Zugang von Ul. Pestelja oder Nab. Kutusowa | Eintritt frei | www.rusmuseum.ru | Bus: 46

Sommerpalast/Letni Dworez

Heute würde man in Russland sagen, dieses 1710-14 entstandene Steinhaus diente Zar Peter I. als Datscha: Er veranstaltete hier nicht nur seine berühmt-berüchtigten Feste und Trinkorgien, sondern frönte auch seiner anderen Leidenschaft: der Seefahrt. Das Haus grenzte damals ans Wasser und verfügte über einen eigenen kleinen Hafen. Das Innere gibt Einblick in das Privatleben des Stadtgründers: Man kann den Schlafanzug des Zaren auf dessen Himmelbett oder die deutschen Weingläser am Eichenesstisch bewundern. Zeitgenossen neideten dem Zarenhaushalt nicht nur das fließende Wasser im Spülbecken der Küche: Auch alle sechs Toiletten im Haus hatten Kanalisationsanschluss! Mai-Okt. 10-18 Uhr, bei Regenwetter, Di und letzter Mo im Monat geschl. | Nab. Kutusowa | im Sommergarten | 300 Rbl | www.rusmuseum.ru

Bank-Brücke/Bankowski most

Dieser nur 20 m lange und keine 2 m breite Fußgängersteg ist die wohl originellste der über 500 Brücken des „nördlichen Venedigs“. Die 1825-26 errichtete Hängebrücke befindet sich in einer Biegung des Kanals Gribojedowa wird von vier Löwen mit goldenen Flügeln getragen: Die Greifen scheinen die Tragseile in den Mäulern zu halten, doch umhüllen ihre gusseisernen Körper nur die tragenden Eisengerüste. Nab. kan. Gribojedowa | Haus 27 bzw. 30 | Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Christi-Auferstehungskirche/Spas-na-Krowi

Diese bunte Zwiebelturmkirche fällt im Petersburger Stadtbild aus dem Rahmen: Sie wurde erst 1887-1907 im neo-altrussischen Stil errichtet. Anlass für den Bau war das Anarchistenattentat auf Zar Alexander II., der hier 1881 durch eine Bombe tödlich verletzt wurde. Daher kommt auch der Beiname der Kirche: „Erlöser auf dem Blut“. Im Innern wurde ein Baldachin über jener Stelle des Straßenpflasters errichtet, wo der Zar tödlich verwundet wurde - und die Farborgie der Emaillekuppeln findet hier ihre Fortsetzung: Die Wände dieser riesigen Schmuckschatulle sind komplett mit Mosaiken ausgekleidet - insgesamt 7000 m²! Do-Di 11-19 Uhr | Nab. kan. Gribojedowa 2 | 300 Rbl | www.cathedral.ru | Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Gostiny Dwor

Für viele Einheimische ist das Gostiny Dwor, auch Bolschoj Gostiny Dwor (BGD) genannt, ein Synonym für das Zentrum der Stadt: Was wörtlich übersetzt „Gästehof“ heißt, waren ursprünglich Marktreihen, in denen reisende Händler Sektionen anmieteten, um ihre Ware verkaufen zu können. 1757-85 entstand das heutige zweistöckige Gebäude, das einen ganzen Straßenblock einnimmt. Mit seinen offenen Arkaden bot es auf zwei Ebenen 1 km überdachte Shoppinggalerie. Zu Leningrads größtem Kaufhaus vereint wurden die Läden erst in den 1950er-Jahren. Dadurch verwaiste der Laubengang im Obergeschoss: Die endlos scheinenden Arkaden sind fast menschenleer - und im Sommer eine kühle Oase mitten im dichtesten Citygewühl (s. auch „Einkaufen“). Fr-Di 10-22, Mi/Do 10-22.30 Uhr | Newski Prospekt 35 | Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Kasaner Kathedrale/Kasanski Sobor

Das zentrale Gotteshaus von St. Petersburg ist das eindrucksvollste Gebäude am Newski. Es wurde auf Geheiß des Zaren Paul I. stilistisch an den Petersdom in Rom angelehnt. Die Kolonnade aus 96 mächtigen korinthischen Säulen ist jedoch funktionslos und flankiert nicht einmal den Haupteingang. Der im Innern eher düstere Sakralbau wurde 1801-11 zur Aufnahme einer als wundertätig gepriesenen Kopie der „Ikone der Gottesmutter von Kasan“ aus dem 16. Jh. errichtet. Sie hängt links im zentralen Ikonostas. Am Grab des 1813 gestorbenen Feldmarschalls Kutusow wurden eroberte Standarten und Stadtschlüssel aufgehängt - darunter auch die von Bremen und Lübeck. Zu Sowjetzeiten hatte sich hier ein Museum für Religion und Atheismus befunden, erst 1998 wurde die Kathedrale der Kirche zurückgegeben. Gottesdienste tgl. 10 und 18 Uhr | Newski Prospekt 25-27 | Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Katharinen Denkmal/Pamjatnik Jekaterine II.

Das monumentale Denkmal für die langjährige Zarin Katharina II. wurde 1873 auf dem Platz vor dem Alexandrinski-Theater aufgestellt. Zu Füßen der Herrscherin sitzt eine Herrenrunde aus Ratgebern und Favoriten wie Orlow, Potjomkin oder Suworow. Die von den Petersburgern „Katkin sad“ (Katjas Gärtchen) genannte Anlage ist ein angenehmer Ort für eine Verschnaufpause auf halber Strecke des Newski Prospekts. Auf dem Gehweg sitzen Karikaturisten, die Touristen porträtieren. Pl. Ostrowskogo | Metro: Gostiny Dwor

Michaelsburg/Michailowski Samok

Der verschrobene Zar Paul I. ließ 1797-1800 an der Ecke der Kanäle Fontanka und Moika das ungewöhnlichste aller Petersburger Zarenschlösser errichten: eine Wasserburg, die nur über Zugbrücken erreichbar war. Der ebenso herrschaftliche wie wehrhafte Bau war der Stein gewordene Ausdruck von Pauls Angst vor einer Verschwörung. Doch genutzt hat er wenig: Nur 40 Tage nach dem Einzug wurde der Zar in seinem Schlafzimmer von seiner eigenen Entourage ermordet. Der Bau mit einem achteckigen Innenhof (dort steht seit 2003 ein Denkmal für Paul I.) verwaiste daraufhin, erst 20 Jahre später zog eine Ingenieursschule ein - daher auch der Zweitname „Ingenieursschloss“. Heute erwarten die Besucher im Innern prächtige Interieure sowie ständige und befristete Ausstellungen aus den Beständen des Russischen Museums. Mi-So 10-18, Mo 10-17 Uhr | Ul. Sadowaja 2 | 300 Rbl | www.rusmuseum.ru | Bus: 46

Newski Prospekt

Der 4,5 km lange Newski Prospekt bildet auf seiner ganzen Länge das pulsierende Zentrum Petersburgs - wobei der breitere Mittelabschnitt zwischen Moika und Fontanka der prächtigste und lebhafteste ist. Hier stehen Kaufhäuser und Ladenpassagen. Obwohl der starke Autoverkehr die Lebensqualität inzwischen spürbar mindert, bedeutet eine Adresse am Newski enormes Prestige. Besonders intensiv ballen sich hier teure Hotels, Restaurants und Kinos. Das nachts üppig illuminierte Straßenbild ist makellos.

Drei Metrostationen machen den Newski für Fußgänger bestens erreichbar. Wer beim Bummel über den langen Boulevard dennoch müde wird, kann in den nächsten Bus steigen: Zwischen Admiralität und Moskauer Bahnhof fahren alle Linien (außer der 17) immer nur geradeaus.

Angelegt wurde der Newski ab 1711 als Verbindung der Admiralität einerseits und des Alexander-Newski-Klosters andererseits mit der Fernstraße von Nowgorod zur Newa, die entlang des heutigen Ligowski Prospektes verlief. Die Idee, eine durchgehende Blickachse in den Sumpfwald zu schlagen, scheiterte allerdings an Kursabweichungen. So kam es zu dem Knick hinter dem Moskauer Bahnhof.

Petrikirche/Zerkow Sw. Petra

1833-38 wurde vom Architekten Alexander Brüllow für die evangelisch-lutherische Gemeinde eine Kirche im Stil einer romanischen Basilika errichtet. Im Volksmund nennt man sie die „Schwimmbadkirche“, weil sie in Sowjetzeiten in ein Hallenbad umgebaut worden war. In den 1990er-Jahren wurde sie so den Lutheranern zurückgegeben. Eine Rekonstruktion des Urzustands war aus Statikgründen unmöglich, deshalb wurde das Becken nur mit einem neuen Fußboden abgedeckt. Der Kirchensaal liegt darum heute eine Etage höher, und statt der einstigen Emporen umgeben ihn die Sitzreihen des Schwimmbads. Rechts im Erdgeschoss gibt es eine gute Ausstellung über die Geschichte der Deutschen in St. Petersburg. Tgl. ca. 10-19 Uhr, So 10.30 Uhr Gottesdienst auf Deutsch | Newski Prospekt 22-24 | Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Platz der Künste/Ploschtschad Iskusstw

Der 1940 umgetaufte Michaelsplatz bekam seinen neuen Namen nicht ohne Grund: Hier ballen sich hinter klassizistischen Fassaden hochrangige Kultureinrichtungen. Der Gestaltungsplan des Ensembles wurde von Carlo Rossi entworfen, der 1819-25 an dessen Längsseite den Michaelspalast errichtete. Gegenüber befindet sich im Gebäude der einstigen Adelsversammlung der Große Saal der Schostakowitsch-Philharmonie. Das ehemalige Michaelstheater an der Westseite des Platzes beherbergt heute das Mussorgsky-Ballett-und-Operntheater. Zentrum des eleganten Platzes ist seit 1957 ein großes Puschkin-Denkmal. Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Puschkin-Museum/Musej Puschkina

1836 zog Alexander Puschkin als gefeierter Dichterstar mit seiner Familie in eine Elfzimmermietwohnung an der Moika ein. Doch nur viereinhalb Monate später starb Puschkin hier: Bei einem Duell hatte ihn ein Bauchschuss getroffen. Die letzte Wohnung des vergötterten Genies wurde deshalb zum Museum. Im Arbeitszimmer stehen sein Originalschreibtisch und jenes Sofa, auf dem er starb. Ausgestellt werden auch Puschkin-Reliquien wie die Weste, die er beim Duell trug, seine Totenmaske und eine Locke des Dichterfürsten. Ein zweiter Museumsteil unter dem Titel „Leben und Werk Puschkins“ beschäftigt sich dann etwas wissenschaftlicher mit dem Vater der russischen Literatursprache. Fr-Mi 10.30-18 Uhr außer letzter Fr im Monat | Nab. reki Moiki 12 | je 200 Rbl für jeden Museumsteil (inkl. dt. Audioguide) | www.museumpushkin.ru | Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Rossi-Straße/Uliza Sodtschego Rossi

Der Italiener Carlo Rossi (1775 bis 1849) prägte das historische Petersburger Stadtbild wie kein zweiter Baumeister. Die heute seinen Namen tragende Straße ist sein Meisterstück - dank vollendeter Proportionen und etwas Zahlenmagie: Der Straßenraum ist 220 m lang, 22 m breit, und die beiden ihn flankierenden Gebäude mit ihrem Säulenstakkato sind 22 m hoch. In Haus Nr. 2 befindet sich die weltberühmte Waganowa-Ballettschule. Das auch von Rossi entworfene Alexandrinski-Theater schließt die Straße an einem Ende ab. Zwischen Pl. Ostrowskogo und Pl. Lomonossowa | Metro: Gostiny Dwor

Russisches Museum/Russki Musej

Bei diesem Museum ist der Name Programm: Es beschränkt sich auf russische Kunst und verfügt über 400000 Exponate, davon 15000 Gemälde. Gegründet wurde es 1895 von Zar Nikolaus II., der dazu den klassizistischen Michaelspalast umbauen ließ. Vom Interieur des 1819-25 von Rossi errichteten Schlosses blieben dabei aber faktisch nur die Paradetreppe und der prächtig ausgestaltete Weiße Saal (Raum 11) übrig. Als Erweiterung wurde 1916 der „Benois-Flügel“ errichtet, der am Kanal Gribojedowa über einen eigenen Eingang verfügt. Dort finden meist die Sonderausstellungen statt. Zum Palast gehört auch der Michaelsgarten auf der Rückseite, ein famoser Landschaftspark.

Russische Malerei war bis zur Zeit Peters des Großen auf Ikonografie beschränkt. Das älteste Exponat ist auch gleich eines der schönsten: Die auch als „Goldhaariger Engel“ bezeichnete Ikone des Erzengels Gabriel von ca. 1200 verzaubert bis heute. Im 18. Jh. kommt zunächst die Porträtmalerei in Russland zur Blüte, bemerkenswert sind die Arbeiten von Iwan Nikitin. Im 19. Jh. sprengt die russische Malerei dann nach und nach ihre engen Grenzen - sowohl hinsichtlich der Formate (Karl Brüllows „Der letzte Tag von Pompeji“ von 1833 misst 4,5 mal 6,5 m), der Motive (Iwan Aiwasowski macht als „Maler des Marinestabs“ mit seinen Meeresbildern Furore) wie auch des sozialen Anspruchs: Gemälde wie Ilja Repins „Wolgatreidler“ (1870-73) sollen das Elend und Leid des einfachen Volkes anschaulich machen.

Eine echte Institution ist das Russische Museum in Sachen Kunst aus dem ersten Viertel des 20. Jhs.: Werke von Marc Chagall, des Konstruktivismus-Erfinders Kasimir Malewitsch (z.B. „Das schwarze Quadrat“ von 1915) oder lange verkannte - und versteckte - Avantgardisten wie Wladimir Tatlin oder Pawel Filonow sind reichlich vorhanden. Mi-So 10-18, Mo 10-17 Uhr | Ul. Inshenjernaja 4/Pl. Iskusstw | 300 Rbl | www.rusmuseum.ru | Metro: Gostiny Dwor, Newski Prospekt

Tschischik-Pyschik

Nur 11 cm hoch und 5 kg schwer ist Petersburgs winzigstes Denkmal - und gerade deshalb ein großer Publikumsmagnet. Der bronzene Zeisig steht auf einem Sockel in der Biegung der Ufermauer von der Fontanka zur Moika und ist am besten bei einer Bootsrundfahrt zu entdecken. Die 1994 aufgestellte (und zwischenzeitlich mehrfach gestohlene) putzige Skulptur nimmt Bezug auf ein Lied der Petersburger Folklore, das von einem Wodka trinkenden Vögelchen an der Fontanka erzählt. Ingenieursbrücke, bei der Michaelsburg | Bus: 46

Alexander-Newski Kloster/Alexandro-Newskaja lawra

Die große Klosteranlage am Ende des Newski Prospekts hat für die russisch-orthodoxe Kirche besondere Bedeutung: Als eines von nur vier Klöstern trägt es den Ehrentitel „Lawra“. Gegründet wurde das Kloster 1710 auf Weisung von Peter I. - angeblich an jener Stelle, wo Fürst Alexander Newski 1240 die Schweden geschlagen hatte. Dies war zwar tatsächlich etwa 20 km newaaufwärts geschehen, aber Peter verschaffte seiner Stadt so historische Kontinuität und einen Schutzheiligen obendrein: 1724 wurden die Gebeine Newskis aus Wladimir nach Petersburg überführt - der silberne Reliquienschrein steht heute in der Hauptkirche des Klosters, der 1776-90 errichteten Dreifaltigkeitskathedrale.

Das Kloster ist vor allem durch seine Friedhöfe berühmt: Wer vom Alexander-Newski-Platz (mit einem 2002 aufgestellten Reiterdenkmal) zum Kloster geht, läuft zunächst durch eine Gasse zwischen zwei Mauern. Dahinter liegen links der Lazarus-Friedhof aus dem 18. Jh. und rechts der als Künstlerfriedhof bekannte Tichwin-Friedhof. Ersterer ist ein wildes Gewirr von über tausend dicht an dicht stehenden Grabsteinen. Der im 19. Jh. angelegte Tichwin-Friedhof wurde hingegen in den 1930er-Jahren umgestaltet, um hier die Gräber von herausragenden Literaten, Musikern und Wissenschaftlern würdig zu präsentieren: Unter den 180 Gräbern sind jene von Dostojewski, Strawinski, Mussorgski, Tschaikowski oder Rimski-Korsakow. Beide Friedhöfe gehören dem Skulpturenmuseum, deshalb wird ein als Spende deklariertes Eintrittsgeld verlangt. Kloster tgl. 6-22, Kathedrale 6-20 Uhr | 100 Rbl „Spende“ | Museumsfriedhöfe 9.30-17 Uhr (im Sommer flexibel länger) | 140 Rbl | Adresse und Metro: Pl. Alexandra Newskogo

Anitschkow-Brücke/Anitschkow most

Diese Brücke des Newski Prospekts über die Fontanka wurde 1839-41 errichtet - und wegen der Skulpturen an ihren Ecken schnell zur Attraktion: Der allein wegen seiner Pferdefiguren berühmte Bildhauer Peter Klodt schuf das Ensemble der vier Pferdebändiger, die das Niederringen der Naturgewalten durch den Menschen symbolisieren. Metro: Gostiny Dwor, Majakowskaja

Arktis- und Antarktis-Museum/Musej Arktiki in Antarktiki

Die nördlichste Millionenstadt der Welt ist ein angemessener Standort für ein Museum für Polarforschung. Doch die Zeit scheint in der mit Dioramen und nachgebauten Forschungsstationen liebevoll arrangierten Ausstellung in den 1970er-Jahren stehengeblieben zu sein. Dafür ist das Museumsgebäude umso ungewöhnlicher: Es handelt sich um eine ehemalige Kirche. Mi-So 10-18 Uhr, letzter Do im Monat geschl. | Ul. Marata 24 a | 100 Rbl | www.polarmuseum.sp.ru | Metro: Wladimirskaja, Majakowskaja

Art-Center Puschkinskaja 10

1989 besetzten Petersburger (Lebens-)Künstler ein leerstehendes Haus an der Puschkinskaja-Straße. Die Immobilie ist inzwischen teuer saniert - aber die Kultur-Community konnte von der Stadt das Bleiberecht in mehreren Hinterhausflügeln erkämpfen. In etwa 40 Wohnungen arbeiten und leben dort Künstler, Musiker, Galeristen und Verleger - ein in der Stadt einmaliger Brennpunkt der modernen Kunstszene. Um die 20 Galerien, Studios und Ateliers können besucht werden. Ungewöhnlich sind das Museum für nonkonformistische Kunst, das Büro des John-Lennon-Tempels oder die Mikro-Galerie Dwer, die, wie der Name es andeutet, nur aus einer Tür mit Spion besteht - ohne einen Raum dahinter. Mi-So 15-19 Uhr | Zugang nur über Ligowski Prospekt 53 | www.p10.nonmuseum.ru | Metro: Pl. Wosstanija

Dostojewski-Museum/Musej Dostojewskogo

Der große russische Romanautor Fjodor Dostojewski wohnte die letzten drei Jahre seines Lebens bis zu seinem Tod 1881 in einem Eckhaus neben dem Kusnetschny-Markt an der Wladimir-Kirche. Seine Sechszimmerwohnung ist heute ein Gedenkmuseum. Vor allem das detailgenau rekonstruierte Arbeitszimmer, in dem er die „Brüder Karamasow“ schrieb, kann mit Originalobjekten aus dem Besitz des weltberühmten Autors aufwarten. Angeschlossen sind ein kleines Theater und eine Ausstellung über das literarische Werk Dostojewskis. Di-So 11-18 Uhr | Kusnetschny Pereulok 5 | 120 Rbl, dt. Audioguide 70 Rbl | www.md.spb.ru | Metro: Wladimirskaja, Dostojewskaja

Moskauer Bahnhof/Moskowski woksal

1861 fuhr von diesem Bahnhof der erste Zug nach Moskau. Seine Fassade ist im Stil der italienischen Renaissance gehalten - sieht man einmal von dem Uhrentürmchen in der Mitte ab. Vor dem Bahnhof liegt der verkehrsreiche Platz des Aufstands. In seiner Mitte erhebt sich ein 33 m hoher Obelisk, der 1985 zum 40. Siegestag im Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Als Gegenpart zur 3 km entfernten Admiralität markiert er das Ende der Newski-Perspektive. Pl. Wosstanija 2 | Metro: Pl. Wosstanija

Wladimir-Kathedrale/Wladimirski sobor

Äußerlich europäisch-barock, weist diese hübsche, von fünf Kuppeln gekrönte Kirche (1761-83) eine typische Besonderheit des orthodoxen Kirchenbaus auf: Sie ist zweigeschossig. Der Hauptkirchensaal mit einer üppigen Ikonostase befindet sich im Obergeschoss, die Unterkirche kann leider nicht besichtigt werden. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der den Baumeistern Bartolomeo Rastrelli und Giacomo Quarenghi zugeschriebenen Architektur: In dieser blitzblanken Kirche ist das religiöse Leben immer in Gang. Junge wie alte Gläubige beten vor den vielen goldenen Ikonen, riesige Kerzenleuchter knistern vor sich hin, aus einem Blechtank wird „Heiliges Wasser“ ausgeschenkt, und an einem Kiosk verkauft man Kerzen, Ikonen, Anhänger und Broschüren - und bietet die Erwähnung von Verstorbenen im Gebet des Priesters an. Gottesdienste tgl. 9-18 Uhr, Liturgie So 7 und 10 Uhr | Wladimirski Prospekt 20 | Metro: Wladimirskaja, Dostojewskaja

Artilleriemuseum/Musej artillerii

Offiziell heißt es „Militärhistorisches Museum der Artillerie, Pioniertruppen und Fernmelder“ - und entsprechend dröhnend ist die Ausstellung. Die enorme Ansammlung von Geschützen und Kettenfahrzeugen im Hof findet im Innern ihre Fortsetzung - bis hin zu einer Sonderausstellung zum Lebenswerk von Michail Kalaschnikow. Das größte Militärmuseum der Welt wurde 1869 im hufeisenförmigen Kronwerk einquartiert, einem Munitionsmagazin auf den Bastionen, die die Peter-Paul-Festung auf der Landseite abschirmten. Mi-So 11-18 Uhr, letzter Do im Monat geschl. | Nab. Kronwerkskaja | 300 Rbl | Metro: Gorkowskaja

Aurora/Krejser Avrora

Mit einem Blindschuss aus der Bugkanone des in der Newa liegenden Panzerkreuzers wurde am 25. Oktober 1917 das Signal zum Sturm auf den Winterpalast gegeben - womit die Oktoberrevolution begann. An Bord des Schiffes ist zwar nur von einem Böller zur Prüfung der Wachsamkeit der umliegenden Schiffe die Rede. Aber die Legende war stärker, das 1900 vom Stapel gelaufene Kriegsschiff wurde zur Revolutionsikone. Im Innern gibt es eine Ausstellung über die Geschichte des Schiffes und der russischen Flotte. Gezeigt werden auch Gastgeschenke, die offizielle Delegationen im Lauf der Jahrzehnte an Bord hinterließen - eine unfreiwillig komische Schau unnützer Dinge. Di-Do und Sa/So 10.30 bis 16.30 Uhr | Nab. Petrogradskaja | Ecke Nab. Petrowskaja. | Eintritt frei | www.aurora.org.ru | Metro: Gorkowskaja, Pl. Lenina, Straßenbahn: 6

Dreifaltigkeits Brücke/Troizki most

St. Petersburgs eleganteste Newa-Brücke wurde 1903 dem Verkehr übergeben. Lampen, Geländer und Oberleitungsmasten zeigen Jugendstileinflüsse. Von der 580 m langen Brücke bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf das Herz der Stadt: die weite Wasserfläche der Newa, umrahmt von Festung, Strelka und den Palästen am Schlossufer. April-Nov. tgl. 1.40-4.50 Uhr hochgeklappt | zwischen Pl. Troizkaja und Pl. Suworowa | Metro: Gorkowskaja

Häuschen Peters des Großen/Domik Petra Perwogo

Nur drei Tage brauchte man im Mai 1703, um nahe der Festungsbaustelle für Peter I. ein Blockhaus zu errichten. Der Zar lebte hier zwar nur einige Wochen, aber als erstes Gebäude der neuen Hauptstadt kam es dennoch zu Ehren: 20 Jahre später ordnete Peter an, über seinem Domizil ein Schutzdach zu errichten, um es der Nachwelt zu bewahren. 1844 entstand dann ein Ziegelgebäude, das bis heute die Hütte wie eine Matrioschka umschließt. Durch die Fenster kann man in Petersburgs „Ersten Palast“ (so der alte offizielle Name) hineinsehen: Mehr als ein Esszimmer, ein Kabinett sowie eine winzige Schlafkammer brauchte der zum Understatement neigende Zar nicht. Mi-So 10-18, Mo 10-17 Uhr, letzter Mo im Monat geschl. | Nab. Petrowskaja 6 | 200 Rbl | www.rusmuseum.ru | Metro: Gorkowskaja

Kamenoostrowski Prospekt

Die Ausfallstraße in Richtung Norden zeugt von dem Bauboom, der 1903 nach Eröffnung der Troizki-Brücke auf der Petrograder Seite einsetzte und mit dem Ersten Weltkrieg jäh abbrach. Nördlicher Jugendstil sowie Neoklassizismus waren damals modern - und wohlhabende Künstler, Politiker und Unternehmer zogen gerne in die hellen und originell gestalteten komfortablen Wohnhäuser um. Besonders schön ist der Österreichische Platz (Awstrijskaja Ploschtschad): Drei der vier Eckhäuser (Nr. 13, 16, 20) wurden in feinstem Jugendstil zwischen 1902 und 1906 von Wassili Schaub errichtet. Metro: Gorkowskaja, Petrogradskaja, Bus: 46

Moschee/Metschet

Ein weithin sichtbares Symbol für die religiöse Toleranz des Zarenreiches ist die 1910-14 nahe der Festung errichtete nördlichste Moschee der Welt. Die Architekten kombinierten dabei Elemente des mittelalterlichen Gur-Emir-Mausoleums in Samarkand mit Jugendstilmotiven. Sehenswert ist das mit kunstvollen blauen Majolikakacheln ausgekleidete Hauptportal. Freitags um 15 Uhr versammeln sich hier viele Moslems. Außerhalb der Gebetszeiten kann das Innere besichtigt werden. Aber nicht vergessen: Am Eingang Schuhe ausziehen! Kronwerkski Prospekt 7 | Metro: Gorkowskaja

Museum für politische Geschichte/Musej polititscheskoi istorii

Einst hieß es „Museum der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“. Heute versucht man, Politik und Alltag in der Zaren- und Sowjetzeit zu beleuchten. Untergebracht ist das Museum in zwei prächtigen Jugendstilvillen, die vor 50 Jahren durch einen Eingangsbau verbunden wurden. Vor allem das linke, 1904-06 errichtete Haus ist von innen wie außen sehenswert: Hier residierte die vergötterte Mariinski-Primaballerina Matilda Kschesinskaja. In ihrer Villa nistete sich 1917 ein Stab der Kommunisten ein. Lenins Arbeitszimmer ist deshalb ein ewiges Exponat dieses noch reichlich Sowjetaura ausstrahlenden Museums. Fr-Mi 10-18 Uhr, letzter Mo im Monat geschl. | Ul. Kujbyschewa 2-4 | 150 Rbl | www.polithistory.ru | Metro: Gorkowskaja

Peter-Paul-Festung/Petropawlowskaja Krepost

Die Festung auf der Haseninsel ist der Kern, aus dem sich St. Petersburg entwickelte. Zunächst wurden auf dem nur 750 m langen Eiland Erdwälle aufgeworfen und Holzpalisaden errichtet. Es entstanden sechs Bastionen, die nach ihren „Bauleitern“ benannt wurden - einer davon war der Zar selbst. 1706 übernahm der Tessiner Baumeister Domenico Trezzini dann die Aufgabe, die Wälle durch mächtige Ziegelmauern zu ersetzen, was bis 1740 dauerte. Dabei entstanden in West und Ost noch die zwei Ravelin genannten Vorwerke. Später verkleidete man die der Stadt zugewandte Seite mit Granit. Gedacht war die Zitadelle zum Schutz der Newa-Mündung vor den Schweden - doch musste sie sich nie eines Angriffs erwehren. Deshalb diente sie bald mehr als Gefängnis und als Familienfriedhof der Romanow-Dynastie. Heute ist die Festung ein ruhiger Museumskomplex - und faktisch die größte Fußgängerzone der Stadt.

Das wichtigste Bauwerk ist die Peter-Paul-Kathedrale. Eine erste hölzerne Kirche wurde schon 1703 inmitten der Wälle errichtet. 1712 begann Domenico Trezzini mit dem Bau eines Gotteshauses, das als weithin sichtbares Symbol für Russlands aufstrebende Macht dienen sollte: Sein Barockstil war für das Land völlig neu und westlich-modern - und die 122,5 m hohe Turmnadel beeindruckte die Zeitgenossen. Auf ihrer Spitze balanciert eine Engelsfigur. Im Turm ist ein großes Glockenspiel eingebaut. Im Sommer kann es bei Führungen (12, 14, 16 Uhr) besichtigt werden.

Die Kathedrale wurde zur neuen Grablege der Zarenfamilie bestimmt: Im von einer prächtigen vergoldeten Ikonostase beherrschten Kirchensaal sind fast alle russischen Monarchen bestattet. Die Gräber der beiden „großen“ Zaren, Peter I. und Katharina II., befinden sich rechts vorne. Was wie Sarkophage aussieht, sind nur Grabaufsätze aus Carraramarmor: Die Särge befinden sich in Grüften 2,5 m tiefer. Um 1900 baute man eine Grabkapelle für Großfürsten an. Die 1918 in Jekaterinburg erschossene Familie des letzten Zaren Nikolaus II. wurde genau 80 Jahre später in einer Seitenkapelle rechts vom Eingang beigesetzt. Frische Blumen zeigen, wie populär manche Zaren noch heute sind.

Alle anderen Sehenswürdigkeiten erschließt ein Rundgang: Wer von der Metrostation Gorkowskaja kommt, erreicht die Festungsinsel über die Johannesbrücke. Das erste Tor führt in einen Vorhof. Links befindet sich ein neues Informations- und Kassencenter. Die eigentliche Festung betritt man dann durch das Peter-Tor. Es wurde 1718 von Domenico Trezzini errichtet. Das Relief über dem mächtigen Zarenadler zeigt den „Sturz des Simon durch den Apostel Petrus“ - wobei dieser die Gesichtszüge seines Namensvetters, des Zaren, trägt.

Links vom Peter-Tor befindet sich der Eingang zu einem 97 m langen Gang in der Festungsmauer, der Poterna. Er führt zu einer Kasematte tief in der Herrscherbastion. Diese ungewöhnlichen Räume werden für Ausstellungen und Kunstaktionen benutzt. Auf der Innenseite der Herrscherbastion ist der Aufgang zu einem 300 m langen Aussichtssteg auf der Krone der Festungsmauer. Von dort bietet sich ein wunderbarer Blick auf die Newa und das historische Stadtzentrum. Am Ende dieses Weges sehen Sie auf der von einem Flaggenturm gekrönten Naryschkin-Bastion Kanonen. Hier wird aus alter Tradition jeden Tag Punkt 12 Uhr ein weithin hörbarer Signalschuss abgefeuert. Nun lohnt es sich, zum Newa-Tor zurückzugehen. Tritt man durch das Tor auf den Schiffsanleger hinaus, so stehen links bei sonnigem Wetter (auch im Winter!) Sonnenanbeter an der warmen Festungsmauer.

Das Museum des alten Petersburg im Ingenieurshaus ist wenig sehenswert. Ganz anders das Kommandantenhaus: Es beherbergt das Museum Die Geschichte Petersburgs-Petrograds 1703-1918. Je weiter man durch die Zeit und die 28 Säle des Museums vordringt, umso schöner wird die Präsentation der Exponate: Jeder Raum behandelt ein Thema - sei es Armee, Schifffahrt, Industrialisierung, die Geschäfte am Newski Prospekt oder schließlich Küche und Badezimmer zu Anfang des 20. Jhs. Vor allem für Kinder entwickelt sich dieses Museum wegen seiner interaktiven Angebote zu einer wahren Entdeckungsreise.

Zwischen den beiden Häusern steht das 1991 errichtete Denkmal des Bildhauers Michail Schemjakin für Peter I. Es ist ganz anders als die sonstigen heroischen Zaren-monumente und deshalb bis heute umstritten: Der Leib ist riesig, der Kopf klein und kahl, die Finger lang - was alles als Allegorie auf den russischen Staat gedeutet werden kann.

Bevor Sie die Haseninsel über die Kronwerk-Brücke verlassen, lohnt sich ein Gang auf die westliche Inselspitze - wegen eines wunderbaren Blicks auf Strelka, Winterpalast und Isaakskathedrale. Insel und Festung: tgl. 6-22 Uhr frei zugänglich; Kathedrale und alle Museen: Do-Mo 10-18, Di 10-17 Uhr (Kathedrale Mai-Sept. tgl. 10-19 Uhr); Aussichtssteg tgl. 10-22, Okt.-April 10-20 Uhr | Kathedrale 150 Rbl, alle anderen Punkte 60 Rbl, Kombi-Eintrittskarte 250 Rbl (10 Tage gültig) | Metro: Gorkowskaja

Anleger mit Sphinxen/Pristan so sfinksami

1832-34 wurde am Newa-Ufer vor dem monumentalen Bau der Kunstakademie einer der stimmungsvollsten Orte der Stadt gestaltet: Links und rechts einer breiten Granittreppe wurden in Ägypten angekaufte Sphinxe aufgestellt. Die aus dem 14. Jh. v. Chr. stammenden Steinkolosse tragen die Gesichtszüge von Pharao Amenophis III. und waren in Theben ausgegraben worden. Zusammen mit den originellen geflügelten Bronzelöwen, die zu ihren Füßen steinerne Sitzbänke abschließen, bilden die Sphinxe eines der beliebtesten Petersburg-Fotomotive. Nab. Universitetskaja 1 | Trolleybus: 1, 10, Bus: 7

Kunstkammer/Kunstkamera

Der Name führt etwas in die Irre - eigentlich bedeutet er „Raritätenkabinett“. Doch so nannte der wissbegierige Peter I. seine Sammlung anatomischer Präparate und wissenschaftlicher Geräte. 1734 fertiggestellt, nahmen die Räume des ersten Museums Russlands einen Flügel ein, die erste wissenschaftliche Bibliothek des Landes den anderen. In der Mitte unter dem Turm befand sich ein Anatomiesaal, darüber ein astronomisches Observatorium. Heute beherbergt das Gebäude das Museum für Anthropologie und Ethnografie, das zahlreiche Exponate der Petrinischen Sammlung geerbt hat - darunter auch die schwer auf den Magen schlagende Kollektion von in Alkohol eingelegten Missgeburten. Ansonsten handelt es sich um ein etwas muffiges, aber umfangreiches Museum der Weltkulturen.

Im dritten Stock befindet sich das Lomonossow-Museum, das an den hier 1741-65 tätigen Universalgelehrten und Begründer der russischen Wissenschaft erinnert. Nur über eine enge Wendeltreppe zu erreichen ist zwei Etagen höher der Gottorper Globus. Dieses einzigartige mechanische Planetarium wurde von dem Gelehrten Adam Olearius 1650-64 auf Schloss Gottorf in Holstein gebaut und 1713 dem Zaren geschenkt. Was außen wie eine Weltkugel aussieht, bietet im Innern auf einer runden Bank bis zu einem Dutzend Personen Platz. Versetzte man den Globus in Drehung, konnten sie den Lauf der Gestirne am gemalten Himmel verfolgen. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen von speziellen Führungen möglich (1 Std., 1200 Rbl für 1-4 Pers., auf Engl. oder Dt., tel. Anmeldung erbeten). Di-So 11-18 Uhr außer letzter Di des Monats | Nab. Universitetskaja 3 | 200 Rbl | Tel. 3281412 | www.kunstkamera.ru | Trolleybus: 1, 10, Bus: 7

Menschikow-Palais/Dworez Menschikowa

Das 1710-14 erbaute Anwesen des ersten Generalgouverneurs der Stadt, Alexander Menschikow, spielte in der Ära Peters des Großen eine Schlüsselrolle: Unter den wenigen ersten Steingebäuden war dies das prächtigste und größte - weitaus repräsentativer als die Behausungen des Zaren. Deshalb wurden hier hohe Gäste empfangen, Siege und Saufgelage - Peters berühmt-berüchtigte „Assembleen“ - gefeiert. Menschikow hatte seine Stellung als engster Freund des Zaren nicht nur für eine Karriere, sondern auch zur schamlosen Bereicherung genutzt. Entsprechend luxuriös staffierte er das Gebäude aus. 1727 wurde Menschikow verbannt, sein Vermögen eingezogen. Auf diese Weise gelangte ein Teil der Innenausstattung in die Eremitage - die gut 250 Jahre später hier eine Filiale einrichtete: In der Ausstellung Russische Kultur Anfang des 18. Jhs. kann man gut den Lebensstil der oberen Zehntausend der jungen Hauptstadt studieren. Di-Sa 10.30-18, So 10-17 Uhr | Nab. Universitetskaja 15 | 200 Rbl | www.hermitage.ru | Trolleybus: 1, 10, Bus: 7

Strelka

Der Name Strelka (russ.: Pfeil) steht nicht unbedingt im Stadtplan. Offiziell heißt das Areal an der Inselspitze der Wassili-Insel Börsenplatz. An dieser Newa-Gabelung befand sich von etwa 1730 bis 1880 der Petersburger Hafen mit Kais, Zoll, Packhäusern und einem großen Markt für die Importgüter. Handel und Schifffahrt wurden auch bei der architektonischen Gestaltung zu den beherrschenden Elementen: 1810 wurden von Thomas de Thomon die beiden rostroten Rostrasäulen errichtet. Einerseits trugen sie Leuchtfeuer (heute befinden sich dort Gasfackeln, die nur an Feiertagen entzündet werden), andererseits handelt es sich um maritime Denkmäler: Zu ihren Füßen sitzen allegorische Figuren der Flüsse Wolga, Dnjepr, Newa und Wolchow. Aus den Flanken ragen Schiffsschnäbel (lat.: Rostrum). Zentrum von Thomons Ensemble ist der tempelartige Bau der Börse (1805-10). Seit 1940 befindet sich darin das Museum der Kriegsmarine (Mi-So 11-18 Uhr), das weitgehend der Sowjetflotte gewidmet ist. Der Eintrittspreis auf Eremitage-Niveau rechtfertigt einen Besuch jedoch nur für echte Nautikfans.

Von der Inselspitze aus gesehen, gruppieren sich die goldenen Turmnadeln von Admiralität und Peter-Paul-Kathedrale, die Kuppel der Isaakskathedrale, der Winterpalast und drei Klappbrücken um die weite Wasserfläche der Newa und bilden so ein festlich gerahmtes, einzigartiges Stadtpanorama. Eine 2006 eingerichtete Attraktion sind die Wasserspiele, die diesen klassischen Anblick - je nach Geschmack - verstellen oder schmücken. Die Fontänen sind sommers Mi, Do und So von 12 bis 0.20, Fr/Sa Abend bis 1.20 Uhr in Betrieb - zu gewissen Zeiten auch mit Musik-, Licht- und Laserbegleitung. Pl. Birshewaja | Trolleybus: 7, Bus: 10

Zwölf Kollegien/Dwenadzat Kollegi

Das heutige Hauptgebäude der St. Petersburger Staatsuniversität ist ein Unikum: 1722-42 wurden zwölf identische Gebäude für Senat, Synod und die zehn Ministerien des Staates errichtet. Stadtplaner Domenico Trezzini setzte sie wie Reihenhäuser aneinander - und verband alle durch einen Laubengang auf der Rückseite. Beim Umbau zur Universität in den 1830er-Jahren entstand so ein 399 m langer Korridor. Nab. Universitetskaja 7 | Trolleybus: 1, 10, Bus: 7

Eremitage-Magazin/Fondochranilischtsche Eremitasha

Seit 1990 baut die Eremitage im Norden der Stadt an einem High-Tech-Komplex zur Lagerung und Restaurierung ihrer Kunstschätze. Seit 2003 ist er teilweise in Betrieb - und das Besondere daran: Dieser Hochsicherheitstrakt für Kunst kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden! Bilder und Skulpturen sind eher lagerhausartig untergebracht, doch die riesige Möbelsammlung ist durch einen Glaskorridor erschlossen. Auch das riesige Prunkzelt des türkischen Sultans Selim III. kann von innen und außen besichtigt werden - bleibt dabei aber doch hinter Glas. Weitere Höhepunkte sind das ferngesteuerte Teppichtheater für acht riesige flämische Wandteppiche sowie die Zarengarage voller erstaunlicher Kutschen und Sänften. Führungen (1,5 Std.) Mi-So 11, 13, 13.30, 15.30 Uhr | Ul. Sausadebnaja 34 a | 300 Rbl | Tel. 3449226 | www.hermitage.ru | Metro: Staraja Derewnja

Konstantin Palast/Konstantinowski dworez

Schon Peter I. ließ in Strelna einen großen Steinpalast bauen, realisierte seine Idee vom „russischen Versailles“ dann aber in Peterhof. Im 19. Jh. residierten in dem mächtigen Barockschloss an der Ostseeküste nacheinander drei Romanow-Großfürsten namens Konstantin. Später waren hier Schulen untergebracht, doch ab 1990 stand der durch Kriegsschäden und Brände ruinierte Palast leer. 2001 beschloss der Kreml, das Dornröschenschloss zu Russlands Repräsentationsobjekt Nr. 1 zu machen: Innerhalb von 18 Monaten wurde es generalsaniert und zum Kongresspalast umfunktioniert, in dem zum 300. Stadtjubiläum 2003 Präsident Putin 45 Staatschefs empfing. 2006 fand hier ein G-8-Gipfel statt. Tgl. 10.30-18.45 Uhr (sofern keine Großveranstaltungen) | Strelna | Berjosowaja Alleja 3 | nur Führungen 170-280 Rbl | Tel. 4385360 | Anfahrt (ca. 20 km): ab Metro Awtowo Straßenbahn 36 bis Endstation oder Bus 200 sowie ab Metro Leninski Prospekt Bus 103, 224, 420

Peterhof/Petergof

4,5 Mio. Besucher im Jahr können nicht irren: Das „russische Versailles“ ist ein Touristenmagnet - und an Sommerwochenenden hoffnungslos überfüllt. Mehr noch als der Große Palast - ein 300 m langer Barockbau - ist der edle Park mit seiner Fontänenvielfalt Zeugnis für die Prachtentfaltung der russischen Monarchie.

Peterhof wurde in seinen Grundzügen von Peter I. als Lustschloss und Prunkresidenz erdacht. Kanäle und Teiche im Hinterland und 15 m Höhenunterschied zum unteren Park erlaubten die Anlage von Wasserspielen. 1714-23 entstanden alle wesentlichen Elemente des Schlossareals, wenngleich Peters Tochter Elisabeth um 1750 den Palast von Bartolomeo Rastrelli noch erweitern und umgestalten ließ. Im Obergeschoss können 27 Räume und Säle besichtigt werden, die sich in Reichtum, Originalität und Schönheit gegenseitig zu übertreffen versuchen. Die vorherrschende Farbe ist Gold. Ausreißer aus der barocken Pracht sind zwei chinesisch gestaltete Zimmer sowie das Eichenkabinett von Peter I. Der Besuch der Besonderen Schatzkammer (Osobaja Kladowaja | 400 Rbl) im Westflügel lohnt sich nur für Russischkundige, die an einer Führung teilnehmen können: Die Luxusattribute verschiedener Zaren (von der Pillendose bis zum Thron) sind nämlich nicht beschriftet.

Die größte - und ebenfalls großzügig vergoldete - Sehenswürdigkeit befindet sich vor dem Palast: die Große Kaskade mit 138 Wasserstrahlern. Das Wasser fließt hier in ein großes Becken, das über einen Stichkanal mit der Ostsee verbunden ist. Zentrales Element dieser Komposition aus Wasser, Marmor, Bronze, Gold und Tuffstein ist die 1735 aufgestellte Samson-Fontäne: Der 20 m hohe Wasserstrahl kommt aus dem Maul eines Löwen, den Muskelmann Samson niedergerungen hat - eine Allegorie auf den 1709 bei Poltawa errungenen Sieg über die Schweden.

Der vom Kanal geteilte Untere Park erstreckt sich 2 km entlang der Küste. In jeder Hälfte gibt es eine weitere Kaskade sowie einen kleinen Palast: Im Westteil ist dies das Schlösschen Marli - ausgestattet mit Mobiliar und Kunstobjekten aus der Zeit Peters I. - und der eher strenge Goldene Berg. Interessanter ist jedoch der Ostteil mit der von wasserspeienden Drachen gespeisten Kaskade Schachbrettberg, Springbrunnen und dem Schlösschen Monplaisir (Do-Di 10.30-18 Uhr | Eintritt 300 Rbl). Seinen Kern bildet das einstöckige holländische Häuschen, das sich Peter I. direkt am Meer als erstes Gebäude Peterhofs errichten ließ.

Mittelpunkt des streng geometrischen Oberen Parks ist der Neptun-Brunnen. Er sollte eigentlich 1688 auf dem Nürnberger Hauptmarkt aufgestellt werden, was aber an mangelndem Geld und Wasserdruck scheiterte. Ein Jahrhundert später kaufte der spätere Zar Paul I. das eingemottete Kunstwerk. In den Nebengebäuden östlich davon gibt es einige interessante Museen: Das Benois-Museum über die gleichnamige Künstler- und Architektenfamilie, das Spielkartenmuseum und die Ausstellung Kaiserliche Fahrräder - denn auch die Romanows liebten es, von Zeit zu Zeit in die Pedale zu treten. Park tgl. 9-19 Uhr, Fontänen 11-17 Uhr | 300 Rbl (Mai-Sept.) | Großer Palast Di-So 10.30-18 Uhr außer letzter Di im Monat | 500 Rbl | Petrodworez | Sankt-Peterburgski Prospekt 47 | Anfahrt (ca. 30 km): per Tragflügelboot (30 Min.) von der Eremitage direkt zum Park, ca. 350 Rbl, bis zur Bushaltestelle direkt vor dem Palast: von Metro Awtowo Bus 424, von Metro Leninski Prospekt Bus 224

Piskarjowskoje-Gedenkfriedhof/Piskajowskoje memorialnoje kladbischtsche

Dieses Gräberfeld ist der bedrückendste Ort der Stadt: Während der Blockade 1941-44 wurden hier 470000 Leningrader in Massengräbern bestattet - die meisten von ihnen waren verhungert oder erfroren. Zentrales Element der 1960 eingeweihten Gedenkstätte ist eine Figur der „Mutter Heimat“, die geflochtenes Eichenlaub in den Händen trägt. In den beiden Eingangspavillons dokumentiert eine kleine Ausstellung das elende Leben und Sterben der Stadtbevölkerung während der knapp 900 Tage dauernden Belagerung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Tgl. 10-18 Uhr | Prospekt Nepokorjonich 74 | Eintritt frei | Metro: Pl. Mushestwa, weiter mit Bus 123 oder 138

Schemjakin-Sphinxe/Monument shertwam polititscheskich repressii

1995 schuf der in die USA emigrierte Bildhauer Michail Schemjakin ein eindrucksvolles Denkmal für die Opfer des Stalinismus: Am Newa-Ufer, genau gegenüber dem riesigen Kresty-Gefängnis, stellte er zwei der für Petersburg so typischen Sphinxen auf. Doch seine Exemplare sind ausgemergelt - und ihre Köpfe zur Hälfte skelettiert. Nicht nur angesichts der Profanität vieler Denkmäler, die in nachsowjetischer Zeit in Petersburg aufgestellt wurden, ist dies eine herausragende Neuschöpfung. Nab. Robespierre gegenüber Haus 12 | Metro: Tschernyschewskaja

Siegesplatz/Ploschtschad Pobedy

Seit 1975 markiert das Monument für die heldenhaften Verteidiger Leningrads die südliche Stadtgrenze am Ende des Moskauer Prospekts - unübersehbar für jeden Besucher, der vom nahen Flughafen kommt. Ein 48 m hoher Obelisk überragt eine Monumentalskulptur im Stil des sozialistischen Realismus: Ein offener Ring symbolisiert die 1944 durchbrochene Blockade - und gusseiserne Kämpfer stürmen heroisch dem Feind entgegen. Weitaus subtiler ist der unterirdische Gedenksaal: Mit Originalexponaten, Dokumentarfilmaufnahmen und dem damals vom Radio übertragenen Ticken eines Metronoms als Puls der um ihr Leben kämpfenden Stadt wird der Schrecken dieses Geschichtskapitels begreiflich. Do-Di 11-18 Uhr | Pl. Pobedy | Eintritt frei | Metro: Moskowskaja

Smolny-Kloster/Smolny monastir

Wo die von Süden kommende Newa jäh nach Westen schwenkt, steht diese im russischen Barockstil errichtete himmelblaue Klosteranlage von meisterhafter Schönheit. Eigentlich wollte Zarin Elisabeth Petrowna, eine Tochter Peters I., in dieser damals abgeschiedenen Ecke ein Frauenkloster als ihre Altersresidenz errichtet sehen. 1748 begann man mit dem Großprojekt. Doch die Weihe der majestätischen, von fünf Turmspitzen gekrönten Kathedrale erfolgte erst 1835, denn zwischenzeitlich war das Geld ausgegangen. Und auch als Kloster wurde die Anlage faktisch nie genutzt, denn schon 1764 wurde hier ein Erziehungsinstitut für höhere Töchter eingerichtet.

Für dieses „Smolny-Institut“ wurde rechts daneben Anfang des 19. Jhs. ein nobler Neubau errichtet, der später Geschichte machen sollte: Hier waren im Revolutionsjahr 1917 der Arbeiter- und Soldatenrat und die Bolschewiken eingezogen, die mit Lenin an der Spitze im Oktober die Macht ergriffen. Bis März 1918 war das einstige Mädcheninternat die Regierungszentrale des Sowjetstaates. Heute ist „der Smolny“ Sitz der Stadtregierung, und in den Klosterbauten befinden sich Behörden und eine Hochschulfakultät. Zu besichtigen sind die Gebäude deshalb nur von außen - mit Ausnahme der Kathedrale, wo man zu einer Aussichtsplattform auf einem Glockenturm aufsteigen kann. Das Kircheninnere wird gegenwärtig renoviert und ist nur zu Konzerten zugänglich. Do-Di 11-19 Uhr (im Sommer 10-20 Uhr) | Pl. Rastrelli | 100 Rbl | www.cathedral.ru | Bus: 46, 74, 136

U-Boot „Narodowolez“/Podwodnaja lodka D-2

Anders als die meisten Kriegerdenkmäler ist das am Messegelände aufgebockte Museums-U-Boot ein höchst anschauliches Monument: Begleitet von einem Führer, steigen Sie durch die Schotten des erschreckend engen Rumpfes und erhalten Funktionen und den Alltag der 53 Seeleute an Bord erklärt. Das U-Boot war 1929 vom Stapel gelaufen und im Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Mi-So 11-17 Uhr außer letzter Do des Monats | stdl. russ. Führungen | Schkiperski Protok 10 | 300 Rbl | Metro: Primorskaja, Bus: 7, Trolleybus: 10

Zarskoje Selo

Im „Zarendorf“ befand sich das - inzwischen rekonstruierte - legendäre Bernsteinzimmer. Doch Puschkin (wie der Residenzvorort seit 1937 heißt) wäre auch ohne dieses Weltwunder den Ausflug vor die südlichen Stadtgrenzen allemal wert:

Herz des Schlossensembles ist der Katharinenpalast, der nach Katharina I., der Ehefrau und Nachfolgerin von Peter dem Großen, benannt ist. Sie ließ hier 1717-24 ein Schloss und einen akkuraten Park anlegen.

Besucher betreten das Obergeschoss über die üppig mit Stuck verzierte Paradetreppe, die so aber erst 1860 angelegt wurde. Der dann folgende Große Saal ist atemberaubend: Fensterreihen öffnen sich auf beide Seiten zum Park, dazwischen reflektieren große Spiegel das Licht - und der verbleibende Platz wurde mit vergoldetem, barockem Schnitzwerk überreich dekoriert. Darüber spannt sich ein 860 m² großes Deckengemälde namens „Russlands Triumph“, das den Saal perspektivisch erhöht. An den Saal schließen sich drei ebenfalls in Gold getauchte Vorzimmer an, deren Interieur erst unlängst rekonstruiert wurde.

In der Gegenrichtung beginnt die Goldene Enfilade: Eine lange Zimmerflucht aus zehn in barocker Üppigkeit ausgestalteten Räumen, die einst als Speisezimmer, Bildergalerie oder Empfangsräume dienten. In ihrer Mitte betritt man als Höhepunkt das Bernsteinzimmer: Drei Wände des 96 m² großen Raumes sind mit 500000 Bernsteinscheibchen passgenau belegt. Aus Bernstein wurden auch Gravuren, Figuren, Bilderrahmen und Ornamente geschaffen - man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll. Handwerklich ist dieses weltweit einmalige Raumdesign zweifellos ein Meisterstück - darüber, ob sein künstlerischer Wert den legendären Ruf rechtfertigt, darf man geteilter Meinung sein. Doch mehr zählt der ideelle Wert: Das farblich zwischen Waldhonig und Rinderfilet changierende Bernsteinpuzzle war schon immer ein Gradmesser in den deutsch-russischen Beziehungen. 1717 schenkte der preußische König Friedrich Wilhelm I. dem Zaren Peter I. als Zeichen der guten Beziehungen ein Bernsteinkabinett. Vier Jahrzehnte später wurden die nur für eine Kammer ausreichenden Wandpaneele ergänzt und damit ein Saal im Katharinenpalast dekoriert. Während der Blockade Leningrads verschleppte die Wehrmacht dann das Meisterwerk nach Königsberg. Als die Sowjetarmee 1945 die Stadt eroberte, verlor sich die Spur des Beuteguts: Vermutlich ist es dort verbrannt. 1979 beschloss die Sowjetregierung, das Bernsteinzimmer zu rekonstruieren.

Doch die aufwendige Rekonstruktion drohte an ihren Kosten zu scheitern, wäre 1999 nicht der deutsche Ruhrgas-Konzern mit 3,5 Mio. Dollar eingesprungen. Schließlich tauchten in Deutschland noch eine Kommode und eines der vier Steinmosaike mit allegorischen Darstellungen der menschlichen Sinne auf. Diese privaten Beutestücke kehrten 2000 zurück - und 2003 wurde das vollendete Bernsteinzimmer wieder feierlich eröffnet.

Links vor dem Palast schuf der Schotte Charles Cameron einen Bäderkomplex im Stil römischer Thermen: In der luftigen Cameron-Galerie kann eine Ausstellung (Do-Di 10-17 Uhr) über Alexander II. besichtigt werden. Die nobelsten Räume, die mit Halbedelsteinen ausgekleideten Achatzimmer, sind jedoch zur Restaurierung auf Jahre geschlossen. Dafür entschädigt ein Spaziergang durch den um einen See angelegten Landschaftspark - er gleicht einer Entdeckungsreise, denn Pavillons, Tore und Brücken warten mit den verschiedensten Stilen auf: Türkisch, chinesisch, gotisch, griechisch - selbst Ruinen wurden der Romantik zuliebe hier eigens errichtet.

Vor allem historisch interessant ist der 1792-96 etwa 400 m nördlich errichtete Alexanderpalast (Mi-Mo 10-17 Uhr außer letzter Mi im Monat | 300 Rbl). 1904-17 lebte hier der letzte Zar Nikolaus II. mit seiner Familie. Von hier aus wurden sie in die Verbannung und dann in den Tod geschickt. Katharinenpark tgl. 6-22, im Winter 9-17 Uhr | 160 Rbl | Katharinenpalast 10-17 Uhr außer Di und letzter Mo im Monat (für Individualbesucher 12-14 und 16-17 Uhr) | 520 Rbl | Stadt Puschkin | Ul. Sadowaja 7 | Anfahrt (ca. 25 km): per Bus K-342 von Metrostation Moskowskaja, per Vorortzug vom Witebsker Bhf. oder Metro Kuptschino bis Detskoje Selo, von dort 2,5 km mit Bus 371, K-517