Reisetipps Sri Lanka

Auftakt Sri Lanka Was für eine Insel!

Alles außer Schnee - das bietet die Tropeninsel im Indischen Ozean. Nicht mal so groß wie Bayern, präsentiert sich Sri Lanka in einer eindrucksvollen Vielfalt. Alte Ruinen und eine moderne Hauptstadt, weiße Strände und tiefgrüne Teeplantagen liegen nur wenige Autostunden voneinander entfernt. Zudem begeistert das Land mit einer reichen Flora und Fauna. In den Nationalparks tummeln sich Elefantenherden und vor der Küste Wale und Delphine. Sri Lanka ist zudem die Topdestination für Ayurvedakuren. Hervorragende Resorts sorgen dafür, dass die Besucher nicht nur erholt, sondern auch gesünder nach Hause kommen.

Wie eine Perle, so wirkt es auf der Landkarte, hängt die Tropeninsel am indischen Subkontinent - in Äquatornähe, wo seit altersher an weißen Palmenstränden und auf legendären Bergspitzen das Paradies vermutet wurde. Keinem anderen Land hat man schönere Namen gegeben.

In der Antike war vom Teich der roten Lotosblüten die Rede, von Lankadiva, der Insel der Götter, von Taprobane, dem kupferfarbenen Land. Auch Sri Lanka, der neue alte Staatsname, hat eine poetische Bedeutung: Strahlend schönes Land heißt, frei übersetzt, die Insel, die einige Jahrhunderte, während der europäischen Kolonialherrschaft, unter dem Namen Ceylon bekannt war.

„Es ist das Paradies, wahrhaftig, es ist das Paradies“, soll Hermann Hesse ausgerufen haben, als er 1911 mit dem Schiff Colombo erreichte. Wie der Dichter des „Siddharta“ haben viele frühe Reisende geschwärmt. Der Naturforscher Ernst Haeckel hat vor über 100 Jahren mehrere Monate im Süden der Insel verbracht, in Weligama, dem berühmten Ort der Stelzenfischer, den er Bellagama nannte, das schöne Dorf. Und Wilhelm Geiger, um die Wende zum 20. Jh. Deutschlands bedeutendster Indologe, schrieb in sein Tagebuch: „Zum erstenmal sah ich hier den ganzen märchenhaften, Augen und Sinne bestrickenden Zauber tropischer Vegetation.“

Ausgerechnet auf dieser von der Natur so üppig ausgestatteten Insel, mit den Zeugnissen einer weltweit bewunderten Hochkultur und den vielen Tempeln und Heiligtümern friedfertiger Weltanschauungen gesegnet, ausgerechnet hier war oft genug die Hölle los. Von 1983 bis 2003 hat ein blutiger Bürgerkrieg etwa 70000 Opfer gefordert und das Land und seine Wirtschaftsentwicklung gelähmt. Auch der Tourismus, nach Agrarprodukten wie Tee, Kokos oder Kautschuk wichtigster Devisenbringer, litt erheblich unter dem Bruderkampf. Die singhalesisch dominierte Staatsmacht versuchte, sich mit hartem Einsatz der tamilischen Separatisten zu erwehren. Diese, Mitglieder der größten Minderheit im Vielvölkerstaat, kämpften 20 Jahre, vorwiegend mit den Mitteln des Terrors, um einen eigenen Staat im Norden und Osten. Als endlich, nach erfolgreicher Vermittlung durch die Norweger, die Waffen schwiegen und sich die Menschen auf der Insel und ihre Besucher und Freunde Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden und damit auf einen ökonomischen Aufschwung machten, warf der Tsunami das Land erneut zurück. Die gewaltige Flutwelle riss am 26. Dezember 2004 über 35000 Menschen in den Tod und zerstörte ganze Küstenabschnitte. Lange schon sind die gewaltigen Schäden beseitigt, doch der wieder aufgeflammte Bürgerkrieg liegt wie eine bleierne Wolke über dem Land.

All diesen Schicksalsschlägen zum Trotz präsentieren sich die Sri Lanker als wunderbare Gastgeber, die ihren Besuchern mit Freude ihre Heimat zeigen: die Teegärten und Reisterrassen, die Stauseen aus der Antike, das Bergland mit Dschungeln und den Resten des ursprünglichen Regenwalds, gewaltige Wasserfälle, wildreiche Nationalparks mit Savannen und Mangroven. Immer häufiger machen sich die Urlauber für ein paar Tage vom Strand auf, um aktiv und zugleich behutsam diese Natur kennenzulernen. Sie wandern über die Hochebenen, sie fahren mit Kanus und Schlauchbooten die Flüsse entlang, sie nähern sich auf die landestypische Weise mit dem Bus und vor allem mit der Bahn den kulturellen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten. Auch die individuellen Rundreisen mit einem Mietwagen erschließen Land und Leute auf ideale und immer noch preiswerte Weise.

Mit einer Legende beginnt die Historie: Ein Königssohn aus Nordindien, Vijaya, angeblich Enkel eines Löwen (singha oder sinha auf Singhalesisch), landet mit 700 Kriegern auf der Insel. Auf ihn führen die Singhalesen - die „Löwenmenschen“ - ihren Ursprung zurück. Am Tag seiner Ankunft, so setzt sich die Legende fort, geht ein Adliger namens Siddharta Gautama in Nordindien ins Nirwana ein - als Buddha, der Erleuchtete. Das war um 480 vor unserer Zeitrechnung. 250 Jahre später bekehrte ein Sohn des großen indischen Kaisers Ashoka den König von Anuradhapura zum Buddhismus. Seither bestimmt die Religion des Erleuchteten den Alltag - und mit ihren Festen auch den Jahresrhythmus der Bevölkerungsmehrheit. Und genauso lange halten die Versuche der hinduistischen Tamilen an, sich ihren Anteil am Paradies zu sichern. Bis ins 20. Jh. machten sich europäische Mächte, die sich als Kolonialherren die Insel unterworfen hatten, den Zwist zu Nutze. Vor allem die Briten waren auch in diesem Teil der Welt Meister in der Kunst, zwei Gruppen gegeneinander auszuspielen. Sie bevorzugten in der Verwaltung die Tamilen, die ihnen wendiger und williger erschienen als die weit größere Gruppe der Singhalesen, die ihnen eher als stolze und an ihren Landbesitz gebundene Bauern gegenübertraten. Nach der Unabhängigkeit 1948 drehten jene, die sich immer schon für die Elite des Landes hielten, den Spieß um: Die Singhalesen unterdrückten nun Kultur und Sprache der Tamilen. Hass staute sich auf, der nach heftigen Unruhen 1983 in einen langen Bürgerkrieg mündete.

Auch in der Antike hatten sich friedliche Zeiten mit Kämpfen abgewechselt. Zwei besonders entspannte Epochen begründeten lange vor unserer Zeitrechnung - und später noch einmal im 11. Jh. - die Hochkultur, die wir heute so bewundern. Das waren die großen Königreiche, die zuerst von Anuradhapura, über 1200 Jahre lang, und danach für relativ kurze Zeit von Polonnaruwa aus regiert wurden. Vor allem in diesen beiden ehemaligen Königsstädten leuchten die weißen Kuppeln der buddhistischen Heiligenschreine - Dagobas genannt - aus dem tiefen Grün der Landschaft. Einen völlig anderen, nicht so kontemplativen Eindruck machen die Tempel der Hindus. Ihre Tortürme zieren bunte Darstellungen aus der Göttervielfalt dieser Weltanschauung.

Sri Lanka wird wohl nie das Paradies gewesen sein, das hier so oft beschworen wurde. Aber wer mit offenen Sinnen durchs Land reist, wird bald zustimmen: An vielen Stellen kommt die Insel unserer Vorstellung vom Garten Eden, allen Problemen zum Trotz, doch ziemlich nahe.