Reisetipps Spanien

Stichworte Spanien

Bevölkerung

Mit seinen 506000 km² ist Spanien mehr als zwölfmal so groß wie die Schweiz, wird dabei aber nur von etwa 45 Mio. Menschen bewohnt. Im internationalen Vergleich nimmt sich die Bevölkerungsdichte mit knapp 90 Ew. pro Quadratkilometer damit recht gering aus. An der Spitze der Besiedlung steht die Hauptstadt Madrid mit 3,2 Mio. im Kernbereich und über 6 Mio. Menschen im Großraum. Allerdings wohnen in Spanien nicht nur Spanier: Angelockt durch den Wirtschaftsaufschwung, hat das Land in jüngerer Vergangenheit riesige Einwanderungswellen geschluckt. Immigranten kommen vor allem aus Südamerika, speziell Ecuador und Kolumbien, doch auch aus dem nördlichen Afrika - als „Boat People“ oder über die beiden spanischen Exklaven in Marokko, Ceuta und Melilla. Wie einst zu Wirtschaftswunderzeiten in Deutschland, weiß der Staat um die Notwendigkeit des Zuzugs. Spaniens Geburtenrate steckt im Keller, die Gesellschaft überaltert, und die Zuwanderer sind bei der Art der Beschäftigung nicht wählerisch.

Blindenlotterie

Parkplätze, Rollstuhlrampen, behindertengerechte Zimmer - Spanien hat längst zu mitteleuropäischem Standard aufgeschlossen. Mit Blick auf soziale Fortschritte gehört die landesweit verbreitete Blindenorganisation ONCE (Organización Nacional de Ciegos Españoles) zu den Vorreitern. Sie unterhält Ausbildungszentren, vergibt Stipendien und hilft bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Die dazu notwendigen Gelder werden in erster Linie durch den Verkauf von Losen rekrutiert. Diese bekommt man an winzigen ONCE-Kiosken oder bei Straßenverkäufern, die oft mit einem lautstarken, lang gezogenen Para hoooyyy („Für heute“) auf die Ziehung am selben Abend aufmerksam machen.

Eta

Zu Zeiten der Franco-Diktatur, als das spanische Baskenland in jederlei Hinsicht unterdrückt wurde, ging 1959 aus radikalen Studentenkreisen die Terrororganisation Eta (Euskadi Ta Askatasuna, „Baskenland und Freiheit“) hervor. Ende der Sechzigerjahre begann die Eta ihren bewaffneten Kampf, der bis zum heutigen Tag andauert und mittlerweile knapp 1000 Menschenleben gefordert hat.

Gegenwärtig bleibt die Gewalt der Eta eines der brennendsten Probleme Spaniens. Zu den Opfern zählen vor allem Polizisten, Gemeinderatsmitglieder und Justizbedienstete. Trotz vielfacher Fahndungserfolge und einer intensivierten Zusammenarbeit zwischen spanischer und französischer Polizei hat man die Eta bis heute nicht in den Griff bekommen. Noch immer sind Schutzgelderpressungen von baskischen Industriellen an der Tagesordnung, und selbst Mitglieder kleiner Ortsparlamente sind mit Bodyguards unterwegs.

Für die Extremisten gibt es einzig die Unabhängigkeit - obwohl es vielen nicht einmal mehr darum zu gehen scheint, sondern lediglich um das Ausleben blinder Gewalt unter dem Deckmäntelchen „Freiheit fürs Baskenland“. Eine blutige, unsinnige Realityshow auf Spaniens Straßen. Ende offen.

Familiennamen

Spanier können die Kette ihrer Ahnen mühelos zurückverfolgen, denn in manchen Dokumenten reihen sich die übernommenen Familiennamen (apellidos) über Generationen hinweg aneinander. Im Alltag werden jedoch nur die beiden aktuellsten benutzt: der erste Nachname vom Vater, gefolgt vom ersten Nachnamen der Mutter (laut neuem Namensrecht kann die Reihenfolge allerdings auch umgekehrt sein). Dabei bleibt es das ganze Leben. Nehmen wir eine fiktive Carolina Pérez López als Beispiel, so hieß Carolinas Vater (oder Mutter) mit erstem Zunamen Pérez und die Mutter bzw. der Vater mit erstem Zunamen López. Für Auswärtige verwirrend ist, dass Eheleute - ob Frau oder Mann - ihren kompletten Namen immer behalten und auf dem Papier durch nichts ersichtlich ist, dass sie miteinander verheiratet sind.

Flamenco

Echter Flamenco ist alles andere als folkloristische Show, er ist ein Ausdruck tiefen, inneren Gefühls. Und so ist es kein Zufall, dass der Flamenco im heißen und heißblütigen Andalusien zur Perfektion reifte, entwickelt durch die einst aus Asien zugewanderten Zigeuner (gitanos). Tanz (baile), Gesang (cante) und Gitarrenspiel (toque) sind die drei Säulen des Flamencos, dessen Traditionen sich bis heute ständig weiterentwickeln. Mitunter fließen auch Strömungen aus Pop, Rock, Jazz und sogar Punk ein. Kommerzielle Flamencolokale (tablaos) in den andalusischen Zentren Granada, Córdoba, Jerez de la Frontera und Sevilla bieten mitunter beachtliche Qualität. Ansonsten bekommt man aktuelle Querschnitte bei diversen Flamencofestivals geboten; besonders populär ist die Flamencobiennale in Sevilla im September/Oktober in geraden Jahren.

Gitanos

Die sogenannten Zigeuner, auf Spanisch gitanos, sollen vor Jahrhunderten aus dem mittelasiatischen Raum her zugewandert sein und wurden schon zu Zeiten der Inquisition verfolgt. Allzu leicht wird eine gewisse „Zigeunerromantik“ mit temperamentvollen Schönheiten und Flamenco verklärt. In der Realität fristen jedoch viele gitanos ein Dasein im sozialen Abseits. Das hängt zum einen mit ihrer selbst gewählten Abschottung und der Pflege ihrer Traditionen zusammen, andererseits werden sie von der spanischen Gesellschaft nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen.

Mauren

Zwischen 711 und 1492 waren die Mauren knapp 800 Jahre auf der Iberischen Halbinsel präsent - und ihre Spuren sind keineswegs verweht. Die Alhambra in Granada, die Giralda in Sevilla und die Mezquita in Córdoba zählen zu Spaniens Besuchermagneten schlechthin. Noch im heutigen Spanisch zeugen zahlreiche Wörter von den vielen fruchtbaren Neuerungen, die Spanien der maurisch-islamischen Kultur verdankt - in Kunst und Wissenschaft wie in Alltag und Küche. Auch die sommerkühlen Innenhöfe (patios) mit ihrem Wandschmuck aus bunten Kacheln (azulejos) gehen auf die Mauren zurück. Im Spanien unserer Tage ist das morgenländische Erbe außerdem ganz wörtlich in aller Munde: Süßsaure Marinaden, escabeches, sind ebenso arabischen Ursprungs wie zuckersüßes Gebäck und der ajo blanco, eine herzhafte Kaltschale aus zerstoßenen Mandeln, Knoblauch und Olivenöl.

Medien

Spanier sind begeisterte Zeitungsleser und Fernseher. Meist ordert man beim Bäcker „Brot und Zeitung“, pan y periódico, doch viele Spanier gehen liebend gern ins Café oder in die Bar. Dort lassen sich die kostenlos ausliegenden Blätter bei Kaffee oder Wein studieren. Vergebens wird man Magazine wie „Spiegel“ oder „Focus“ suchen - entsprechende Zeitschriften gibt es in Spanien einfach nicht. Hier findet man keine kritische, sondern eine von Kirchen-, Macht- und Politikinteressen beeinflusste und manipulierte Medienlandschaft. Die höchste Auflage erzielt nicht etwa ein seriöses Blatt wie El País, sondern die täglich erscheinende Sportgazette Marca.

Dazu passt, dass TV-Übertragungen von Fußballspielen die höchsten Einschaltquoten erreichen. Ebenfalls beliebt sind Soap-Operas und tertulias, stundenlange Gesprächsrunden über dies und das, die vor allem vormittags über den Bildschirm flimmern. Auch im Radio finden tertulias hohen Anklang. Zum festen TVTagesrhythmus gehören die Nachmittagsnachrichten des ersten Programms (TVE 1) um 15 Uhr und die Abendnachrichten um 21 Uhr. Jede Sendung dauert etwa 40-45 Minuten und wetteifert bei Blutbadszenen um die Gunst der Zuschauer - denn die Senderkonkurrenz der Privaten, Antena 3 und Tele 5, schläft nicht und fährt ebenfalls pietätlose Bilder auf.

Politische Gliederung

Spanien ist eine Monarchie mit einem parlamentarisch-demokratischen Regierungssystem. Der König fungiert als Staatsoberhaupt und ist gleichzeitig Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Das Land setzt sich aus insgesamt 17 Autonomen Gemeinschaften (Comunidades Autónomas) zusammen, vergleichbar mit den deutschen Bundesländern: Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearen, Baskenland, Extremadura, Galicien, Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien-La Mancha, Kastilien und León, Katalonien, Madrid, Murcia, Navarra, La Rioja und València. Mit Ceuta und Melilla gibt es noch zwei kleine Exklaven in Marokko. Flächenmäßig größte Autonome Gemeinschaft ist Kastilien und León (94224 km²), die kleinste sind die Balearen (4992 km²).

In der Politlandschaft bestimmen zwei große Parteien das Bild: die Sozialistische Arbeiterpartei PSOE und die konservative Volkspartei PP. Bei den Parlamentswahlen 2008 konnte die PSOE mit José Luis Rodríguez Zapatero an der Spitze ihre Führungsrolle behaupten.

Sexuelle Gleichberechtigung

Im einstmals erzkatholischen Spanien sind die Krusten mehr und mehr aufgebrochen, der öffentliche Umgang mit Sexualität hat sich normalisiert. Immer mehr Paare leben „wild“ zusammen und schiffen sich - wenn überhaupt - erst jenseits der Dreißig in den Hafen der Ehe ein. Und das ist auch ganz legal für Personen gleichen Geschlechts möglich: Gays und Lesben können zu „Mann und Mann“ bzw. „Frau und Frau“ getraut werden. Damit einher geht in Spanien auch das Recht gleichgeschlechtlicher Paare auf Adoption, was der biologischen Logik mit „Doppelpapa“ oder „Doppelmama“ allerdings entgegensteht ...

Siesta

Die Siesta, jene legendäre Mittagsruhe von etwa drei Stunden (13.30/14 bis 16.30/17 Uhr), darf nicht als Ausgeburt spanischer Faulheit missverstanden werden. Sie hängt vielmehr mit den klimatischen Gegebenheiten zusammen: Man umgeht so die heißesten Arbeitsstunden, nimmt sich ausgiebig Zeit für die Hauptmahlzeit des Tages und ist im Gegenzug bis in den späten - kühleren - Abend hinein aktiv. Unter dem Strich arbeitet ein normaler Spanier sicher nicht weniger als sein mitteleuropäischer EU-Kollege. In Spaniens Norden ist die Siesta weniger zwingend, denn dort ist es oft nicht heißer als in manchen Gegenden Mitteleuropas. Doch Tradition ist Tradition ...

Stierkampf

Für viele Spanier sind Stierkämpfe (corridas de toros) aus der Volkskultur nicht wegzudenken, während sich die meisten Auswärtigen an dem ebenso blutigen wie unfairen Spektakel stoßen und die begeisterten Schilderungen Ernest Hemingways („Fiesta“, „Tod am Nachmittag“) nicht nachvollziehen können. Das stärkste Argument der Stierkampfbefürworter lautet, dass ohne die corridas die Zucht der Kampfstiere (toros bravos) schon längst erloschen wäre. Und noch ein Argument schieben die Befürworter hinterher: besser vier oder fünf Jahre lang frei auf der Weide und ein kurzes, schlechtes Ende als ein Leben in der Enge des Stalls mit Endziel Schlachthof.

Viele Kampfstiere wachsen auf den weiten Weiden Andalusiens heran; während der Zucht testet man ihren Kampfesmut. Stiere sind alles andere als Leichtgewichte, bei mannshoher Größe bringen sie 600 kg auf die Waage. Kleinere, jüngere Stiere, die novillos, werden bei novilladas eingesetzt: Kämpfe, bei denen sich Nachwuchstoreros behaupten müssen. Oft enden novilladas in einem blutigen Gestochere, bei dem nur den wenigsten der Todesstoß auf Anhieb gelingt. Learning by doing - der angehende Matador übt halt noch ...

Natürlich bewegen corridas Unmengen an Geld, von denen sowohl die professionellen Stierzüchter als auch die Toreros und ihre Teams (cuadrillas) profitieren. Viele Toreros werden in Spanien wie Fußballstars verehrt und fürstlich entlohnt. Ausgebildet werden sie in speziellen Schulen, in denen sie die Stierfechterkunst (tauromaquia) erlernen. Stierkampf ist ohne Zweifel eine der letzten Domänen des machismo, Frauen haben sich in den Arenen (plazas de toros) auf Dauer nicht durchsetzen können. Auch eine erfolgreiche matadora wie Cristina Sánchez hat sich aus der Männerwelt der corridas zurückgezogen.

In den eigenen spanischen Reihen - vielleicht unter dem Einfluss aus Mitteleuropa - hat sich das Blatt ein wenig zu wenden begonnen. Kataloniens Metropole Barcelona hat sich offiziell zur ersten Antistierkampfstadt (ciudad antitaurina) erklärt. An heiligen Stätten des Stierkampfs wie Madrid mit der Arena Las Ventas oder Sevilla mit der Arena La Maestranza interessiert das jedoch herzlich wenig. Und in Provinzarenen geht das Töten vor allem im Rahmen von Patronatsfesten munter weiter.

Wer sich dennoch eine corrida ansehen will, hat die Auswahl zwischen den teuren Plätzen im Schatten (sombra) und den preiswerteren in der Sonne (sol); auf der Mittelpreisschiene liegen Sonne und Schatten (sol y sombra). Eine corrida beginnt meist am späten Nachmittag gegen 18 Uhr und besteht aus sechs einzelnen Kämpfen, bei denen drei Toreros zum Einsatz kommen. Stierkampfsaison ist von Ostern bis Oktober.

Wirtschaft

Vom Land der Fischer und Bauern hat sich Spanien zu einer typischen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft gewandelt. Das Bruttoinlandsprodukt wächst jährlich um drei Prozent, doch auch die Inflation ist mit bis zu vier Prozent im europäischen Vergleich hoch. Die offizielle Arbeitslosenquote bewegt sich um die zehn Prozent der aktiven Bevölkerung.