Reisetipps Slowenien

Stichworte Slowenien

Auto fahren

Eigentlich wird den Slowenen ja Besonnenheit nachgesagt, doch beim Autofahren ist davon nichts zu spüren. Da wandelt sich der ruhige Familienvater zum Formel-1-Piloten, der begeistert durch die Dörfer brettert, die gestrenge Lehrerin liebt durchgehende Mittellinien, die sie erst recht dazu animieren, riskant zu überholen. Natürlich glaubt nicht jeder Slowene, in Schumis Ferrari zu sitzen, aber erstaunlich viele sind es doch, die mit ihrer Fahrweise das kleine Land in die vordersten Ränge der europäischen Unfallstatistik katapultiert haben. Seit der Unabhängigkeit versuchen Gesetzgeber und Polizei, dem lebensgefährlichen Treiben mit scharfen Bestimmungen und Kontrollen zu begegnen. Auch Touristen, die sich nicht an die Regeln halten, müssen mit hohen Geldbußen rechnen. Die Unfallzahlen sind in den letzten Jahren ein wenig gesunken, doch nach wie vor ist das Risiko, bei einem Verkehrsunfall zu Schaden zu kommen, in Slowenien höher als im übrigen Mitteleuropa.

Bären

Auf 450-550 Exemplare wird die Bärenpopulation in den Wäldern Sloweniens geschätzt; der Bestand wird durch Abschuss und Bärenexport stabil gehalten. Die meisten Tiere leben in der Region Notranjska. Gelegentlich wandert ein Ausreißer aber auch weiter und gelangt bis an die Küste oder bis nach Österreich. Die Slowenen haben ein gespaltenes Verhältnis zu den scheuen Tieren, denn als passionierte Wanderer, Pilz- und Beerensammler empfinden sie Meister Petz als Bedrohung. Tatsächlich kommt es ab und an zu Begegnungen zwischen Mensch und Bär. Zeitungen und Sender sind dann voll von Berichten über Bärenattacken und deren Folgen, die Anti-Bären-Allianz gewinnt dann wieder einmal Oberwasser, bis sich die Situation nach einigen Wochen wieder beruhigt.

Beziehungen

Zu Zeiten des sozialistischen Jugoslawien war es unumgänglich, die richtigen Leute zu kennen: Studienplatz, Arbeitsstelle, Waschmaschine - das Leben lief nur rund, wenn die Eltern altgediente Partisanen waren, der Onkel in der Partei, die Tante als Haushälterin in Österreich beschäftigt, der Neffe beim Zoll an der Grenze zu Italien. Jeder kannte irgendjemanden, der wusste, wo und wie man weiterkam. Nach der Unabhängigkeit riss das Netz der Verflechtungen und Verpflichtungen zwar an vielen Stellen, doch böse Zungen behaupten, nur die Farbe habe sich geändert, der Filz sei der gleiche wie eh und je.

Domače

Das gestirnte Firmament über uns und Hausgemachtes in uns: Das slowenische Universalwort für alles, was gut ist, heißt domače - aus heimischer Produktion, mit Liebe und Sorgfalt bereitet, nach Rezepten der Altvorderen und mit dem seit Generationen übertragenen Wissen. Kein noch so edler italienischer Schinken kann sich mit dem pršut vergleichen, den der Nachbar mit Sorgfalt gesalzen und geräuchert hat; kein Honig vom Markt schmeckt so, wie der vom Onkel im Nachbardorf, und mit dem selbst gekelterten Roten aus der Rebe über der Gartenbank der Tante kann sich auch ein prämierter Merlot nicht messen.

Kirche

Obwohl es die Protestanten waren, die im 16. Jh. dafür sorgten, dass die ersten Bücher in slowenischer Sprache erschienen, sind die Slowenen bis heute zutiefst dem katholischen Glauben verpflichtet. Auch die sozialistische Ära konnte daran nichts ändern, wenngleich Kirchgänger durchaus mit gesellschaftlichen Sanktionen zu rechnen hatten. Besonders Wallfahrten haben es den Slowenen angetan, und an den vielen hohen Marienfeiertagen huldigt man der Mutter Gottes mit besonderer Inbrunst. Doch trotz aller Volksfrömmigkeit sind die Slowenen Pragmatiker und lehnen z.B. die Einführung eines konfessionsgebundenen Religionsunterrichts in den Schulen ab.

Kremšnite

Feinste Schichten krossen Blätterteigs, dazwischen zart nach Vanille duftende Creme, vielleicht auch noch eine Schicht Sahne darüber - so soll sie aussehen, die perfekte kremšnita, und dann schmeckt sie auch. Übernommen haben die Slowenen das Blätterteiggebäck aus der Kuchen-u.-Keks-Monarchie Österreich-Ungarn, es ist ihnen ans Herz gewachsen und wurde wie der Name slowenisch vereinnahmt. Die Rezepte für Kremšnite sind ungezählt, ebenso wie die Konditoreien und Cafés, die sie anbieten.

Lipizzaner

Weißes, seidigs Fell, starker Hals und gebogener Rücken, stolze Schritte und der eleganteste Galopp der Tierwelt - Lipizzaner sind so edel, dass der Kaiser persönlich für ihr Auskommen sorgte. Die k.u.k. Spanische Hofreitschule wollte keine andere Pferderasse, und einmal im Jahr durften verdiente Ausbilder vom Gestüt Lipica die ausgewählten Pferde zum Kaiser nach Wien bringen. Jäh unterbrochen wurde das Idyll von den beiden Weltkriegen. Die Pferde wurden evakuiert. Im sozialistischen Jugoslawien wurde die Zucht wieder aufgenommen und nach Sloweniens Unabhängigkeit fortgesetzt. Dass Lipica dank Hotels und Golfplatz auch touristisch genutzt wird, halten viele Pferdefreunde für einen Frevel.

Neue slowenische Kunst NSK

Das Flaggschiff dieser provokativ deutsch benannten Vereinigung slowenischer Künstler ist die Rock-Band „Laibach“. Anhänger feiern die drei seit 1980 zusammen spielenden Musiker als Genies, Kritiker hingegen werfen ihnen faschistoides Auftreten und entsprechende Inhalte vor. Ähnlich widersprüchlich wird über die von Laibach 1984 gegründete Kunstbewegung NSK geurteilt. Neben den Altrockern gehören die Theatergruppe Noordung und die Malervereinigung Irwin zu den Gründungsmitgliedern von NSK. Deren Aktionen - Konzerte, Theaterstücke, Kunstinstallationen und Performances - setzen sich mit dem Thema des Totalitarismus auseinander. In der sozialistischen Ära nahm man den totalitären Anspruch des Staates ins Visier, heute den westlichen Lebensentwurf, den Kapitalismus und die Globalisierung. 1992 rief NSK einen eigenen Staat, „NSK-state in time“, aus. Über den Fortgang des NSK-Staats informiert die Homepage www.nskstate.com.

Oberkrainer

Die „Original Oberkrainer“ verdanken ihre Existenz dem Bayerischen Rundfunk - im heimischen Slowenien hat man die „Avseniki“, wie sie nach dem Familiennamen der beiden Gründungsmitglieder Vilko und Slavko genannt werden, nie derart in den Volksmusikhimmel gejubelt. Zwar durften die musikalischen Brüder schon mal im slowenischen Radio spielen, aber wirklich entdeckt und auf die Erfolgsspur gebracht wurden sie von Fred Rauch, einem Moderator des Bayerischen Rundfunks. Er entwickelte mit den beiden Brüdern den typischen Oberkrainersound. Neben traditionellen Instrumenten wie Harmonika und Bassgeige entliehen die Oberkrainer die Klarinette dem Jazz und bauten ein umfangreiches deutsches Liedrepertoire auf. Heute spielen längst Kinder und Enkel der beiden Gründer in der Band, derweil Vilko und Slavko das elterliche Gasthaus in Begunje leiten, wo ihre Karriere begann.

Plečnik

Dem Architekten Jože Plečnik (1872-1957) wurde eine Ehre zuteil, in deren Genuss aber nur wenige kommen: Er durfte eine ganze Stadt, Ljubljana, prägen. Der ausgebildete Schreiner lernte das Bauen im Architekturbüro des Wiener Stadtplaners Otto Wagner von der Pike auf. Der von ihm konzipierte Umbau der Prager Stadtburg Hradschin machte ihn auf einen Schlag bekannt, und ab 1921 durfte er auch in seiner Heimatstadt Ljubljana wirken. Plečniks Bauten sind teils anmutige, teils bizarre Mischungen von Stilen und Architekturepochen, wobei seine Liebe zur klassischen ionischen Säule besonders ins Auge springt. Die „Drei Brücken“, die Universitätsbibliothek, der Friedhof Žale - jeder Bau für sich ist eigenwillig und einzigartig, und doch gibt es so etwas wie eine „Handschrift“, die Ljubljana und andere Orte in Slowenien deutlich und unnachahmlich geprägt hat.

Prešeren

Sloweniens romantischer Nationaldichter France Prešeren (1800-49) wurde zu Lebzeiten nicht annähernd so geschätzt wie heute. Damals galt er bestenfalls als radikaler Geist, denn aus seinen Gedichten sprach der erwachende slowenische Nationalismus. Seine Texte waren bei den Herrschenden deshalb nicht beliebt, und Prešeren starb arm. Zwei Werke werden heute noch viel rezitiert bzw. gesungen: Im Epos von der „Taufe an der Savica“ erzählt Prešeren vom Kampf zwischen Christentum und den alten slawischen Göttern und darin verschlüsselt von der Unterdrückung slawischer Identität durch Fremdherrschaft. Mit der „Zdravljica“, dem „Trinklied“, besingt er die Liebe zum Wein und zur slowenischen Heimat. Heute ist sie Nationalhymne des unabhängigen Slowenien.

Triglav

Sloweniens höchster Berg Triglav (2864 m), der „Dreikopf“, ist nach einer alten slawischen Gottheit benannt, deren drei Köpfe für Erde, Himmel und unterirdisches Reich stehen. Die Erstbesteigung des mythischen Kalkklotzes gelang drei slowenischen Bergsteigern im Jahre 1778. Ab Mitte des 19. Jhs. wurde es im Zuge des erwachenden slowenischen Nationalbewusstseins unter Intellektuellen Mode, auf den „Slawenberg“ zu klettern. Noch heute gilt in Slowenien das ungeschriebene Gesetz, dass jeder Slowene mindestens einmal in seinem Leben auf dem Gipfel des Triglav gestanden haben muss. So drängeln sich in der Saison zwischen Juni und Oktober die Menschenmassen auf den drei Hauptaufstiegswegen. Von perfekt ausgerüsteten Expeditionsteams über Turnschuhfamilien mit Kleinkindern, Damenkränzchen, Punks und Slivovitz-trunkene Kegelvereine bis zu asketischen Bergnarren ist unter den „Triglavisten“ alles vertreten. Obwohl der Anblick des letzten Teilstücks zum Gipfel mit seinen Drahtsicherungen und steilen Felswänden viele schwindeln lässt, kommt es relativ selten zu schweren Unfällen.