Reisetipps Slowenien

Auftakt Slowenien Was für eine Region!

Slowenien ist ein kleines, aber vielseitiges Land: Zwischen dem hochalpinen Norden und der mediterranen Küste liegen nur knapp zwei Stunden Fahrt; ähnlich kurz ist der Weg von der lebhaften, jungen Hauptstadt Ljubljana ins Weinhügelland der Štajerska. Über rauschenden Wildflüssen, bewaldeten Karstebenen, tiefblauen Seen und Tropfsteinhöhlen thronen mächtige Burgen und barocke Kirchen, spitzen venezianische Campaniles hervor. Slowenien ist landschaftlich wie kulturell von beeindruckender Vielfalt und bei aller Traditionalität dynamisch und modern. Entdecken Sie ein unbekanntes Kleinod im Herzen Europas!

Lang gestreckt und tiefblau liegt der See von Bohinj inmitten steiler Berghänge, bunte Fallschirme schweben und tanzen in den Auf- und Abwinden träger Julinachmittage. Immer mehr Paraglider lassen sich vom Startpunkt am Vogel oder auf der Komna über den See tragen, um auf der großen Wiese bei Ribčev Laz zu landen. Lachen hallt über den See, aus den Boxen einer Imbissbude tönt Popmusik. Freunde begrüßen sich, tauschen Erfahrungen über Windverhältnisse aus, holen Brot und Würste heraus, dazu eine Flasche Wein. Morgen werden sie vielleicht schon mit dem Kajak durch die Soča paddeln oder auf ihren Mountainbikes über das Pokljuka-Plateau fahren.

Slowenen lieben die Natur. An den Wochenenden hält sie nichts in der Stadt; sie ziehen hinaus, um Sport zu treiben oder Onkel und Tante beim Umgraben des Ackers oder bei der Weinlese zu helfen. Wenn im Sommer die Waldbeeren reifen, brechen sie mit Kind und Kegel in die Wälder auf, und sobald die ersten Pilze sprießen, gilt es, die begehrten Zutaten für Suppen und Saucen zu sammeln.

Zu dieser Naturverbundenheit passt auch Sloweniens größter Exportschlager, die Volksmusik der Oberkrainer, flotter und beschwingter als sonst alpenländisches Liedgut, voller Lebensfreude und Temperament. Der radikale Gegenentwurf zu den naiv-fröhlichen Oberkrainern sind die düsteren Werke und martialischen Posen der Punkrockbands Laibach und Siddharta. Zeigt sich darin vielleicht doch jene schwermütige, dunkle Seite, die der „slawischen Seele“ so gerne nachgesagt wird?

Stets mussten die Slowenen ihre Identität gegen fremde Eindringlinge behaupten: Deutsche, Österreicher, Ungarn, Italiener gaben sich die Klinke und die Herrschaft in die Hand. Slowenisch war die Sprache der Bauern und Diener, der einfachen Leute, und es zeugt von der Beharrlichkeit des Volkes, dass es seine Sprache trotz fremder Dominanz retten konnte. Viele Slowenen sehen auch die Jahre im sozialistischen Jugoslawien als eine Ära politischer und kultureller Unterdrückung. Deshalb war der nach der Unabhängigkeit eingeschlagene Weg in die Nato und EU nicht unumstritten. Viele Slowenen befürchteten, erneut bevormundet zu werden. Dennoch: Zielstrebig und mit Riesenschritten erreichte Slowenien 2004 die Nato- und EU-Mitgliedschaft; 2007 führte der Musterschüler als einziges der neuen Beitrittsländer den Euro ein und übernahm 2008 den EU-Vorsitz.

Slowenien besitzt trotz seiner geringen Größe von etwas über 20000 km² sehr unterschiedliche Landschaftsräume. Zwischen den Klettersteigen an den Gipfeln der Julier um Bohinj und einem Eiscafé an der Adriaküste liegen etwa zwei Stunden Fahrzeit. Genauso lange brauchen Sie, um vom Prekmurje, dem Land jenseits der Mura, mit seinen Storchennestern und Mühlen nach Postojna zu gelangen, wo Sie ein elektrischer Minizug in die schönste Tropfsteinhöhle Europas, die Postojnska jama, entführt. Abgesehen von der imposanten Kalksteinwelt der Alpen sind all diese Naturräume eher kleinteilig, und der Übergang von einem zum anderen ist stets überraschend. Sie biegen um einige Kurven, und schon haben Sie die alpine Welt der Soča-Schluchten verlassen und stehen im mediterranen Städtchen Kanal. Eine andere Serpentinenstraße bringt Sie im Zickzack aus der Hochebene des Karsts hinunter an die Adriaküste mit Pinienalleen und venezianischen Städtchen, eine dritte von Weinbergen und Buschenschänken um Zreče hinauf in die Hochmoore auf dem Pohorje-Gebirge.

Etwa 2 Mio. Slowenen haben in ihrem kleinen Land gleichwohl viel Platz; nur der Küstenstreifen ist relativ kurz. Das Land besitzt große, kaum besiedelte Naturräume wie den Triglav-Nationalpark in den Julischen Alpen oder das Waldgebiet des Kočevski rog südlich von Ljubljana. Über nahezu jedem Ort thront - mehr oder weniger gut erhalten - der grad, die Burg oder das Schloss. Manche bestehen nur noch aus Mauerresten, aber es gibt auch eine große Zahl wiederaufgebauter oder restaurierter Schlösser, die wertvolle Gemälde, Skulpturen und Möbel oder originelle Museen und Galerien bergen. Erstaunlich ist auch die Zahl der Heilbäder, die sich vor allem im Osten und Süden wie Perlen an einer Kette aneinanderreihen. Wo im 19. Jh. Europas Hochadel zur Kur weilte, setzt man heute auf Wellness: Neben der Heilkraft der Mineralquellen sorgen Thaimassagen, Ayurveda und Lomi Lomi fürs Wohlbefinden.

Auf den ersten Blick wirkt in Slowenien alles idyllisch, konservativ und intakt. Erst beim näheren Hinsehen werden Sie erkennen, dass die Slowenen mit einer heimlichen Lust an der Provokation mit ihrer bürgerlich-naiven Fassade spielen. Hinter den Mauern der mittelalterlichen Burg von Štanjel residiert eine Galerie moderner Grafik, den Park des Barockschlosses Kostanjevica schmücken wundersame Holzskulpturen; beim Seebad Portorož fallen Steinplastiken zwischen Olivenhainen und Weinreben auf. Vieles davon ist der Forma-Viva-Bewegung zu danken. Sie vereint alle zwei Jahre Bildhauer zu einem Workshop in ländlicher Umgebung. Natur und Kunst, bäuerliche Tradition und Avantgarde finden so fast beiläufig zueinander. Auch die Hauptstadt Ljubljana versteht es, mit diesen beiden Extremen zu jonglieren. Auf den ersten Blick barock-behäbig, überrascht sie mit jugendlicher Dynamik und Kreativität - kein Wunder, denn nahezu ein Viertel der Einwohner sind Studenten. Kunstgalerien und Theater verwöhnen die Hauptstädter mit avantgardistischen, europaweit beachteten Ausstellungen und Aufführungen; in den Kneipen und Diskotheken treffen sich längst nicht mehr nur Slowenen, sondern junge Menschen aus aller Welt. Ljubljana, so die Meinung vieler Szenekenner, ist derzeit hipper als Prag.

Haben Sie Lust bekommen? Auf einen Aktivurlaub vielleicht, mit radeln, wandern und paddeln? Oder wollen Sie durch die Lande streifen, hie und da den Wein probieren und zwischendurch eine deftige Mahlzeit genießen? Steht Ihnen der Sinn nach Golfen und nach einer Unterkunft in einem Schloss? Sind Sie Wasserurlauber, der die blaue Adria oder einen smaragdgrünen See bevorzugt? Genießen Sie nächtliche Streifzüge durch Lokale, in denen über Gott und die Welt diskutiert wird, oder suchen Sie den Rhythmus treibender Beats in angesagten Clubs? Lieben Sie die Einsamkeit des Hochgebirges, die klare Welt der grauen Felsen und scharfen Horizonte? Dann auf nach Slowenien, denn dort können Sie all das haben!