Reisetipps Sizilien

Insider Tipps Sizilien MARCO POLO Autor Hans Bausenhardt im Interview

Hans Bausenhardt hat als Autor von Reiseführern und als Wanderführer Sizilien kreuz und quer bereist und durchwandert.

Wie sind Sie nach Sizilien gekommen?

Meine erste Reise nach Sizilien liegt lange zurück, und ich war nicht unbedingt begeistert. 1985 musste ich dann einen Reiseführer überarbeiten und bekam dabei während meiner fast dreimonatigen Reise über die Insel viel vom unbekannten, versteckten Sizilien zu sehen, bekam immer mehr Lust auf neue Orte und Plätze. Dabei lasse ich mich auch heute noch am liebsten von meiner Neugier inspirieren.

Wie sieht Ihr Alltag dort aus?

Prächtig. Ich lebe mehrere Monate im Jahr in Cefalù und führe dort Wandergruppen auf schmalen Pfaden in die Bergwelt der Madonie. Wir machen mal beim Hirten halt und sehen, wie Käse wie vor Jahrtausenden gemacht wird, genießen von den Gipfeln Fernblicke zum Ätna, zu den Äolischen Inseln und über halb Sizilien. Wir kosten das eiskalte Wasser einer Quelle oder sitzen in einem Bergdorf auf der Piazza bei Espresso oder Eis und lassen uns von den alten Männern über ihre besten Jahre in Chicago, Wolfsburg oder bei Daimler erzählen und über ihre Kinder, die es viel besser haben.

Und was tun Sie in Ihrer Freizeit?

Den Tag beginne ich mit einem Bad im Meer. Ich schaue danach gern bei den Fischern vorbei und stelle mich anschließend an den Herd. Oder ich fahre los, suche nach neuen Touren und Orten. Es gibt aber auch Tage, an denen schaue ich mir zum ich weiß nicht wievielten Mal den Dom von Monreale, die Altstadt von Palermo oder das antike Selinunt an.

Was gefällt Ihnen an Sizilien nicht so?

Der sehr lockere Umgang vieler Sizilianer mit dem Müll, die vielen Waldbrände und die wuchernden Neubauten an Stränden und um die schönen alten Städte herum.

Mögen Sie die sizilianische Küche?

Für mich ist die caponata Ausdruck sizilianischer Kochtradition, typischer geht es nicht: Auberginen werden mit Selleriestängeln, Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten in Olivenöl geschmort, dann kommen Kapern und Oliven dazu, und zum Schluss wird das Gericht kräftig mit Weinessig und Zucker abgeschmeckt und lauwarm mit frischem, nach Sesam duftendem Brot gegessen. Phantastisch sind übrigens auch die Garküchen auf den Straßenmärkten von Catania, Caltanissetta und Palermo, wo ich gerne die sizilianische Variante der Pizza, sfinciuni, zu mir nehme, mit vielen Zwiebeln und Sardellen, oder ein paar panelli, frittierte Plätzchen aus Kichererbsenteig.