Reisetipps Shanghai

Stadtspaziergänge Shanghai

China pur

Das üppige, geballte Leben im alten Herzen der Stadt macht süchtig. Wandeln, staunen und einkaufen: Dafür sollten Sie mindestens fünf Stunden einplanen.

Dieser Spaziergang beginnt am Tor der Altstadt, Ecke Renmin/Lishui Lu. Vor Ihnen liegt der Gebäudekomplex des Yuyuan-Basars, der im Stil der Qing-Dynastie als ein Tempel für den Konsum neu gebaut wurde. Die Läden links in der Fuyou Lu verkaufen die typischen rotgoldenen Dekorationen. Das Geschäft Nr. 11C bietet Pinsel aus Naturhaar, Papier und Zubehör für die Kalligrafie an. Rechter Hand, hinter der hohen Mauer, sehen Sie die schwungvollen Dächer des Yu Yuan. Rechts geht es in die Anren Lu und entlang der Parkmauer durch die Gasse: Da wird in dunklen Stuben gekocht, an der Ladentheke gegessen, es werden in kleinen Werkstätten Schuhe repariert oder Hosen genäht, Kleinwaren im Hauseingang feilgeboten und Betten auf dem Gehweg gelüftet, und die Wäsche hängt zum Trocknen an Stangen aus den Fenstern. Gehen Sie zweimal rechts, dann stoßen Sie auf den Stadtgotttempel (Chenghuang Miao). Der kleine Platz davor ist erfüllt vom Lärm der Marktschreier und von den Stimmen der vielen Menschen. Appetitliche Gerüche aus Lokalen und Garküchen mischen sich mit dem Rauch aus der großen Feuerstelle, in der die Gläubigen ihre Räucherstäbchen entzünden. Der Devotionalienladen links lockt mit buddhistischen Kassettenrecorderklängen und herrlichem Kitsch. Dagegen ist der Yu Yuan eine Oase altchinesischer Ästhetik und auch eine Oase der Stille, wenn er nicht gerade voll mit Touristengruppen ist. Nach dem obligatorischen Foto an der Zickzackbrücke schlagen Sie sich bis zur Jiujiaochang Lu im Westen durch, von der die Chenxiangge Lu abzweigt. In der kleinen Gasse Nr. 29 liegt ein 400 Jahre altes Nonnenkloster versteckt, das man besichtigen kann (tgl. 7-16 Uhr | Eintritt 5 Yuan). Gehen Sie nun zurück bis zur Old China Street (Fangbang Lu): Das vierstöckige Gebäude an der Ecke Henan Lu beherbergt die Trödlerzunft.

Wer seinen Spaziergang abseits des touristischen Basars fortsetzen will, schlägt sich in eine der vielen Gassen, die nach Süden abzweigen, z.B. in die Guangqi Lu. Man wandert durch schmale Gassen, vorbei an zweistöckigen Häusern, die vom Alter gezeichnet sind. Das gesamte Altstadtviertel ist dem Untergang geweiht, und ein Blick in die düstere, feuchte Enge der heruntergekommenen Häuser offenbart, dass die Bausubstanz nicht mehr zu retten ist. Mit den Häusern müssen auch die Bewohner weichen. Sie werden umgesiedelt in Trabantenstädte am Stadtrand. Die wenigsten können sich eine Wohnung in den luxuriösen Apartmentblocks, die hier gebaut werden, leisten. Am Ende der Guangqi Lu kann man schon zu den Neubauten aufschauen - sie nehmen den umliegenden Häuschen die Sonne.

Französisches Flair

Ein dreistündiger Bummel durch die einstige Französische Konzession, wo sich das Flair einer vergangenen Zeit mit der geschäftigen chinesischen Gegenwart mischt und das Bild einer lebendigen Metropole entsteht.

Beginnen Sie an einem Ort des Vergnügens, an der Straßenkreuzung Changle Lu/Maoming Nanlu: Hier steht das erste europäische Theater der Stadt. Im heutigen Lanxin-Theater, einem Bau von 1931 im Stil der italienischen Renaissance, gastierten die Ensembles aus Übersee. Das markante Jinjiang Hotel von 1929 erinnert an die georgianische Zeit in England. Der exklusive Cercle Sportif Français residierte gegenüber. Als einziger Club nahm er, typisch französisch, Frauen als Mitglieder auf und später als erster Club auch Chinesen. Das neoklassizistische Gebäude ist eines der beliebtesten Werke des berühmten Architekten Paul Veysseyre. Die Inneneinrichtung war glamourös. Der Bauernsohn Mao Zedong, der durch harte und entbehrungsreiche Kriegsjahre gegangen war, erkor den Club zur privaten Residenz für sich und sein Gefolge und eliminierte den westlichen Luxus. Den alten Glanz brachte eine Sanierung durch das Okura Garden Hotel zurück. Bewundern Sie das goldene Wandmosaik in der östlichen Eingangshalle, den Aufgang mit dem aus Frankreich importierten Treppengeländer sowie den prächtigen Ballsaal der 1930er-Jahre mit seinem bunten Glasdach.

Kreuzen Sie die Huaihai Lu, und folgen Sie der Maoming Lu. Das Eckgebäude Astrid Apartments links an der Ecke zur Nanchang Lu wurde 1933 im Stil des Art déco errichtet. Weiter geht es rechts in die Nanchang Lu und durch das Tor auf der linken Straßenseite in die Lane Nr. 201: Hier sind Sie im Herzen der Französischen Konzession! Wandeln Sie durch die ruhigen, baumbestandenen Hinterhöfe, vorbei an den in den 1930er-Jahren erbauten King Albert Apartments, bis zum Ausgang in der Shaanxi Nanlu (Nr. 157). Folgen Sie der Straße bis zur Shaoxing Lu ins Café Old China Hand Reading Room oder ins Vienna Café. In der ruhigen Straße sitzen die Kartenspieler in den Hauseingängen, zeigt sich das chinesische Großstadtleben von seiner gemächlichen Seite.

Gehen Sie weiter auf der Shaoxing Lu bis zur Ruijin Lu, links wieder bis zur Fuxing Lu, rechts und dann links in die Sinan Lu. Dieses Viertel ist geprägt durch Wohnhäuser aus der Kolonialzeit, hier stehen in wilden Gärten Kleinode, die verwahrlost, aber noch immer schön sind. Die Residenz von Sun Yat-sen zeigt, wie gebildete chinesische Bürger damals lebten. Biegen Sie links in die Gaolan Lu ein, um einen Blick auf die russisch-orthodoxe St.-Nikolaus-Kirche zu werfen. Der ehemals französische Fuxing-Park ist typisch chinesisch. Das liegt an den alten Männern, die sich hier zum Kartenspielen und Schwatzen treffen. Viele nehmen eine weite Anfahrt in Kauf, weil sie im Zuge der Stadtsanierung ausgesiedelt worden sind und in anonymen Satellitenstädten leben. Kreuzen Sie schließlich am Parkausgang Nanchang Lu die Chongqing Nanlu, und folgen Sie der Xingye Lu bis zum Trendviertel Xintiandi. Dort gönnen Sie sich in einem der vielen Cafés oder Restaurants eine Pause.

Kolonialzeit trifft moderne

Ein Ausflug in die koloniale Vergangenheit der Stadt durch die ehemalige Internationale Niederlassung zum Bund hinüber ins moderne Pudong. Der Spaziergang mit architektonischen Highlights ist ein Programm für einen Tag.

Wo der Suzhou Creek in den Huangpu mündet, führt die 1906 erbaute stählerne Garden Bridge (Waibaidu Bridge) über den Fluss. Hier standen 1937-45 die Grenzposten zur japanisch besetzten Zone nördlich des Suzhou Creek. Chinesen, die die Brücke passieren wollten, mussten sich vor den japanischen Wachsoldaten tief verbeugen und auf ein Zeichen zum Weitergehen warten. Verletzten sie das Ritual, wurden sie verprügelt - eine Demütigung, an die sich Ältere noch mit Bitterkeit erinnern. Von der Brücke hat man einen guten Blick auf das Russische Konsulat, das 1917 von dem deutschen Architekten Hans Emil Lieb im Stil des Historismus gebaut wurde. Direkt gegenüber steht das Astor House Hotel, bekannt unter dem Namen Pujiang Hotel, ein Bau der Neorenaissance von 1860. Pausieren Sie bei schönem Wetter auf der Terrasse des Seagull Sightseeing Restaurant. Links passiert man das Shanghai Mansions. Das Viertel am Suzhou Creek wird derzeit für die Expo 2010 saniert - zum Wohnen am Wasser für gehobene Ansprüche. Gehen Sie am Fluss entlang bis zur Sichuan Lu. Hier steht das prächtige Shanghaier Postamt mit dem weithin sichtbaren Uhrturm, ein Bau von 1924 mit kolossalen Säulen. Wenn Sie die Brücke am Suzhou Creek überqueren, der belebten Geschäftsstraße bis zur Hongkong Road (Xianggang Lu) folgen und sich dort links halten, gehen Sie auf das 1930 von dem berühmten Architekten Ladislaus Hudec entworfene Gebäude Huqiu Lu 128 zu, dessen vertikale Fassadengliederung auf den Stil des Art déco hinweist.

Wenden Sie sich nun nach rechts: Rechter Hand stehen einige der wenigen noch erhaltenen Shikumen oder Steintorhäuser. Diese für Shanghai charakteristische Bauform entstand mit der zunehmenden Bevölkerungsdichte im späten 19. und frühen 20. Jh. unter dem Einfluss westlicher Architektur. Ein Ziergiebel schmückt das steinerne Tor, durch das man von der Straße in eine schmale Sackgasse tritt, die von zwei Häuserreihen gebildet wird. Der so begrenzte Raum strahlt Geborgenheit aus, brachte mit zunehmender Zahl der Bewohner aber auch Enge mit sich.

An der Kreuzung zur Beijing Lu ist ein vollständig erhaltenes, wenn auch sanierungsbedürftiges Ensemble kolonialer Bürger- und Geschäftshäuser zu entdecken. Den Oriental Pearl Tower vor Augen, wandern Sie zum Bund. Nehmen Sie sich die Zeit, das Foyer der ehemaligen Hong Kong and Shanghai Bank zu besichtigen, die im Inneren eine imponierende Pracht entfaltet. Das Portal wird von zwei Bronzelöwen bewacht. Ihre Tatzen und Nasen glänzen - denn es soll Glück bringen, wenn man sie reibt. In der Kulturrevolution wurden die Löwen entfernt, um das abergläubische Treiben zu beenden. Heute, unter den neuen kapitalistischen Spielregeln, darf man sich wieder das nötige Glück wünschen.

Kreuzen Sie die Straße unterirdisch, und spazieren Sie flussaufwärts: Die moderne Skyline von Pudong ist eine großartige Kulisse für die Schiffe auf dem Huangpu. Eine Stippvisite im Signalturm von 1907 lohnt sich, weil dort alte Fotos vom Bund ausgestellt sind. Schräg gegenüber befindet sich der Anleger für die Fähren nach Pudong (Fahrpreis 2 Yuan, Dongfang Mingzhu Lu). Der Eingang ist unten, an den Schaltern gegenüber löst man die Chips für das Schiff Richtung Oriental Pearl Tower.

Am anderen Flussufer erinnern die Hochhäuser, die Weite und die breiten Straßen an Amerika. Halten Sie sich links: Auf Höhe des Paulaner Brauhaus gelangt man auf die Uferpromenade. Hier ist es ruhiger als auf der anderen Seite, wo sich am Wochenende die Menschenmassen drängeln. Die Gastronomie lädt zum Genießen mit Aussicht ein: Das Starbucks lockt mit gutem Kaffee, das gediegene Paulaner mit kühlem deutschem Bier. Am Samstag und Sonntag empfiehlt es sich, den High Tea in der Halle des edlen Hotels Shangri-La zu zelebrieren, bei Pianomelodien und mit spektakulärer Sicht auf den alten Bund. Anschließend umrundet man das größte Einkaufszentrum Chinas, die Super Brand Mall, und hält sich dann rechts, bis das Jin Mao Building aufragt. Den Abend können Sie mit einem Dinner in einem der Restaurants des Wolkenkratzers beginnen - mit Blick über das nächtliche Lichtermeer der Metropole. Nach einem Drink in der Bar Cloud 9 fühlt man sich dann wie im siebten Himmel. Wer für 25 Yuan noch ein wenig psychedelische Dröhnung möchte, fährt zurück durch den Bund Sightseeing Tunnel (Eingang am Fernsehturm).