Reisetipps Schweden

Auftakt Schweden Was für ein Land!

Frisch, frech und frei. Schweden ist der etwas andere europäische Nachbar. Unbelastet von der jüngeren Geschichte verbindet das Land im hohen Norden das Beste von gestern mit dem Besten von morgen: intakte Landschaften, gemütliche Kleinstädte, unberührte Gewässer, endlose Wälder treffen auf Hightech, innovative Kulturschaffende und eine erstklassige Infrastruktur. In Schweden ist das Individuum König, Kinder sind hochwillkommen und eine hohe Lebensqualität für alle ist oberstes Staatsziel. Besuchen Sie dieses Traumland - für ein paar Tage, ein halbes Jahr oder ein ganzes Leben lang!

Die meisten Besucher kennen Schweden aus ihrer Kindheit - als das Land von Michel, Nils Holgersson und Pippi Langstrumpf. Wer hätte damals nicht Astrid Lindgrens Romane von der lebendigen Pippi und ihren etwas biederen Freunden Annika und Tommy gelesen oder in den Geschichten von den Kindern aus Bullerbü und Michel geschmökert - der in Schweden übrigens Emil heißt. Ähnlich bekannt ist Selma Lagerlöfs Kinderbuch von der wunderbaren Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen. Der Bauernsohn verwandelt sich in einen Däumling und bereist auf den Rücken der Vögel sein Land von Süd nach Nord.

Genau diese Route sollten auch Sie wählen, wenn Sie das lang gestreckte Land im hohen Norden Europas in all seinen Facetten kennenlernen wollen. Vom Südzipfel bei Trelleborg bis hinauf nach Karesuando an der nördlichen Grenze zu Finnland sind es rund 2000 km. Dabei wohnen nur gut 9 Mio. Menschen in Schweden - es ist also viel Platz für die unberührte Natur, in der viele frei lebende Tiere wie Elche und Rene zu Hause sind. Seit 1909 stehen Teile der insgesamt 25 schwedischen Landschaften unter Schutz. So entstanden die ersten Nationalparks Europas. Die meisten sind von Wanderwegen durchzogen wie der rund 500 km lange Kungsleden, der vom Abisko-Nationalpark bis Südlappland führt.

Es gibt viele Gründe, das Land zu lieben. Manche schätzen insbesondere die Werte der schwedischen Gesellschaft, die an einem Gleichheitsideal festhält, das andere Nationen längst aufgegeben haben. Andere preisen vor allem die landschaftlichen Vorzüge. Besonders Aktivurlauber fühlen sich in Schweden wohl. In den Weiten der nördlichen Fjälle können Naturbegeisterte tagelange Skitouren oder Wanderungen unternehmen, die vielen Flüsse des Landes ziehen Kanufahrer an. Wer es entspannter mag, kann in den dichten Wäldern schön spazieren gehen oder Pilze und Beeren sammeln.

Während die weiten Felder des südlichen Schonen (Skåne) an Norddeutschland und das benachbarte Dänemark erinnern, gleichen große Teile Lapplands im äußersten Norden Schwedens einer Steppe. Dazwischen liegt ein knappes Dutzend traumhafte Landschaften, die alle ihren eigenen Reiz haben.

In der Hauptstadt Stockholm sind nicht nur viele historische Bauten wie das Schloss und die Altstadt sehenswert, Sie können auch etliche Museen und Galerien besuchen. Selbst Naturliebhaber kommen in Stockholm auf ihre Kosten - in einem der vielen Parks oder in den Schären vor den Toren der Metropole, wo mehr als 20000 Inseln darauf warten, entdeckt zu werden - ob mit dem Kajak, dem Segelboot oder einem Ausflugsschiff.

Nicht nur die Landschaften, auch die Bewohner verändern sich auffallend im Wechsel der Jahreszeiten. Die Unterschiede zwischen Sommer und Winter sind in Schweden wegen der nördlichen Lage viel ausgeprägter als in Mitteleuropa. Der extreme Wetterwechsel beeinflusst auch das Gemüt. Im Winter sind die Schweden am liebsten zu Hause. Sobald sich aber im Frühjahr die Sonne wieder zeigt, strömt alles in die Parks und Fußgängerzonen. Dort, wo noch genügend Schnee und Eis liegen, schnallen die Schweden ihre Schlittschuhe und Langlaufskier an und begeben sich auf lange Touren durch die verschneite Natur.

In den Sommermonaten leben die Schweden ihre Begeisterung für das friluftsliv, das Freiluftleben, in vollen Zügen aus. Dann verbringen sie so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft. Gut, dass es auch mitten in den Städten jede Menge Strände und Parks gibt, sodass nirgendwo Gedränge herrscht. Lediglich an midsommar (Mittsommernacht) im Juni, dem wichtigsten Feiertag des Jahres, kann es schon mal voller werden. Ansonsten gehen die Schweden nur ungern auf Tuchfühlung. Nicht nur am Strand schätzen sie es, genügend Abstand zum Nachbarn zu haben. Die stuga - das kleine, zumeist hölzerne Ferienhäuschen - ist in ihren Augen erst dann perfekt gelegen, wenn das Nachbarhaus außer Sicht- und Hörweite ist.

Der schwedische Hang zur Distanziertheit zeigt sich auch in politischer Hinsicht. Der Europäischen Union, der das skandinavische Land 1995 beigetreten ist, steht die Bevölkerung skeptisch gegenüber, die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro haben die Schweden 2003 in einem Referendum abgelehnt. Zwar duzen sich in dem stark sozialdemokratisch geprägten Land alle, die Menschen sind außerdem gastfreundlich und äußerst hilfsbereit, aber bevor Sie in einer Kneipe oder beim Hotelfrühstück ein ausführliches Gespräch mit einem Unbekannten anfangen, sollten Sie sich das lieber dreimal überlegen.

Fremde, die sich lautstark aufführen und diskutieren, machen sich schnell unbeliebt. In Schweden gilt das Prinzip des lagom, ein unübersetzbares Wort, das im Grunde genommen besagt, dass es stets die beste Lösung ist, nicht aufzufallen. Schweden scheuen Konfrontationen und mögen es nicht, wenn jemand seinen Reichtum zur Schau trägt oder die anderen spüren lässt, dass er sich für etwas Besseres hält. Das mag eine Folge der jahrzehntelangen Herrschaft der Sozialdemokraten oder auch der bürgerlichen Wurzeln des Königshauses Bernadotte sein. Oder aber auf den jahrhundertelang herrschenden Protestantismus zurückgehen, der bis 2000 Staatsreligion war. Krisen und Hungersnöte jedenfalls machten Schweden zu einer verschworenen Gemeinschaft gegen alles Böse: Bis heute darf nur der Staat Alkohol verkaufen, sind weiche Drogen und Prostitution verboten - und sehen viele Schweden ihr Land als eine Art moralische Weltmacht an.

Außer den Politikern sind auch die Bürger davon überzeugt, dass die Welt eine bessere wäre, würden sich alle nach schwedischen Idealen richten. Das heißt vor allem soziale Wohlfahrt für alle und militärische Zurückhaltung in internationalen Krisensituationen. Personifizierter Ausdruck dieser Politik war der ehemalige sozialdemokratische Ministerpräsident Olof Palme, der 1986 ermordet wurde. Personenkult liegt den Schweden fern. Zwar ist man stolz auf international beachtete Landsleute wie den Regisseur Ingmar Bergman, den Krimiautor Henning Mankell und die mit olympischem Gold gekrönte Siebenkämpferin Carolina Klüft. Daheim werden sie jedoch als ganz normale Staatsbürger betrachtet, nach denen sich auf der Straße kaum jemand umdreht.

Während viele Industrielle wie der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ihr Land wegen der hohen Steuern längst verlassen haben, zieht die Prominenz aus Film, Kultur und Sport allenfalls zwischenzeitlich aus ihrem Heimatland weg. Wer einmal in Schweden Urlaub gemacht hat, der weiß, wieso es einen immer wieder hierherzieht.