Reisetipps Russland

Stichworte Russland

Datscha

Vielen Russen fehlt das Geld zum Verreisen. Eine Alternative für den Sommerurlaub und das Wochenende ist die eigene Datscha. Meist liegen die Bungalows in herrlicher Natur, nicht selten in einer Datschen-Siedlung. Man fährt ein, zwei Stunden mit dem Auto oder dem Zug und schon ist man im eigenen kleinen Paradies. Die Datscha dient aber nicht nur der Erholung: Viele Russen halten sich mit dem Gemüseanbau auf der Datscha über Wasser oder verkaufen Obst und Gemüse auf der Straße oder dem Markt.

Duma

Die oberste Volksvertretung Russlands ist seit 1993 wieder die Duma, die Volkskammer des Parlaments. Sie wird auf vier Jahre gewählt und besteht aus 450 Abgeordneten. Die russische Verfassung sieht ein Zwei-Kammer-Parlament vor, das neben Duma auch den Föderationsrat umfasst. Dieser vertritt die 88 Föderationssubjekte (Regionen) Russlands.

Ikonen

Russland ist reich an Zeugnissen von Heiligenbildern. Man findet sie in vielerlei Formen und Größen in Klöstern, Kathedralen und Museen. Die Ikonenmalerei entstand als Zweig der byzantinischen Sakralkunst. Die Christianisierung der Kiewer Rus brachte zahlreiche Maler aus Konstantinopel ins Land. Die Inhalte orientierten sich an religiösen literarischen Vorlagen wie der Bibel, Legenden und Hymnen. Bis ins 17. Jh. dominierte die Moskauer Ikonenschule, die vor allem durch Andrej Rubljow (1360-1430) ihre Blütezeit erreichte.

Kaliningrad

Russlands westlichste Region, die bis 1946 Königsberg hieß, ist heute eine Enklave in der Europäischen Union. Um die isolierte Verwaltungseinheit für Investoren attraktiver zu machen, wurde eine Sonderwirtschaftszone gegründet. Ein entsprechendes Gesetz sieht Steuervergünstigungen für Investoren vor. 2005 feierte die Stadt ihr 750. Gründungsjubiläum. Entsprechend wurden Dom, Hauptbahnhof, Siegesplatz und Christ-Erlöser-Kathedrale saniert, teilweise dauern die Arbeiten noch an. Die Stadt (473000 Ew.) wird heute im Volksmund liebevoll „Kenig“ genannt, in Anlehnung an den historischen Namen. Der wohl berühmteste Sohn der ehemals ostpreußischen Stadt ist Immanuel Kant, dessen Grab sich an der Dommauer befindet. Der Reichtum der Region schimmert von weiß bis dunkelbraun: Im Gebiet Kaliningrad werden 90 Prozent des Weltvorkommens an Bernstein gefördert. Ausführliche Informationen finden Sie im Marco Polo Band „Kaliningrader Gebiet“.

Kosaken

Gegenwärtig bekennen sich 11 Mio. Menschen in der ehemaligen Sowjetunion zu ihrer kosakischen Herkunft. Nach Jelzins Rehabilitierungserlass 1990 schlossen sich die neu entstandenen regionalen Landsmannschaften zur Gesamtrussländischen Kosakenunion zusammen. Diese tritt für den Erhalt des russischen Imperiums ein, ist staatstreu und schwört auf die integrierende Rolle des russisch-orthodoxen Glaubens. Die Kosaken erhoffen sich von der Regierung weiter reichende Sonderrechte wie militärische und polizeiliche Kompetenz, die sie einst unter dem Zaren besaßen.

Die Kosaken (türkisch kasak, „Nomade“) waren seit dem 15. Jh. Angehörige militärisch organisierter Gemeinschaften. Sie lebten vor allem in den südlichen und östlichen Grenzgebieten und wählten selbst ihre Anführer, die Atamane. Die Kosaken formierten sich, als zahlreiche leibeigene Bauern aus den zentralrussischen Gebieten und aus der Ukraine flohen und sich in den Randgebieten niederließen. Oft waren sie an Aufständen beteiligt. Nach der Revolution von 1917, bei der sie sowohl auf Seiten der Roten als auch der Weißen kämpften, waren sie Verfolgungen ausgesetzt, wurden hingerichtet oder deportiert.

Kreml

Viele alte Städte Russlands haben einen Kreml. Der bekannteste Kreml ist jener am Roten Platz in Moskau. Vom 12. bis 15. Jh. entstanden diese festungsartigen Stadtteile als Kern von Ansiedlungen. Die „Burgstädte“ sind meist bedeutende Architekturensembles mit Kathedrale, Kirchen, Glockenturm und häufig dem Sitz des Erzbischofs. Der Kathedralenplatz im Zentrum der Anlage war Versammlungsort, wo wichtige Entscheidungen getroffen sowie Urteile gefällt und vollstreckt wurden.

Kyrillisch

Die Kyrilliza, das russische Alphabet, ist aus dem griechischen entstanden und seit dem 10. Jh. in Russland gültig. Bereits damals gab es in der Kiewer Rus auf der Grundlage des von dem Slawenapostel Kyrill geschaffenen Alphabets eine Schrift. Die russische Sprache gehört zur Familie der ostslawischen Sprachen. Mit der Sprachreform durch Zar Peter I. wurden die Voraussetzungen für die Entwicklung der russischen Literatursprache aus dem Kirchenslawischen geschaffen.

Lenin forever

Einmal jährlich stehen die Besucher des Mausoleums auf dem Roten Platz in Moskau vor verschlossenen Türen - wenn Lenins Leichnam mehrere Wochen lang einbalsamiert wird. Kritiker sprechen sich immer wieder für ein würdiges Begräbnis des ehemaligen Revolutionärs aus. Ein Museum aller landesweit ausrangierten Lenin-Denkmäler plant hingegen der Gouverneur von Uljanowsk, der Geburtsstadt von Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924). Der weltgrößte Lenin-Kopf steht in Ulan-Ude, der Hauptstadt Burjatiens: Über 5 m hoch ist das bizarre Granitdenkmal im Stadtzentrum.

Medienfreiheit

Obwohl die Pressefreiheit gesetzlich verankert ist, sind Missstände an der Tagesordnung. Vor allem in der Provinz werden die meisten Zeitungen staatlich subventioniert - entsprechend regierungskonform ist die Berichterstattung. Oppositionelle Medien können sich kaum finanzieren, da sich zahlungskräftige Werbepartner auf Distanz halten. Nur einige wenige Medien sind in der Hand der Oligarchen, die wiederum eigene Interessen verfolgen. Internationales Aufsehen erregte die Ermordung von Anna Politkowskaja im Oktober 2006 in Moskau. Die Journalistin hatte sich mit ihrer kritischen Berichterstattung über Korruption und den Tschetschenien-Konflikt einen Namen gemacht.

Rus

Der Name „Russland“ leitet sich von dem finnischen Wort Rus (Ruderer) ab. Nach Jahren der Unterdrückung und Tributpflicht, von Belagerung und Bruderzwist schaffte es der zum Christentum bekehrte Fürst Wladimir vor 1000 Jahren, den Rus-Staat zu festigen. Das Reich der Kiewer Rus erstreckte sich damals vom Ladoga-See im Norden bis zur Krim-Region, von der Weichsel bis zur Wolga.

Russisch-orthodoxe Kirche

Vom 10. Jh. an setzte sich das griechisch-orthodoxe Glaubensbekenntnis von Byzanz aus auch im damaligen Russland durch. Nach der Christianisierung unter Wladimir im Jahr 988 wurde in Kiew, später auch in Wladimir und Moskau, ein Metropolit eingesetzt. Heute nennt sich das kirchliche Oberhaupt Patriarch. Über 70 Jahre war der christliche Glaube nach der Oktoberrevolution von staatlicher Seite bekämpft worden. Mit dem Leninschen Dekret von 1918 wurde die Orthodoxie als Staatskirche liquidiert. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt, Tausende Kirchen geplündert und als Hort der Agitation gebrandmarkt, Priester wurden in Lager geschickt. Seit 1990 gilt wieder Religionsfreiheit. Und die Russen nehmen sie in Anspruch. Das im Dezember 2008 verstorbene Kirchenoberhaupt Patriarch Alexej II. wollte keine Verquickung von Kirche und Staat und beharrte auf Selbstständigkeit.

Transsib

Die längste Bahnlinie der Welt - 9296 km - führt über Jaroslawl, Perm, Jekaterinburg, Omsk, Nowosibirsk, Irkutsk, Ulan-Ude, Tschita und Chabarowsk. 1891 war in Wladiwostok mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn begonnen worden. Bereits drei Jahre später war die erste Teilstrecke nach Iman (404 km) in Betrieb. Auch von Westen her wurde die Magistrale vorangetrieben. 1895/96 schufteten 89000 Arbeiter an der Strecke. Pro Jahr wurden 650 km fertiggestellt, bis 1905 das letzte Gleisstück verlegt war. Zunächst fuhr die Bahn eingleisig, in den 1930er-Jahren kam eine Parallelstrecke hinzu.

Wirtschaft

Die Talfahrt der russischen Wirtschaft, die das Ende der Sowjetunion mit sich brachte, schien vorerst beendet. Dazu haben hohe Weltmarktpreise für Öl und Rohstoffe, aber auch die Herausbildung eines Dienstleistungssektors beigetragen. Die Finanzkrise, die 2008 die Welt erfasste, ist jedoch auch an Russland nicht spurlos vorübergegangen. Prestige-Bauprojekte liegen vorerst auf Eis, und die Bevölkerung fürchtet, dass sich der Wirtschaftskollaps von 1998 wiederholen könnte, als der Rubelkurs auf ein Drittel einbrach, viele Banken Insolvenz anmeldeten, und die Sparer ihre Vermögen verloren. Seit Jahren ist Deutschland wichtigster Handelspartner, 2007 stiegen die Exporte nach Russland gar um 20 Prozent. Trotz des Wirtschaftsbooms beklagen ausländische Investoren Korruption, die Übermacht des Staates, fehlende Infrastruktur und andere Missstände. Russlands Beitritt zur WTO wurde auf Ende 2009 verschoben.