Reisetipps Ruhrgebiet

Stichworte Ruhrgebiet

Emscher

Dieser kleine Fluss ist das Sinnbild für die Zerstörung der Landschaft durch Industrie im Ruhrgebiet. Die vor über 100 Jahren friedlich durch die Bruchlandschaft mäandrierende Emscher wurde dem Abtransport von Abwässern geopfert. Ihr wurde über zahlreiche Bäche das Abwasser der Industrie und der Bevölkerung zugeleitet. Heute ist die Emscher ein eingedeichter Kanal, der immer noch den Dreck der Region transportiert. Anfang des 20. Jhs. war diese Kanalisierung ein sehr modernes, günstiges Abwassersystem. Eine unterirdische Kanalisation war damals wegen der bergbaubedingten Bodenbewegungen nicht möglich. Noch Anfang der 1990er-Jahre wurden in den bildhaft so genannten „Köttelbächen“, kleinen Zuflüssen zur Emscher, und der Emscher selbst 80 Prozent Abwässer geführt. Ein unglaublicher Gestank! Mit dem Rückgang des Bergbaus konnten Klärwerke gebaut werden; Renaturierung ist das Stichwort für die Zukunft.

Fußball

Immer wieder samstags beginnt die große Fußballoper im Revier von Neuem. In Gelsenkirchen geht man „auf Schalke“ in die Veltins-Arena, das Dortmunder Westfalenstadion ist nun der Signal-Iduna-Park, in Duisburg hat die MSV-Arena den Platz des Wedau-Stadions eingenommen, und in Bochum wurde aus dem Ruhr- das Rewirpower-Stadion. Allwöchentlich kehrt der Ausnahmezustand wieder: Hunderttausende pilgern in die Stadien, verstopfen Zufahrtsstraßen, Parkplätze, Kneipen, Bahnhöfe und Straßenbahnen; Fans schwenken ihre Fahnen, wedeln mit den Schals des Heimatvereins. Fußball im Ruhrgebiet ist mehr als nur ein Sport, Fußball ist Leben. Fußball ist Gesprächsthema Nummer eins, quer durch alle sozialen Schichten. Fußballinteressierten Reviergästen sei ein Stadionbesuch empfohlen - neben dem sportlichen immer auch ein emotionales Erlebnis.

Gartenstadt

Aus England kam die Idee, die Vorbild für die Errichtung vieler noch heute erhaltener Wohnsiedlungen war: In Werksnähe wurden diese dörflichen Idyllen gebaut, der Weg zur Arbeit war kurz. Gerade in den Zeiten der großen Zuwanderung entstanden diese Reproduktionen von ländlichen Quartieren, in denen jede Bergarbeiterfamilie eine Art Reiheneigenheim bekam, mit eigenem Eingang, kleinem Stall für die Ziege und einem Selbstversorgergarten. Es sind noch einige dieser schönen Siedlungen erhalten, dazu gehören die Siedlung Eisenheim in Oberhausen, die Siedlung Welheim in Bottrop und die Siedlung Teutoburgia in Herne.

Grün

Auch diese Farbe gibt es im Ruhrgebiet wieder! Zwar wurde im Zuge der Industrialisierung die Landschaft dem Bergbau geopfert, aber innerhalb der Städte wurden die alten Stadtparks behütet. Die neuen Parks und Landschaften sind dort entstanden, wo sich der Bergbau zurückgezogen und fast leere Flächen hinterlassen hat. Mit der „Industrienatur“ sind hier Wälder entstanden, die zur Entdeckung einladen, die Halden sind zu luftigen Ausflugs- und Aussichtspunkten geworden, entlang von Rhein-Herne-Kanal und Emscher wurden Radwege gebaut.

Halde

Keine Erhebung im Ruhrgebiet ist natürlich. Bei den unvermittelt aufragenden, manchmal noch schwarzen, meist aber schon grünen „Bergen“ handelt es sich um Halden. Hier ist all das Gestein aufgetürmt worden, das bei der Kohleförderung automatisch mit ans Tageslicht kam. Es ist schwarzes Gestein, das noch einen geringen Kohleanteil hat. Nur teilweise wurde es zur Verfüllung von Schächten und Flözen genutzt. Einige der Halden sind künstlerisch inszeniert. Heute ist der Kohleanteil wegen der guten Trennverfahren gering, früher hat sich so manche Halde mit viel Kohleanteil entzündet.

Hüttenwerk

Ein Bergwerk bzw. eine Zeche ist immer gut zu erkennen an dem Förderturm oder Fördergerüst über dem Schacht, aus dem die Kohle zu Tage gefördert wurde. Bei einem Hüttenwerk wird es schon komplizierter. Hier stehen meist einige Hochöfen nebeneinander, eingebunden in bis zu 90 m hohe Rohrkonstruktionen.

Das Verhütten geht so: Mit Erzgemisch („Möller“) und Koks wird der Hochofen von oben befüllt. Aus Winderhitzern wird heiße Luft eingeblasen. Im unteren Teil des Ofens herrschen Temperaturen von 1700-2300 Grad, die dazu führen, dass im Inneren die Substanzen zu Roheisen verschmelzen. Nach Abstich des Ofens, etwa alle zweieinhalb Stunden, wird das flüssige Eisen in ein Rinnensystem geleitet, die Schlacke bleibt zurück und setzt sich ab. Beim Besuch eines Hüttenwerks ist dieser Abstich ein echtes optisches Highlight, denn wenn der Ofen unten geöffnet, also „abgestochen“ wird, fließt das Roheisen als rotgoldener, Funken sprühender Strom heraus.

Das Roheisen wird dann in sogenannten Torpedopfannenwagen weitertransportiert. Die äußere Form dieser Spezialfahrzeuge erinnert an ein riesiges Geschütz, innen sind die Wagen feuerfest ausgemauert, um das heiße Ladegut nicht abkühlen zu lassen und ein Durchschmelzen des Behälters zu verhindern. Endstation des Roheisens ist dann das Stahlwerk, wo durch die Zufuhr von Luft, das heißt durch Oxidieren, Stahl entsteht.

Krupp

Kein Konzern des Ruhrgebiets ist bekannter als Krupp. 1811 als Sieben-Mann-Betrieb in Essen gegründet, wurde aus diesen kleinsten Anfängen in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. ein Weltunternehmen für Spezialstahl, das sich mit Walzen, Eisenbahnbedarf, Panzerplatten und vor allem dem Bau von Kanonen einen geradezu legendären Ruf erwarb. Dieser Mythos geriet im 20. Jh. immer mehr ins Wanken, als Krupp für die Katastrophen der deutschen Geschichte mitverantwortlich gemacht wurde. Alfried Krupp, der Fünfte seiner Dynastie, verbrachte nach 1945 sechs Jahre in amerikanischer Haft, um der Firma anschließend fast wieder zu alter Bedeutung zu verhelfen. Mit seinem Tod 1967 endete die Tradition der Alleininhaber. Etwa zur gleichen Zeit begann für die stolzen Stahlkonzerne an der Ruhr die Dauerkrise, und ab diesem Zeitpunkt setzten erste intensive Maßnahmen zum Strukturwandel ein. Krupps Generalbevollmächtigter Berthold Beitz begleitet bis heute den Weg der Krupp-Stiftung - als wichtiger Ankerpunkt in Wirtschaft und Kulturförderung.

Landmarken

Was anderswo die Kirchtürme, Baumgruppen oder Berggipfel sind, das sind im Ruhrgebiet die Hinterlassenschaften der Industrie. Landmarken als feste Orientierungspunkte im dicht besiedelten, industriell geprägten Ruhrgebiet sind Halden, Fördertürme, Hüttenwerke, Schornsteine und Gasometer. Sie helfen, den unübersichtlichen Raum zu gliedern. Viele dieser Landmarken sind mit Mitteln der modernen Kunst bearbeitet worden: der „Landart“, der Skulptur, der Lichtplastik, der Klanginstallation. Sie prägen das unverwechselbare Gesicht der Region.

Lebensqualität

Nicht nur die „harten“ Rahmenbedingungen für ein angenehmes Leben im Revier - Grün und gute Luft - sind erfüllt, vielmehr sorgen auch Ausbildungs-, Freizeit- und Kulturangebote für eine Vielzahl von Annehmlichkeiten. Die Universitätslandschaft ist dicht. Revierparks, Radfahr- und Wandermöglichkeiten findet man direkt vor der Haustür. Und mit ihrer Kulturlandschaft behauptet sich die Region zwischen Dortmund und Duisburg selbstbewusst gegen die Rheinschiene mit Köln und dem nahen Düsseldorf. Für Freizeit- und Kulturaktivitäten werden die neu entstandenen Landschaften auf Zechenbrachen und die alten Gebäude der Industriekultur genutzt.

Route der Industriekultur

Sie macht es Individualreisenden leicht, die Highlights des Ruhrgebiets zu finden! 1999 wurde die Route der Industriekultur eingeweiht und war das erste touristische Produkt der Region. Sie verbindet auf einem 400 km langen Rundkurs Sehenswürdigkeiten aus 150 Jahren Industriegeschichte. Die Route besteht aus einem Kernnetz von 24 Ankerpunkten, die deutlich markiert und mit Informationstafeln versehen sind. In diesem System sind 25 Themenrouten ausgearbeitet, z.B die Route der Industrienatur, die Route der Landmarkenkunst, die Route der Großchemie und Energie und die Route Gärten und Parkanlagen.

An den einzelnen Ankerpunkten ist immer etwas los, das Veranstaltungsprogramm können Sie beim Besucherzentrum bestellen. Es befindet sich „auf Zollverein“. Hier erklären außerdem Präsentations- und Informationsmedien das Routensystem. Auch kann man sich hier auf virtuelle Reise begeben; eine CD-ROM und eine Übersichtskarte sind ebenfalls erhältlich. Besucherzentrum der Route der Industriekultur, Zeche Zollverein | Gelsenkirchener Str. 181 | Essen | www.route-industriekultur.de

Trinkhalle

Ob sie nun Trinkhalle, Büdchen, Verkaufshalle oder Kiosk heißen - die winzigen Läden gehören zum Revier wie die Currywurst zu den Pommes. In den ersten Trinkhallen vor über 100 Jahren genehmigten sich die durstigen Bergleute und Stahlkocher nach Schichtende beim Plausch eine Flasche Mineralwasser - Alkohol durfte nicht verkauft werden. Auch wenn die Zechen sterben - die Buden bleiben. Heute haben sie alles, von Lakritzen über Dosenmilch bis zu Kopfschmerztabletten, und vor allem immer geöffnet. Nirgends gibt es so viele Trinkhallen wie im Pott. Nicht immer sind sie schön, dafür aber originell. Und sie sind die Seelen der Nachbarschaft, manchmal auch die Brennpunkte des sozialen Lebens, an denen sich alltägliche Konsumgüter neben Sorgen und Träumen stapeln.